Lasst alle Hoffnung fahren

3. Liga, 29. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – Holstein Kiel 0:1

Das Spiel in maximal fünf Worten: Schon wieder sich selbst besiegt.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Nach zähem Beginn kommt der SVWW nach etwa 20 Minuten besser ins Spiel und zu Torchancen. Schnellbachers Schuss nach Blacha-Vorlage pariert der Kieler Torhüter sensationell gut. Nach einer Folge von mehreren Pässen, die allesamt gerade so eben ihren Empfänger erreichen, sprintet Vunguidica in den Strafraum und zieht mit seinem schwächeren rechten Fuß aus spitzem Winkel ab – und trifft nur die Unterkante der Latte. Zwei Minuten später dann die entscheidende Szene des Spiels: Freistoßflanke von der rechten Kieler Seite, Kolke segelt am Ball vorbei und dieser prallt von Holsteins Heider ins Tor. In der zweiten Halbzeit bemühen sich die Wehener redlich, kommen aber kaum noch zu klaren Chancen. Insgesamt keine herausragende, aber ordentliche Leistung gegen einen starken Gegner. Wäre nicht das dämliche Gegentor, hätten nach dem Spiel sicher beide Seiten von einer verdienten Punkteteilung gesprochen. Der Aufstieg, den ich eigentlich schon vor vier Wochen abgehakt hatte, wird nun auch von Vereinsseite offiziell abgeschrieben.

Liebling des Spiels: Jonas Acquistapace. Stark in der Defensive und mit einigen ordentlichen Akzenten im Spiel nach vorne. Hatte per Kopf eine halbwegs gute Chance zum Ausgleich und hätte seine ansteigende Formkurve veredeln können.

Szene des Spiels: Die Minuten 32 bis 34. Erst die tolle Chance für Vunguidica, die einen hoffen ließ, dass an diesem Tage was zu holen sein könnte, und kurz darauf die kalte Dusche.

Vor dem Spiel: Wurde ich von meinen Stadionfreunden, mit denen ich seit Jahren im oberen Bereich von N6 stehe, davon überrascht, dass sie beim letzten Spiel nach unten, fast direkt hinters Tor umgezogen waren. Meine Reaktion wäre mit Fassungslosigkeit nur unzureichend beschrieben.

Nach dem Spiel: War es wenigstens nicht weit bis zum Ausgang.

Das fiel auf:
+ Gegen eins der Top-Teams der Liga verkaufte sich der SVWW so teuer wie möglich und ließ nur wenige Chancen zu (selbst das Tor war ja eigentlich keine richtige Chance).
– Gegen die gut organisierte Kieler Defensive ging mit zunehmender Spieldauer immer weniger, insbesondere den Außenspielern gelang nicht viel. Das ist halt zu wenig, wenn man tatsächlich nochmal in den Kampf um einen Aufstiegsplatz eingreifen gewollt hätte.
– Markus Kolke im dritten Spiel hintereinander mit einer Aktion, die direkt zu einem Gegentor – und somit zum Punktverlust – führt. Man könnte es Marc Kienle nicht verdenken, im nächsten Spiel auf Florian Fromlowitz zu setzen.

Zuschauer: 2.688, davon über 100 Gästefans. Bei 600 Kilometern Anreise an einem Freitagabend sehr bemerkenswert.

Tabelle: Der SVWW bleibt mit 42 Punkten auf Platz 8. Zum Relegationsplatz 3 beträgt der Abstand acht Punkte. Unter der Woche wurden übrigens die letzten Nachholspiele absolviert, sodass alle Mannschaften wieder gleich viele Spiele haben.

Serien und Rekorde: Zuhause bleibt der SVWW in 2015 weiterhin sieglos. Seit Oktober gab es in den letzten acht Heimspielen nur zwei Siege.

Ansonsten: Unsere aktive Fanszene vergreift sich mal wieder deutlich im Ton. Sprüche wie “Verreck, verreck, Kieler Dreck” und die in rechten Hooligan-Kreisen beliebten “Ahu”-Rufe können mir wirklich gestohlen bleiben. Etwas Selbstreflexion in der Szene wäre äußerst wünschenswert.

Nächstes Spiel: Am nächsten Wochenende erneut am Freitagabend (19:00 Uhr) in der Brita-Arena, dann gegen den VfL Osnabrück. Die Niedersachsen zählen wie der SVWW zu den Daueraufstiegskandidaten, scheitern aber üblicherweise ebenfalls mehr oder weniger knapp. Am Samstag gelang mit einem überraschenden 4:1 gegen die Stuttgarter Kickers der erste Sieg nach zuvor sieben sieglosen Partien. Das Hinspiel gewann der SVWW mit 3:1.

Klaus Jürgen Wilhelm

Was mich überrascht hat: vor dem Spiel hat man darauf aufmerksam gemacht, dass die Kieler Spieler alle recht groß sind. Selbst der Trainer hat dies angemerkt. Dann versucht man fast das gesamte Spiel mit hohen Bällen vor das Kieler Tor zu kommen. Was dabei heraus kam hat man gesehen. Fast alle Kopfballduelle wurden verloren. Für mich nicht nachzuvollziehen. Bei den Chancen in der ersten Halbzeit hat man ja gesehen, dass es mit flachem Passspiel besser geht.

Gunnar

Da stand halt ein Gegner auf dem Platz, der es eben auch ziemlich gut versteht, die Passwege zu versperren. Und klar, in der Luft räumen die auch so ziemlich alles ab. Das hat schon seine Gründe, dass Kiel die mit Abstand wenigsten Gegentore bekommen hat.

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