Aufstiegsgedanken

Seit wir unseren Podcast “Niemals Erste Liga” gestartet haben, ist das überwiegend der Ort, wo wir unsere Gedanken zum SV Wehen Wiesbaden veröffentlichen, und fürs Blog bleiben fast nur die (einigermaßen aktuellen) Spielberichte, aber gerade treiben mich ein paar Dinge um, die ich nicht bis zur nächsten NEL-Folge rumliegen lassen will.

Natürlich, das Thema “Aufstieg” spielt dabei eine zentrale Rolle, denn so eine realistische Chance auf Rückkehr in die 2. Bundesliga gab es seit 2011 nicht für den SVWW. Großartige Rechenspiele mag ich jetzt gar nicht anstellen und in die Glaskugel hat schon der WK für uns geblickt. Fest steht, dass die Saison ins letzte Viertel, also schon bald auf die Zielgerade geht, und der SVWW noch immer aus eigener Kraft mindestens den Relegationsplatz erreichen kann (fest steht seit letztem Wochenende übrigens auch, dass der SVWW diese Saison nicht mehr absteigen kann). Allerdings ist das Aufstiegsrennen auch so umkämpft wie selten zuvor und es könnte durchaus passieren, dass am Ende ein oder sogar mehrere Teams nicht aufsteigen mit einer Punktezahl, die in früheren Saisons sogar für den Direktaufstieg gereicht hätte.

Blick zurück

Schauen wir uns mal die Drittliga-Abschlusstabellen der Vergangenheit an:

SaisonPlatz 1Platz 2Platz 3Platz 4Platz 5
2008/0978 (Union Berlin)69 (Düsseldorf)68 (Paderborn)67 (Unterhaching)59 (Bayern II)
2009/1069 (Osnabrück)68 (Aue)64 (Ingolstadt)62 (Braunschw.)60 (Jena)
2010/1185 (Braunschw.)78 (Rostock)65 (Dresden)64 (SVWW)61 (Erfurt)
2011/1266 (Sandhausen)64 (Aalen)61 (Regensburg)60 (Heidenheim)59 (Erfurt)
2012/1379 (Karlsruhe)76 (Bielefeld)73 (Osnabrück)72 (Münster)72 (Heidenheim)
2013/1479 (Heidenheim)79 (Leipzig)72 (Darmstadt)56 (SVWW)55 (Osnabrück)
2014/1574 (Bielefeld)71 (Duisburg)67 (Kiel)65 (S. Kickers)59 (Chemnitz)
2015/1678 (Dresden)70 (Aue)64 (Würzburg)56 (Magdeburg)56 (Osnabrück)
2016/1768 (Duisburg)67 (Kiel)63 (Regensburg)61 (Magdeburg)56 (Zwickau)

Aktuell haben die Teams auf den ersten fünf Plätzen zwischen 60 und 53 Punkten und noch acht bis zehn Partien zu spielen, können also noch maximal 24 bis 30 Punkte holen, wobei auch noch diverse Begegnungen zwischen den Aufstiegsaspiranten anstehen. Dennoch könnten am Ende sogar für die Plätze 4 und 5 rund 70 Punkte zu Buche stehen.

Es ist aber wohl keine sehr gewagte Prognose, wenn ich behaupte, dass es bis zum letzten Spieltag eng bleibt. Könnte sogar gut sein, dass es mindestens drei Mannschaften gibt, für die im letzten Spiel noch alles von Direktaufstieg bis Blechmedaille drin ist.

Relegation – und dann?

Stellen wir uns mal vor, der SVWW wird Dritter und darf dann zwei Relegationsspiele gegen den 16. der 2. Bundesliga bestreiten. Wer das sein wird, ist noch deutlich schlechter vorherzusagen als die Relegationsanwärter aus der 3. Liga, denn die Zweitligatabelle ist ja brutal eng. Persönlich gefällt mir die Vorstellung, dass Darmstadt es vom aktuell 17. Platz noch in die Relegation schafft, aber dann dort gegen den SVWW verliert – alleine schon, um die gegenläufige Entwicklung beider Teams seit dem Hessenpokalfinale 2013 abzuschließen. Andererseits wäre ein Scheitern gegen die Lilien auch doppelt bitter, von daher muss es nicht unbedingt dazu kommen. Ein Siegtreffer von Robert Andrich gegen seinen neuen Verein Heidenheim hätte natürlich auch seinen Charme (vgl. NEL20). Es drohen aber auch einige richtige Zweitliga-Schwergewichte wie Union Berlin, Braunschweig, St. Pauli oder Bochum – schwierig würde es allemal werden, keine Frage. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass die Drittligisten in den Relegationen gegen Zweitligisten eine gute Bilanz haben, von bisher neun Duellen konnten die Drittligisten sieben gewinnen. Ein direkter Aufstieg via Platz 1 oder 2 wäre dennoch die deutlich komfortablere Variante.

Die Westtribüne

Sollte es tatsächlich mit dem Aufstieg in dieser Saison klappen, ob direkt oder per Relegation, ergäbe sich in der Stadionfrage ein kleines Problem. Nicht ganz so dramatisch wie 2007, als innerhalb weniger Monate ein komplettes Stadion aus dem Boden gestampft werden musste, aber auch nicht völlig unerheblich. Bekanntlich fordert die DFL für die 2. Bundesliga eine Mindestkapazität von 15.000 Plätzen, weshalb ja die Westtribüne durch einen Neubau ersetzt werden soll. Nach aktuellem Planungsstand soll im kommenden Herbst mit dem Rückbau der bisherigen Tribüne begonnen und der Neubau im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden. Das bedeutet also, dass man einen großen Teil der kommenden Saison mit verminderter Zuschauerkapazität bestreiten müsste (eine Ausnahmegenehmigung der DFL vorausgesetzt), was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da man gerade in der 2. Liga (und nur da) die Brita-Arena regelmäßig voll oder wenigstens fast voll bekommen würde. Sollten dann beispielsweise der Hamburger SV oder der 1. FC Köln während der Umbauphase beim SVWW antreten dürfen, müsste man wohl in ein anderes Stadion ausweichen – für diesen Fall war vom Mainzer Bruchwegstadion die Rede.

Wenn man noch etwas weiterspinnt und annimmt, dass der SVWW nach einem Jahr direkt wieder absteigt, wäre es gleich doppelt doof: nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern man hätte auch gerade den Neubau abgeschlossen und niemand würde die neue Tribüne brauchen. Dort sollen ja ausschließlich Stehplätze entstehen, um die geforderte Kapazität zu erreichen (abgesehen vom Gästesitzbereich, der evtl. weiterhin im Südwest-Eck bleibt), aber in der 3. Liga wird ja nicht mal der Stehplatzbereich auf der Nordtribüne voll.

Aus “Stadion-Perspektive” müsste man also eigentlich sagen, dass ein Aufstieg erst in einem Jahr die bessere Variante wäre. Umbauphase während einer weiteren Drittliga-Saison, in der man die reduzierte Kapazität ohnehin nicht bemerkt und kein Ausweichen nach Mainz nötig wäre, und dann mit fertig ausgebautem Stadion und großer Euphorie in die 2. Liga starten.

Das Problem ist freilich, dass man so einen Aufstieg nicht planen kann. Auch wenn ich zuversichtlich bin, dass Rüdiger Rehm und sein Team die Mannschaft weiter verbessern werden und kommende Saison erneut um den Aufstieg mitspielen können – eine Garantie, dass es dann auch klappt, gibt einem ja keiner. Kann im Umkehrschluss also nur bedeuten, dass man die Chance jetzt nutzen muss, völlig egal, ob die Stadion-Verantwortlichen noch ein paar graue Haare mehr bekommen.

 

3. Liga, 30. Spieltag: SVWW – Rot-Weiß Erfurt 4:2

Tore: Schäffler (10.), Schäffler (19.), Brandstetter (22.), Schäffler (89.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Ohne Drama geht’s nicht.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Die wiedergenesenen Ruprecht und Mrowca kehrten in die Startelf zurück, dazu erhielt Diawusie den Vorzug vor Dittgen. Zu Beginn wirkte die SVWW-Defensive noch reichlich unsortiert, einen ersten Torschuss nach drei Minuten fischte Kolke noch aus dem Winkel, aber schon kurz darauf stand es tatsächlich 0:1. Diesmal sah unser Torwart nicht gut aus, als der leicht hoppelnde Ball durch Kolkes Fingerspitzen ins Tor kullerte. Glücklicherweise fiel schon ein paar Minuten später der Ausgleich: langer Ball von Mockenhaupt in den Strafraum, ein Erfurter Verteidiger verschätzt sich, Schäffler nimmt den Ball perfekt an und schließt trocken ab. Es folgten weitere Chancen auf beiden Seiten und auf der Tribüne wurden schon die ersten Tipps abgegeben: “Endstand 5:4 – aber für wen?” Nach einer Balleroberung im Mittelfeld und Schäfflers schnellen Pass auf Außen brachte Diawusie den Ball in den Strafraum, wo Schäffler wieder zur Stelle war: 2:1. Zwei Minuten später eine fast identische Szene: Mrowca erobert den Ball, Diawusie läuft rechts durch, nimmt Kuhn mit, der wiederum Brandstetter bedient, 3:1. Bis zur Halbzeitpause und auch in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte dominierte Wehen das Spiel, verpasste aber nachzulegen und so für die endgültige Entscheidung zu sorgen. Einigermaßen aus dem Nichts dann der Erfurter Anschlusstreffer, wobei Dittgen den Torschützen nicht entscheidend stören konnte. Die Gäste waren plötzlich wieder präsent und drängten auf den Ausgleich, die aussichtsreichste Gelegenheit verhinderte Pezzoni mit einer beherzten Grätsche im letzten Moment. Der SVWW kam zu Kontern, Andrists Kopfball nach Dittgen-Flanke wurde noch abgewehrt, aber kurz darauf dann doch noch das 4:2. Erneut war Dittgen auf links auf und davon, Andrists Schuss trifft Schäffler, von dem der Ball zum Endstand ins Tor prallt. Die kuriosen Begleitumstände dazu siehe unten.

Liebling des Spiels: Manuel Schäffler. Vor ein paar Tagen zum ersten Mal Vater geworden, im Spiel zweimal eiskalt vollstreckt und kurz vor Schluss noch zum Hattrick angeschossen worden – dem Mann scheint gerade die Sonne aus dem Allerwertesten.

Szene des Spiels: 89. Minute, nach Dittgens Hereingabe zieht Andrist ab und trifft den kurz vor der Torline stehenden Schäffler, von dem der Ball ins Tor prallt. Die Schiedsrichterin gibt zunächst den Treffer, aber mit etwas Verzögerung hebt der Assistent die Fahne wegen einer Abseitsstellung. Großes Durcheinander, viele Diskussion, Schiedsrichterin Hussein bespricht die Szene mit ihrem Assistenten und gibt den Treffer schließlich doch. Und das völlig zu recht, denn hinter Schäffler waren tatsächlich zwei Erfurter Spieler der Torlinie näher, einer allerdings neben dem Tor nach einer Grätsche noch auf dem Boden liegend und somit nicht im direkten Fokus. Gut vom Schiedsrichtergespann aufgelöst, die den Treffer später auch noch Schäffler zusprachen, nachdem zunächst Andrist als Torschütze galt.

Vor dem Spiel hatte Rot-Weiß Erfurt nicht nur einen Punkt vom DFB abgezogen bekommen, sondern auch Insolvenz angemeldet, was in aller Regel einen weiteren Abzug von neun Punkten und somit den sicheren Abstieg zur Folge hat.

Nach dem Spiel wünsche ich den Erfurtern viel Erfolg beim Neustart, hoffentlich in der Regionalliga. Bis bald!

Das fiel auf:
– Obwohl wieder in Bestbesetzung angetreten, war die Wehener Defensive vor allem in der Anfangsviertelstunde, aber auch nach dem 2:3 reichlich wacklig.
+ Dafür war die eigene Chancenverwertung brutal gut: die ersten drei Torschüsse waren alle drin.
+ Schön, dass auch Simon Brandstetter mal wieder getroffen hat, auch wenn er sich gegen seinen früheren Verein nicht sonderlich freuen wollte und sich vor dem Gästeblock fast entschuldigte.
+/- Sebastian Mrowca, der bei seinem Comeback direkt wieder stark aufspielte, musste früh in der zweiten Halbzeit verletzt ausgewechselt werden – hoffentlich nichts ernstes.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video), hessenschau (mit Video), MDR (Video)

Zuschauer: 2.525, davon ca. 300 Gästefans.

Tabelle: Der SVWW bleibt weiterhin auf dem vierten Platz, der KSC und Paderborn gewannen ebenfalls ihre Spiele, die Partie Jena gegen Magdeburg wurde abgesagt. Immerhin haben Rostock und Köln verloren, sodass sich nach hinten ein bisschen Abstand auftut.

Serien und Rekorde: Vier Siege in Folge gab es jetzt schon zum dritten Mal unter Rüdiger Rehm, zuletzt in der Vorrunde gegen teilweise dieselben Gegner. Der SVWW hat nun gemeinsam mit Paderborn die meisten Tore der Liga, Manuel Schäffler führt mit 19 Treffern die Torjägerliste an.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) beim SV Meppen. Die Remis-Könige der Liga (11, wie Werder II) befinden sich im gesicherten Tabellenmittelfeld und werden mit dem Abstieg wohl nichts mehr zu tun haben. Der Aufsteiger wartet seit vier Spielen auf einen Sieg, nach drei Unentschieden gab es zuletzt ein 0:2 in Karlsruhe. Das Hinspiel gewann Meppen in Wiesbaden mit 1:0.

3. Liga, 28. Spieltag: SVWW – SF Lotte 3:1

Tore: Schäffler (5.), Schäffler (91.), Diawusie (94.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Die machen mich fertig.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Schwungvoller Beginn des SVWW, der gleich den Ball gut laufen ließ und sich in der gegnerischen Hälfte festsetzte. Die erste Torannäherung durch einen Freistoß von Alf Mintzel ging noch ans Außennetz, aber keine Minute später eroberte Schäffler den Ball vom Gegenspieler, legte ihn sich am Verteidiger vorbei und traf mit einem perfekten Schuss aus 20 Metern zur Führung. Die Gastgeber dominierten die Partie und hatten die eine oder andere Chance die Führung auszubauen, die beste durch Andrich, dessen Freistoß der Lotter Torwart gerade noch über die Latte lenken konnte. Von den Gästen kam in der ersten Halbzeit annährend nichts. Auch in der zweiten Hälfte übernahm Wehen das Kommando, ohne jedoch zu wirklich zwingenden Gelegenheiten zu kommen. Es lief schon die 65. Minute, als Andrich mit einem Kopfball den Torwart zu einer weiteren Parade zwang. Die Gäste aus Westfalen wagten sich nun auch etwas mutiger nach vorne, konnten aber aus den immer mal wieder entstehenden Lücken in der Defensive der Heimmannschaft noch keinen Nutzen ziehen. Mit dem ersten Schuss, der tatsächlich auf Kolkes Tor kam, erzielte Ex-SVWWler Jaroslaw Lindner prompt den Ausgleich. Wenige Minuten später schien die Partie endgültig in die Binsen zu gehen, als Andrich – wohl gefrustet, dass ein vermeintliches Foul an ihm nicht gepfiffen wurde – gegen seinen Gegenspieler nachtrat und zurecht dafür vom Platz gestellt wurde. Lotte nutzte die Überzahl zunächst gut, ließ hinten den Ball sicher laufen und drängte Wehen in die eigene Hälfte, kam aber zu keinen gefährlichen Abschlüssen. Nachdem sich der SVWW wieder sortiert hatte, drängte man in den letzten zehn Minuten auf den Siegtreffer, der tatsächlich noch in der Nachspielzeit fallen sollte. Nach Foul an Diawusie gab es einen Freistoß nahe der Torauslinie, Mintzel flankte in die Mitte und Schäffler wuchtete den Ball aus kurzer Distanz in die Maschen – völliges Ausrasten der (leider mal wieder wenigen) Zuschauer war die unmittelbare Folge. Lotte bekam dann noch einen Freistoß in der Wiesbadener Hälfte, auch der Torwart ging mit nach vorne, aber der Ball blieb in der Abwehr hängen. Mintzels Befreiungsschlag landete bei Diawusie, der im Sprintduell seinen Gegenspieler abschüttelte und sogar noch zum 3:1 ins leere Tor traf.

Liebling des Spiels: Manuel Schäffler mit seinen Saisontreffern Nummer 15 und 16. Seine kleine Winterkrise ist ganz offensichtlich beendet.

Szene des Spiels: Das 2:1 in der 91. Minute, was später mal im Saisonrückblick sicherlich einen besonderen Platz bekommt.

Vor dem Spiel war klar, dass gegen den Tabellensechzehnten schlichtweg gewonnen werden muss, wenn man weiterhin oben mitmischen möchte.

Nach dem Spiel bleibt man im Aufstiegsrennen und hat sogar den Abstand zum Führungsduo verkürzen können.

Das fiel auf:
+/- Gewisse Parallelen zum letzten Spiel: frühe Führung durch Schäffler, Ausgleich aus dem Nichts, späte erneute Führung und Diawusie beendet die Partie mit dem 3:1.
+/- Vor allem zu Beginn wurde ordentlich kombiniert, später kamen dann aber wieder mehr und mehr lange Bälle und Flanken aus dem Halbfeld dazu.
– Andrichs rote Karte war saudämlich, weil absolut unnötig.
+ Dafür hat das Team einmal mehr eine fantastische Moral bewiesen.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Westfälische NachrichtenTelekom (Video)

Zuschauer: 1.756, davon 18 Gästefans (mit großem “Freibier Ultras”-Banner :D).

Tabelle: Der SVWW hat nun 50 Punkte und zumindest bis heute Abend Platz 3 zurückgeholt. Der KSC kann mit einem Sieg wieder überholen, Hansa und Fortuna Köln gleichziehen. Paderborn und Magdeburg trennten sichim direkten Duell Unentschieden, sodass sich der Abstand zu den beiden auf jeweils vier Punkte verringert.

Serien und Rekorde: Die erstaunliche Überzahl/Unterzahl-Serie geht weiter: in Überzahl gegen Rostock und Jena verloren, dafür in Unterzahl gegen Karlsruhe noch ein Unentschieden geholt und gegen Erfurt und jetzt Lotte gewonnen.
Jaroslaw Lindner hat nun in der Brita-Arena für Lotte dreimal soviele Tore erzielt wie für den SVWW.

Ansonsten: Rüdiger Rehm machte im Interview nach dem Spiel klar, dass man aufsteigen will (nicht muss!). Das ist insofern neu, als man vereinsseitig bisher solche eindeutigen Aussagen vermieden hat, aber natürlich macht eine andere Zielsetzung in dieser Situation und in der Phase der Saison keinen Sinn mehr.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) bei der SG Sonnenhof Großaspach, die heute Abend noch in Karlsruhe antreten dürfen. Die Schwaben stehen mit aktuell 33 Punkten (vor der Partie gegen den KSC und mit einem noch ausstehenden Nachholspiel) auf Platz 12 und werden in dieser Saison weder mit dem Auf- noch mit dem Abstieg etwas zu tun haben. Aus den letzten sieben Spielen holte Großaspach nur zwei Punkte, zuletzt unterlag man Unterhaching mit 1:2. In der Hinrunde gewann der SVWW mit 5:0.

3. Liga, 27. Spieltag: Chemnitzer FC – SVWW (abgesagt)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Platz unbespielbar, Nachholtermin folgt.

Tabelle: Gnädigerweise haben die meisten Konkurrenten nicht gewonnen. Das Spiel in Magdeburg (gegen Zwickau) wurde ebenfalls abgesagt, Paderborn holt nur einen Punkt in Münster, genauso wie Karlsruhe in Lotte und Rostock in Bremen. Nur Fortuna Köln hat in Halle gewonnen, sodass Karlsruhe jetzt einen Punkt vor dem SVWW, Köln und Rostock steht – der KSC und Fortuna allerdings mit einem Spiel mehr. Bedeutet also, dass man nach aktuellem Stand aus eigener Kraft den dritten Platz wieder zurückerobern kann.

Ansonsten: Letzte Woche wurde der Vertrag mit Sebastian Mrowca bis 2021 verlängert, was mich sehr freut. Damit sind alle aktuellen Leistungsträger auch in der nächsten Saison beim SVWW (bis auf Robert Andrich natürlich, der seinen Wechsel nach Heidenheim ja schon längst verkündet hat).

Nächstes Spiel: Am morgigen Dienstag (19 Uhr) kommen die Sportfreunde Lotte in die Brita-Arena. Die Westfalen stehen mit 30 Punkten momentan auf dem 16. Tabellenplatz. Aus den letzten vier Partien gab es nur zwei Punkte, darunter ein 1:1 gegen den KSC am letzten Samstag. Das Hinspiel in Lotte gewann der SVWW mit 1:0.

3. Liga, 26. Spieltag: SVWW – Hallescher FC 3:1

Tore: Schäffler (7.), Andrist (65.), Diawusie (93.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Nicht schön, aber Hauptsache gewonnen.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Rüdiger Rehm musste schon wieder seine Innenverteidigung neu sortieren, da Niklas Dams mit Fieber ausfiel und Sebastian Mrowca nach seiner Oberschenkelverletzung noch nicht wieder fit war. Glücklicherweise war Sascha Mockenhaupt nach seiner Bänderverletzung schneller als erwartet wieder einsatzbereit und konnte mit Sören Reddemann im Abwehrzentrum auflaufen. Agyemang Diawusie musste zunächst auf die Ersatzbank, Max Dittgen durfte stattdessen auf der linken Außenbahn beginnen. Das Spiel begann genau so, wie man sich das immer wünscht, nämlich mit der frühen Führung für den SVWW: Langer Ball von Mockenhaupt in Richtung Dittgen, ein Hallenser Verteidiger köpfte den Ball genau in den Lauf von Manuel Schäffler, der die Kugel gut gegen zwei Verteidiger abschirmte und am Torwart vorbei zum 1:0 einschob. Schäffler hätte kurz darauf beinahe das 2:0 nachgelegt, als ein missglückter Befreiungsschlag bei ihm landete, verzog aber knapp. Blöd nur, dass man schon zehn Minuten später den Ausgleich hinnehmen musste, als Markus Kolke sich verschätzte und völlig unnötigerweise aus seinem Kasten stürmte. Der Gäste-Stürmer köpfte über Kolke hinweg und schoss ins leere Tor ein – ein wirklich dicker Bock von Kolke, muss man leider so sagen. Danach war der Anfangsschwung auch erst mal dahin, es folgte mal wieder in erster Linie Langholz nach vorne, während das Kombinationsspiel des HFC zuweilen sehr ansehnlich war, aber letztlich auch kaum zu Chancen führte. Als letzte Aktion vor dem Halbzeitpfiff zirkelte Moritz Kuhn einen Freistoß an den Außenpfosten. Auch in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel nicht wirklich besser. Als Alf Mintzel verletzt ausgewechselt werden musste, nutzte Rehm die Gelegenheit, um mit Diawusie einen weiteren Offensivmann zu bringen. Dittgen ging dafür eine Position nach hinten. Nach einem langen Ball von Kuhn, den Simon Brandstetter in den Lauf von Stephan Andrist verlängerte, war dieser frei vor dem gegnerischen Torwart und verwandelte zur erneuten Führung. Halle bemühte sich um den Ausgleich und kam auch zu Chancen. Kolke machte seinen Fehler wieder gut und vereitelte eine große Möglichkeit der Gäste, ein anderes Mal klärte Mockenhaupt. In der Nachspielzeit erhielt Diawusie in der eigenen Hälfte den Ball und lief los, erstmal an der linken Außenbahn entlang, ein, zwei Haken, um den Verteidiger abzuschütteln, dann Richtung Tor und schließlich aus kurzer Distanz der Abschluss zum 3:1, Abpfiff, Arbeitssieg.

Liebling des Spiels: Sascha Mockenhaupt. Bei seinem letzten Einsatz noch so unglücklich, hielt er diesmal wieder mit gewohnter Sicherheit die Defensive zusammen.

Szene des Spiels: Diawusies Sololauf zum 3:1 war das Highlight eines ansonsten nicht sehr ansehnlichen Spiels.

Vor dem Spiel: Hoffte ich nur auf drei Punkte, völlig egal wie sie zustande kommen würden.

Nach dem Spiel: Habe ich genau das bekommen.

Das fiel auf:
– Im Spiel nach vorne hapert es weiterhin.
+ Die Chancenverwertung war diesmal ok, viel mehr Zwingendes als die Tore und den Freistoß von Kuhn gab es auch nicht.
– Auch Alf “Fußballgott” Mintzel mit einer bescheidenen Vorstellung. Flanken kamen kaum an, dazu einige gefährlich in die Mitte geschlagene Klärungsversuche. Seine Verletzung war sogesehen ein Vorteil, denn so musste Rehm reagieren.
+/- Auf der Linksverteidigerposition übernahm zunächst Dittgen für Mintzel, später wurde noch Dominik Nothnagel eingewechselt. Dittgen rückte dann für Schäffler ins Sturmzentrum.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Mitteldeutsche Zeitung, Telekom (Video)

Zuschauer: 1.788, davon ca. 150 Gästefans. Anscheinend gab es bei der Anreise Ärger zwischen HFC-Fans und Polizei, sodass es einige gar nicht erst bis ins Stadion schafften.

Tabelle: Der SVWW verteidigt Platz 3, aber die Verteidiger Karlsruhe, Rostock und Köln gewannen ebenfalls. Die beiden Führenden Magdeburg und Paderborn konnten hingegen nicht dreifach punkten, sodass der Abstand wieder ein bisschen geschrumpft ist (auf fünf bzw. sechs Punkte).

Serien und Rekorde: Manuel Schäffler erzielte sein 14. Saisontor, hat somit bereits öfter getroffen als in der gesamten letzten Saison und ist nur noch einen Treffer von Janjics Bestmarke aus 2013 entfernt. Dazu Stephan Andrist mit seinem 11. Tor. Das letzte Mal, dass zwei Wehener zweistellig trafen, war 2013/14 (Vunguidica und Jänicke jeweils 10), mehr Tore erzielte nur das Duo Niku/Diakité 2005/06 in der Regionalliga (16 und 15).

Ansonsten: So langsam könnte es mal Frühling werden. Auf Dauer nervt es etwas, wenn einem die Finger am Bierbecher festfrieren.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) beim Chemnitzer FC. Die Sachsen stehen nach zehn Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen auf einem Abstiegsplatz, konnten aber die beiden letzten Heimspiele gewinnen. Gestern gab es ein 0:2 in Karlsruhe. Das Hinspiel gewann der SVWW mit 2:1.