Wer bewacht denn jetzt die Queen?

Ich bin mal wieder dem FC Bayern zu einem Champions-League-Spiel hinterhergereist, diesmal ging es nach England zum Vorrundenspiel bei Manchester City.

Ich war vor dreieinhalb Jahren schon mal in Manchester, damals gegen United im Old Trafford und durfte dort erleben, dass auch eine Niederlage zuweilen ein großer Sieg ist. Einer meiner damaligen Mitfahrer musste kurzfristig absagen und ich hätte nicht gedacht, dass es ein Problem werden würde, seine Karte vor dem Stadion zu verkaufen, aber tatsächlich fand sich kein Interessent und ich brachte das Ticket schließlich ungenutzt wieder mit nach Hause. Diesmal wollte ich gemeinsam mit Herrn @fehlpass das Spiel verfolgen, aber kurz vor Abflug teilte er mit, dass er krank sei und nicht kommen könne. Angesichts der zahlreichen Kartenangebote auf Twitter usw. war mir deshalb schon gleich klar, dass es wohl schwierig werden würde, seine Karte noch an den Mann zu bringen. Spätestens als ich im Zug vom Flughafen Manchester in die Innenstadt dann von anderen Fans hörte, wieviele Karten sie auch noch übrig hatten, war klar, wie aussichtslos ein Verkaufsversuch war.

Das blieb aber die einzige kuriose Parallele zum letzten Besuch in Manchester. Während ich damals ziemlich knapp anreiste und direkt vom Flughafen mit dem Taxi zum Stadion fuhr und am nächsten Morgen auch gleich wieder zurückflog, wählte ich diesmal den früheren Hin- und den späteren Rückflug, um die Hektik zu vermeiden und auch ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Nun ja, um es vorweg zu nehmen, anders als letztes Jahr in Valencia oder kürzlich in Prag (über das ich auch noch zu berichten gedenke), gibt Manchester ohne den Fußballaspekt kein besonders lohnenswertes Ziel ab, weder hinsichtlich besonderer Attraktionen noch vom Stadtbild her. Teilweise gibt es gut erhaltene bzw. nett hergerichtete Altbauten, dazwischen auch einige moderne Gebäude, aber auch ziemlich viel recht heruntergekommene Schuppen. Weil ich bei der Eingabe der Hoteladresse ins Handy-Navi einen kleinen Fehler gemacht hatte, lief ich nicht nur zehn Minuten zu weit, sondern landete auch in einer mäßig ansehnlichen Industriebrache. Ironie am Rande: Dass ich vorher schon am Hotel vorbeigelaufen war, hatte ich nicht bemerkt, weil ich vom Telefon abgelenkt war.

Wie auch immer, irgendwann war das Hotel gefunden, was strategisch günstig auf halbem Weg zwischen Innenstadt und City of Manchester Stadium liegt. Kollege @ElRey_Muc logierte dort ebenfalls, war aber gesundheitlich ziemlich angeschlagen und quälte sich erst zum Spiel aus den Federn. Ich ging unterdessen ins Zentrum, merkte recht bald, dass es nicht sonderlich viel zu sehen gibt und lungerte dann schon zeitig am Piccadilly Gardens herum, eine Grünfläche in der Innenstadt, wo sich die Bayern-Fans zum gemeinsamen Marsch zum Stadion treffen wollten. Die natürlich ebenfalls zahlreich anwesende Polizei war zwar sehr freundlich, aber extrem darauf bedacht, den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Beim Plaudern mit Hias Hammerl (dem bekannten Fan mit Gamsbart und Riesenkuhglocke) stellte sich heraus, dass er im gleichen Dorf wohnt wie meine Schwiegermutter. Kleine Welt mal wieder.

Die noch etwas träge Stimmung (der eine oder andere Gesang und Schlachtruf war zu hören) stieg deutlich an, als am Rande des Platzes eine Band zu spielen begann. Diese bestand aus vier Herren in deutlich fortgeschrittenem Alter: ein Gitarrist/Sänger, ein Schlagzeuger und dazu ein Klatscher und ein … äh… Tänzer, der in Haarpracht und Statur an Bernie Ecclestone erinnerte. Jedenfalls war es ein lustiges Spektakel aus sich abwechselnden Pop-Klassikern der “Piccadillys” und Gesängen der Bayern-Fans. Der anschließende Fußmarsch durch die Stadt zum Stadion wurde von soviel Polizisten begleitet, dass irgendwann nur noch die Zeile “Wer bewacht denn jetzt die Queen?” gesungen gegröhlt wurde. Sehr spaßig.

Am Stadion kamen wir schon deutlich vor Öffnung an, sodass reichlich Zeit blieb, das City of Manchester (bzw. Etihad-) Stadium zu begutachten. Das Ding ist ja noch einigermaßen neu und mit seinen leicht geschwungenen Tribünen sowie den Stahlseilkonstruktionen  ganz nett anzuschauen, aber nicht unbedingt eine architektonische Sensation. Es befindet sich inmitten der sogenannten SportCity, in der sich noch zahlreiche weitere Stätten für diverse Sportarten befinden, denn das Ganze war Veranstaltungsort der Commonwealth Games im Jahr 2002.

Ich saß bzw. stand im Unterrang, der relativ flach ist und somit keine besonders gute Perspektive zum Betrachten eines Fußballspiels bietet. Andererseits hatte ich auf diese Weise mal Gelegenheit, mitten in der Südkurve (sozusagen) ein Spiel zu verfolgen. Die ständigen Klatschereien (“alle die Arme nach oben”) hätte ich ja gerne öfter mitgemacht, wenn mir nicht der linke Oberarm von der tags zuvor erhaltenen Impfung noch tüchtig geschmerzt hätte. Mitgesungen habe ich immerhin ganz ordentlich, aber für Gehüpfe mit dem Rücken zum Spielfeld kurz vor Ende, als es gerade nochmal spannend wurde, war ich nicht zu haben, sorry. Abgesehen von der etwas heiklen Schlussphase war das Spiel der reinste Genuss, aber das habt Ihr ja alle selbst gesehen.

Mittags hatte ich noch keine Lust auf Bier, im und am Stadion gab es keins (noch nicht mal alkoholfreies) und nochmal in die Innenstadt wollte ich nicht mehr (wobei ich sowieso nicht sicher bin, ob die Pubs noch geöffnet gehabt hätten). Also versuchte der findige Durstige an einem der Fanbusse ein Bier zu erstehen. Während ich beim ersten recht barsch abgewiesen wurde, verlud der nächste gerade eine ganze Reihe volle Bierkisten. Kaum hatte ich ein Fläschchen Veltins (es war offensichtlich kein bayrischer Fanclub) erstanden, kam auch schon ein ganzes Rudel Polizisten, um weitere Alkoholexzesse zu verhindern. Bevor mein mühevoll erworbenes Fläschchen konfisziert werden konnte, ließ ich dieses unter der Jacke verschwinden und verließ die Szenerie. Mit einem lauwarmen Pils im Hotelzimmer endete ein ingesamt netter Ausflug.

Nachdem ich jetzt beide großen Stadien in Manchester besucht habe und die Stadt ansonsten nicht viel hergibt, werde ich wohl nicht so schnell wieder dorthin reisen. Für eine Auswärtsfahrt mit Herrn @fehlpass wird sich aber im Laufe der KO-Runde sicher noch ein hübscheres Ziel finden.

 

Hier gibt es ein paar Fotos.

Bimberbube

Netter Bericht, den Fotos nach würde ich auf das ibis budget Manchester Center tippen? 😉

Finde die Stadt ja eigentlich ganz nett anzuschauen, allerdings schon ohne “große” Sehenswürdigkeiten, wobei es im Arndale immerhin den einzigen Taco Bell in Europa gibt. Fürs nächste Mal halt, falls du auch auf sowas stehst. 😉

Gunnar

Treffer. 😉
Im Arndale war ich auch und habe den Taco Bell auch gesehen, aber mir war gar nicht bewusst, dass das was Besonderes ist. War in USA mal bei TB und habe das nicht wirklich vermisst.
Das einzige, was ich an nordamerikanischen Franchise-Gastrobetrieben hier gerne hätte, ist Chez Cora und Cold Stone Creamery.

Kommentar verfassen