Auf ein besseres 2017

Für mich persönlich war das vergangene ein durchaus gutes Jahr, aber im größeren Kontext kommt 2016 aus vielen Gründen eher nicht gut weg. Auch der SV Wehen Wiesbaden war 2016 nahe an der kompletten Katastrophe – immerhin hat uns der in letzter Sekunde vermiedene Abstieg einen Moment für die Ewigkeit beschert – und auch die aktuelle Saison hat seit Oktober einen herben Abwärtstrend bekommen. Im Kalenderjahr 2016 wurden von 36 Ligaspielen gerade mal neun gewonnen, zehn gingen Unentschieden aus und siebzehnmal ging der SVWW als Verlierer vom Platz. Im Hessenpokal gab es “nur” eine Niederlage, aber die dafür im Finale gegen Offenbach. 2017 kann also eigentlich nur besser werden – oder um es ganz fatalistisch zu formulieren: wenn es ähnlich schlecht weiterläuft, können wir den Laden bald zusperren.

 

Nach der Hinrunde hat der SVWW erst 20 Punkte auf der Habenseite. Die zum Klassenerhalt notwendigen Punkte kann man meistens, egal ob in erster oder dritter Liga, mit der Faustformel “ein Sieg mehr als Anzahl Spiele” ermitteln, also in unserem Fall 41 Punkte. Natürlich keine Regel ohne Ausnahme – in der letzten Saison brauchte man 43 Punkte (bzw. selbst die reichten den Stuttgarter Kickers nicht):

Saison Punktzahl des 17. Punktzahl des 18.
2008/09 * 40 40
2009/10 46 39
2010/11 * 39 37
2011/12 44 39
2012/13 40 38
2013/14 43 40
2014/15 41 39
2015/16 43 43
* Lizenzentzüge u. ä. nicht berücksichtigt

Selbst wenn wir die letzte Saison mal als singuläres Ereignis außen vor lassen und nur von 41 benötigten Punkten ausgehen, muss der SVWW in der Rückrunde mindestens einen Zähler mehr als in der Hinrunde holen. Wir werden den jeweiligen Stand hier in den Spielberichten verfolgen.

 

Dabei helfen, dass es bald besser wird, sollen einige neue Spieler. Mit Sascha Mockenhaupt und Dominik Nothnagel wurden bereits zwei Verteidiger verpflichtet, für die Offensive werden wohl auch noch ein bis zwei Spieler kommen. Dafür wurden drei Spieler aus dem Kader gestrichen und nehmen auch nicht mehr am Trainingslager teil: der erst im Sommer geholte Sertan Yegenoglu, Kevin Schindler sowie Ex-Kapitän Nils-Ole Book sollen den Verein verlassen.

Was Sonja und ich davon halten, erfahrt Ihr vor Beginn der Rückrunde in der nächsten Ausgabe von Niemals Erste Liga. Wer uns vorher hören möchte oder sich generell für die Dritte Liga interessiert, dem sei die Sonderausgabe von 120minuten empfohlen, wo wir zusammen mit den anderen Drittliga-Podcastern auf die Hinrunde zurückblicken (wir sind im dritten Teil ab ca. 2h15 zu hören). Viel Spaß!

Lesetipp: Die Taunus-Torpedos

Wer gerade zwischen den Jahren frei hat und/oder was zu lesen sucht, dem sei eine ältere Artikelreihe über die Zeit der Taunus Torpedos drüben bei Support Wehen empfohlen, die ich kürzlich auf Hinweis von Klaus-Martin wiederentdeckt habe. Man findet einige Geschichten aus den Oberliga- und Regionalliga-Jahren von 1997 bis 2001, u. a. die Ursprünge der Rivalität zu Fans des FSV Frankfurt.

 

Winterpause, zum Glück

3. Liga, 19. SpieltagFSV Frankfurt – SV Wehen Wiesbaden 3:1 (Tor: Blacha)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Schlimm, wie üblich.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Das Spiel sah die meiste Zeit ziemlich genau so aus, wie man es Mitte Dezember von zwei Mannschaften erwarten kann, die sich beide an ihren jeweils letzten Sieg kaum noch erinnern können. Mitte der ersten Halbzeit kam ein langer Ball zufälligerweise bei Philipp Müller an, der für David Blacha auflegte – die etwas überraschende, aber natürlich gern genommene Führung für den SVWW. Die Freude währte allerdings nicht lange, denn schon drei Minuten später glich der FSV aus und ging weitere vier Minuten danach sogar mit 2:1 in Führung. Beide Tore wurden über die rechte Wehener Abwehrseite vorbereitet, wo Funk ebenso wie links Mintzel Mühe mit dem Tempo der Gegenspieler hatte. In der zweiten Halbzeit kam der SVWW mit etwas mehr Schwung aus der Kabine, während Frankfurt sich darauf beschränkte, den Gegner einigermaßen vom Tor wegzuhalten. Das reichte aber gegen eine erneut harmlose SVWW-Offensive. In der Nachspielzeit fiel nach einem Konter noch das 3:1.

Liebling des Spiels: Frankfurts linker Verteidiger La’Vere Corbin-Ong, der aufgrund seiner Dante-Frisur von einigen Gästefans zunächst als “Taunas” erkannt wurde, vor allem aber dadurch bestach, dass er, obwohl scheinbar gemütlich trabend, jedesmal vor seinen verbissen ansprintenden Gegenspielern am Ball war.

Szene des Spiels: 77. Minute, Robert Andrich versucht bei einem Angriff über die rechte Seite per Hacke einen Doppelpass zu spielen, trifft aber sein eigenes Bein und der Ball springt ins Aus.

Vor dem Spiel: Meinten einige Mitglieder der “aktiven Szene”, in Bornheim ihre Duftmarken in Form von Böllern zu hinterlassen. Nachdem schon am Vortag ein dümmliches Banner am FSV-Stadion angebracht worden war, reichte das der Polizei als Anlass, die ca. 80 Fans noch vor dem Spiel wieder in die S-Bahn zurück nach Wiesbaden zu setzen.

Nach dem Spiel: Bin ich froh über die sechs Wochen Winterpause. Es ist zwar reichlich ätzend, auf einem Abstiegsplatz zu überwintern, aber in der aktuellen Verfassung wäre auch in den nächsten Wochen kein Spiel zu gewinnen.

Das fiel auf:
– Einfach zusammengefasst: alles Mist. Ohne Ball zu langsam und zu weit weg vom Gegenspieler, mit Ball zu ungenau und einfallslos. Und das in allen Mannschaftsteilen, bei allen Spielern.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 3.375, davon ca. 200 Gästefans.

Tabelle: Magere 20 Punkte nach der Hinrunde bedeuten Tabellenplatz 18 und die konkrete Gefahr des Abstiegs in die Regionalliga.

Serien und Rekorde: Der SVWW ist seit mittlerweile neun Spielen sieglos. Die Gesamtausbeute des Kalenderjahres 2016: 9 Siege, 10 Unentschieden und 17 Niederlagen.

Ansonsten: Die besten Szenen spielten sich natürlich nicht auf dem Spielfeld, sopndern am Getränkestand ab. Erst der Fan, der bei der Bestellung eines heißen Apfelweins “aber vom Billische” hinzufügte, dann der Getränkeverkäufer, der ausführlich berichtete, wie er einst ein Trikot von Bakary Diakité bekam.

Nächstes Spiel: Am 7. Januar gibt es das erste von vier Testspielen gegen Zweitliga-Teams und zwar in der Brita-Arena gegen die SpVgg Greuther Fürth. Im Trainingslager in Spanien folgen dann Partien gegen Heidenheim und Union Berlin und zum Abschluss der Rückrundenvorbereitung wird nochmal in der Brita-Arena gegen die Würzburger Kickers gespielt. In der Liga wird es dann am 28. Januar beim VfR Aalen wieder ernst. Die Schwaben stehen mit 28 Punkten auf einem soliden 8. Platz und haben bereits zehn Unentschieden gesammelt – Peter Vollmann weiß halt, wie das geht. In der Hinrunde verlor der SVWW 1:2.

Keine vorzeitige Bescherung

3. Liga, 18. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – Hallescher FC 1:1 (Tor: Blacha)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Ach. Eigentlich wie immer.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Die erste Halbzeit begann recht flott, Halle direkt mit einer Chance, kurz darauf auch der SVWW in Person von David Blacha mit einer Riesenmöglichkeit. Die Hallenser zeigten, warum sie aktuell im Rennen um die Aufstiegsplätze sind: frühes Anlaufen, gutes Umschaltspiel, mehrere ordentliche Torchancen und nach einer halben Stunde auch die Führung. Wehen machte es zwar auch nicht so schlecht, aber die Gästeführung war verdient. Der HFC schien in der zweiten Halbzeit einen Gang zurückzuschalten und der SVWW kam durch Blacha nach Schnellbachers Vorlage zum Ausgleich. In der restlichen halben Stunde Spielzeit wäre Halle durchaus zu schlagen gewesen, aber letztlich waren die weiteren Chancen nicht zwingend genug.

Liebling des Spiels: Wenn keiner herausragt, liegt man mit dem Torwart meist ganz gut, denn Max Reule hielt erneut, was zu halten war.

Szene des Spiels: Das 1:1 nach einer knappen Stunde: Andrich flankt von der rechten Seite aus zu Schnellbacher, der passt nach innen, wo Blacha am kurzen Pfosten nur noch den Fuß hinhalten muss. Kurios, dass die ganze Nordwand erst mit Verzögerung jubelte, wahrscheinlich weil Schuss und Flugbahn am anderen Ende des Spielfelds kaum erkennbar waren.

Vor dem Spiel wurde die Vertragsverlängerung von Trainer Torsten Fröhling (bis 2019) bekannt gegeben.

Nach dem Spiel findet man sich auf einem Abstiegsplatz wieder.

Das fiel auf:
+ Immerhin war ein Plan erkennbar, wie man die Hallenser Defensive knacken wollte: mit Pässen in die Schnittstellen zwischen den Verteidigern, wo die schnellen und wendigen Blacha und Schnellbacher zum Abschluss kommen sollten.
– Leider blieben die zahlreichen Versuche überwiegend erfolglos.
– Mintzels nachlassende Geschwindigkeit wird gegen schnelle Gegenspieler zunehmend zum Sicherheitsrisiko.

Das schreiben die anderen: WK, kickerMZ

Zuschauer: 2.935, davon ca. 400 Gästefans und mindestens genauso viele SVWW-Anhänger mit Freikarten.

Tabelle: Der SVWW trudelt weiter abwärts und ist mit Platz 18 mittlerweile auf dem ersten Abstiegsrang angekommen.

Serien und Rekorde: Mittlerweile ist man seit acht Spielen ohne dreifachen Punktgewinn. Die Serie aus der Rückrunde der letzten Saison, als man zehn Spiele sieglos blieb, wackelt bedrohlich.

Ansonsten: Bis wenige Minuten vor dem Anpfiff wurden Weihnachtslieder gesungen, was mich zu verfrühtem Jubel anstiftete:

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag geht es zum Vorrundenabschluss an den Bornheimer Hang. Der FSV Frankfurt startete nach dem Abstieg mit großen Schwierigkeiten in die Saison und konnte keins der ersten sieben Spiele gewinnen. Dann folgte eine Siegesserie mit 16 Punkten aus sechs Spielen, aber in den letzten fünf Partien gab es wiederum nur drei Unentschieden und zwei Niederlagen, zuletzt spielte man 0:0 in Bremen. In der 3. Liga ist es das erste Aufeinandertreffen der beiden Vereine.

Kleiner Lichtblick zum ersten Advent

3. Liga, 16. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – FC Hansa Rostock 1:1 (Tor: Schnellbacher)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Besser, aber noch nicht gut.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Für Leute wie mich, die erst kurz vor Anpfiff mit Bier und Bratwurst in der Hand in den Block kommen, sind solche frühen Tore etwas ungünstig, was das Jubeln angeht, aber ich will mich nicht beschweren. Schon nach zwanzig Sekunden ging der SVWW in Führung, Schäffler hatte den Ball auf rechts erobert und geflankt, Schnellbacher traf mit einem wunderbaren Flugkopfball. Danach war wieder Drittliga-Alltag angesagt, viel Gewürge auf beiden Seiten, ab und zu mal der Ansatz einer Chance, bis kurz vor der Pause. Erst hatte Müller die Riesenchance aufs 2:0, traf frei vor dem Torwart aber nur den Außenpfosten, kurz darauf dann der Ausgleich und der Halbzeitpfiff. Die zweite Halbzeit war dann deutlich sehenswerter, es ging hin und her, beide Mannschaften hatten einige gute Gelegenheiten auf das 2:1. Letztlich blieb es bei einem dem Spiel angemessenen Unentschieden.

Liebling des Spiels: Niklas Dams. Klärte diverse Male in prekären Situationen, auch unter Einsatz der eigenen körperlichen Unversehrtheit.

Szene des Spiels: 43. Minute, Philipp Müller wird zentral vor dem Tor freigespielt und kann sich die Ecke aussuchen, trifft aber nur Aluminium. Mit einem 2:0 im Rücken wären die ersehnten drei Punkte durchaus realistisch gewesen.

Vor dem Spiel: Einige alte Rostocker Freunde an der “Linie 1926” getroffen. Schön, dass die Polizei erst nach dem Spiel den Durchgang zum Gästebereich abtrennt und somit unkomplizierte Fanbegegnungen möglich sind.

Nach dem Spiel: Muss man sich wohl an den positiven Momenten im Spiel festhalten, um die Hoffnung auf einen Sieg nicht zu verlieren.

Das fiel auf:
+ Maximilian Reule mit einem sehr ordentlichen Liga-Debüt für den SVWW. Mit guten Paraden und lausigen Abschlägen steht er ganz in der Tradition der Wehener Torwartschule.
+/- Immerhin einige gute Chancen erarbeitet, aber an der Verwertung derselben mangelt es weiterhin.
+/- In der Defensive überwiegend gut gearbeitet, aber insgesamt dann doch wieder zu oft Lücken gelassen.
– Warum Fröhling nur einmal wechselte, obwohl gegen Ende einige Spieler spürbar platt waren, würde ich schon gerne mal erfahren.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 3.007, davon an die 1.000 Gästefans.

Tabelle: Wehen bleibt auf Platz 15, hat allerdings nur noch einen Punkt Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Serien und Rekorde: Nach zuletzt drei Niederlagen wenigstens mal wieder einen Punkt geholt, aber insgesamt ist der SVWW schon seit sechs Spielen sieglos.

Ansonsten: Der Rostocker Dennis Erdmann musste nach einem unsanften Zusammentreffen mit Philipp Müllers Schuh ausgewechselt werden – Diagnose: siebenfacher Nasenbeinbruch und eine Sehnervquetschung. Da gruselt es mich schon beim Lesen und ich wünsche von dieser Stelle gute Besserung!

Nächstes Spiel: Am kommenden Freitag (19:00 Uhr) bei der SG Sonnenhof Großaspach. Die Schwaben stehen punktgleich einen Platz vor dem SVWW und schwächeln ebenfalls in letzter Zeit (vier Punkte aus den letzten sechs Partien), am Samstag unterlag man Werder II. In der letzten Saison trennte man sich 2:2 in Wiesbaden, das Auswärtsspiel in Aspach am vorletzten Spieltag gewann der SVWW mit 1:0 – was die wundersame Rettung im Saisonfinale überhaupt erst ermöglichte.