Hock gefeuert

Eigentlich wollte ich ja noch was zum Spiel in Rostock schreiben, aber das hat sich aufgrund der heutigen Nachricht erledigt: Trainer Christian Hock wurde gestern Abend vom SVWW “beurlaubt” (vulgo: rausgeworfen).

So richtig überraschend war das allerdings nicht (auch nicht für Christian Hock selbst). Sicherlich ist Hock (mit-)verantwortlich für die erfreuliche Entwicklung des SV Wehen Wiesbaden (bzw. damals noch SV Wehen) in den letzten zwei Jahren mit Aufstieg aus der Regionalliga (damals übrigens als Erster vor der TSG Hoffenheim) und einer überraschend guten Debütsaison in der zweiten Liga, aber genauso ist der Cheftrainer auch eben (mit-)verantwortlich für das überaus mäßige Abschneiden in der Hinrunde des bisherigen Saison.

Einer der Gründe, warum es bisher nicht läuft, könnte Hocks seltene Anwesenheit beim Training sein, da er ja derzeit noch seinen Trainerschein in Köln macht und deshalb meistens erst freitags wieder bei der Mannschaft war. Der Trainer-Lehrgang läuft noch bis Ende April, sodass dieser Zustand die ganze Saison angehalten hätte.

Laut kicker.de wird u. a. auch Co-Trainer Hans Werner Moser als Nachfolger in Betracht gezogen, wobei ich das für ausgemachten Unfug halte. Moser war ja schon bisher aufgrund Hocks Abwesenheit für das Training verantwortlich und hat vermutlich einen noch viel größeren Anteil am häufig uninspirierten Auftreten der Mannschaft. Himmel, wie oft habe ich mich in den letzten Monaten gefragt, was die Jungs eigentlich die ganze Woche trainieren, wenn zum xten mal ein Pass unbedrängt beim Gegner oder im Nichts landete? Nein, also Moser kann ich mir beim besten Willen nicht als neuen Chefcoach vorstellen.

Schon eher Wolfgang Frank, der laut kicker als Favorit gilt und Ende der 90er die Nachbarn von der anderen Rheinseite zum ersten mal fast in die erste Liga geführt hätte. Später war er u. a. bei den Offenbacher Kickers und zuletzt beim Wuppertaler SV in der Regionalliga. Weitere Kandidaten sind angeblich Wolfgang Wolf (zuletzt Kaiserslautern) und Markus Schupp (bisher nur bei Burghausen als Trainer tätig gewesen).

Sport1.de nennt die gleichen Kandidaten und behauptet zudem, dass Präsident Hankammer “zwei bis drei Verstärkungen” für die Rückrunde in Aussicht gestellt habe.

Nun ja, lassen wir uns überraschen. Der neue Trainer soll bis zum Trainingsauftakt am 29.12. vorgestellt werden, vielleicht wissen wir ja schon vor Weihnachten Bescheid.

Die Entlassung ist natürlich einerseits schade für Hock und auch für uns Fans, da er ja wie erwähnt den Aufstieg des SVWW symbolisiert. Mit ein paar Punkten mehr würde man weiter oben stehen, dann wäre es wahrscheinlich nicht zur Entlassung gekommen. Andererseits kann man jetzt auch hoffen, dass sich vielleicht etwas an der Spielweise zum Positiven ändert. Dieses “hinten sicher stehen und ab und zu einen Konter” war ja nicht wirklich der Gipfel der Spielfreude. Nun gut, dazu später mehr in einem anderen Artikel.

Christian Hock wünsche ich trotzdem alles Gute für die Zukunft. Seine Zwischenprüfung für den Trainerschein Anfang der Woche wird er wohl bestanden haben, der Rest klappt sicherlich auch und dann werden wir ihn nächstes Jahr wieder irgendwo auf der Trainerbank sehen.

Ach ja, das Spiel in Rostock kann man schnell zusammenfassen: Aufstellung wie erwartet (Stroh-Engel tatsächlich von Anfang an dabei), erste Halbzeit ebenfalls wie erwartet mäßiges Spiel mit dem Höhepunkt eines halben Eigentors durch Simac (Retovs Schuss wäre ohne Simac’s Abfälschen auf der Haupttribüne gelandet), nach der Pause auch für Wehen ein paar Chancen, aber letztlich blieb’s beim 1:0 für Hansa.

Lennart

Ist es nicht irgendwie total heuchlerisch von Vereinsseite Hocks Fußballlehrerlehrgang und die damit verbundene häufige Abwesenheit als Grund für die Entlassung zu nennen?! Das wusste man doch vorher und kann ja keinen überrascht haben. Dieses Modell wurde doch vom Verein explizit mitgetragen. Aber wohl nur unter dem Vorbehalt: “Solange es irgendwie gutgeht.” Tut es das nicht, wird er halt gefeuert. Dabei hat er den Lehrgang ja nicht zuletzt auch deswegen begonnen, um seinen Job beim SVWW behalten zu können. Das ist schon blöd für ihn.
Letztlich zeigt diese Trainerentlassung mal wieder, wie sehr im Profifußball hierzulande halt doch auf Hoffnungen nach dem “Wenn’s irgendwie gutgeht, fragt hinterher keiner mehr nach dem Wie und Warum”-Prinzip gebaut wird. Jetzt kann man natürlich sagen, dass das zum Fußball irgendwie dazugehöre und dass es auch gut sei, dass Fußballklubs nicht wie Versicherungen planen und agieren, aber manchmal nervt es halt doch sehr so etwas mitanzusehen. Und das sage ich als Fußballfan ganz allgemeien, denn mit dem SVWW habe ich ja an sich gar nix am Hut…

Gunnar

Ich würde das nicht unbedingt als heuchlerisch bezeichnen. Ich bin auch gegen kurzfristiges “hire and fire” und oft genug hat es sich gelohnt, Krisen gemeinsam mit dem Trainer durchzustehen. Diese Erkenntnis hat ja auch in dieser Saison bisher zu rekordverdächtig wenig Trainerrauswürfen in der ersten und zweiten Liga geführt.
Trotzdem möchte ich dem Management beim SVWW in diesem Fall nicht viel vorwerfen. Natürlich war schon vorher bekannt, dass Hock wochentags nur wenig vor Ort sein kann (ein Problem, von dem wir in nächster Zeit im Zusammenhang mit Babbel und Stuttgart noch öfter hören werden). Aber nicht zuletzt nach der schlechten Erfahrung mit Djuradj Vasic zu Beginn der letzten Saison, finde ich die Entscheidung, es trotz des Lehrgangs mit Hock zu versuchen, absolut nachvollziehbar. Statt einen Chefcoach hat man sich diesesmal einen weiteren Co-Trainer dazugeholt und – da gebe ich Dir recht – wohl gehofft, dass es irgendwie funktioniert. Allerdings waren und sind die Ansprüche ja nicht mehr als der Klassenerhalt. Der soll’s dann aber schon sein und ich vermute, dass ca. 5 Punkte mehr schon ausgereicht hätten, um auch so weiterzumachen. Und richtig, nachher hätte keiner mehr nachgefragt.
Welche Alternativen gab’s denn vor der Saison? Einen neuen Cheftrainer holen und sich dann spätestens nach dem ersten Punktverlust rechtfertigen müssen, warum man es nicht mit Hock versucht hat?
Die Lokalpresse hat ja schon vor längerer Zeit die Entlassung gefordert und ich habe rund ums Stadion auch so manchen Fan das gleiche sagen hören. So gesehen finde ich den Zeitpunkt der Entlassung einigermaßen fair, deutet es doch zumindest darauf hin, dass man nicht überstürzt gehandelt hat, sondern eben die Hinrunde abgewartet hat.

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