Amunt València

Üblicherweise berichte ich in diesem Blog nur von persönlichen Erlebnissen und vom Geschehen rund um den SV Wehen Wiesbaden, aber es ist ja kein Geheimnis, dass ich zuallererst, quasi hauptberuflich, Fan des FC Bayern München bin. Aufgrund räumlicher Distanz und Kartenknappheit sehe ich die Bayern nur ein paarmal pro Saison live im Stadion, aber dafür gönne ich mir ab und an auch mal ein Europapokal-Auswärtsspiel.

Diese Woche war es mal wieder soweit, die Reise führte zum Champions-League-Vorrundenspiel nach Valencia. Reizvoll war vor allem die Aussicht auf das Stadion Mestalla, das einerseits aufgrund seiner extrem steilen Ränge eine Besonderheit darstellt und andererseits bald abgerissen werden könnte, sofern das im Bau befindliche Nou Mestalla irgendwann auch mal fertiggestellt wird. Momentan ist zwar wegen Geldmangels Baustopp und man scheint nicht von einer Fertigstellung in absehbarer Zukunft auszugehen, aber wer weiß, wann der FC Bayern dort mal wieder gastiert. Ich habe mich schließlich schon genug geärgert, den Bökelberg und Highbury verpasst zu haben.

Unpraktischerweise gibt es seit einiger Zeit keine Direktflüge von Frankfurt nach Valencia mehr, was die Reiseplanung etwas verkomplizierte. Mein Mitreisender R. musste leider kurzfristig absagen, sodass ich alleine via Zürich nach Valencia aufbrach. Diese Route hatten auch einige andere Fans gewählt, sodass ich mich im Flugzeug neben einem weiblichen Fan Anfang Zwanzig wiederfand, die in die offizielle FCB-Ladies-Kollektion in den traditionellen Vereinsfarben Grau und Pink gehüllt war und deren dringlichstes Anliegen es war, ein “Foto mit Schweini” zu machen. Das Mannschaftshotel hatte sie auch schon ermittelt. Ich hielt mich mit Kommentaren höflich zurück.

Mein Hotel lag strategisch günstig ganz in der Nähe des Rathausplatzes, wo später dann auch der allgemeine Treffpunkt der Bayernfans samt Sonnenhutverkauf war. Da ich zum ersten mal in Valencia war, nutzte ich den Nachmittag bei herrlichem Wetter (Sonnenschein und 20 Grad, d. h. die Einheimischen liefen überwiegend mit geschlossenen Jacken und Schals herum) zu einem kleinen Bummel durch die Altstadt, bevor ich wie verabredet meinen alten Kumpel F. traf und wir zusammen mit der großen Horde zum Stadion gingen. Der Weg führte direkt am Mannschaftshotel vorbei, was nur etwa 200 Meter vom Stadion entfernt liegt. Würde mich ja schon mal interessieren, ob die Spieler, die vermutlich gerade in der Teamsitzung waren, die Gesänge von draußen mitbekommen haben.

Das Mestalla ist schon von außen mit seiner hohen Fassade ziemlich beeindruckend und durch die offenen Ecken ist der Oberrang sichtbar. Wer ganz am Rand sitzt, sollte besser schwindelfrei sein. Drinnen wird der Eindruck durch die steilen Ränge nochmal heftiger. Das steht dem Nou Camp nicht nach, wenn auch der Oberrang nicht komplett durchgeht und das Stadion “nur” 55.000 Zuschauer fasst.

Zum Spiel selbst brauche ich nichts zu schreiben, das kann man bei Bedarf anderswo nachlesen. Glücklicherweise verriet mir jemand während der ersten Halbzeit, dass Lille bereits in Borissow gewonnen hatte und somit ein Unentschieden zum sicheren Weiterkommen genügen würde. Damit ließ sich die nicht ganz so überragende Vorstellung der Bayern etwas entspannter beobachten. Überragend, oder zumindest sehr gut, fand ich den Support auf beiden Seiten, das machte richtig Spaß.

Nach dem Spiel wurden die Gästefans noch ziemlich lange im Block bzw. vor den Treppenabgängen aufgehalten, was mangels offensichtlichem Grund allseits auf großes Unverständnis stieß.

Auf dem Rückweg geriet ich vor dem Stadion eher versehentlich in einen Groupie-Pulk, der sich um den Mannschaftsbus gebildet hatte. Während Javi Martinez wohl sein Heimspiel genoss und entspannt mit den Fans plauderte und sich bereitwillig fotografieren ließ, entschwanden die anderen Spieler auf direktem Weg in den Bus. Matthias Sammer konnte ich noch dabei beobachten, wie er auf seinem Platz recht aufgebracht herumfuchtelte – vermutlich war er mit der gezeigten Leistung nicht ganz zufrieden. Lange hielt ich es in der Groupie-Zone allerdings nicht aus, angesichts von Kommentaren wie “Wer is’n das? Noch nie gesehen!” (ein paar Mädels beim Anblick von Daniel van Buyten) oder “Voll krass, ey, Alter, der hat 40 Millionen gekostet, hihihi” (kiffende Jungs über Ihrwisstschonwen) um mich herum. Auf dem weiteren Rückweg sah ich dann weitere Fans vor dem Mannschaftshotel rumlungern, die dort vermutlich auf die Ankunft des Busses warteten. Mein Bedarf an Starkult war allerdings schon gedeckt.

Da mein Rückflug am nächsten Tag erst am frühen Nachmittag startete, hatte ich noch den Vormittag zur Verfügung und machte einen langen Spaziergang (nunja, fast schon eine Wanderung) durch die Jardines del Turia bis zum Hafen. Der Fluss Turia wurde aufgrund einiger schlimmer Überschwemmungen umgeleitet und das trockengelegte Flussbett ist heute ein großer Park. Kurz vor der ehemaligen Mündung sind einige spektakuläre Gebäude entstanden, die die Oper, ein naturwissenschaftliches Museum, ein Aquarium, ein IMAX-Kino usw. beherbergen. (Wer es genauer wissen möchte, dem kann ein bekanntes Online-Nachschlagewerk helfen.) Von außen schaut das alles toll aus und war vermutlich auch ziemlich teuer, genauso wie die Formel-1-Strecke rund um den Hafen und die “America’s Cup”-Basis.

Nachdem ich noch ein Weilchen den Strand genossen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Flughafen, um über Berlin (!) nach Frankfurt heimzufliegen.

Fazit: Tolle Stadt, tolles Stadion, insgesamt ein schöner Ausflug. Wenn die An- und Abreise nicht so umständlich wäre, auch ein gutes Ziel für ein verlängertes Wochenende (allerdings wohl eher nicht im Sommer, denn dann ist es zu heiß und feucht).

Ein paar Fotos gibt es hier zu betrachten.

Jan

Wie schon gestern zu den Fotos geschrieben: sehr toll & da wird man richtig neidisch auf dich! Das Stadion schaute schon auf den Bildern toll aus und meine Wunschziele für Städtereisen haben einen neuen Punkt

Kommentar verfassen