3. Liga, 34. Spieltag: SVWW – 1. FC Magdeburg 1:2

Tor: Schäffler (71.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Gutes Spiel wird nicht belohnt.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Rüdiger Rehm sorgte mit der Aufstellung für eine kleine Überraschung, in dem er für den gesperrten Robert Andrich Patrick Funk aufstellte, der so zu seinem ersten Startelfeinsatz seit mehr als einem halben Jahr kam. Steven Ruprecht kehrte nach Verletzung in die Innenverteidigung zurück und Max Dittgen ersetzte Simon Brandstetter im Angriff. In der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Teams gegenseitig, mit leichten spielerischen Vorteilen für die Gäste, dafür der besten Torchance für den SVWW durch einen Kopfball von Funk. Die Halbzeitpause nutzte Magdeburg anscheinend besser für eine Analyse des bisherigen Spiels, denn ab Wiederanpfiff erhöhten die Gäste den Druck und kamen zu mehreren Chancen über ihre rechte Angriffseite. Nach einer Flanke von rechts fiel auch das 1:0, Beck durfte in der Mitte völlig ungestört einköpfen. In der 70. Minute musste der SVWW dann auch noch das 2:0 hinnehmen, als nach einer eigenen Ecke der Gästekeeper den Ball schnell und weit abwarf und Stephan Andrist den Torschützen Schwede nicht mehr entscheidend stören konnte. Besonders ärgerlich dabei, dass der Eckball wohl eigentlich schon im Toraus war, was auch fünf Magdeburger mit gehobenem Arm anzeigten. Der Gästeblock war noch beim Torjubel, als Schäffler den Anschlusstreffer erzielte. Der eingewechselte Breitkreuz hatte aufs Tor geschossen und der Torwart den Ball nach vorne abprallen lassen, wo Schäffler zu seinem 20. Saisontreffer abstauben konnte. Der SVWW warf in der Schlussviertelstunde alles nach vorne, Ruprecht ging kaum noch zurück in die Abwehr, doch es sollte nicht sein. In der Nachspielzeit hatte Müller die beste Chance zum Ausgleich, aber sein Schuss wurde noch leicht abgefälscht und ging dann nur an den Pfosten. Insgesamt eine gute Partie von beiden Mannschaften, in der der SVWW durchaus einen Punkt verdient gehabt hätte.

Lieblinge des Spiels: Die Jungs vor uns im Stehblock, die etwas ängstlich fragten, ob wir bei einem Tor unsere Bierbecher werfen würden – und dann später selbst mit hektischen Bewegungen für nasse Jacken sorgten…

Szene des Spiels: 45. Minute, der FCM-Torwart wagt ein Dribbling außerhalb des Strafraums und verliert den Ball an Max Dittgen. Der traut sich mit seinem schwächeren rechten Fuß anscheinend nicht den Torschuss zu und flankt auf Stephan Andrist, der vom Gegenspieler bedrängt aber den Ball nicht aufs Tor köpfen kann.

Vor dem Spiel: Lange Schlangen vor den Eingängen – konnte ja keiner ahnen…

Nach dem Spiel: 

Das fiel auf:
+ Deutlich besserer Auftritt als in den letzten Partien.
– Der letzte oder vorletzte Pass, der eine Situation richtig gefährlich machen könnte, ging zu häufig schlicht ins Nichts.
– Wo waren eigentlich die Innenverteidiger beim 0:1?? Der einzige, der noch halbwegs in der Nähe des Torschützen war, war Niklas Dams.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, nurderfcm.de, Telekom (Video)

Zuschauer: 6.720, davon knapp 3.000 Gästefans. Sehr beeindruckender Support der Magdeburger, aber auch fast 4.000 Heimfans sind eine für unsere Verhältnisse tolle Zahl.

Tabelle: Die ersten beiden Plätze machen Paderborn und Magdeburg unter sich aus, für den SVWW geht es nur noch um den Relegationsplatz. Immerhin hat Karlsruhe nur 0:0 gegen Rostock gespielt, sodass der KSC zwar nun punktgleich mit dem SVWW ist, aber aufgrund der deutlich schlechteren Tordifferenz hinter dem Drittplatzierten SVWW bleibt.

Serien und Rekorde: Im sechsten Spiel gegen Magdeburg gelingt das erste Tor, aber erneut kein Sieg. Vier Pflichtspielniederlagen hintereinander musste man zuletzt vor drei Jahren unter Sven Demandt hinnehmen. Alf Mintzel kam zu seinem 300. Einsatz in der Dritten Liga und ist nach Osnabrücks Tim Danneberg der zweite Spieler, der diese Marke erreicht.

Ansonsten: 

Nächstes Spiel: Am nächsten Samstag (14 Uhr) bei Hansa Rostock. Hansa hat lange im Aufstiegsrennen mitgemischt, ist aber nach jetzt neun sieglosen Spielen auf Platz 7 zurückgefallen. Heute hat Rostock dem SVWW aber einen Gefallen getan und ein Unentschieden beim KSC geholt. Das Hinspiel verlor der SVWW mit 0:1.

3. Liga, 33. Spieltag: Preußen Münster – SVWW 1:0

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: Dummheit wird bestraft.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
In der ersten Halbzeit war von Rüdiger Rehms Ansage “wir müssen nicht, aber wir wollen” nicht viel zu merken, es sah im Gegenteil eher ziemlich lustlos aus. Aufregend wurde es erst fünf Minuten vor der Halbzeitpause, als Robert Andrich – mal wieder – nach einem Zweikampf nachtrat und vom Platz gestellt wurde. Zu allem Überfluss fing man sich direkt vor dem Pausenpfiff auch noch das 0:1, als ein Freistoß lang und länger wurde und schließlich neben dem Pfosten einschlug. In der zweiten Halbzeit war dann mehr Engagement im Spiel des SVWW, aber eine ganze Reihe guter Gelegenheiten konnten nicht genutzt werden. Münster vergab seinerseits zahlreiche Konterchancen in Überzahl. In der Schlussphase flog auch noch Simon Brandstetter mit Gelbrot runter und es blieb beim 0:1.

Depp des Spiels: Robert Andrich. Nur wenige Spiele, nachdem er eine Rotsperre wegen Nachtretens abgesessen hat, sich für das gleiche Vergehen erneut einen Platzverweis einzufangen, ist schon selten dämlich. Klar, eine gelbe Karte hätte vielleicht auch gereicht und oft genug ist er mit ähnlichen Aktionen davon gekommen, aber dieses leichte Nachtreten nach Zweikämpfen ist nicht nur unfair, sondern auch völlig unnötig – was soll das? Jedenfalls wird er als Wiederholungstäter vermutlich mehr als die drei Spiele Sperre vom letzten Mal bekommen. Könnte also durchaus sein, dass er gar nicht mehr für den SVWW auflaufen wird.

Das fiel auf:
– Es ist mir schleierhaft, wieso man in dieser Saisonphase, mit dieser großen Aufstiegschance, eine Partie so behäbig und uninspiriert beginnt.
+/- Mit einem Mann weniger sah das Spiel in der zweiten Hälfte deutlich besser aus als zuvor, aber es folgte diesmal kein weiteres Kapitel der Geschichte “wir drehen das Spiel in Unterzahl”.
– Die Idee, den Großteil der ersten Elf im Hessenpokal zu schonen und dort zugunsten größerer Ausgeruhtheit in der Liga eine Niederlage in Kauf zu nehmen, kann als gescheitert betrachtet werden.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 6.038.

Tabelle: Da gleichzeitig Magdeburg den KSC schlug, bleibt der SVWW mit 62 Punkten auf dem dritten Platz, einen Punkt vor Karlsruhe, aber schon fünf hinter dem FCM, der zudem noch ein Nachholspiel hat. Realistisch betrachtet ist das Thema “direkter Aufstieg” damit erledigt.

Serien und Rekorde: Eine Woche mit drei Niederlagen und dabei dreimal kein Tor geschossen, das gab es unter Rüdiger Rehm noch nie.

Nächstes Spiel: Am kommenden Freitag (19 Uhr) in der Brita-Arena gegen den 1. FC Magdeburg. Nach zuletzt zwei vierten Plätzen scheinen die selbst ernannten “Größten der Welt” diese Saison tatsächlich den Aufstieg zu schaffen – für den SVWW ist es seinerseits wohl die letzte Gelegenheit, dem FCM den zweiten Platz noch streitig zu machen. In bisher fünf Aufeinandertreffen hat der SVWW noch kein Tor gegen Magdeburg erzielt, neben zwei Niederlagen gab es schon dreimal ein 0:0, so auch in der Hinrunde.

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Die Saison dauert nur noch wenige Wochen und noch wissen wir nicht, ob der SV Wehen Wiesbaden den ganz großen Preis abräumt und in die 2. Bundesliga aufsteigt, aber schon jetzt steht fest, dass die Teilnehmer unseres traditionellen Tippspiels tüchtig abstauben können. Der Verein war mal wieder großzügig und hat einen ganzen Berg fantastischer Preise gestiftet:

Es gibt (natürlich alles aus der offiziellen SVWW-Kollektion):

  • ein Trikot mit Sonderbeflockung zu Manuel Schäfflers 150. Drittligaeinsatz (Größe L)
  • ein schwarzes Polo-Shirt mit aufgesticktem Logo (Größe M)
  • drei rote T-Shirts mit Aufdruck “SV Wehen Wiesbaden” (Größe L)
  • sechs rote T-Shirts mit Aufdruck zum DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 (Größe XL)
  • ein schwarzer Kapuzenpulli (Kindergröße 116)
  • zwei weiß-goldene Schals
  • ein rot-schwarzer Kinderschal
  • vier kleine Wimpel
  • fünf Pins
  • fünf Feuerzeuge

Das Trikot bietet sich als Hauptpreis an, aber bei den anderen Artikeln kann ich mich gar nicht entscheiden, in welcher Reihenfolge wir das an die Tippspiel-Gewinner verteilen sollen, zumal ja Größen und Vorlieben recht unterschiedlich ausfallen können.

Ich schlage deshalb vor, dass die ersten 15 der Tippspiel-Abschlusstabelle der Reihe nach auswählen dürfen und bitte diese, mich zeitnah nach Saisonende zu kontaktieren (per Mail, Forum, Facebook, Twitter, Blog-Kommentar, völlig egal).

Bis dahin allen Teilnehmern noch viel Erfolg! Und wer bisher noch nicht mitgespielt hat, kann sich trotzdem noch anmelden und ist nächste Saison automatisch mit dabei. Wie man sieht, lohnt es sich.

Vielen Dank an Frau Merten vom SVWW für die großzügige Unterstützung!

3. Liga, 27. Spieltag (nachgeholt): Chemnitzer FC – SVWW 1:4

Tore: Andrich (74.), Breitkreuz (76.), Brandstetter (79.), Andrist (92.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Rehm wechselt den Sieg ein.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Trotz englischer Woche gab es keine Rotation in der Startelf, nur Robert Andrich kehrte nach seiner Sperre zurück, dafür rückte Niklas Dams in die Innenverteidigung und ersetzte den erneut verletzten Steven Ruprecht. Der SVWW dominierte die Begegnung recht schnell und nach knapp zehn Minuten hatte Simon Brandstetter die erste gute Chance, aber der Chemnitzer Torwart konnte parieren. Nach schöner Vorarbeit von Diawusie kam dann Andrich zum Abschluss, schoss aber neben das Tor. Danach verflachte die Partie etwas und mit der ersten richtigen Gelegenheit gingen die Gastgeber in Führung. Der Treffer war allerdings sehr hübsch: langer Ball an den Strafraum, dann Annahme, halbe Drehung und Abschluss, keine Chance für Kolke. Bis zur Pause und auch noch in der zweiten Hälfte tat sich der SVWW schwer und kam zu keinen gefährlichen Aktionen. Rüdiger Rehm brachte zunächst Dittgen für Diawusie und dann mit Breitkreuz für Pezzoni einen weiteren Stürmer. Die erste Chance in der zweiten Hälfte hatte Manuel Schäffler, aber der Torwart hatte erneut aufgepasst. Max Dittgen hatte dann einige gute Szenen auf der linken Seite, aber der letzte Ball missriet mehrmals. Eine Flanke kam zu Andrist, der den Kopfball aber mehr mit der Nase als mit der Stirn traf und dabei den Ball neben das Tor setzte. Eine Flanke von rechts konnten die Chemnitzer zweimal nicht klären und der Ball kam mehr zufällig zu Andrich, der von der Sechzehnerlinie trocken abzog und zum Ausgleich traf. Nur zwei Minuten später wieder Dittgen über links, die Flanke eigentlich wieder zu weit, aber Kuhn brachte den Ball nochmal von rechts, genau auf den frei stehenden Patrick Breitkreuz, der ohne Mühe zur Führung einköpfte. Und wo es gerade schon so gut lief, machte Brandstetter mit dem dritten Treffer innerhalb von fünf Minuten alles klar. In der Schlussminute schloss Stephan Andrist noch einen Konter zum Endstand ab.

Liebling des Spiels: Max Dittgen. Sorgte nach seiner Einwechslung für mächtig Alarm auf der linken Seite und obwohl einige Hereingaben misslangen, wurde es doch regelmäßig gefährlich.

Szene des Spiels: 76. Minute, Dittgens Hereingabe geht quer durch den Strafraum, Kuhn sammelt den Ball auf und flankt nochmal von rechts, Breitkreuz steht frei am Fünfer und erzielt das 2:1, Spiel gedreht.

Vor dem Spiel: Sollte der SVWW den frisch aufgestellten Siegesrekord ausbauen und trotz kurzer Regenerationszeit ein sechstes Mal in Folge gewinnen?

Nach dem Spiel: Ist man plötzlich in Schlagdistanz zu Paderborn.

Das fiel auf:
+ Der breite Kader wird zum entscheidenden Trumpf: Dittgen sorgt nach Einwechslung für frischen Wind, Breitkreuz darf mal wieder ran und trifft gleich zur Führung.
– Bis zum eher glücklich zustande gekommenen Ausgleich sah es lange Zeit nicht so aus, als sollte der SVWW noch was Zählbares mitnehmen.
+ Brandstetter trifft im dritten Spiel in Folge, Andrist sammelt erneut zwei Scorer-Punkte (ein Tor, eine Vorlage).

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 5.125, davon 34 Gästefans.

Tabelle: Mit nur noch zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer SC Paderborn steht der SVWW wenigstens bis heute Abend auf Platz 2. Magdeburg darf heute noch ran und hat danach noch ein weiteres Nachholspiel. Der Abstand auf den Vierten Karlsruhe beträgt jetzt vier Punkte.

Serien und Rekorde: Die Siegesserie hält an, schon der sechste Erfolg hintereinander. Schon das achte Spiel in dieser Saison mit vier oder mehr eigenen Toren. Nach Diawusie hat auch Kuhn jetzt zehn Vorlagen.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) in der Brita-Arena gegen die Würzburger Kickers. Die Unterfranken stehen aktuell auf Tabellenplatz 9 und haben weder mit dem Auf- noch mit dem Abstieg noch etwas zu tun. Das gestrige Nachholspiel in Jena gewannen die Kickers 2:1, am vergangenen Wochenende gab es ein 0:0 gegen den KSC. Das Hinspiel in Würzburg gewann der SVWW mit 5:0.

Aufstiegsgedanken

Seit wir unseren Podcast “Niemals Erste Liga” gestartet haben, ist das überwiegend der Ort, wo wir unsere Gedanken zum SV Wehen Wiesbaden veröffentlichen, und fürs Blog bleiben fast nur die (einigermaßen aktuellen) Spielberichte, aber gerade treiben mich ein paar Dinge um, die ich nicht bis zur nächsten NEL-Folge rumliegen lassen will.

Natürlich, das Thema “Aufstieg” spielt dabei eine zentrale Rolle, denn so eine realistische Chance auf Rückkehr in die 2. Bundesliga gab es seit 2011 nicht für den SVWW. Großartige Rechenspiele mag ich jetzt gar nicht anstellen und in die Glaskugel hat schon der WK für uns geblickt. Fest steht, dass die Saison ins letzte Viertel, also schon bald auf die Zielgerade geht, und der SVWW noch immer aus eigener Kraft mindestens den Relegationsplatz erreichen kann (fest steht seit letztem Wochenende übrigens auch, dass der SVWW diese Saison nicht mehr absteigen kann). Allerdings ist das Aufstiegsrennen auch so umkämpft wie selten zuvor und es könnte durchaus passieren, dass am Ende ein oder sogar mehrere Teams nicht aufsteigen mit einer Punktezahl, die in früheren Saisons sogar für den Direktaufstieg gereicht hätte.

Blick zurück

Schauen wir uns mal die Drittliga-Abschlusstabellen der Vergangenheit an:

SaisonPlatz 1Platz 2Platz 3Platz 4Platz 5
2008/0978 (Union Berlin)69 (Düsseldorf)68 (Paderborn)67 (Unterhaching)59 (Bayern II)
2009/1069 (Osnabrück)68 (Aue)64 (Ingolstadt)62 (Braunschw.)60 (Jena)
2010/1185 (Braunschw.)78 (Rostock)65 (Dresden)64 (SVWW)61 (Erfurt)
2011/1266 (Sandhausen)64 (Aalen)61 (Regensburg)60 (Heidenheim)59 (Erfurt)
2012/1379 (Karlsruhe)76 (Bielefeld)73 (Osnabrück)72 (Münster)72 (Heidenheim)
2013/1479 (Heidenheim)79 (Leipzig)72 (Darmstadt)56 (SVWW)55 (Osnabrück)
2014/1574 (Bielefeld)71 (Duisburg)67 (Kiel)65 (S. Kickers)59 (Chemnitz)
2015/1678 (Dresden)70 (Aue)64 (Würzburg)56 (Magdeburg)56 (Osnabrück)
2016/1768 (Duisburg)67 (Kiel)63 (Regensburg)61 (Magdeburg)56 (Zwickau)

Aktuell haben die Teams auf den ersten fünf Plätzen zwischen 60 und 53 Punkten und noch acht bis zehn Partien zu spielen, können also noch maximal 24 bis 30 Punkte holen, wobei auch noch diverse Begegnungen zwischen den Aufstiegsaspiranten anstehen. Dennoch könnten am Ende sogar für die Plätze 4 und 5 rund 70 Punkte zu Buche stehen.

Es ist aber wohl keine sehr gewagte Prognose, wenn ich behaupte, dass es bis zum letzten Spieltag eng bleibt. Könnte sogar gut sein, dass es mindestens drei Mannschaften gibt, für die im letzten Spiel noch alles von Direktaufstieg bis Blechmedaille drin ist.

Relegation – und dann?

Stellen wir uns mal vor, der SVWW wird Dritter und darf dann zwei Relegationsspiele gegen den 16. der 2. Bundesliga bestreiten. Wer das sein wird, ist noch deutlich schlechter vorherzusagen als die Relegationsanwärter aus der 3. Liga, denn die Zweitligatabelle ist ja brutal eng. Persönlich gefällt mir die Vorstellung, dass Darmstadt es vom aktuell 17. Platz noch in die Relegation schafft, aber dann dort gegen den SVWW verliert – alleine schon, um die gegenläufige Entwicklung beider Teams seit dem Hessenpokalfinale 2013 abzuschließen. Andererseits wäre ein Scheitern gegen die Lilien auch doppelt bitter, von daher muss es nicht unbedingt dazu kommen. Ein Siegtreffer von Robert Andrich gegen seinen neuen Verein Heidenheim hätte natürlich auch seinen Charme (vgl. NEL20). Es drohen aber auch einige richtige Zweitliga-Schwergewichte wie Union Berlin, Braunschweig, St. Pauli oder Bochum – schwierig würde es allemal werden, keine Frage. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass die Drittligisten in den Relegationen gegen Zweitligisten eine gute Bilanz haben, von bisher neun Duellen konnten die Drittligisten sieben gewinnen. Ein direkter Aufstieg via Platz 1 oder 2 wäre dennoch die deutlich komfortablere Variante.

Die Westtribüne

Sollte es tatsächlich mit dem Aufstieg in dieser Saison klappen, ob direkt oder per Relegation, ergäbe sich in der Stadionfrage ein kleines Problem. Nicht ganz so dramatisch wie 2007, als innerhalb weniger Monate ein komplettes Stadion aus dem Boden gestampft werden musste, aber auch nicht völlig unerheblich. Bekanntlich fordert die DFL für die 2. Bundesliga eine Mindestkapazität von 15.000 Plätzen, weshalb ja die Westtribüne durch einen Neubau ersetzt werden soll. Nach aktuellem Planungsstand soll im kommenden Herbst mit dem Rückbau der bisherigen Tribüne begonnen und der Neubau im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden. Das bedeutet also, dass man einen großen Teil der kommenden Saison mit verminderter Zuschauerkapazität bestreiten müsste (eine Ausnahmegenehmigung der DFL vorausgesetzt), was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da man gerade in der 2. Liga (und nur da) die Brita-Arena regelmäßig voll oder wenigstens fast voll bekommen würde. Sollten dann beispielsweise der Hamburger SV oder der 1. FC Köln während der Umbauphase beim SVWW antreten dürfen, müsste man wohl in ein anderes Stadion ausweichen – für diesen Fall war vom Mainzer Bruchwegstadion die Rede.

Wenn man noch etwas weiterspinnt und annimmt, dass der SVWW nach einem Jahr direkt wieder absteigt, wäre es gleich doppelt doof: nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern man hätte auch gerade den Neubau abgeschlossen und niemand würde die neue Tribüne brauchen. Dort sollen ja ausschließlich Stehplätze entstehen, um die geforderte Kapazität zu erreichen (abgesehen vom Gästesitzbereich, der evtl. weiterhin im Südwest-Eck bleibt), aber in der 3. Liga wird ja nicht mal der Stehplatzbereich auf der Nordtribüne voll.

Aus “Stadion-Perspektive” müsste man also eigentlich sagen, dass ein Aufstieg erst in einem Jahr die bessere Variante wäre. Umbauphase während einer weiteren Drittliga-Saison, in der man die reduzierte Kapazität ohnehin nicht bemerkt und kein Ausweichen nach Mainz nötig wäre, und dann mit fertig ausgebautem Stadion und großer Euphorie in die 2. Liga starten.

Das Problem ist freilich, dass man so einen Aufstieg nicht planen kann. Auch wenn ich zuversichtlich bin, dass Rüdiger Rehm und sein Team die Mannschaft weiter verbessern werden und kommende Saison erneut um den Aufstieg mitspielen können – eine Garantie, dass es dann auch klappt, gibt einem ja keiner. Kann im Umkehrschluss also nur bedeuten, dass man die Chance jetzt nutzen muss, völlig egal, ob die Stadion-Verantwortlichen noch ein paar graue Haare mehr bekommen.