Una notte magica

Aufmerksame Blogleser werden schon bemerkt haben, dass ich zuweilen den FC Bayern München zu Europapokalauswärtsspielen begleite. Am liebsten würde ich das natürlich ständig tun, aber es gibt nun mal gewisse Randbedingungen hinsichtlich Familie, Berufstätigkeit, Verfügbarkeit von Eintrittskarten und Reisemöglichkeiten usw., Sie wissen schon. Immerhin komme ich im Schnitt auf etwa eine derartige Reise pro Saison und heuer ging es nach Rom zum Champions-League-Vorrundenspiel bei der ortsansässigen Sportvereinigung, bekannt als AS Roma.

Da auch gerade Herbstferien waren, bot es sich an, die Familie mitzunehmen und gemeinsam ein paar Tage im schönen Italien zu verbringen. Wir reisten schon samstags an und ich verzichtete dafür sogar darauf, die Heimniederlage des SV Wehen Wiesbaden gegen die Mainzer U23 anzuschauen. Der Plan, den Kurzurlaub vor das Spiel in Rom zu legen, stellte sich als weise heraus, denn ansonsten hätte uns der Pilotenstreik die Anreise gehörig vermasselt.

Nach ein paar wunderbaren Tagen weiter im Süden machte ich mich also auf dem Weg zum Olimpico, das rote Trikot noch etwas verschämt ins Jäckchen eingewickelt (ich gebe zu, ich traute mich nicht es offen zu tragen, solange ich noch alleine unterwegs war, man hört ja so einiges) und zwei Tickets in der Tasche, wobei mir klar war, dass ich auf dem zweiten wohl sitzen bleiben würde. Zum Zeitpunkt der Kartenbestellung war ein Kollege noch interessiert, aber bis er schließlich absagte, war die Bekannte, die noch dringend auf der Suche war, schon versorgt und es gab im Gegenteil sogar zahlreiche Angebote. Die zwischenzeitliche Überlegung mit Frau und Kind zum Spiel zu gehen, verwarfen wir wieder, schließlich ist eine Vierjährige eher noch nicht Fanblock-kompatibel, zumal es auch absehbar spät werden würde, was dann weder für Kind noch Eltern ein Vergnügen wäre.

Am Stadion angekommen war man, sofern man sich als Bayern-Anhänger zu erkennen gab, noch lange nicht am Stadion angekommen. Die freundlichen Sicherheitskräfte leiteten die Rotgekleideten in einem enormen Bogen ums Stadion herum, wobei die Ansage “next bridge” nicht, wie zunächst vermutet, eine komische Bezeichnung für die nächstgelegene Fußgängerampel war, sondern tatsächlich die nächste Brücke, nämlich über den Tiber, meinte. Dort wurden wir erst mal gesammelt und dann von Polizei und italienischen Fanbetreuern in einem tüchtigen Fußmarsch vorbei am Außenministerium schließlich zum Gästeeingang des Stadions geführt. Wie erwartet ergab sich keine Gelegenheit mehr, das übrige Ticket zum Verkauf anzubieten, und ebenfalls wie erwartet war die obligatorische “Personalisierung” der Karten, die sich in mit Kugelschreiber auf die Rückseite geschriebenen Namen manifestierte, ziemlich witzlos, zumindest sah ich keine einzige Kontrolle, wo der Name mit einem Ausweis abgeglichen wurde. Naja, kennt man ja schon von anderen Gelegenheiten.

Durch die relativ späte Ankunft im Stadion und des entsprechend schon reichlich gefüllten Gästeblocks war es dann relativ zwecklos, die ebenfalls anwesenden Bekannten zu suchen, sodass ich mit dem kleinen Grüppchen, das ich auf dem Marsch durchs abendliche Rom kennengelernt hatte, zusammenblieb. Es stellte sich übrigens heraus, dass es sich dabei um die Besatzung des Sonderflugs von FC Bayern Tours handelte. Darüber, dass ein Teil der Kabinencrew sich aufs Fotografieren per iPad statt aufs Spiel konzentrierte, sah ich großzügig hinweg.

Vor dem Spiel wurde noch das eine oder andere Erzeugnis der pyrotechnischen Industrie präsentiert, wobei sich das Rauchaufkommen erfreulicherweise in Grenzen hielt, aber dafür einige Kanonenschläge (oder wie auch immer die in Ultra-Kreisen heißen) um ungeteilte Aufmerksamkeit baten. Auf römischer Seite wurde die Fankurve mittels Papptafelchoreografie in die Vereinsfarben rot und gelb getaucht, während der Gästeblock einfach rotweißes Absperrband präsentierte. Die Gesänge der Tifosi waren toll und sehr, sehr laut, was umso erstaunlicher ist, da das Olympiastadion dank Laufbahn doch sehr weitläufig ist.

Der Spielverlauf, der geneigte Leser hat es vermutlich der Tagespresse entnommen, sorgte dann für zwischenzeitliches Verstummen der Heimfans, aber, und das fand ich doch bemerkenswert, nicht sehr lange. Als die Mannschaften zur zweiten Halbzeit aufs Feld zurückkehrten – und da führten die Gäste aus Monaco di Baviera ja bereits mit 5:0 – gab es tosenden Applaus, der sicher nicht ironisch gemeint war. Andernorts wäre man schon froh gewesen, wenn es nur Pfiffe und keine Wurfgeschosse gegeben hätte, aber hier bejubelte das Publikum seine deutlich unterlegene Mannschaft. Sehr beeindruckend.

Der ansonsten hervorragend aufgelegte Gästeblock dankte nach einem etwas heftigeren Einsteigen eines römischen gegen einen Münchner Spieler mit “Sch… Italiener”-Rufen – da war mal wieder so ein Fremdschämmoment. Dass einige Halbstarke und im Geiste Junggebliebene sich, getrennt durch eine sichere Plexiglasscheibe, mit Ihresgleichen aus dem gelbroten Nachbarblock kleinere Wort- und Gestenscharmützel lieferten, nahm ich noch mehr oder weniger schulterzuckend hin, ein paar Idioten gibt es schließlich immer, aber dass dann mehrere hundert, vielleicht tausend Fans in diese latent rassistischen Rufe einstimmten, war doch eher unschön. “Ist ja schließlich Fußball, da geht’s halt nun mal etwas derber zu” mag nun der eine oder andere denken, und welchen Unterschied macht es schon, ob man nun beispielsweise “Sch… Kaiserslautern” oder eben “Sch… Italiener” ruft? Ja, mag sein, vielleicht bin ich zu empfindlich, aber in meinen Ohren klang das halt eher danach, als hätten da einige ihrem inneren Rassisten ein wenig Auslauf gewährt. Sehr schade, insbesondere für eine Kurve, die noch in der Woche zuvor u. a. für ihr antirassistisches Engagement ausgezeichnet wurde.

Nach dem Spiel tat sich abermals Erstaunliches, denn einige römische Fans aus dem Nachbarblock warfen ihre Schals über die Abtrennung, woraufhin ihrerseits Münchner Fans ihre eigenen Schals zurückwarfen. Aus einigen wurden viele und so wurde nach und nach sicherlich eine dreistellige Zahl an Schals getauscht. Das hatte ich in dieser Form auch noch nicht erlebt und ich interpretiere das mal als Respektbekundung für das grandiose Spiel der Bayern und/oder den insgesamt tollen Support des Gästeblocks. Das behagte zwar nicht jedem (“Boah, auch noch Sch… Fair Play”), setzte aber für mein Empfinden einem außergewöhnlichen Abend das i-Tüpfelchen auf.

Nach einer mehr als einstündigen Blocksperre durften auch die Gästefans endlich das Stadion verlassen und wurden mit Sonderbussen zum Hauptbahnhof befördert. Der Taxifahrer, der mich von dort in meine Unterkunft brachte, sah mein Trikot, deutete auf sich und sagte nur: “Roma”. Ich antwortete “scusi” und wir lachten beide kopfschüttelnd.

Am nächsten Tag hätte ich ja gerne ein Foto der Titelseiten der italienischen Tageszeitungen gemacht, aber entweder werden die am Kiosk generell nicht ausgehängt und man hielt sie an diesem Tag aus Scham zurück. Den Glückscent, den ich tags zuvor vor einer Gelateria gefunden und der offensichtlich gute Dienste geleistet hatte, beförderte ich ordnungsgemäß in den Trevi-Brunnen. Einem Besuch in Berlin am 6. Juni sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen.

Hier ein paar Fotos.

Europas große Sieger

Heute geht es – der aufmerksame Leser mag es schon an der Überschrift erkannt haben – nicht um den SV Wehen Wiesbaden, sondern um den FC Bayern München. Und noch dazu um ein Spiel, das schon ein Jahr zurückliegt, nämlich die Partie um den UEFA Super Cup in Prag – gerade noch rechtzeitig veröffentlicht, bevor sich der FCB nicht mehr “amtierender Super Cup Sieger” nennen darf.

Normalerweise würde ich das hier nicht mehr aufwärmen, aber ich habe jetzt endlich mal die Fotos dieses Ausflugs veröffentlicht und möchte nicht einfach nur irgendwo einen Link hinrotzen, sondern bei der Gelegenheit auch noch ein paar Worte drumherum verlieren. Wer nur die Fotos anschauen möchte, kann ja gleich ans Ende des Beitrags scrollen.

An sich ist dieser UEFA Super Cup ja eher ein Wettbewerb aus der Kategorie Micky-Maus-Pokal, aber es gab ein paar Randbedingungen, die die Sache durchaus interessant machten und für den FC Bayern bekam das Spiel im Nachhinein noch eine außergewöhnliche große Bedeutung. Aber der Reihe nach.

Für mich persönlich war es ein kleines bisschen “Wiedergutmachung”, da ich nicht beim großen Champions-League-Triumph in Wembley, nun aber wenigstens bei diesem Bonus-Spiel dabei sein konnte. Schließlich durfte der FCB dort aufgrund des CL-Sieges antreten und die Mannschaft war ja auch noch nahezu identisch, sodass es sich eben ein wenig nach Fortsetzung anfühlte.

Ein besonderer Reiz lag natürlich darin, gegen Chelsea zu spielen, die ja bekanntlich im Jahr zuvor den Traum vom CL-Sieg in der eigenen Arena brutal zerstörten (was ich wiederum live vor Ort erleben durfte). Natürlich würde auch ein Sieg im Supercup nicht das Geringste an den Ereignissen von 2012 ändern, aber relativ kurz danach eine Gelegenheit zu einer kleinen Revanche zu bekommen, war schon eine nette Konstellation.

Hinzu kam, dass beide Teams just vor der Saison neue Trainer bekommen hatten und zwar mit Pep Guardiola einerseits und José Mourinho andererseits die absoluten Top-Stars der Branche. Beides extreme Titelsammler, die einen UEFA Super Cup ohnehin nicht einfach abschenken würden, und die sich obendrein gegenseitig nicht besonders leiden können, sodass völlig klar war, dass das Spiel von beiden Seiten sehr ernst genommen wurde.

Aber auch abseits dieser besonderen Rivalitäten war dieser Pokal für den FC Bayern von besonderer Bedeutung, da es der einzige offizielle Wettbewerb ist, den man bis dato noch nie gewonnen hatte. Anlass genug für eine schöne Choreo mit dem fast vollen Vitrinenschrank und dem Spruchband “Oana basst no nei.”

Zum eigentlichen Spiel aber erst gleich, ich wollte ja nur darauf hinaus, dass es eben keine reine Jux-Veranstaltung war. Wie üblich war es kein leichtes Unterfangen, an Karten zu kommen, aber letztlich klappte es doch noch über zwei Ecken.

Da meine Frau auch noch nie in Prag war, machten wir gleich ein paar Tage Urlaub draus. Unser Hotel lag etwas außerhalb und als wir uns von dort in die Innenstadt aufmachten, bekamen wir etwas Zweifel an der oft zitierten Schönheit Prags. Da draußen in den Randbezirken standen nämlich überwiegend sozialistische Plattenbauten in blühender… äh… Grässlichkeit. Dieser etwas schale Eindruck wurde beim Verlassen der U-Bahn im Zentrum aber schnell wieder revidiert, denn dort ist Prag tatsächlich wundervoll. Wir erkundeten natürlich die Altstadt, Karlsbrücke, Burg mit Veitsdom und drehten eine Runde beiderseits der Moldau – dank der gemieteten E-Bikes ließ sich eine ordentliche Distanz mit einigen Hügeln leicht bewerkstelligen. Wer noch nicht in Prag war, sollte das auf jeden Fall mal in Betracht ziehen, wir werden sicher nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Am Spieltag füllte sich die Stadt natürlich mit Fans beider Seiten. Auf dem Karlsplatz war irgendeine offizielle Bespaßung für die Chelsea-Anhänger, während für die Bayern der Wenzelsplatz vorgesehen war. Das Spiel fand in der Eden Arena statt und da nur eine U-Bahnlinie dort hinführt, aber wohl irgendeine Art von Fantrennung praktiziert werden musste, sollten die jeweiligen Fans an zwei unterschiedlichen Stationen aussteigen. Was natürlich völlig sinnlos war, denn von beiden U-Bahnhöfen war es noch ein gutes Stück zum Stadion zu laufen, sodass sich die Fangruppen sowieso wieder vermischten. Nun gut.

Da ich für das Treffen mit einigen befreundeten Fans etwas früh dran war, spazierte ich noch etwas um das Stadion herum. Hatte ich zumindest vor, kam dann aber nicht da durch, wo ich es vom Stadtplan her erwartet hätte und fand mich plötzlich auf einem kleinen Marsch rund um sehr weitläufige Trainingsanlagen wieder. Naja, ich bin ja gut zu Fuß und die Sonne schien auch noch. Die Eden Arena ist noch ziemlich neu und sieht von außen aus wie ein Einkaufszentrum. Wenn man es nicht wüsste, käme man kaum auf die Idee, dass drinnen ein Fußballplatz ist.

In der Kurve gab es im Prinzip freie Platzwahl, was einen schönen, kompakten Supporterblock in Rotweiß ergab und dementsprechend einige freie Plätze links und rechts davon. Ich zog es jedoch vor, mit Kollege @probek etwas abseits des Getümmels das Spiel zu verfolgen. Das Stadion wirkte drinnen deutlich größer als es die offizielle Angabe von 21.000 Plätzen vermuten ließ. Sehr hübsch übrigens die Deckenverkleidung aus Holz – wer mag schon Sichtbeton?

Das Spiel war unerwartet spannend und Martinez’ Ausgleich in der Nachspielzeit der Verlängerung ließ mich in bester Mourinho-Manier auf Knien über den Boden rutschen. Um die kleine sportliche Revanche perfekt zu machen, gewann der FC Bayern schließlich im Elfmeterschießen – das musste einfach so kommen.

Apropos Mourinho: der forderte mehrmals die Chelsea-Anhänger zu mehr Unterstützung auf, bekam jedoch nicht viel mehr als hilfloses Gewedel mit vorher verteilten Fähnchen zurück. Der Kontrast zur Bayern-Kurve, die geschlossen 120 und mehr Minuten supportete, hätte nicht größer sein können. Und eben dieser fantastische Support, der von der FCB-Vereinsführung explizit herausgehoben wurde, war einer der Gründe, warum es in der seit Jahren schwierigen Beziehung zwischen Verein und (aktiven) Fans wieder eine deutliche Wende zum Guten gab. Die diversen Maßnahmen in der Südkurve seit der letzten Saison (z. B. Tauschkarten, Umbau in reine Stehplatzkurve etc.) wurden vielleicht nicht alleine, aber doch wesentlich durch diesen Abend in Prag angestoßen. Und so wurde aus einer sportlich eher unbedeutenden Veranstaltung ein wichtiger Tag in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Hier gibt es ein paar Fotos aus Prag, auch vom Strahov-Stadion, dem größten Stadion der Welt, das ich tags drauf vor der Heimfahrt noch anschaute.

Wer bewacht denn jetzt die Queen?

Ich bin mal wieder dem FC Bayern zu einem Champions-League-Spiel hinterhergereist, diesmal ging es nach England zum Vorrundenspiel bei Manchester City.

Ich war vor dreieinhalb Jahren schon mal in Manchester, damals gegen United im Old Trafford und durfte dort erleben, dass auch eine Niederlage zuweilen ein großer Sieg ist. Einer meiner damaligen Mitfahrer musste kurzfristig absagen und ich hätte nicht gedacht, dass es ein Problem werden würde, seine Karte vor dem Stadion zu verkaufen, aber tatsächlich fand sich kein Interessent und ich brachte das Ticket schließlich ungenutzt wieder mit nach Hause. Diesmal wollte ich gemeinsam mit Herrn @fehlpass das Spiel verfolgen, aber kurz vor Abflug teilte er mit, dass er krank sei und nicht kommen könne. Angesichts der zahlreichen Kartenangebote auf Twitter usw. war mir deshalb schon gleich klar, dass es wohl schwierig werden würde, seine Karte noch an den Mann zu bringen. Spätestens als ich im Zug vom Flughafen Manchester in die Innenstadt dann von anderen Fans hörte, wieviele Karten sie auch noch übrig hatten, war klar, wie aussichtslos ein Verkaufsversuch war.

Das blieb aber die einzige kuriose Parallele zum letzten Besuch in Manchester. Während ich damals ziemlich knapp anreiste und direkt vom Flughafen mit dem Taxi zum Stadion fuhr und am nächsten Morgen auch gleich wieder zurückflog, wählte ich diesmal den früheren Hin- und den späteren Rückflug, um die Hektik zu vermeiden und auch ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Nun ja, um es vorweg zu nehmen, anders als letztes Jahr in Valencia oder kürzlich in Prag (über das ich auch noch zu berichten gedenke), gibt Manchester ohne den Fußballaspekt kein besonders lohnenswertes Ziel ab, weder hinsichtlich besonderer Attraktionen noch vom Stadtbild her. Teilweise gibt es gut erhaltene bzw. nett hergerichtete Altbauten, dazwischen auch einige moderne Gebäude, aber auch ziemlich viel recht heruntergekommene Schuppen. Weil ich bei der Eingabe der Hoteladresse ins Handy-Navi einen kleinen Fehler gemacht hatte, lief ich nicht nur zehn Minuten zu weit, sondern landete auch in einer mäßig ansehnlichen Industriebrache. Ironie am Rande: Dass ich vorher schon am Hotel vorbeigelaufen war, hatte ich nicht bemerkt, weil ich vom Telefon abgelenkt war.

Wie auch immer, irgendwann war das Hotel gefunden, was strategisch günstig auf halbem Weg zwischen Innenstadt und City of Manchester Stadium liegt. Kollege @ElRey_Muc logierte dort ebenfalls, war aber gesundheitlich ziemlich angeschlagen und quälte sich erst zum Spiel aus den Federn. Ich ging unterdessen ins Zentrum, merkte recht bald, dass es nicht sonderlich viel zu sehen gibt und lungerte dann schon zeitig am Piccadilly Gardens herum, eine Grünfläche in der Innenstadt, wo sich die Bayern-Fans zum gemeinsamen Marsch zum Stadion treffen wollten. Die natürlich ebenfalls zahlreich anwesende Polizei war zwar sehr freundlich, aber extrem darauf bedacht, den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Beim Plaudern mit Hias Hammerl (dem bekannten Fan mit Gamsbart und Riesenkuhglocke) stellte sich heraus, dass er im gleichen Dorf wohnt wie meine Schwiegermutter. Kleine Welt mal wieder.

Die noch etwas träge Stimmung (der eine oder andere Gesang und Schlachtruf war zu hören) stieg deutlich an, als am Rande des Platzes eine Band zu spielen begann. Diese bestand aus vier Herren in deutlich fortgeschrittenem Alter: ein Gitarrist/Sänger, ein Schlagzeuger und dazu ein Klatscher und ein … äh… Tänzer, der in Haarpracht und Statur an Bernie Ecclestone erinnerte. Jedenfalls war es ein lustiges Spektakel aus sich abwechselnden Pop-Klassikern der “Piccadillys” und Gesängen der Bayern-Fans. Der anschließende Fußmarsch durch die Stadt zum Stadion wurde von soviel Polizisten begleitet, dass irgendwann nur noch die Zeile “Wer bewacht denn jetzt die Queen?” gesungen gegröhlt wurde. Sehr spaßig.

Am Stadion kamen wir schon deutlich vor Öffnung an, sodass reichlich Zeit blieb, das City of Manchester (bzw. Etihad-) Stadium zu begutachten. Das Ding ist ja noch einigermaßen neu und mit seinen leicht geschwungenen Tribünen sowie den Stahlseilkonstruktionen  ganz nett anzuschauen, aber nicht unbedingt eine architektonische Sensation. Es befindet sich inmitten der sogenannten SportCity, in der sich noch zahlreiche weitere Stätten für diverse Sportarten befinden, denn das Ganze war Veranstaltungsort der Commonwealth Games im Jahr 2002.

Ich saß bzw. stand im Unterrang, der relativ flach ist und somit keine besonders gute Perspektive zum Betrachten eines Fußballspiels bietet. Andererseits hatte ich auf diese Weise mal Gelegenheit, mitten in der Südkurve (sozusagen) ein Spiel zu verfolgen. Die ständigen Klatschereien (“alle die Arme nach oben”) hätte ich ja gerne öfter mitgemacht, wenn mir nicht der linke Oberarm von der tags zuvor erhaltenen Impfung noch tüchtig geschmerzt hätte. Mitgesungen habe ich immerhin ganz ordentlich, aber für Gehüpfe mit dem Rücken zum Spielfeld kurz vor Ende, als es gerade nochmal spannend wurde, war ich nicht zu haben, sorry. Abgesehen von der etwas heiklen Schlussphase war das Spiel der reinste Genuss, aber das habt Ihr ja alle selbst gesehen.

Mittags hatte ich noch keine Lust auf Bier, im und am Stadion gab es keins (noch nicht mal alkoholfreies) und nochmal in die Innenstadt wollte ich nicht mehr (wobei ich sowieso nicht sicher bin, ob die Pubs noch geöffnet gehabt hätten). Also versuchte der findige Durstige an einem der Fanbusse ein Bier zu erstehen. Während ich beim ersten recht barsch abgewiesen wurde, verlud der nächste gerade eine ganze Reihe volle Bierkisten. Kaum hatte ich ein Fläschchen Veltins (es war offensichtlich kein bayrischer Fanclub) erstanden, kam auch schon ein ganzes Rudel Polizisten, um weitere Alkoholexzesse zu verhindern. Bevor mein mühevoll erworbenes Fläschchen konfisziert werden konnte, ließ ich dieses unter der Jacke verschwinden und verließ die Szenerie. Mit einem lauwarmen Pils im Hotelzimmer endete ein ingesamt netter Ausflug.

Nachdem ich jetzt beide großen Stadien in Manchester besucht habe und die Stadt ansonsten nicht viel hergibt, werde ich wohl nicht so schnell wieder dorthin reisen. Für eine Auswärtsfahrt mit Herrn @fehlpass wird sich aber im Laufe der KO-Runde sicher noch ein hübscheres Ziel finden.

 

Hier gibt es ein paar Fotos.

Amunt València

Üblicherweise berichte ich in diesem Blog nur von persönlichen Erlebnissen und vom Geschehen rund um den SV Wehen Wiesbaden, aber es ist ja kein Geheimnis, dass ich zuallererst, quasi hauptberuflich, Fan des FC Bayern München bin. Aufgrund räumlicher Distanz und Kartenknappheit sehe ich die Bayern nur ein paarmal pro Saison live im Stadion, aber dafür gönne ich mir ab und an auch mal ein Europapokal-Auswärtsspiel.

Diese Woche war es mal wieder soweit, die Reise führte zum Champions-League-Vorrundenspiel nach Valencia. Reizvoll war vor allem die Aussicht auf das Stadion Mestalla, das einerseits aufgrund seiner extrem steilen Ränge eine Besonderheit darstellt und andererseits bald abgerissen werden könnte, sofern das im Bau befindliche Nou Mestalla irgendwann auch mal fertiggestellt wird. Momentan ist zwar wegen Geldmangels Baustopp und man scheint nicht von einer Fertigstellung in absehbarer Zukunft auszugehen, aber wer weiß, wann der FC Bayern dort mal wieder gastiert. Ich habe mich schließlich schon genug geärgert, den Bökelberg und Highbury verpasst zu haben.

Unpraktischerweise gibt es seit einiger Zeit keine Direktflüge von Frankfurt nach Valencia mehr, was die Reiseplanung etwas verkomplizierte. Mein Mitreisender R. musste leider kurzfristig absagen, sodass ich alleine via Zürich nach Valencia aufbrach. Diese Route hatten auch einige andere Fans gewählt, sodass ich mich im Flugzeug neben einem weiblichen Fan Anfang Zwanzig wiederfand, die in die offizielle FCB-Ladies-Kollektion in den traditionellen Vereinsfarben Grau und Pink gehüllt war und deren dringlichstes Anliegen es war, ein “Foto mit Schweini” zu machen. Das Mannschaftshotel hatte sie auch schon ermittelt. Ich hielt mich mit Kommentaren höflich zurück.

Mein Hotel lag strategisch günstig ganz in der Nähe des Rathausplatzes, wo später dann auch der allgemeine Treffpunkt der Bayernfans samt Sonnenhutverkauf war. Da ich zum ersten mal in Valencia war, nutzte ich den Nachmittag bei herrlichem Wetter (Sonnenschein und 20 Grad, d. h. die Einheimischen liefen überwiegend mit geschlossenen Jacken und Schals herum) zu einem kleinen Bummel durch die Altstadt, bevor ich wie verabredet meinen alten Kumpel F. traf und wir zusammen mit der großen Horde zum Stadion gingen. Der Weg führte direkt am Mannschaftshotel vorbei, was nur etwa 200 Meter vom Stadion entfernt liegt. Würde mich ja schon mal interessieren, ob die Spieler, die vermutlich gerade in der Teamsitzung waren, die Gesänge von draußen mitbekommen haben.

Das Mestalla ist schon von außen mit seiner hohen Fassade ziemlich beeindruckend und durch die offenen Ecken ist der Oberrang sichtbar. Wer ganz am Rand sitzt, sollte besser schwindelfrei sein. Drinnen wird der Eindruck durch die steilen Ränge nochmal heftiger. Das steht dem Nou Camp nicht nach, wenn auch der Oberrang nicht komplett durchgeht und das Stadion “nur” 55.000 Zuschauer fasst.

Zum Spiel selbst brauche ich nichts zu schreiben, das kann man bei Bedarf anderswo nachlesen. Glücklicherweise verriet mir jemand während der ersten Halbzeit, dass Lille bereits in Borissow gewonnen hatte und somit ein Unentschieden zum sicheren Weiterkommen genügen würde. Damit ließ sich die nicht ganz so überragende Vorstellung der Bayern etwas entspannter beobachten. Überragend, oder zumindest sehr gut, fand ich den Support auf beiden Seiten, das machte richtig Spaß.

Nach dem Spiel wurden die Gästefans noch ziemlich lange im Block bzw. vor den Treppenabgängen aufgehalten, was mangels offensichtlichem Grund allseits auf großes Unverständnis stieß.

Auf dem Rückweg geriet ich vor dem Stadion eher versehentlich in einen Groupie-Pulk, der sich um den Mannschaftsbus gebildet hatte. Während Javi Martinez wohl sein Heimspiel genoss und entspannt mit den Fans plauderte und sich bereitwillig fotografieren ließ, entschwanden die anderen Spieler auf direktem Weg in den Bus. Matthias Sammer konnte ich noch dabei beobachten, wie er auf seinem Platz recht aufgebracht herumfuchtelte – vermutlich war er mit der gezeigten Leistung nicht ganz zufrieden. Lange hielt ich es in der Groupie-Zone allerdings nicht aus, angesichts von Kommentaren wie “Wer is’n das? Noch nie gesehen!” (ein paar Mädels beim Anblick von Daniel van Buyten) oder “Voll krass, ey, Alter, der hat 40 Millionen gekostet, hihihi” (kiffende Jungs über Ihrwisstschonwen) um mich herum. Auf dem weiteren Rückweg sah ich dann weitere Fans vor dem Mannschaftshotel rumlungern, die dort vermutlich auf die Ankunft des Busses warteten. Mein Bedarf an Starkult war allerdings schon gedeckt.

Da mein Rückflug am nächsten Tag erst am frühen Nachmittag startete, hatte ich noch den Vormittag zur Verfügung und machte einen langen Spaziergang (nunja, fast schon eine Wanderung) durch die Jardines del Turia bis zum Hafen. Der Fluss Turia wurde aufgrund einiger schlimmer Überschwemmungen umgeleitet und das trockengelegte Flussbett ist heute ein großer Park. Kurz vor der ehemaligen Mündung sind einige spektakuläre Gebäude entstanden, die die Oper, ein naturwissenschaftliches Museum, ein Aquarium, ein IMAX-Kino usw. beherbergen. (Wer es genauer wissen möchte, dem kann ein bekanntes Online-Nachschlagewerk helfen.) Von außen schaut das alles toll aus und war vermutlich auch ziemlich teuer, genauso wie die Formel-1-Strecke rund um den Hafen und die “America’s Cup”-Basis.

Nachdem ich noch ein Weilchen den Strand genossen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Flughafen, um über Berlin (!) nach Frankfurt heimzufliegen.

Fazit: Tolle Stadt, tolles Stadion, insgesamt ein schöner Ausflug. Wenn die An- und Abreise nicht so umständlich wäre, auch ein gutes Ziel für ein verlängertes Wochenende (allerdings wohl eher nicht im Sommer, denn dann ist es zu heiß und feucht).

Ein paar Fotos gibt es hier zu betrachten.

#Twitterena

Letzte Woche war ich (endlich!)  mal wieder in der Allianz-Arena. Nach dem – ziemlich einseitigen –  Spiel gab es noch einen zweiten Höhepunkt, nämlich ein Treffen zahlreicher dem FCB zugeneigten Twitterer. Lustige Sache, quasi ein Blind-Date mit einem Dutzend Leute, erinnerte mich an meine ersten “Real-Life”-Treffen mit anderen Stammgästen des Blutgrätsche-Stammtischs vor vielen, vielen Jahren. (Die Blutgrätsche ist übrigens leider schon seit Jahren tot. Über das plötzliche Ableben rätselte man vor einiger Zeit auch bei Trainer Baade.)

Da in dieser Woche kein Champions League Spieltag ist, der mich etwas erheitern könnte, gibt’s stattdessen ein paar (Handy-)Fotos von letzter Woche.