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Der Blog zum SV Wehen Wiesbaden

Stehblog - Der Blog zum SV Wehen Wiesbaden

Wehen kassiert unnötige Heimniederlage

3. Liga, 7. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – Dynamo Dresden 0:2 (Tore: Fehlanzeige auf Seiten des SVWW)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Schon wieder 0:2 verloren

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Wehen fängt fahrig an, gestattet dem Gegner einige gute Momente im Angriff und kann sich bei Kolke und dem Pfosten (22. Minute) bedanken, dass die Null steht. Book und Herzig haben die besten Chancen für Wiesbaden in Halbzeit 1. Nach der Pause kommt Benyamina für Jänicke, Vunguidica rückt auf links. In der Folgezeit wirkt der SVWW offensiv gefährlicher, kann seine Chancen aber nicht nutzen. Als die Abwehr in der 71. Minute pennt, macht Eilers den 1:0-Führungstreffer klar. Danach ist das Spiel gelaufen. Wehen fightet, bleibt aber glücklos und kassiert auch noch das 2:0 (84. Minute) durch Dynamos Joker Stefaniak.

Liebling des Spiels: Die Frau am Bierstand hat für jeden Kunden ein Lächeln parat.

Szene des Spiels: Kolke pariert mit einer Super-Parade den Kopfball von Tekerci aus kurzer Distanz (24. Minute) – hat am Ende leider nichts genutzt.

Vor dem Spiel: Der Neue (Kevin Schindler) steht gleich im Kader, kommt aber nicht zum Einsatz. Nico Herzig plaudert vor Spielbeginn angeregt mit Cristian Fiél – man kennt sich aus gemeinsamen Tagen bei Alemannia Aachen.

Das fiel auf:
+ Kolke hält überragend und wird dafür leider nicht belohnt.
+ Wein ersetzt nach 55. Minute den angeschlagenen Mrowca und macht seine Sache gut.
+/- Riemann ist wieder da, allerdings strahlt er noch nicht die Torgefahr aus wie in den ersten Spielen der Saison.
+/- Vunguidica in der ersten Hälfte Sturmspitze – eher mau, in der zweiten Hälfte auf dem linken Flügel mit einer guten Vorstellung.
- Warum der Schiri die Dresdner Spieler nach Fouls immer nur freundlich ermahnt, bei Herzig und Mintzel aber kompromisslos Gelb zeigt, wird auf ewig sein Geheimnis bleiben

Zuschauer: 5301, davon bestimmt 1500 plus x Gästefans.

Tabelle: Vierter – der Abstand zu Platz 1 beträgt allerdings nur einen Punkt.

Serien und Rekorde: Die zweite Niederlage in Folge – das reicht jetzt erst mal hoffentlich für ein lange Weile.

Nächstes Spiel: Am nächsten Sonntag um 14:00 Uhr bei Preußen Münster. Die Westfalen sind derzeit auf Tabellenplatz 11 zu finden. Am 7. Spieltag konnten sie bei Holstein Kiel immerhin einen Punkt mitnehmen.

 

Bei Cottbus gibt es nichts zu holen

3. Liga, 6. SpieltagFC Energie Cottbus - SV Wehen Wiesbaden 2:0 (Tore: Der Ex-Wehener Ledgerwood staubt beim 2:0 ab)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Die erste Niederlage der Saison

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Der überragende Mann des Spiels kommt aus Cottbus. Michel erzielt nicht nur das 1:0, sondern stellt das ganze Spiel über eine Gefahr für den Wehener Strafraum dar. Der SVWW liefert eine mäßige Vorstellung ab und verliert verdientermaßen. Eine spielerisch gute Phase zwischen der 60. und 70. Minute reicht einfach nicht, um wirklich etwas zu reißen. Die Lausitzer sind über die gesamten 90 Minuten gesehen die klar bessere Mannschaft.

Liebling des Spiels: Vunguidica gibt nie auf, hat die ein oder andere Chance, geht aber letztlich genauso wie unser Team leer aus.

Szene des Spiels: 64. Minute: Kein Elfmeter für den SVWW, als Vunguidica im Strafraum gelegt wird. Wenn’s nicht läuft, läuft’s nicht.

Vor dem Spiel: Ein Auswärtspunkt könnte genügen, um die Tabellenspitze zu halten.

Nach dem Spiel: Immer noch Tabellenführer – zu mindestens bis Mittwochabend.

Das fiel auf:
+ Auch nach einem frühen 0:2-Rückstand gibt die Mannschaft nicht auf.
- Benyamina: am letzten Freitag voller Elan und mit zwei Toren – gegen Cottbus nur Magerkost

Zuschauer: 6.238.

Ansonsten: Wie heute bekannt wurde, hat Daniel Döringer den Verein nach sechs Jahren verlassen und spielt künftig in der Regionalliga für den 1. FC Saarbrücken – Ciao und viel Erfolg!

Tabelle: Noch sind wir Spitzenreiter, aber Haching und Chemnitz können mit einem Sieg an uns vorbeiziehen.

Serien und Rekorde: Wieder mal trifft ein Ex-Spieler von Wehen gegen seinen alten Verein – das scheint gefühlt dauernd zu passieren.

Nächstes Spiel: Am Samstag um 14:00 Uhr in der Brita-Arena gegen Dynamo Dresden. Der 2.-Liga-Absteiger hat am 6. Spieltag zu Hause gegen Holstein Kiel verloren. Ansonsten haben die Sachsen 10 Punkte auf ihrem Konto und sind nach wie vor ein potenzieller Aufstiegskandidat.

Wehen schnappt sich die Tabellenführung – zumindest vorübergehend!

3. Liga, 5. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – VfB Stuttgart II 4:1 (Tore: Benyamina (2), Vunguidica (2))

Das Spiel in maximal fünf Worten: Unglaublich effizient an die Spitze

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Wehen Wiesbaden fängt fahrig an und darf sich beim Stuttgarter Yalcin bedanken, dass dieser Geyer im Strafraum anschießt (2. Minute) statt den Ball im Tor zu versenken. In den ersten zwanzig Minuten leistet sich die ziemlich hoch stehende Abwehr einige Flüchtigkeitsfehler, die zum Glück nicht bestraft werden. Den ersten Angriff von Wehen schließt Benyamina (8. Minute) nach einer scharfen Hereingabe von Mintzel eiskalt ab. Das zweite Tor fällt in einer Phase, als das Spiel nur so vor sich hinplätschert: Vunguidica (38. Minute) nutzt den Abwehrfehler nach einer Ecke und haut den Ball ins leere Tor. Fazit für die erste Halbzeit: zweieinhalb Chancen, zwei Tore!
Der Doppelschlag kurz nach Wiederanpfiff mit dem jeweils zweiten Treffer für Benyamina und Vunguidica sorgt für klare Verhältnisse. Das zwischenzeitliche 1:4 durch Cecen (70. Minute) ist nur Ergebniskosmetik. Die Wehener haben in den letzten 15 Minuten durch Herzig, Jänicke und Königs noch weitere Großchancen. Insgesamt liefern unsere Jungs einen guten Auftritt ab, auch wenn es am Anfang etwas rumpelt.

Liebling des Spiels: Stuttgarts Torhüter Vlachodimos muss vier Mal hinter sich greifen, hat aber einen großen Auftritt, als er in der 13. Minute den Ball mit voller Wucht über die Haupttribüne drischt.

Szene des Spiels: 51. Minute: Mrowca zieht einen unwiderstehlichen Lauf auf der Außenbahn durch, der durch das 4:0 von Joe gekrönt wird.

Vor dem Spiel: Es kamen deutlich weniger Menschen als beim Pokalspiel. Trotzdem gab es beim Einlass lange Schlangen.

Nach dem Spiel: So kann es weitergehen. Allerdings werden Cottbus und Dresden die Punkte wohl nicht so leicht rausrücken wie die harmlosen Schwaben.

Das fiel auf:
+ Pokal-Pechvogel Mrowca zeigt erneut eine sehr starke Vorstellung.
+ Vunguidica macht zwei Buden, bereitet eine vor und setzt in der 85. Minute noch zu einem Solo-Lauf übers halbe Feld an – Chapeau!
+ Soufian Benyamina trifft erstmals in einem Pflichtspiel für Wiesbaden und dann gleich doppelt – weiter so!
+/- Marco Königs erzielt kurz vor Schluss beinahe noch ein sehenswertes Joker-Tor.
+/- Der Schiri lässt keine Sekunde nachspielen – zur WM darf der mal nicht.
- Mrowca verlässt nach 65 Minuten angeschlagen das Spielfeld – hoffentlich keine ernste Verletzung!

Zuschauer: 2.575, zwei Dutzend Gästefans.

Tabelle: nur ein Wort: Spitzenreiter, Spitzenreiter

Nächstes Spiel: Am kommenden Dienstag tritt der SVWW um 19:00 Uhr bei Energie Cottbus an. Die Lausitzer hatten den HSV im DFB-Pokal am Rande einer Niederlage. In der Liga fiel der Saison-Start durchwachsen aus (1 Sieg, 2 Remis, 1 Niederlage). Die Wehener treffen auf ihren früheren Mannschaftskollegen Nikolas Ledgerwood.

Auf Augenhöhe ausgeschieden

DFB-Pokal, 1. RundeSV Wehen Wiesbaden – 1. FC Kaiserslautern 0:0, 3:5 n. E.

Das Spiel in maximal fünf Worten: Tolles Spiel zweier gleichwertiger Teams.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Über 120 Minuten kann der SVWW das Spiel gegen den Zweitligisten offen halten. Beide Teams hatten ein paar gute Gelegenheiten auf den entscheidenden Treffer, aber erst im Elfmeterschießen fällt die Entscheidung zugunsten des Favoriten durch einen einzigen Fehlschuss. Der Unglückliche ist mit Sebastian Mrwoca ausgerechnet einer der besten Spieler der Partie.

Liebling des Spiels: Der Ordner, der sich als einziger in der 85. Minute bemühte, einen Flitzer einzufangen.

Szene des Spiels: 8. Minute, nach der ersten Ecke für den SVWW kommt Benyamina an den Ball und trifft ins lange Ecke. Kollektiver Freudentaumel auf der Nord – bis jeder begriffen hat, dass der Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht zählt, wohl zurecht. Aber das Glücksgefühl dieser paar Sekunden würde ich gerne in kleine Fläschchen abfüllen.

Vor dem Spiel: Wie erwartet wurde es ziemlich voll und daher war etwas anstehen angesagt. Ging aber alles erstaunlich gut organisiert vonstatten.

Nach dem Spiel: Eine Mischung aus ein bisschen Enttäuschung, dass es so knapp und unglücklich nicht zur großen Überraschung gereicht hat, und viel Freude über eines der besten Spiele, die es je in der Brita-Arena zu sehen gab.

Das fiel auf:
+ Die Mannschaft hatte offensichtlich einen Plan und der funktionierte auch ziemlich gut. Sehr geschlossene Defensivleistung (die beiden Flügelspieler halfen extrem weit hinten aus, Vunguidica war häufig noch hinter Mintzel) und vorne konnten immer mal wieder halbwegs gefährliche Situationen erzeugt werden.
+/- Kienle hatte Florian Fromlowitz den Vorzug im Tor gegeben. Das Drehbuch sah offensichtlich irgendwas mit “ausgerechnet gegen seinen Heimatverein” vor und fast hätte es auch geklappt. Bei Elfmeterschießen ist ja üblicherweise einer der beiden Torhüter am Ende der Held. Diesmal leider nicht Fromlowitz.
+ Stadion ziemlich voll, dementsprechend richtig Stimmung in der Wellblechbude. Dass mehr als die Hälfte der Anwesenden Fans der Gastmannschaft waren: geschenkt. Allerdings etwas enttäuschend, dass es am Ende doch keine 10.000 Zuschauer waren.

Zuschauer: 9.496, davon gut 5.000 Kaiserslauterer.

Serien und Rekorde: Zum vierten Mal in Folge verabschiedet sich der SVWW in Runde 1 aus dem DFB-Pokal, das schafft sonst nur Hertha BSC.*

Ansonsten: Ich verabschiede mich erst mal für ein paar Wochen in den Urlaub**. Bertl wird freundlicherweise die Blog-Vertretung übernehmen – vielen Dank schon mal vorab!

Nächstes Spiel: In der 3. Liga geht es am nächsten Freitag weiter und zwar mit einem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart, Anpfiff in der Brita-Arena ist um 19 Uhr. Die Stuttgarter sind mit drei Niederlagen in die Saison gestartet, konnten aber am vergangenen Wochenende mit einem 1:0 gegen Kiel die ersten drei Punkte holen und liegen aktuell auf Tabellenplatz 18.

* behaupte ich einfach mal so aus der Erinnerung heraus, hab’s nicht nachgeschaut.
** übrigens live aus dem Flugzeug – tolle Sache, dieses FlyNet

Europas große Sieger

Heute geht es – der aufmerksame Leser mag es schon an der Überschrift erkannt haben – nicht um den SV Wehen Wiesbaden, sondern um den FC Bayern München. Und noch dazu um ein Spiel, das schon ein Jahr zurückliegt, nämlich die Partie um den UEFA Super Cup in Prag – gerade noch rechtzeitig veröffentlicht, bevor sich der FCB nicht mehr “amtierender Super Cup Sieger” nennen darf.

Normalerweise würde ich das hier nicht mehr aufwärmen, aber ich habe jetzt endlich mal die Fotos dieses Ausflugs veröffentlicht und möchte nicht einfach nur irgendwo einen Link hinrotzen, sondern bei der Gelegenheit auch noch ein paar Worte drumherum verlieren. Wer nur die Fotos anschauen möchte, kann ja gleich ans Ende des Beitrags scrollen.

An sich ist dieser UEFA Super Cup ja eher ein Wettbewerb aus der Kategorie Micky-Maus-Pokal, aber es gab ein paar Randbedingungen, die die Sache durchaus interessant machten und für den FC Bayern bekam das Spiel im Nachhinein noch eine außergewöhnliche große Bedeutung. Aber der Reihe nach.

Für mich persönlich war es ein kleines bisschen “Wiedergutmachung”, da ich nicht beim großen Champions-League-Triumph in Wembley, nun aber wenigstens bei diesem Bonus-Spiel dabei sein konnte. Schließlich durfte der FCB dort aufgrund des CL-Sieges antreten und die Mannschaft war ja auch noch nahezu identisch, sodass es sich eben ein wenig nach Fortsetzung anfühlte.

Ein besonderer Reiz lag natürlich darin, gegen Chelsea zu spielen, die ja bekanntlich im Jahr zuvor den Traum vom CL-Sieg in der eigenen Arena brutal zerstörten (was ich wiederum live vor Ort erleben durfte). Natürlich würde auch ein Sieg im Supercup nicht das Geringste an den Ereignissen von 2012 ändern, aber relativ kurz danach eine Gelegenheit zu einer kleinen Revanche zu bekommen, war schon eine nette Konstellation.

Hinzu kam, dass beide Teams just vor der Saison neue Trainer bekommen hatten und zwar mit Pep Guardiola einerseits und José Mourinho andererseits die absoluten Top-Stars der Branche. Beides extreme Titelsammler, die einen UEFA Super Cup ohnehin nicht einfach abschenken würden, und die sich obendrein gegenseitig nicht besonders leiden können, sodass völlig klar war, dass das Spiel von beiden Seiten sehr ernst genommen wurde.

Aber auch abseits dieser besonderen Rivalitäten war dieser Pokal für den FC Bayern von besonderer Bedeutung, da es der einzige offizielle Wettbewerb ist, den man bis dato noch nie gewonnen hatte. Anlass genug für eine schöne Choreo mit dem fast vollen Vitrinenschrank und dem Spruchband “Oana basst no nei.”

Zum eigentlichen Spiel aber erst gleich, ich wollte ja nur darauf hinaus, dass es eben keine reine Jux-Veranstaltung war. Wie üblich war es kein leichtes Unterfangen, an Karten zu kommen, aber letztlich klappte es doch noch über zwei Ecken.

Da meine Frau auch noch nie in Prag war, machten wir gleich ein paar Tage Urlaub draus. Unser Hotel lag etwas außerhalb und als wir uns von dort in die Innenstadt aufmachten, bekamen wir etwas Zweifel an der oft zitierten Schönheit Prags. Da draußen in den Randbezirken standen nämlich überwiegend sozialistische Plattenbauten in blühender… äh… Grässlichkeit. Dieser etwas schale Eindruck wurde beim Verlassen der U-Bahn im Zentrum aber schnell wieder revidiert, denn dort ist Prag tatsächlich wundervoll. Wir erkundeten natürlich die Altstadt, Karlsbrücke, Burg mit Veitsdom und drehten eine Runde beiderseits der Moldau – dank der gemieteten E-Bikes ließ sich eine ordentliche Distanz mit einigen Hügeln leicht bewerkstelligen. Wer noch nicht in Prag war, sollte das auf jeden Fall mal in Betracht ziehen, wir werden sicher nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Am Spieltag füllte sich die Stadt natürlich mit Fans beider Seiten. Auf dem Karlsplatz war irgendeine offizielle Bespaßung für die Chelsea-Anhänger, während für die Bayern der Wenzelsplatz vorgesehen war. Das Spiel fand in der Eden Arena statt und da nur eine U-Bahnlinie dort hinführt, aber wohl irgendeine Art von Fantrennung praktiziert werden musste, sollten die jeweiligen Fans an zwei unterschiedlichen Stationen aussteigen. Was natürlich völlig sinnlos war, denn von beiden U-Bahnhöfen war es noch ein gutes Stück zum Stadion zu laufen, sodass sich die Fangruppen sowieso wieder vermischten. Nun gut.

Da ich für das Treffen mit einigen befreundeten Fans etwas früh dran war, spazierte ich noch etwas um das Stadion herum. Hatte ich zumindest vor, kam dann aber nicht da durch, wo ich es vom Stadtplan her erwartet hätte und fand mich plötzlich auf einem kleinen Marsch rund um sehr weitläufige Trainingsanlagen wieder. Naja, ich bin ja gut zu Fuß und die Sonne schien auch noch. Die Eden Arena ist noch ziemlich neu und sieht von außen aus wie ein Einkaufszentrum. Wenn man es nicht wüsste, käme man kaum auf die Idee, dass drinnen ein Fußballplatz ist.

In der Kurve gab es im Prinzip freie Platzwahl, was einen schönen, kompakten Supporterblock in Rotweiß ergab und dementsprechend einige freie Plätze links und rechts davon. Ich zog es jedoch vor, mit Kollege @probek etwas abseits des Getümmels das Spiel zu verfolgen. Das Stadion wirkte drinnen deutlich größer als es die offizielle Angabe von 21.000 Plätzen vermuten ließ. Sehr hübsch übrigens die Deckenverkleidung aus Holz – wer mag schon Sichtbeton?

Das Spiel war unerwartet spannend und Martinez’ Ausgleich in der Nachspielzeit der Verlängerung ließ mich in bester Mourinho-Manier auf Knien über den Boden rutschen. Um die kleine sportliche Revanche perfekt zu machen, gewann der FC Bayern schließlich im Elfmeterschießen – das musste einfach so kommen.

Apropos Mourinho: der forderte mehrmals die Chelsea-Anhänger zu mehr Unterstützung auf, bekam jedoch nicht viel mehr als hilfloses Gewedel mit vorher verteilten Fähnchen zurück. Der Kontrast zur Bayern-Kurve, die geschlossen 120 und mehr Minuten supportete, hätte nicht größer sein können. Und eben dieser fantastische Support, der von der FCB-Vereinsführung explizit herausgehoben wurde, war einer der Gründe, warum es in der seit Jahren schwierigen Beziehung zwischen Verein und (aktiven) Fans wieder eine deutliche Wende zum Guten gab. Die diversen Maßnahmen in der Südkurve seit der letzten Saison (z. B. Tauschkarten, Umbau in reine Stehplatzkurve etc.) wurden vielleicht nicht alleine, aber doch wesentlich durch diesen Abend in Prag angestoßen. Und so wurde aus einer sportlich eher unbedeutenden Veranstaltung ein wichtiger Tag in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Hier gibt es ein paar Fotos aus Prag, auch vom Strahov-Stadion, dem größten Stadion der Welt, das ich tags drauf vor der Heimfahrt noch anschaute.