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SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Stehblog - SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Zehn oder gehen

3. Liga, 24. SpieltagSV Werder Bremen II – SV Wehen Wiesbaden 1:0

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Nichts vom Spiel gesehen, nur den Ticker verfolgt und Spielberichte nachgelesen. Das könnt Ihr bei Bedarf selbst tun, deshalb hier nur die Kurzzusammenfassung: der SVWW hat anscheinend ordentlich gespielt und einige gute Chancen gehabt, nutzt aber keine und verliert schließlich das Spiel. Es hätte das zehnte Spiel in Serie ohne Niederlage werden können oder auch das fünfte Zu-Null hintereinander – nun gut, dann muss halt eine neue Serie gestartet werden.

Zuschauer: 490, darunter das übliche Dutzend Gästefans.

Tabelle: Der SVWW nun wieder mit absolut ausgeglichener Bilanz: 6 Siege, 6 Niederlagen, 12 Unentschieden, 27:27 Tore. Macht 30 Punkte und Platz 10.

Ansonsten: Die zum Saisonende auslaufenden Verträge von Nils-Ole Book und Patrick Funk wurden jeweils um zwei Jahre verlängert. Außerdem wurde das Hessenpokal-Halbfinale beim FC Ederbergland auf den 24. März terminiert.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag um 14 Uhr gegen den Chemnitzer FC. Ronny König und Kollegen liegen aktuell mit 28 Punkten auf Rang 14, haben aber ein Spiel weniger absolviert. Zuletzt gab es ein 0:0 gegen Magdeburg, davor zwei Niederlagen gegen Kiel und Rostock. Das Hinspiel gewannen die Sachsen mit 1:0. Beim SVWW wird Book aufgrund seiner fünften gelben Karte fehlen.

Liebster Award (Double Feature)

Mir wurden Stöckchen zugeworfen, freundlicherweise nicht zwischen die Beine, dafür aber gleich von zwei Seiten. Es handelt sich um ein sogenanntes Blogstöckchen, was so eine Mischung aus Freundebuch und Kettenbrief ist, kennt man ja noch aus der Grundschule, aber zur maximalen Verwirrung heißt das dann „Award“, was wiederum an das Web der frühen Nuller Jahre erinnert. Völlig egal, es geht um Fußball, ist also prinzipiell schon mal gut.

Bevor ich antworte vielleicht noch eine kurze Erklärung zu meinem Fan-Dasein, da sich möglicherweise der eine oder andere Leser zum ersten Mal hierher verirrt. Ich bin Bayern-Fan seit Grundschulzeiten und außerdem, seit vor fast neun Jahren plötzlich ein Profiverein vor meiner Haustür auftauchte, auch Anhänger des SV Wehen Wiesbaden.

Und nun geht es los mit den Fragen von Trainer Baade:

1. Wieviel Zeit widmest Du dem Bloggen und wie wählst Du Themen aus?

Das Ding hier ist ja im Wesentlichen ein Blog zum SV Wehen Wiesbaden, sodass die Inhalte ganz überwiegend Kommentare zu Spielen und dem sonstigen Geschehen rund um den SVWW sind. Ganz ab und zu schaffe ich es mal zu einem Spiel im Ausland, beispielsweise mit dem FC Bayern in der Champions League oder im Urlaub, was ich dann auch gerne als Anlass für einen Artikel nehme.

Die investierte Zeit ist stark abhängig davon, wieviel Zeit mir Beruf, Familie und andere Themen aus dem richtigen Leben übriglassen. Da gibt es manchmal sehr dürre Monate, dafür ist es in anderen entspannter und es bleibt auch mal Zeit für Fragebögen wie diese hier. Im Durchschnitt dürften es wohl zwei bis drei Stunden pro Woche sein.

2. Was sind die – sagen wir mal drei – schönsten Momente, die Dir das Bloggen beschert hat?

Generell ist es schön, wenn man merkt, dass tatsächlich jemand das liest, was ich hier schreibe und das im Idealfall sogar gerne. Die Zielgruppe ist ja eher überschaubar. Direktes Feedback ist eher selten, aber im SVWW-Forum, wo die Artikel automatisch einlaufen, gibt es zuweilen etwas Resonanz. Einmal hat mich jemand im Stadion an meinem Trikot-Aufdruck erkannt und sich sehr erfreut gezeigt, und kürzlich bekam ich von einem zuvor Unbekannten ein Bier ausgegeben als kleines Dankeschön, weil er gerne meinen Blog liest. Alles keine großen Sachen, aber es ist einfach nett, dass man nicht nur in den luftleeren Raum ruft.

3. Welcher Spieler hat Dich begeistert/geprägt?

Bei Bayern gab es ja schon immer tolle Spieler in großer Anzahl, was sicherlich enorm zur Fan-Werdung im Alter von 6, 7 Jahren beigetragen hat. Karl-Heinz Rummenigge und Jean-Marie Pfaff waren meine ersten „Helden“, aber es gab eigentlich immer so viele, dass ich mich nie für den einen Lieblingsspieler entscheiden konnte. Der erste, der mich so begeistert hat, dass ich mir ein Trikot mit seinem Namen schenken ließ, war Arjen Robben. Beim CL-Sieg 2013 hat mich fast genauso wie der Sieg selbst die Tatsache gefreut, dass Arjen das entscheidende Tor erzielte, nach all dem, was in der Vorsaison passiert war.

4. Bitterster Moment mit Deinem Verein?

Mit Bayern natürlich Barcelona ’99 und das „Finale dahoam“ 2012. Bei beiden Spielen war ich im Stadion und mehr muss man wohl nicht sagen.

Mit Wehen war der Abstieg aus der 2. Liga zwar schade, aber da es schon die ganze Saison absehbar war und frühzeitig feststand, gab es eigentlich nicht den bittersten Moment. Kulminiert auf ein Spiel war der letzte Spieltag 2011 vielleicht die größere Enttäuschung, als Wehen zwischenzeitlich Dritter war, aber Dresden parallel doch noch der Siegtreffer in Offenbach gelang und am Ende den einen Punkt Vorsprung behielt und schließlich in der Relegation aufstieg.

5. Ist die Bayern-Dominanz in der Bundesliga aus den Fugen geraten, wird es in den nächsten Jahren dauerhaft langweilig, was die Meisterschaft angeht? Stört Dich das?

Die letzten Jahre war es schon sehr extrem, das stimmt, aber nichts ist für die Ewigkeit. Dortmund könnte nächste Saison wieder auf Augenhöhe sein und wenn es mit der Verletzungsmisere bei Bayern so weitergeht, wird vielleicht auch das Titelrennen in dieser Saison noch spannend.

Mich persönlich stört weniger der Punkteabstand, sondern die Diskrepanz der Spielweisen. Die meisten Bundesligateams wollen den Ball ja überhaupt nicht haben und das nicht nur in den Spielen gegen Bayern. Wenn sie ihn dann mal haben, wird mit maximalem Tempo nach vorne gespielt, was im Idealfall spektakulär ist, meistens aber recht schnell mit einem Fehlpass endet. Das hat dann auch nur begrenzt mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten zu tun (ja, den Zusammenhang mehr Geld -> bessere Spieler -> weniger Fehlpässe gibt es sicher auch), sondern vor allem mit Themen wie Spielidee, Training usw.

6. Wie schaust Du Fußball im TV?

Zuhause auf dem Sofa, in den allermeisten Fällen alleine. Bei Spielen, die mich wirklich interessieren (das sind Pflichtspiele von Bayern, Wehen – wenn die mal übertragen werden – und der deutschen Nationalmannschaft), kann ich es überhaupt nicht brauchen, wenn jemand neben mir die ganze Zeit schlau daher quatscht. Kneipe oder gar Public Viewing scheidet deshalb völlig aus. Wenn ich mal mit Kumpels zusammen schaue, dann nur mit solchen, von denen ich weiß, dass sich ihre Kommentare nur auf das Spiel beziehen und eine gewisse Substanz haben.

7. Hast Du einen Zweitverein? Wenn ja, welchen und warum?

Wie bereits erwähnt ist der SVWW mein Zweitverein. Support your local team und so.

8. Was ist Deine Meinung zu den Plastikklubs und dem Bashing derselben?

Puh, ein weites Feld, da könnte man sehr lange und in vielen Facetten drüber diskutieren. Prinzipiell finde ich es nicht schlimm, wenn sich Firmen oder vermögende Einzelpersonen engagieren, anders würde es viele Vereine auch überhaupt nicht geben. Und wenn man ehrlich ist, es so zu machen wie Dietmar Hopp ist doch der feuchte Traum eines Fußballfan: man kommt zu großem Reichtum und befördert den Dorfverein, für den man einst als Jugendlicher selbst kickte, bis in die Bundesliga. Dass ich Hoffenheim trotzdem nicht sonderlich mag, hat andere Gründe, genau wie bei RB Leipzig, aber die geben wenigstens ihr eigenes Geld aus. Da nervt mich schon eher, wenn die Misswirtschaft mancher „Traditionsvereine“ immer und immer wieder durch den Einsatz von Steuergeldern repariert wird (ich denke da beispielsweise an Kaiserslautern).

Überhaupt der Begriff Tradition. Natürlich ist so etwas ein wichtiges Identifikationsmerkmal und natürlich entsteht sowas nur über einen langen Zeitraum mit Höhen und Tiefen, aber auch die sogenannten Plastikklubs können eine Tradition erwerben. Man denke nur mal an den KFC Uerdingen, der heute ja wie ein gefallener Traditionsclub wahrgenommen wird (wie, sagen wir mal, Rot-Weiß Essen), zu Bundesligazeiten als Bayer Uerdingen aber auch „nur“ ein Werksverein war.

9. Schönstes Stadion Deutschlands?

Ich gehöre nicht zu den Stadionnostalgikern, denen beim Gedanken an bröckelnde Betonstufen und vermoosten Pinkelrinnen gleich die Hose spannt. Für mich muss ein Stadion zunächst mal gute Sicht bieten und darf dann idealerweise auch noch architektonisch interessant sein. Überdachte Tribünen finde ich als Komfortfeature auch nicht unerheblich. Das Münchner Olympiastadion ist mit seinem Zeltdach auch heute noch wunderschön, war aber zum Fußballgucken, zumal bei schlechtem Wetter, einfach Mist. Das Westfalenstadion ist natürlich vor allem dank der gewaltigen Südtribüne beeindruckend, aber ich mag auch das Frankfurter Waldstadion, was durch das Dach eine gewisse Luftigkeit bekommt. Die Allianz-Arena ist von außen spektakulär, von innen mit dem vielen Sichtbeton eher fad, aber man hat trotz der Größe eigentlich von überall gute Sicht.

10. Rotwein oder Flaschenbier?

Beim Fußball? Natürlich Bier. Zuhause Flasche, auf dem Weg zum Stadion eher Dose und im Stadion zwangsweise Plastikbecher, aber auf jeden Fall Bier.

Ohne Fußball trinke ich auch gerne mal ein Glas Wein, dann aber eher weißen als roten, hier liegt schließlich der Rheingau direkt vor der Tür.

11. Schönstes Trikot ever (nicht unbedingt von Deinem Verein)?

Generell mag ich es eher schlicht, also uni oder maximal zweifarbig, dann gerne mit Längsstreifen. Sehr schön finde ich beispielsweise das Bayern-Trikot von 1969, denn damals war auch noch keine Werbung drauf, die den Wiedergänger von 2010 etwas entstellt. Gut gefällt mir auch die peruanische Nationalmannschaft mit dem schrägen Streifen, das hat man nicht oft.

Und da ich es so lange verbummelt hatte, die obenstehenden Fragen zu beantworten, kam das Stöckchen nochmal mit anderen Fragen vorbei, diesmal vom Paderborn-Blog Schwarz und Blau:

1. Fährst du zu Auswärtsspielen? Falls ja, wie sieht eine typische Auswärtsfahrt für dich aus?

Bei Bayern bestelle ich jede Saison für alle Bundesliga-Auswärtsspiele Karten, habe aber das letzte Mal 2012 auch tatsächlich welche bekommen. In der Champions League versuche ich, wenigstens ein Auswärtsspiel pro Saison mitzunehmen, aber das sind dann immer Einzelerlebnisse, sodass man nicht von typischen Auswärtsfahrten sprechen kann.

Mit dem SVWW fahre ich fast nie auswärts, obwohl es dort keine Ticketproblematik gibt. Aber zwischen den SVWW-Heimspielen, den gelegentlichen Stadionbesuchen mit Bayern und viel Fußball im TV kann und will ich die Geduld meiner Familie nicht überstrapazieren.

2. Was war dein schönstes Erlebnis bei einem Auswärtsspiel?

Wenn man mal von den jeweiligen Spielen bzw. den Ergebnissen selbst absieht, war die Reaktion der Roma-Fans nach dem 1:7 sehr beeindruckend. Schön fand ich auch bei meinem Besuch im Bochumer Ruhrstadion, dass man dort als Bayern-Fan nicht bepöbelt wurde, wie es andernorts nicht unüblich ist. Ansonsten ergeben sich natürlich immer mal wieder nette Zufallsbegegnungen wie beispielsweise mit den Southsiders in Vancouver, von denen mich einer gleich vor Freude umarmte, als er hörte, dass ich Bayern-Fan bin.

3. Hast du einen Zweitverein?

Äh. Ja. Siehe oben.

4. Wie hast du das WM-Finale 2014 verfolgt?

Zuhause vor dem Fernseher, siehe auch Frage 6 von oben. Allerdings nicht alleine, sondern mit Familie.

5. Wer gewinnt die Fußball-EM 2016?

Keine Ahnung, aber ich hoffe auf Deutschland. Ich würde nur zu gerne die Herren Neuer, Boateng, Müller, Götze, Schweinsteiger und Kroos in die Alles-Gewinner-Statistik aufnehmen.

6. Was würdest du lieber im Free-TV sehen: Regionalliga oder Premier League?

Als regelmäßiger Drittliga-Zuschauer brauche ich wirklich nicht auch noch Regionalliga, denn das Spielniveau wird vermutlich dort nicht besser. Premier League könnte ich als Sky-Kunde auch jetzt schon regelmäßig schauen, mache ich aber nur selten, da mir ganze Spiele meist zuviel sind. Was ich wirklich gerne hätte, wäre eine Zusammenfassung der wichtigsten internationalen Ligen, so in der Art wie früher „La Ola“ im DSF.

7. Heutzutage wird das Wort “Derby” inflationär gebraucht. Welches ist für deinen Lieblings-Club das einzig wahre Derby?

Für Bayern natürlich Spiele gegen die Löwen, was zweifellos auch ein „richtiges“ Derby ist. Der SVWW hat keinen entsprechenden Kontrahenten. Mit dem Nachbarn von der anderen Rheinseite, Mainz 05, und auch dem direkten Stadionnachbarn, dem SV Wiesbaden, gibt es sportlich einfach zu wenig Berührungspunkte.

8. Wie verfolgst du die Heimspiele deines Vereins in 30 Jahren?

Hm, da gibt es mehrere mögliche Varianten:
a) Immer noch, zumindest ab und zu, im Stadion. Dann wohl eher nicht mehr im Stehblock, sondern auf der Gegengeraden sitzend, Modell Meckeropa.
b) Im Live-Stream zuhause auf meinem 80-Zoll-3D-Mega-Ultra-HD-Ringelpiez-TV oder unterwegs in meiner Holo-Brille.
c) Überhaupt nicht mehr, weil mir das ganze Fußball-Business irgendwann so sehr auf den Keks geht, dass ich mich völlig abwende.

9. Was muss passieren, damit du mit dem Bloggen aufhörst?

Wenn ich keine Lust mehr habe, lasse ich es sein. Ich bin ja glücklicherweise niemandem verpflichtet. Die Lust könnte mir beispielsweise bei einer Fusion des SVWW mit dem SV Wiesbaden vergehen, aber das Thema ist wohl bis auf weiteres vom Tisch.

10. Hand aufs Herz! Trinkst du manchmal Red Bull?

Nein, nie. Ich habe das irgendwann in den 90ern, als es relativ neu in Deutschland war, mal probiert, fand den Geschmack aber – Verzeihung! – einfach nur zum Kotzen.

11. Wann spielen Paderborn, Wiesbaden und Magdeburg zusammen in einer Liga?

Wenn es für Paderborn blöd läuft, könnte das ja schon nächste Saison passieren.

So, jetzt wisst Ihr (fast) alles über mich. Vielen Dank, lieber Frank und lieber Stephan, für die Nominierungen!

Ich werfe das Stöckchen weiter zu BenCarstenFedor Freytag, Heinz Kamke und Stefan, und würde – sofern Ihr Lust habt, mitzumachen – gerne folgendes von Euch wissen:

  1. Für welchen Verein schlägt dein Herz und wann wurde diese Liebe entfacht?
  2. Wer war als Kind Dein Lieblingsspieler und wer ist es heute?
  3. Wie regelmäßig bist du im Stadion? Heimdauerkarte? Auswärtsfahrer?
  4. Welches Spiel würdest du gerne wieder und wieder erleben?
  5. Auf welches Erlebnis mit deinem Verein hättest du gerne verzichtet?
  6. Seit wann bloggst du und was war der Impuls, damit anzufangen?
  7. Wie hat sich das Thema Fußball für dich durchs Bloggen und Twittern verändert?
  8. Gegen die Derbyfizierung der Sprache: Gegen welchen Verein spielt ihr ein echtes Derby? Und bei welchen Begegnungen macht lediglich die Presse eines daraus?
  9. Welche drei Dinge würdest du gerne an deinem Verein verändern?
  10. Welche Bedeutung hat Fußball für dich neben der sportlichen?
  11. Mit welchem ehemaligen Spieler deines Vereins würdest du gerne mal eine Partie kommentieren und warum?

(Ja, ich gebe es zu, ich habe die Fragen fast komplett von der Wortpiratin übernommen.)

Hier die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat, und verlinke den Blog dieser Person in deinem Beitrag.
  • Beantworte die 11 Fragen, die Dir der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Artikel zum Liebster Award, damit die Nominierten wissen, was sie tun müssen.
  • Informiere Deine nominierten Blogger über die Nominierung und Deinen Artikel.

Kick it like Kiel

3. Liga, 23. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – Hallescher FC 1:0 (Tor: Schindler)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Knapp, aber doch souverän gewonnen.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Ein deutlich besseres Spiel als die lahme Vorstellung von letzter Woche, schon nach wenigen Minuten gab es mehr und bessere Offensivaktionen als gegen Mainz im gesamten Spiel. Nach 12 Minuten erkämpfte Kevin Schindler sich den Ball, lief alleine aufs Tor zu und versenkte trocken zur Führung. Einige Minuten später hätte erneut Schindler das 2:0 machen können (eher müssen), traf aber nur den Pfosten. Die Gäste wurden erst gegen Ende der ersten Halbzeit etwas gefährlicher, setzten das dann aber in der zweiten Hälfte fort. Der SVWW war fast nur noch in der eigenen Hälfte beschäftigt, aber die Defensive stand erneut extrem sicher. Die Innenverteidiger Ruprecht und Dams gewannen gefühlt alle Zweikämpfe und die wenigen Schüsse, die aufs Tor kamen, konnte Kolke abwehren.

Liebling des Spiels: Ich bin ja kein großer Fan von Kevin Schindler, aber gestern war er nicht nur wegen seines Treffers stark, sondern weil er auf dem gesamten Platz zu finden war und mächtig ackerte. Wenn er das auch etwas öfter als nur einmal alle fünf bis zehn Spiele schafft, werde ich vielleicht doch noch zum Fan.

Szene des Spiels: 17. Minute, schön herauskombinierter Angriff über rechts, präzise Hereingabe von Mrowca auf Schindler, der etwas zu genau zielt und nur den Pfosten trifft. Hat sich glücklicherweise nicht gerächt.

Vor dem Spiel: Choreo anlässlich 90 Jahre SV Wehen. Fotos gibt es bei Supremus Dilectio.

Nach dem Spiel: 

Das fiel auf:
+ Mit Book im Zentrum gab es wieder deutlich mehr Struktur im Angriffsspiel.
– In der zweiten Hälfte ließ man sich zu sehr hinten rein drängen und es gab zu wenig Entlastung durch Konter.
+ Die Defensive ist mittlerweile ein richtiges Bollwerk, sodass auch eine knappe Führung recht souverän ins Ziel gerettet wird.
+ Das ganze erinnert immer mehr an Holstein Kiel in der letzten Saison, die es mit starker Abwehr und zahlreichen 1:0-Siegen immerhin bis in die Aufstiegsrelegation schafften. Aber keine Sorge, solange der Abstand zu Platz 18 geringer als zu Platz 3 ist, verbietet sich jegliche Träumerei von selbst.

Zuschauer: 2.482, davon ca. 300-400 lautstarke Gästefans. Bei unserer Zuschauerzahltipprunde lag Stehplatz-Nachbar M. mit 2.483 ziemlich gut, gewinnt damit aber: nichts.

Tabelle: Der SVWW verbessert sich mit nun 30 Punkten auf Rang 8, die beste Platzierung der bisherigen Saison. Allerdings könnten Würzburg und Chemnitz mit Erfolgen in ihren Nachholspielen wieder vorbeiziehen.

Serien und Rekorde: Zum vierten Mal hintereinander ohne Gegentor, neun Spiele in Folge ungeschlagen, zu Hause seit April unbesiegt.

Ansonsten: Ein weiterer Neuzugang für die Offensive: Flügelspieler Timm Golley kommt bis Saisonende auf Leihbasis vom FSV Frankfurt. Herzlich Willkommen!

Nächstes Spiel: Am nächsten Samstag geht es nach Bremen zur Werder U23. Die Hanseaten liegen mit 25 Punkten auf Tabellenplatz 16, sind aber seit sechs Spielen ungeschlagen (zwei Siege, vier Unentschieden). Am vergangen Samstag gab es ein 1:1 in Magdeburg. Das Hinspiel in Wiesbaden gewann der SVWW mit 3:1.

Müder Auftakt

3. Liga, 22. Spieltag1. FSV Mainz 05 II – SV Wehen Wiesbaden 0:0

Das Spiel in maximal fünf Worten: Ein dem Spiel angemessenes Resultat.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Nicht viel los am Mainzer Bruchweg. Beide Mannschaften standen hinten recht sicher, hatten aber große Schwierigkeiten ins letzte Drittel zu kommen. Die logische Konsequenz: nur wenige wirkliche Torchancen, die beste davon für die Mainzer als der Stürmer alleine vor Kolke nur den Pfosten trifft. Insgesamt ein gerechtes, wenn auch unbefriedigendes Unentschieden.

Liebling des Spiels: Weil er zu selten öffentlich gelobt wird: Niklas Dams.

Szene des Spiels: Gleich mehrmals blendete die Sonne so stark, dass man das Geschehen auf dem Spielfeld kaum erkennen konnte. War vielleicht auch besser so.

Gegenlicht am Bruchweg

Vor dem Spiel: Eine Viertelstunde Anfahrt und eine Viertelstunde Parkplatzsuche.

Nach dem Spiel: Eine Viertelstunde Heimfahrt und eine Viertelstunde Parkplatzsuche.

Das fiel auf:
+ Die Abwehr weiterhin sehr stabil, das dritte Spiel in Folge ohne Gegentor.
– In der Offensive mal wieder sehr ideenlos. Ohne Book (genauer: ohne Book in guter Form) fehlt einfach das spielerische Moment.
– Bei vielen Fehlpässen und missglückten Kombinationen drängte sich schon die Frage auf, was die denn im Trainingslager wohl geübt haben mögen.

Zuschauer: Offiziell 891, wobei mir da schon Spieler, Trainer und Ordner mitgezählt scheinen. Im Gästeblock ca. 200-300, schwer zu schätzen, wenn man selbst drin steht. Zumindest von der Lautstärke her war Wehen überlegen, was auswärts wahrlich selten genug vorkommt.

Tabelle: Der SVWW ist mit 27 Punkten aktuell Zehnter, wobei die Tabelle aufgrund einiger ausgefallener Spiele etwas schief ist.

Serien und Rekorde: Seit acht Spielen ungeschlagen. Mit dem zwölften Unentschieden jetzt alleiniger Spitzenreiter in dieser Kategorie.

Ansonsten: Sehr entspannte und freundliche Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle – ein deutlicher Kontrast zum Personal in der Brita-Arena, leider.

Nächstes Spiel: Am kommenden Sonntag um 14:00 Uhr zuhause gegen den Halleschen FC. Der HFC liegt aktuell einen Platz und zwei Punkte vor dem SVWW, spielt aber nachher noch gegen Magdeburg. Im Hinspiel unterlag der SVWW mit 0:3.

Die mittelfristige Perspektive

Diesmal war sie genau richtig, die Pause. Meistens dauert es viel zu lange, bis Fußball endlich wieder losgeht, seltener geht es zu früh weiter, aber diesmal war es für meinen Geschmack genau richtig so.

Morgen startet also der SV Wehen Wiesbaden in die (restliche) Rückrunde, 17 Ligaspiele und eine oder besser zwei Partien im Hessenpokal stehen bis Mitte Mai auf dem Programm. Was kann man erwarten oder wenigstens erhoffen?

Sofern man keine Tagträumereien als Maßstab anlegt, kann man das Thema Aufstieg getrost vergessen. Der Abstand von neun Punkten zu Platz 2 ist zwar nicht unmöglich aufzuholen, aber die dazu notwendige Siegesserie kann man sich nur schwerlich vorstellen. Ist aber auch nicht schlimm, denn mir persönlich würde es durchaus reichen, eine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen. Eine Entwicklung, die sich darin äußern sollte, dass man – zumindest in der Mehrzahl der Spiele – eine gewisse Spielidee erkennen kann. Ein etwas bessere Punkteausbeute als in der Vorrunde sollte dabei natürlich auch herausspringen, ansonsten kann die Idee wohl nicht besonders gut sein. Im Idealfall hat man dann am Saisonende eine gute Basis, auf der man dann in der nächsten Saison aufbauen kann, sodass man mit einigen gezielten Verstärkungen (und nicht einem komplett auf links gedrehten Kader) tatsächlich mal Richtung Aufstiegsplätze schielen könnte. Die neue Westtribüne, die der Brita-Arena zur Zweitligatauglichkeit verhelfen wird, wird bis dahin schließlich auch im Bau befindlich sein.

Ja, das ist schon etwas arg weit in die Zukunft geblickt (oder meinetwegen geträumt), aber so ganz ohne Perspektive könnte man es auch gleich sein lassen. Einen konkreten Wunsch für diese Saison habe ich aber natürlich auch noch und zwar – der regelmäßige Leser wird es bereits erraten haben – den Gewinn des Hessenpokals. Das Finale sollte allemal drin sein, wo dann mit Hessen Kassel oder Kickers Offenbach auf jeden Fall ein schwerer Gegner warten würde.

Zurück in die Gegenwart. Morgen geht es auf die andere Rheinseite zur U23 von Mainz 05, trainiert von unserem Ex-Kapitän und letzten Zweitligatrainer Sandro Schwarz. Im Hinspiel gab es ein 1:1, letzte Saison in Mainz ebenfalls ein 1:1 und in Wiesbaden eine 1:2-Niederlage. Gegen die erste Mannschaft der Nullfünfer gab es damals in der zweiten Liga vier Niederlagen, sodass der erste Sieg gegen den FSV (in einem Profiligaspiel) noch aussteht. Immerhin wurden zu Regionalligazeiten alle Partien gegen die Mainzer Zwote gewonnen.

Einen dieser Siege in den Jahren 2004 und 2005 habe ich damals sogar live auf dem Halberg erlebt, was eine kleine Besonderheit ist, da ich damals noch keinen besonderen Bezug zum SV Wehen hatte und nur wenige Regionalligaspiele gesehen habe. Morgen schaue ich mir das Spiel in Mainz an, was ebenfalls eine kleine Besonderheit ist, da ich nur selten bei Wehener Liga-Auswärtsspielen vor Ort bin. Vielleicht kulminiert das Ganze ja in einem Auswärtssieg, was definitiv etwas sehr Besonderes wäre.