Quasi-Länderspielpause

Es ist mal wieder Länderspielpause, was an diesem Wochenende die 3. Liga ausnahmsweise nicht betrifft, den SV Wehen Wiesbaden aber schon, da der ursprünglich für Sonntag vorgesehene Gegner, Werder Bremens zweite Mannschaft, zwei Junioren-Nationalspieler abstellen muss und somit das Spiel zwischen SVWW und SVW verlegt werden musste. Die Partie wird erst nach Ostern, nämlich am Mittwoch, den 19. April ab 19 Uhr in der Brita-Arena ausgetragen. Das finde ich insofern ganz gut, weil das Spiel dadurch nicht mit Familienaktivitäten am Sonntag kollidiert und uns stattdessen ein Feierabend-Flutlichtspiel beschert, andererseits hängt man dann drei Wochen lang in der Tabelle ein bisschen hinterher und an einem Mittwochabend werden sicher noch weniger Gästefans kommen als ohnehin schon. Gut, letzteres ist eher zu vernachlässigen, bringt Bremen II doch auch sonst nicht viele Leute mit, und auch das vorübergehend schiefe Tabellenbild ist nicht ganz so dramatisch, da der SVWW aktuell erfreulicherweise sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze hat und somit auch mit einem Spiel Rückstand nicht sofort unter den Strich rutscht.

Ein handfester Vorteil der Spielverlegung ist allerdings, dass die Mannschaft dadurch statt nur zwei Tagen über eine Woche Vorbereitungszeit auf das Hessenpokal-Halbfinale am kommenden Mittwoch hat. Der Gegner TSV Steinbach ist als Regionalliga-Spitzenteam keinesfalls zu unterschätzen – wir erinnern uns an das Viertelfinale, als Steinbach den FSV Frankfurt mit 5:0 heimschickte – und die Bedeutung der Partie dürfte auch allen klar sein: mit einem Sieg und dem damit verbundenen Finaleinzug hätte man gute Chancen auf eine Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison. Europa League, Champions League, Klub-Weltmeisterschaft wären die logische Folge.

Ohne einen Sieg im Hessenpokal wäre das schon etwas schwieriger, denn bekanntlich muss man in der 3. Liga mindestens Vierter werden, um sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Das dürfte trotz der positiven Entwicklung der letzten Wochen und der relativ geringen Punkteabstände in der Tabelle dennoch ziemlich schwierig werden. Ich wäre mit einem möglichst frühzeitigen Klassenerhalt schon völlig zufrieden – und mit einem Hessenpokalsieg richtig glücklich.

In der Liga könnte man in den nächsten drei Heimspielen theoretisch schon alles klar machen, denn mit Münster, Erfurt und Bremen kommen drei direkte Konkurrenten in die Brita-Arena. Drei Siege aus diesen Begegnungen und man hätte nicht nur den Platz vor diesen Teams gefestigt, sondern mit dann 44 Punkten den Ligaverbleib so gut wie sicher, zumindest hat diese Punktzahl in allen bisherigen Drittligasaisons gereicht.

Möglicherweise reicht auch viel weniger, denn zur Zeit liest man ungefähr im Wochenrhythmus von ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten bei diversen Vereinen der 3. Liga. Aalen, Paderborn, Erfurt, Frankfurt, und wer weiß, wer sich noch dazugesellt. Ob und welche Konsequenzen das jeweils haben wird, ist noch nicht klar (nur gegen Aalen gab es bisher wegen der Planinsolvenz einen Abzug von 9 Punkten, gegen den aber Einspruch eingelegt wurde und den Peter Vollmanns Mannschaft mittlerweile auch schon wieder aufgeholt hat), aber es würde mich nicht wundern, wenn am Ende ein sportlich eigentlich gerettetes Team trotzdem absteigen müsste.

Aus SVWW-Sicht sollte uns das aber nur am Rande interessieren, da seit dem Amtsantritt von Rüdiger Rehm nicht nur die Punkteausbeute sehr erfreulich ist (was zwar zunächst das Allerwichtigste ist, keine Frage), sondern man auch das gute Gefühl hat, dass es voran geht, dass konsequent an Taktik und Spielweise gearbeitet wird, ja, dass es eine realistische Perspektive gibt, sich nächste Saison wieder etwas nach oben zu orientieren. Diese Zuversicht habe ich nicht nur durch Beobachten des Geschehens auf dem Platz, denn am Dienstag durfte ich Rehm aus der Nähe “erleben” und ihm zuhören. Sonja hatte per Instagram-Verlosung zwei Plätze im “Kabinentalk” gewonnen und mich freundlicherweise zu dieser Veranstaltung mitgenommen. Im ersten Teil plauderten Rehm und Sportdirektor Christian Hock, befragt von Pressesprecher Daniel Mucha, über das “Innenleben” einer Mannschaftskabine, also wie es da so am Spieltag zugeht usw., angereichert durch Vergleiche aus ihrer jeweiligen Zeit als Fußballprofi und ihrer heutigen Perspektive in anderer Funktion. Das war schon mal sehr interessant und unterhaltsam, aber noch spannender fand ich den zweiten Teil, in dem Rehm, unterstützt durch Videoanalyst Paul Fernie, vorführte, wie die Gegnervorbereitung mittels Videoanalyse abläuft. Als konkretes Beispiel wurde die Vorbereitung für das Spiel in Duisburg gewählt. Als interessierter Fußballfan kennt man sowas ja zumindest theoretisch, aber es dann mal ganz konkret gezeigt zu bekommen, welche Informationen den Spielern vermittelt werden und wie das durch entsprechende Videosequenzen unterfüttert wird, war hochinteressant. Rehm ist ganz offensichtlich ein intensiver Nutzer dieser Möglichkeiten (was ihn anscheinend von seinen Vorgängern unterscheidet), die ihm durch dieses Werkzeug geboten wird. Über die Arbeit von Paul Fernie ist aktuell auch ein Artikel im WK zu lesen. Jedenfalls bekommt man bei Rehms Ausführungen ganz klar den Eindruck, dass er nicht nur weiß, was er will, sondern auch wie er und seine Mannschaft das erreichen kann.

Am Donnerstag gab es ein Testspiel gegen den Oberligisten TSV Schott Mainz, zu dem vermutlich zuvor kein Videostudium durchgeführt wurde, stand die Partie doch in erster Linie unter dem Motto, den Spielern aus der (momentan) zweiten Reihe Spielpraxis zu verschaffen. Diverse zuvor verletzte Spieler gaben ihr Comeback (Bulut, Nyarko, Mayer) und Patrick Breitkreuz spielte zum ersten mal überhaupt im Trikot des SVWW. Der Endstand von 3:0 ist eher nebensächlich, aber dass Bangert, Mayer und Bulut getroffen haben, ist natürlich positiv.

Kein Comeback wird es von Christian Cappek geben, der erneut an der Patellasehne operiert werden muss und deshalb seine Karriere mit 26 Jahren als Sportinvalide beenden muss. Cappek kam in der Winterpause der vergangenen Saison, wurde dreimal eingewechselt und war seitdem wieder verletzt. So gesehen hält sich der sportliche Verlust für den Verein in Grenzen, aber für ihn persönlich tut mir das schon sehr leid. Den Berichten nach zu urteilen blickt er aber recht optimistisch in die Zukunft und bereitet sich auf sein Leben nach der Profikarriere vor – ich wünsche alles Gute!

Wer es nicht bis zur nächsten Folge Niemals Erste Liga aushält, sollte sich die aktuelle Ausgabe des Nur der FCM! Podcast anhören, in der Sonja und ich über die Partie in Magdeburg und den SV Wehen Wiesbaden im Allgemeinen berichten dürfen.

Das Glück des Tüchtigen

3. Liga, 28. Spieltag1. FC Magdeburg – SV Wehen Wiesbaden 0:0

Das Spiel in maximal fünf Worten: Hart erarbeiteter, etwas glücklicher Punktgewinn.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Sebastian Mrowca durfte nach seinen zwei Kurzeinsätzen zum ersten Mal wieder von Beginn an spielen, er ersetzte den gelbgesperrten Patrick Funk. Kevin Pezzoni kehrte nach Gelbsperre zurück und Luca Schnellbacher übernahm Jules Schwadorfs Platz in der Startelf, wodurch David Blacha nach rechts rückte. Zu Beginn hatte der SVWW noch etwas Mühe, sich zu sortieren, kam aber nach einer Weile besser in die Partie und hatte das Geschehen defensiv recht ordentlich im Griff. Magdeburg versuchte es mit Distanzschüssen, die aber nicht wirklich gefährlich wurden. Die besten Chancen der ersten Halbzeit hatten sogar die Gäste: zunächst Blacha mit Lattentreffer nach abgewehrtem Freistoß und später nochmal Blacha nach scharfer Hereingabe von Lorenz, aber, bedrängt vom Gegenspieler, knapp am Tor vorbei. Eine Wehener Führung wäre zur Pause nicht mal unverdient gewesen. In der zweiten Halbzeit spielte sich das Geschehen weiterhin in der Hälfte der Gäste ab, der SVWW verteidigte weiter gut, kam aber nicht mehr zu Entlastungsangriffen. Nachdem der FCM in der 75. Minute die bis dahin größte Chance vergab, bekam Magdeburg kurz vor Schluss mal wieder einen Strafstoß (mit zwölf Elfmetern ist der FCM deutlicher Spitzenreiter in dieser Kategorie). Im Gegensatz zu den beiden letzten Partien, als jeweils ein verwandelter Strafstoß für einen 1:0-Sieg sorgte, traf Weil diesmal nicht, da Markus Kolke den gar nicht mal so schlechten Schuss parieren konnte. Es blieb beim 0:0 und somit einem erneuten Punktgewinn für den SVWW gegen ein Spitzenteam.

Liebling des Spiels: Na klar, Markus Kolke.

Szene des Spiels: Na klar, der sensationell abgewehrte Elfmeter. Wobei auch Blachas Schuss an die Latte sehr sehenswert war und ein Tor verdient gehabt hätte.

Vor dem Spiel: Ungewissheit. Kehrt der SVWW zur Stabilität in der Defensive zurück oder war die Niederlage gegen Mainz der Beginn einer neuen schlechten Phase?

Nach dem Spiel: 

Das fiel auf:
+ Defensive Grundordnung und Zweikampfstärke waren wiederum die Basis für den Punktgewinn.
– Zu wenig Entlastung, die wenigen Kontermöglichkeiten wurden meistens durch relativ leichte Ballverluste im Ansatz vergeben.
+/- Mrowca hat nichts von seiner Bissigkeit verloren, ist aber teilweise zu ungestüm im Zweikampf – blöd, wenn das im eigenen Strafraum geahndet wird.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Nur der FCM

Zuschauer: 15.338, davon knapp 20 Gästefans.

Tabelle: Der SVWW hat nun 35 Punkte und liegt damit auf Tabellenplatz 13 (zumindest bis heute Abend, dann könnte Rostock wieder vorbeiziehen). Der Abstand auf Platz 18 beträgt jetzt sieben Punkte, was einen zumindest kurz durchschnaufen lässt.

Vergleich zur Hinrunde: Im Gegensatz zum 0:3 im Hinspiel ist diesmal ein Punkt rausgesprungen, der SVWW liegt nun einen Punkt über Soll. (Zur Erinnerung, was diese Kategorie soll: Ich kalkuliere damit, dass 41 Punkte zum Klassenerhalt genügen und der SVWW deshalb nach 20 Punkten in der Hinrunde mindestens einen Zähler mehr in der Rückrunde holen muss.)

Serien und Rekorde:

  • Auch im vierten Versuch gelingt dem SVWW kein Treffer gegen Magdeburg.
  • In 2017 ist der SVWW auswärts noch unbesiegt.
  • Kolke schon mit dem vierten parierten Elfmeter in dieser Saison, nur einer ging direkt rein (und einer im Nachschuss).

Ansonsten: Am Mittwoch wird Sonja das NEL-Team im “Nur der FCM”-Podcast vertreten und über das Spiel diskutieren. Hört mal rein!

Nächstes Spiel: Die ursprünglich für kommenden Sonntag angesetzte Partie gegen Werder Bremen II wurde auf Mittwoch, den 19. April verlegt, da die Bremer zwei Spieler zu Länderspielen abstellen. In der Liga geht es dadurch erst am übernächsten Sonntag gegen Preußen Münster weiter. Am Mittwoch zuvor (29. März, 19 Uhr) steht aber zunächst das Halbfinale im Hessenpokal beim TSV Steinbach (in Haiger) an. In der Regionalliga Südwest ist Steinbach aktuell Dritter und hat noch Chancen auf die Aufstiegsrelegation. Bereits in der letzten Saison traf der SVWW im Hessenpokal auf den TSV Steinbach und kam nur mit Mühe weiter. Auch das Finale fand später dort statt – das Sportzentrum Haarwasen ist also nicht unbedingt unser Lieblingsplatz.

Kleiner Rückfall

3. Liga, 27. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – 1. FSV Mainz 05 II 0:2

Das Spiel in maximal fünf sechs Worten: Verdiente Niederlage nach grottiger erster Halbzeit.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Aufgrund Andrichs Verletzung und Pezzonis Gelbsperre, war Rüdiger Rehm gezwungen, auf der Doppelsechs neben Niklas Dams etwas Neues auszuprobieren. Die Wahl fiel auf Michael Vitzthum und das war leider nicht Rehms beste Idee. Mit wenig Spielpraxis auf ungewohnter Position war Vitze keine Hilfe, aber auch seine Mitspieler erwischten überwiegend einen gebrauchten Tag, zumindest in den ersten 45 Minuten. Zu weit weg von den Gegenspielern, viele leichte Ballverluste – so machte man es den Gästen leicht, das Spiel in der ersten Halbzeit zu dominieren. Gleich der erste Eckball brachte nach fünf Minuten die Führung für Mainz, nach einer halben Stunde dann noch ein direkt verwandelter Freistoß zum 0:2, während der SVWW seinerseits kaum einmal überhaupt in die Nähe des gegnerischen Strafraums kam. Zur zweiten Hälfte kam Schnellbacher für Vitzthum ins Spiel, Blacha rückte dafür nach hinten, aber vor allem stimmte jetzt wieder die Leidenschaft. Der SVWW deutlich druckvoller, wenn auch ohne richtig zwingende Chancen, während Mainz die Führung ordentlich verteidigte und durch den einen oder anderen Konter längst den Deckel hätte drauf machen können. Erst in der 85. Minute musste der Gästetorwart nach Ruprechts Kopfball eine Glanzparade zeigen – insgesamt zu wenig, um dem Spiel nochmal eine Wendung zu geben.

Liebling des Spiels: Da bot sich diesmal leider niemand an, selbst Kolke wirkte ein paar Mal etwas unsicher.

Szene des Spiels: 65. Minute, Schwadorf will sich schon seit Minuten wegen Verletzung auswechseln lassen und humpelt nur noch herum, aber es gibt einfach keinen Einwurf, Eckball oder Freistoß – bis schließlich der Schiedsrichter ein Einsehen hat und das Spiel unterbricht, um den Wechsel zu ermöglichen.

Vor dem Spiel: Endlich mal die verbliebenen Mitglieder der Taunus Torpedos getroffen.

Nach dem Spiel: Gab es trotzdem Applaus für die Mannschaft, den sie sich für die zweite Halbzeit und vor allem für die letzten Spiele auch verdient hatte.

Das fiel auf:
– Die erste Halbzeit erinnerte an die Spätphase unter Torsten Fröhling: hinten löchrig, vorne harmlos.
+/- Die zweite Halbzeit sah wieder nach Fußball aus, auch wenn vorne die Durchschlagskraft fehlte.
– Viele lange, hohe Bälle auf Schäffler – falls das die Vorgabe war, hat sie nicht funktioniert.
– Mal wieder typisch: Kaum, dass sich ein Hauch Euphorie rund um den SVWW verbreitet und auch mal ein paar Leute ins Stadion kommen, die schon länger nicht mehr da waren, gibt’s einen auf den Deckel.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 2.652, davon etwa 250 Gästefans.

Tabelle: Der SVWW rutscht auf Platz 15 bzw. 16 zurück (je nach Aalens Punktabzug), behält aber sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze.

Vergleich zur Vorrunde: Die 05er revanchieren sich fürs Hinspiel, der SVWW liegt in meiner Kalkulation wieder genau im Soll.

Serien und Rekorde: Der erste Punktverlust unter Rüdiger Rehm. In dieser Saison bereits die sechste Heimniederlage – in der gesamten letzten Saison gab es nur drei. In der 3. Liga noch kein Heimsieg gegen Mainz 05 II.

Ansonsten: 

Nächstes Spiel: Am kommenden Sonntag geht es zum Tabellenzweiten 1. FC Magdeburg. Die – nach eigenem Verständnis – “Größten der Welt” sind im zweiten Jahr nach dem Aufstieg im Begriff, in die 2. Bundesliga durchzustarten; am Dienstag gab es einen Last-Minute-Sieg in Bremen. Im Hinspiel ging der SVWW mit 0:3 baden.

Langsam wird’s unheimlich

Für stehblog.de berichtet Niklas aus der Schauinsland-Reisen-Arena.

3. Liga, 26. SpieltagMSV Duisburg – SV Wehen Wiesbaden 0:1 (Tor: Blacha)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Unerwartet deutlicher Punktgewinn.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Beide Mannschaften fingen recht energisch aber fair an, spielten hauptsächlich schnell nach vorne. Duisburg hatte mehr Ballbesitz, konnte aber nicht viel daraus machen. Im Abschluss vor dem Tor waren allerdings beide Teams recht schwach. Der MSV versuchte mehr, kam aber nicht wirklich zu Torchancen und ging insgesamt nicht besonders kreativ vor, sodass Torwart Kolke in der ersten Hälfte nicht viel zu tun hatte. Der SVWW konzentrierte sich mehr auf die Defensive und einzelne Nadelstiche und tat dies auch recht erfolgreich. Etwas besorgniserregend war die Präzision und Effektivität bei den Standards, ein Freistoß ging mal wieder direkt ins Seitenaus. Vor der Halbzeitpause versuchten Schwadorf und Schäffler den SV Wehen in Führung zu bringen, scheiterten aber am Duisburger Torwart. Nach dem überraschenden Tor durch Blacha in der 52. Minute gewannen die Gäste deutlich an Ruhe und die Duisburger an Nervosität. Besonders im zweiten Durchgang wurden die Duisburger Anhänger mit ihrer Mannschaft unzufrieden und nach einem Foul von Onuegbu (für das er zu Recht Gelb sah) blieb es nicht nur bei Pfiffen, sondern es flog auch der ein oder andere Pappbecher von den Sitzplätzen. Torwart Kolke gab sich nach einer Parade zum Schluss nicht unbedingt Mühe den Ball wieder schnell ins Spiel zu bringen, weswegen er noch die gelbe Karte zu sehen bekam.

Liebling des Spiels: Insgesamt eine ziemlich gute Leistung der gesamten Mannschaft, weswegen man keinen Spieler besonders hervorheben will.

Szene des Spiels: Natürlich das Tor von David Blacha nach schöner Vorarbeit von Alf Mintzel und Marc Lorenz.

Vor dem Spiel: Mussten die Gästefans erstmal die Kasse suchen – die recht weit vor dem Eingang zum Block versteckt wurde – und wären mit einem Punkt schon hoch zufrieden.

Nach dem Spiel: Waren die Gästefans nach einem schönen Tor und guter kämpferischer Leistung sehr zufrieden über die unerwarteten drei Punkte beim deutlichen Tabellenführer.

Das fiel auf:
+ gut gekämpft und verteidigt
+ auch nach dem Tor ließ die Mannschaft nicht nach
– schlechte Verwertung der Standards

Das schreiben die anderen: WK, kickerhessenschau (mit Video), WAZ, Zebrastreifenblog

Zuschauer: 12.181, davon etwa 60-70 Wehener.

Tabelle: Mit nunmehr 34 Punkten klettert der SVWW auf Platz 12 (bzw. Platz 11, wenn es beim 9-Punkte-Abzug für Aalen bleibt). Der Abstand auf Platz 18 beträgt jetzt sechs Punkte – und der Rückstand auf Platz 3 ebenfalls.

Vergleich zur Vorrunde: Der SVWW wiederholt seinen Coup aus der Vorrunde und liegt weiterhin drei Punkte über Soll.

Serien und Rekorde: Viertes Spiel unter Rehm, vierter Sieg, zum dritten mal ohne Gegentor. Insgesamt der 100. Sieg in der Dritten Liga und damit wieder eine ausgeglichene Bilanz (100 Niederlagen, 92 Unentschieden).

Ansonsten: Nach dem VfR Aalen haben auch der SC Paderborn und RW Erfurt mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Es ist aktuell noch nicht absehbar, welche Konsequenzen das haben wird, aber im Extremfall könnte es diese Saison keine rein sportlichen Absteiger aus der Dritten Liga geben.

Nächstes Spiel: Bereits am kommenden Mittwoch um 19 Uhr in der Brita-Arena gegen den 1. FSV Mainz 05 II. Die Mannschaft von Trainer Sandro Schwarz ist zwar immer noch Tabellenletzter, hat aber in der Rückrunde schon ebenso oft gewonnen wie in der Vorrunde (jeweils dreimal) und kämpft weiterhin um den Klassenerhalt. Am Samstag gab es ein 0:1 zuhause gegen Werder Bremen II, in der Hinrunde gewann der SVWW mit 2:1 am Bruchweg.

Bayerndusel in der Brita-Arena

3. Liga, 25. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – VfL Osnabrück 2:1 (Tore: Ruprecht, Schäffler)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Grandioses Spiel.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Der SVWW begann enorm druckvoll und kam umgehend zu Chancen, von denen Schäffler die beste vergab, als er nach zwei Minuten nur den Pfosten traf. Schon nach zehn Minuten war Osnabrück nach einer Notbremse an Schwadorf in Unterzahl, war in der Folge aber erst mal besser sortiert als in der wilden Anfangsphase. Mitte der ersten Halbzeit kamen die Gäste erstmals in den gegnerischen Strafraum, die Flanke köpfte Mockenhaupt an den Pfosten, Kolke wischte den Ball noch vom Tor weg, aber der Osnabrücker Heider lauerte am Torraumeck und verwandelte zur überraschenden Führung. Der SVWW ließ sich aber nicht lange beirren, drückte weiter aufs Gas und kam zu Torgelegenheiten, die aber entweder vom sehr guten Gästetorwart vereitelt wurden oder – wie von Schäffler kurz vor der Pause – nicht aufs Tor gingen. Direkt nach Wiederanpfiff hätte Osnabrück beinahe mit der zweiten Chance die Führung ausgebaut, aber Kolke parierte glänzend. Danach ging das Spiel nur noch in eine Richtung, aber die Kugel wollte einfach nicht ins Tor. Eine Viertelstunde vor Schluss musste schließlich ein Strafstoß zum Ausgleich herhalten. Blacha war gefoult worden, Ruprecht verwandelte gewohnt sicher. Die Gastgeber drängten auf den Siegtreffer, Flanke um Flanke flog in den Strafraum, aber Gästekeeper Gersbeck hielt seine Mannschaft im Rennen – bis zur letzten Minute der regulären Spielzeit, als er bei einem Kopfball von Schäffler machtlos war. Der verdiente Lohn für neunzig Minuten Vollgasfußball.

Liebling des Spiels: Stellvertretend sowohl für eine tolle Mannschaftsleistung als auch für seine individuell sehr guten Auftritte der letzten Wochen möchte ich diesmal Marc Lorenz hervorheben.

Szene des Spiels: 48. Minute, einer von vielen energischen Angriffen des SVWW, der aufgerückte Alf Mintzel zieht ab und trifft die Unterkatte der Latte, von wo der Ball an den Innenpfosten und wieder ins Feld fliegt. Leider kein Treffer, aber verdient hätte er es allemal.

Vor dem Spiel: Hatte ich eigentlich kein gutes Gefühl, aber das lag dann wohl mehr am aufkommenden Pollenflug als an dem, was auf dem Platz folgen sollte.

Nach dem Spiel: Tolles Spiel, Siegtor in der letzten Minute, da kann man schon mal leicht euphorisiert das Stadion verlassen.

Das fiel auf:
+ Torchancen in einer Anzahl, die eigentlich für drei Spiele reichen würde
– Bei besserer Chancenverwertung hätte man die Partie allerdings schon viel früher entscheiden können.
+ Aber so ein Last-Minute-Sieg ist aus psychologischer Sicht wahrscheinlich sogar wertvoller.
+ Überhaupt die Psychologie: Noch vor ein paar Wochen wäre das Spiel wohl verloren worden.
+/- Interessant auch, dass der SVWW in den ersten zehn Minuten spielte, als hätte man einen Mann mehr auf dem Platz, aber in der Zeit zwischen Platzverweis und 0:1 konnte man die tatsächliche Überzahl nicht erkennen.
+ Luca Schnellbacher und Sebastian Mrowca gaben nach Verletzung ihre Comebacks (Mrowca nach zehn Monaten!), Kevin Pezzoni konnte nach seiner Erkrankung wieder durchspielen – gut, dass der Trainer wieder mehr personelle Möglichkeiten hat, auch wenn es aktuell eine recht klare erste Elf gibt.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, hessenschau (mit Video), NOZ

Zuschauer: 2.192, davon ca. 350 Gästefans und ein paar englische Groundhopper. Wenn sich die guten Leistungen der letzten Partien herumsprechen, kommen demnächst hoffentlich auch wieder mehr Zuschauer ins Stadion.

Tabelle: Der SVWW klettert auf Platz 14 und – viel wichtiger – hat immerhin schon mal drei Punkte Vorsprung auf Platz 18.

Vergleich zur Vorrunde: Das Hinspiel hatte der SVWW verloren, hat also nun drei Punkte gutgemacht und liegt jetzt auch drei Punkte über der Zielmarke.

Serien und Rekorde:

  • Das erste mal in dieser Saison, dass Wehen nach einem Rückstand noch gewinnen konnte.
  • Drei Siege in Folge gab es zuletzt im September 2014.
  • Steven Ruprecht hat alle seine vier Elfmeter für den SVWW verwandelt (einer in der letzten, drei in der aktuellen Saison).
  • Sascha Mockenhaupt ist im Trikot des SVWW noch ungeschlagen.

Ansonsten: Drüben bei der hessenschau gab es kürzlich ein ganz interessantes Interview mit Rüdiger Rehm (auch die Audios anhören!).

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag in Duisburg beim unangefochtenen Spitzenreiter. Der MSV hat zwar heute nur 0:0 in Bremen gespielt, ist aber klar auf Wiederaufstiegskurs. Einen Punktgewinn sollte man nicht unbedingt erwarten, aber vor dem Hinspiel hatte auch keiner damit gerechnet, dass Wehen 3:0 gewinnt.