2015 endet unspektakulär

Viel zu lange war es still hier im Blog, was weniger an vorweihnachtlicher Besinnlichkeit, sondern vielmehr an reichlich Arbeit kurz vor Jahresende lag. Aber nun, da ich bei knisterndem Kaminfeuer in einer Hütte in den verschneiten Alpen sitze, möchte ich doch noch kurz auf die letzten vier Partien des SV Wehen Wiesbaden zurückblicken. Vielleicht fällt mir auch noch ein Zwischenfazit zur ersten Saisonhälfte ein.

Vor fast vier Wochen erreichte der SV Wehen Wiesbaden im Heimspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach ein 2:2-Unentschieden. Nach der frühen Führung durch Oehrl und einem zwischenzeitlichen Rückstand gelang Neuzugang Steven Ruprecht kurz vor Schluss der verdiente Ausgleich. Nachdem der SVWW in den Wochen zuvor eine Menge Punkte durch Gegentore in der Schlussphase liegen gelassen hatte, fiel nun wie im Hessenpokal der späte Treffer zugunsten der Rotschwarzen – so oder so ist Spannung bis zum Schluss geboten.

Im letzten Vorrundenspiel ging es am Tag vor Nikolaus zur U23 des VfB Stuttgart und man höre und staune, es gelang endlich der erste Auswärtssieg in der Saison 2015/16. Trotz Überlegenheit geriet man in der ersten Halbzeit durch einen sehr sehenswerten direkt verwandelten Freistoß in Rückstand, konnte diesen in der zweiten Hälfte aber drehen. Book verwandelte einen an Schindler verursachten Strafstoß und der eingewechselte Schnellbacher erzielte den Siegtreffer.

Eine Woche später begann die Rückrunde mit der Partie bei den Würzburger Kickers. Der Aufsteiger bildet mit dem SVWW und dem VfR Aalen das Remis-Dreigestirn der Liga und so war es wenig verwunderlich, dass es wie schon im Hinspiel bei Abpfiff immer noch 0:0 stand. Die Freude, das Spiel im Livestream verfolgen zu können, war wieder mal arg getrübt, denn viel Erbauliches gab es nicht zu entdecken.

Zum Jahresabschluss gastierte der FC Rot-Weiß Erfurt in der Brita-Arena und erwies sich als genau der richtige Gegner. Mit drei Niederlagen in Serie und einem Interimstrainer, aber ohne zwei gesperrte Stammverteidiger angereist, ermöglichten die Thüringer dem SVWW einen relativ ungefährdeten 3:0-Sieg. Kevin Schindler per Kopf, ein Eigentor nach Lorenz-Freistoß sowie Luca Schnellbacher nach einem schön ausgespielten Konter sorgten dafür, dass der SVWW in dieser Saison zuhause weiterhin ungeschlagen ist und mit einem positiven Gefühl in die Winterpause gehen kann.

Die Gesamtbilanz ist absolut ausgeglichen: 26:26 Tore, fünf Siege, fünf Niederlagen, elf Unentschieden, macht 26 Punkte und Tabellenplatz 12, punktgleich mit Würzburg auf 11 und Aalen auf 13. Von den Abstiegsplätzen, denen man zwischenzeitlich bedrohlich nahe gekommen war, konnte sich der SVWW etwas entfernen, bis Platz 18 beträgt der Abstand derzeit fünf Punkte. Zu den Regionen, in denen man sich um einen Aufstieg Gedanken machen darf, ist der Abstand allerdings größer, weshalb das gar nicht weiter thematisiert werden braucht. So ist das halt mit vielen Unentschieden: wenig Niederlagen reichen, um nicht abzusteigen, aber wenig Siege bedeuten eben auch, dass man mit dem oberen Tabellendrittel nichts zu tun hat.

Was bleibt sonst von den ersten 23 Pflichtspielen (21 in der Liga und 2 im Hessenpokal) unter Sven Demandt im Gedächtnis hängen? Ehrlich gesagt nicht allzu viel. Sowohl Spielweise als auch Ergebnisse hätten genauso gut unter Marc Kienle oder Peter Vollmann stattfinden können. Ansatzweise gibt es immer mal wieder ganz ordentlichen Fußball zu sehen, aber dann auch wieder viel Einfallslosigkeit und zu viele Fehler, die Punkte kosten. In der Liga dümpelt man im Niemandsland der Tabelle herum, im Hessenpokal hat man sich gegen unterklassige Gegner mit Mühe im Wettbewerb gehalten. Wie jedes Jahr wurde im Sommer der halbe Kader ausgetauscht, von denen sich ein paar Spieler tatsächlich als Verstärkungen herausstellen, andere mehr verletzt als gesund sind (was wiederum angesichts ihrer Verletzungsvorgeschichte kaum verwundert) und wieder andere hauptsächlich den Kader auffüllen und helfen, die U23-Regel einzuhalten. Auf die traditionelle Verletzungsmisere folgen einige spontane Nachverpflichtungen, die mehr oder weniger gut funktionieren. (Aktuelles Beispiel aus der zweiten Kategorie ist Saër Sène, der den Verein schon wieder verlässt und durch Christian Cappek vom Chemnitzer FC ersetzt wird.) Auffällig ist, dass alle Positionen (zumindest nominell) doppelt besetzt sind, außer dem zentralen offensiven Mittelfeld. Wenn Nils-Ole Book verletzt, gesperrt oder nicht in Top-Form ist (was alles mehr oder weniger regelmäßig vorkommt), lahmt das Offensivspiel ganz erheblich. Das ist vor allem deshalb interessant, weil es schon seit Jahren so ist, aber in der Kader-Analyse entweder nicht erkannt bzw. ignoriert wird oder man keine Alternative findet. Extrem ärgerlich wären jedenfalls beide Varianten.

Man darf gespannt sein, ob es Sven Demandt im Wintertrainingslager gelingt, seinem Team mehr Ideen zu vermitteln, wie man zum Torerfolg gelangen kann. Immerhin kann er auf eine gewisse Stabilität in der Defensive aufbauen. Aber es wäre doch zu schade, wenn man in einem Jahr zwar über ein zweitligataugliches Stadion verfügt, aber in der 3. Liga nicht mal in der oberen Tabellenhälfte mitspielt.

Jetzt wünsche ich aber mir und Euch erstmal angenehme Feiertage. Kommt gut ins neue Jahr, wir sehen uns.

Kommentar verfassen