Hessenpokal, Halbfinale: TSV Steinbach – SVWW 2:0

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: B-Elf verliert sang- und klanglos.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten: Mit einer komplett veränderten Mannschaft (im Vergleich zum 0:2 gegen Würzburg gab es gleich neun Änderungen in der Startelf) arbeitet sich der SVWW ins Spiel und lässt zu Beginn kaum etwas zu. Nach vorne geht aber auch vergleichsweise wenig, abgesehen von einem Distanzschuss von Reddemann und einer Chance von Diawusie. Ein Doppelschlag nach einer halben Stunde entscheidet dann das Spiel: Zunächst will Akoto zu Torhüter Watkowiak köpfen, der aber bereits auf dem Weg nach draußen ist, um den Ball abzufangen. Der trudelt schließlich quälend langsam ins Tor. Nur Augenblicke später pennt das Team kollektiv, als Steinbach einen Freistoß im Mittelfeld schnell ausführt und mit einer präzisen Hereingabe das 2:0 erzielt. In der Folge ist der SVWW bemüht, kann sich aber nicht entscheidend durchsetzen – Steinbach ist defensiv immer zur Stelle und gewinnt am Ende verdient.

Liebling des Spiels: Michael Akoto. Unglücklich beim Eigentor, aber später mit einigen spektakulären Rettungstaten und insgesamt einer der Lichtblicke. Trotzdem nach Spielende untröstlich. Kopf hoch, Junge!

Szene des Spiels: 29. Minute – Michael Akoto und Lukas Watkowiak mit einer Slapstick-Einlage, die zum 0:1 führt.

Vor dem Spiel: Die erwartete Aufstellung – von der Stammelf wurde ein Großteil für den Endspurt im Aufstiegskampf der 3. Liga geschont.

Nach dem Spiel: 

Das fiel auf:
+ Die meisten Stammspieler wurden für den Aufstiegskampf geschont und erhielten damit etwas Erholung nach den vielen englischen Wochen – einige (z. B. Mintzel, Mockenhaupt, Andrist und Andrich) waren nicht einmal im Kader.
– Von den Reservisten und Langzeitverletzten konnte sich niemand in den Vordergrund spielen. Bei Kandidaten wie Breitkreuz oder Blacha sehr enttäuschend, von Lorch oder Schwadorf, für die es nach jeweils über einem halben Jahr das erste Spiel war, kann man aber natürlich noch keine Top-Leistung erwarten.
+/- Winter-Neuzugang Dominik Martinovic wurde im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt und kam damit zu seinem Pflichtspiel-Debüt für den SVWW.
+/- Die Einwechslungen von Schwadorf und Martinovic, während Schäffler und Brandstetter auf der Bank blieben, zeigten recht deutlich, dass man das Spiel dann doch nicht mit aller Macht gewinnen wollte. Man setzt beim SVWW offensichtlich darauf, über die Liga mindestens Platz 4 und damit den Einzug in den DFB-Pokal zu schaffen.
+ Immerhin vermeidet man so eine mögliche Terminkollision des Pokalfinales (geplant für den 21. Mai) mit eventuellen Relegationsspielen (Rückspiel wahrscheinlich am 22. Mai).

Das schreiben die anderen: WK, Hessenschau

Zuschauer: 1.598, davon rund 150 Gästefans.

Serien und Rekorde: Genau wie in der Liga endet auch im Hessenpokal die Serie nach sechs Siegen mit einem 0:2.

Ansonsten: 

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) geht es in der 3. Liga mit einem Auswärtsspiel in Münster weiter. Die Preußen hatten sich ihre Saison sicher anders vorgestellt, hingen lange unten drin, sind aber mittlerweile aus dem Gröbsten raus. Zuletzt gab es ein 0:3 in Karlsruhe. Das Hinspiel gewann der SVWW spektakulär mit 6:2.

3. Liga, 32. Spieltag: SVWW – Würzburger Kickers 0:2

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: Mit den eigenen Waffen geschlagen.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Die Gäste aus Würzburg spielten defensiv sehr kompakt, stellten das Zentrum zu und verschoben sehr zügig und fast lückenlos nach außen. Beim SVWW hatten u. a. Kuhn, Andrist und auch Andrich nicht ihren besten Tag, es gab viele Fehlpässe und Probleme bei der Ballannahme. Die einzige gute Chance vergab Brandstetter nach Flanke von Kuhn. Für den SVWW räumten Dams und Mockenhaupt defensiv alles ab, hatten die Lufthoheit und erstickten die Würzburger Angriffe im Keim. Kurz vor der Pause kassierten die Rot-Schwarzen jedoch noch das 0:1 (siehe Szene des Spiels).
Nach Wiederanpfiff begann der SVWW druckvoll und Mintzel zirkelte einen Freistoß ein paar Zentimeter am Winkel vorbei. Kurz darauf das 0:2 – Mockenhaupt klärte eine Flanke zu zentral und direkt zu Neumann, der den Ball nach der Annahme humorlos volley ins Tor knallte.
Wehen Wiesbaden versuchte es weiter und hätte spätestens in Minute 74 nach einer “3-fach-Chance” den Anschluss erzielen müssen. Doch weder Andrist, noch Diawusie oder Breitkreutz bekamen den Ball aus kurzer Distanz im Tor unter. In der Nachspielzeit dann noch ein nicht gegebenes Tor für den SVWW wegen Abseits – das konnten aber auch die Fernsehbilder nicht auflösen. Wie in Minute 74 herrschte Hochbetrieb vor dem Tor der Kickers, die defensiv wenig zuließen und offensiv ihre wenigen Chancen effizient nutzten.

Liebling des Spiels: Alf Mintzel. Fing defensiv sehr viele Bälle ab, dazu mit viel Dampf nach vorne.

Szene des Spiels: Der Elfmeter für Würzburg. In der Nachspielzeit von Halbzeit 1 spielten die Kickers noch einen langen Ball auf ihre linke Seite. Den Pass vors Tor will Mockenhaupt klären, trifft aber Gegenspieler Baumann am Fuß, der diesen geschickt zwischen Ball und Mockenhaupt stellte und dann laut schreit. Nach kurzer Bedenkzeit pfeift Schiri Bläser Elfmeter. Kolke pariert den halbhohen Schuss problemlos – leider aber zu mittig und genau in den Lauf von dem zu früh gestarteten Goebel, der problemlos einschießt. Kolke regt sich über seine Mitspieler auf, die den Nachschuss nicht verhindert haben. Wir regen uns nach Ansicht der Fernsehbilder aber auch über den Schiedsrichter auf, da der nicht erkannt hat, dass Goebel zwar sehr geschickt, aber regelwidrig 2 Meter früher als alle anderen gestartet ist. Indirekter Freistoß für den SVWW statt Tor für Würzburg wäre die richtige Entscheidung gewesen. [Anmerkung: Korrekt wäre Wiederholung des Strafstoßes, siehe Analyse von Babak Rafati.]

Vor dem Spiel: Hatte der SVWW 6 Spiele in Folge gewonnen, dabei immer mindestens 3 Tore geschossen und war auf Platz 2 geklettert.

Nach dem Spiel: Haben alle Konkurrenten um den Aufstieg gewonnen und die Ausgangslage hat sich deutlich verschlechtert.

Das fiel auf:
+ Alf Mintzel stand defensiv fast immer richtig, dazu sein unermüdlicher Einsatz nach vorne.
– Insgesamt zu wenig Offensivkraft und Ideen, um Würzburgs defensive Ordnung zu knacken.
– Sascha Mockenhaupt agierte bei beiden Gegentoren unglücklich, war maßgeblich beteiligt.
– Diawusie wirkte nach seiner Einwechslung lustlos.
+/- Markus Kolke parierte mal wieder einen Elfmeter, leider waren seine Mitspieler darauf nicht vorbereitet.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 2.620, davon ca. 350 Gästefans.

Tabelle: Platz 3 mit 62 Punkten.

Serien und Rekorde: Der SVWW bekam den ersten Elfmeter in dieser Saison gegen sich gepfiffen. Und natürlich von Kolke pariert.

Ansonsten: Schon die 3. Heimniederlage. Der SVWW hat auswärts mit 29 Punkten nur 4 Punkte weniger geholt als in der heimischen Brita Arena (33).

Nächstes Spiel: Am kommenden Dienstag (19 Uhr) geht es wie im letzten Jahr im Hessenpokal-Halbfinale nach Haiger zum TSV Steinbach, der in der Regionalliga Südwest aktuell auf Platz 7 steht. In den vorherigen Runden setzte sich Steinbach gegen Türk Gücü Hanau und die Offenbacher Kickers durch. In der Liga geht es für den SVWW am nächsten Samstag in Münster weiter.

3. Liga, 27. Spieltag (nachgeholt): Chemnitzer FC – SVWW 1:4

Tore: Andrich (74.), Breitkreuz (76.), Brandstetter (79.), Andrist (92.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Rehm wechselt den Sieg ein.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Trotz englischer Woche gab es keine Rotation in der Startelf, nur Robert Andrich kehrte nach seiner Sperre zurück, dafür rückte Niklas Dams in die Innenverteidigung und ersetzte den erneut verletzten Steven Ruprecht. Der SVWW dominierte die Begegnung recht schnell und nach knapp zehn Minuten hatte Simon Brandstetter die erste gute Chance, aber der Chemnitzer Torwart konnte parieren. Nach schöner Vorarbeit von Diawusie kam dann Andrich zum Abschluss, schoss aber neben das Tor. Danach verflachte die Partie etwas und mit der ersten richtigen Gelegenheit gingen die Gastgeber in Führung. Der Treffer war allerdings sehr hübsch: langer Ball an den Strafraum, dann Annahme, halbe Drehung und Abschluss, keine Chance für Kolke. Bis zur Pause und auch noch in der zweiten Hälfte tat sich der SVWW schwer und kam zu keinen gefährlichen Aktionen. Rüdiger Rehm brachte zunächst Dittgen für Diawusie und dann mit Breitkreuz für Pezzoni einen weiteren Stürmer. Die erste Chance in der zweiten Hälfte hatte Manuel Schäffler, aber der Torwart hatte erneut aufgepasst. Max Dittgen hatte dann einige gute Szenen auf der linken Seite, aber der letzte Ball missriet mehrmals. Eine Flanke kam zu Andrist, der den Kopfball aber mehr mit der Nase als mit der Stirn traf und dabei den Ball neben das Tor setzte. Eine Flanke von rechts konnten die Chemnitzer zweimal nicht klären und der Ball kam mehr zufällig zu Andrich, der von der Sechzehnerlinie trocken abzog und zum Ausgleich traf. Nur zwei Minuten später wieder Dittgen über links, die Flanke eigentlich wieder zu weit, aber Kuhn brachte den Ball nochmal von rechts, genau auf den frei stehenden Patrick Breitkreuz, der ohne Mühe zur Führung einköpfte. Und wo es gerade schon so gut lief, machte Brandstetter mit dem dritten Treffer innerhalb von fünf Minuten alles klar. In der Schlussminute schloss Stephan Andrist noch einen Konter zum Endstand ab.

Liebling des Spiels: Max Dittgen. Sorgte nach seiner Einwechslung für mächtig Alarm auf der linken Seite und obwohl einige Hereingaben misslangen, wurde es doch regelmäßig gefährlich.

Szene des Spiels: 76. Minute, Dittgens Hereingabe geht quer durch den Strafraum, Kuhn sammelt den Ball auf und flankt nochmal von rechts, Breitkreuz steht frei am Fünfer und erzielt das 2:1, Spiel gedreht.

Vor dem Spiel: Sollte der SVWW den frisch aufgestellten Siegesrekord ausbauen und trotz kurzer Regenerationszeit ein sechstes Mal in Folge gewinnen?

Nach dem Spiel: Ist man plötzlich in Schlagdistanz zu Paderborn.

Das fiel auf:
+ Der breite Kader wird zum entscheidenden Trumpf: Dittgen sorgt nach Einwechslung für frischen Wind, Breitkreuz darf mal wieder ran und trifft gleich zur Führung.
– Bis zum eher glücklich zustande gekommenen Ausgleich sah es lange Zeit nicht so aus, als sollte der SVWW noch was Zählbares mitnehmen.
+ Brandstetter trifft im dritten Spiel in Folge, Andrist sammelt erneut zwei Scorer-Punkte (ein Tor, eine Vorlage).

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 5.125, davon 34 Gästefans.

Tabelle: Mit nur noch zwei Punkten Rückstand auf Tabellenführer SC Paderborn steht der SVWW wenigstens bis heute Abend auf Platz 2. Magdeburg darf heute noch ran und hat danach noch ein weiteres Nachholspiel. Der Abstand auf den Vierten Karlsruhe beträgt jetzt vier Punkte.

Serien und Rekorde: Die Siegesserie hält an, schon der sechste Erfolg hintereinander. Schon das achte Spiel in dieser Saison mit vier oder mehr eigenen Toren. Nach Diawusie hat auch Kuhn jetzt zehn Vorlagen.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) in der Brita-Arena gegen die Würzburger Kickers. Die Unterfranken stehen aktuell auf Tabellenplatz 9 und haben weder mit dem Auf- noch mit dem Abstieg noch etwas zu tun. Das gestrige Nachholspiel in Jena gewannen die Kickers 2:1, am vergangenen Wochenende gab es ein 0:0 gegen den KSC. Das Hinspiel in Würzburg gewann der SVWW mit 5:0.

3. Liga, 31. Spieltag: SV Meppen – SVWW 1:3

Tore: Vidovic (ET, 40.), Brandstetter (48.), Andrist (55.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Verdienter Auswärtssieg dank Doppelschlag

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Der SV Meppen und der SVWW lieferten sich von Beginn an ein umkämpftes Duell auf einem vom Winter strapazierten braun-grünem Platz. Der SVWW hatte leichte Vorteile, ohne zwingend zu werden. Es ging vor allem über Kampf und Einsatz, technische Vorteile spielten kaum eine Rolle auf dem ramponierten Rasen. Der SVWW ging kurz vor der Pause in Führung, als Kuhn nach einer schönen Kombination Platz auf der rechten Seite hatte, mit seiner Flanke den Ex-SVWWler Vidovic am Kopf traf und dieser den Ball unhaltbar ins eigene Tor abfälschte. Vidovic trat während des ganzen Spiels in Erscheinung, blieb doch nach fast jedem Zweikampf mit ihm ein anderer Spieler des SVWW schmerzverzerrt am Boden liegen. Nach der Pause wollte Meppen laut deren Co-Trainer „nochmal alles rausfeuern“, bekam aber innerhalb der ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff gleich zwei eiskalte Duschen. Nach dem 0:2 (siehe Szene des Spiels) schoss Andrist im Fallen nach Vorlage von Brandstetter noch das 0:3 und machte damit den Deckel drauf. Der Rest des Spiels wurde verwaltet, Rüdiger Rehm nahm Andrist und Diawusie raus, aber auch der Rest der Mannschaft konnte dank des Vorsprungs etwas die Kräfte schonen. Das 1:3 kurz vor Schluss war nur Ergebniskosmetik und ärgerte vor allem Kolke, der wieder nicht zu Null spielen konnte.

Liebling des Spiels: Patrick Funk. Zur zweiten Halbzeit überraschend für den angeschlagenen Steven Ruprecht eingewechselt und direkt an der Entstehung der beiden Toren zum 2:0 und 3:0 beteiligt, dazu viele gewonne Zweikämpfe. Schöne Belohnung für ihn selbst, der ja momentan kaum Spielzeit bekommt.

Szene des Spiels: Das spielentscheidende 0:2 entstand aus einem Befreiungsschlag von Funk. Da Schäffler und Andrist klar im Abseits standen, schaltete die komplette Meppener Abwehr ab. Während sich Schäffler und Andrist sehr lässig Richtung Mittelline schlurften, bewegte sich Brandstetter im richtigen Moment zum Ball und schloss eiskalt vor dem alleine gelassenen Domaschke ab.

Vor dem Spiel: Fiel Sebastian Mrowca verletzt aus und hatte Moritz Kuhn noch kein Tor für den SVWW geschossen.

Nach dem Spiel: Bangen wir um den Einsatz von Steven Ruprecht und wartet Moritz Kuhn noch immer auf sein erstes Tor für den SVWW.

Das fiel auf:
+ Kampf und Einsatz stimmten.
+ Die Chancenverwertung war erneut erstklassig.
+/- Defensiv nur wenig zugelassen, aber wieder nicht zu Null gespielt.
+ Funk und Müller (erster Einsatz seit Ende September) sind wieder Alternativen auf dem Platz.
– Mrowca und Ruprecht schon wieder verletzt.
+ Moritz Kuhn nähert sich immer mehr seinem ersten Saisontreffer an. Nach diversen gefährlichen Freistößen im bisherigen Saisonverlauf zwang er nun Jovan Vidovic zum Eigentor.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video), hessenschau (mit Video)

Zuschauer: 5.456, davon etwa 60 Gästefans.

Tabelle: Dank des Karlsruher Unentschieden in Würzburg steht der SVWW nun wieder auf Platz 3 (und hat ja noch ein Spiel nachzuholen). Nach Rostock hat sich wohl auch Fortuna Köln aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet.

Serien und Rekorde: Fünf Ligasiege am Stück gab es für den SV Wehen Wiesbaden seit Beginn der Profi-Ära noch nie. In der Rückrunde gab es bisher erst ein einziges Spiel ohne Gegentreffer, aber dafür ist man vorne geradezu zur Torfabrik mutiert.

Nächstes Spiel: Am kommenden Dienstag (19 Uhr) wird die Anfäng März ausgefallene Partie beim Chemnitzer FC nachgeholt. Die Sachsen sind als Tabellenachtzehnter akut abstiegsbedroht, haben aber aus den letzten vier Heimspielen zehn Punkte geholt. Das Hinspiel gewann der SVWW mit 2:1.

Aufstiegsgedanken

Seit wir unseren Podcast “Niemals Erste Liga” gestartet haben, ist das überwiegend der Ort, wo wir unsere Gedanken zum SV Wehen Wiesbaden veröffentlichen, und fürs Blog bleiben fast nur die (einigermaßen aktuellen) Spielberichte, aber gerade treiben mich ein paar Dinge um, die ich nicht bis zur nächsten NEL-Folge rumliegen lassen will.

Natürlich, das Thema “Aufstieg” spielt dabei eine zentrale Rolle, denn so eine realistische Chance auf Rückkehr in die 2. Bundesliga gab es seit 2011 nicht für den SVWW. Großartige Rechenspiele mag ich jetzt gar nicht anstellen und in die Glaskugel hat schon der WK für uns geblickt. Fest steht, dass die Saison ins letzte Viertel, also schon bald auf die Zielgerade geht, und der SVWW noch immer aus eigener Kraft mindestens den Relegationsplatz erreichen kann (fest steht seit letztem Wochenende übrigens auch, dass der SVWW diese Saison nicht mehr absteigen kann). Allerdings ist das Aufstiegsrennen auch so umkämpft wie selten zuvor und es könnte durchaus passieren, dass am Ende ein oder sogar mehrere Teams nicht aufsteigen mit einer Punktezahl, die in früheren Saisons sogar für den Direktaufstieg gereicht hätte.

Blick zurück

Schauen wir uns mal die Drittliga-Abschlusstabellen der Vergangenheit an:

SaisonPlatz 1Platz 2Platz 3Platz 4Platz 5
2008/0978 (Union Berlin)69 (Düsseldorf)68 (Paderborn)67 (Unterhaching)59 (Bayern II)
2009/1069 (Osnabrück)68 (Aue)64 (Ingolstadt)62 (Braunschw.)60 (Jena)
2010/1185 (Braunschw.)78 (Rostock)65 (Dresden)64 (SVWW)61 (Erfurt)
2011/1266 (Sandhausen)64 (Aalen)61 (Regensburg)60 (Heidenheim)59 (Erfurt)
2012/1379 (Karlsruhe)76 (Bielefeld)73 (Osnabrück)72 (Münster)72 (Heidenheim)
2013/1479 (Heidenheim)79 (Leipzig)72 (Darmstadt)56 (SVWW)55 (Osnabrück)
2014/1574 (Bielefeld)71 (Duisburg)67 (Kiel)65 (S. Kickers)59 (Chemnitz)
2015/1678 (Dresden)70 (Aue)64 (Würzburg)56 (Magdeburg)56 (Osnabrück)
2016/1768 (Duisburg)67 (Kiel)63 (Regensburg)61 (Magdeburg)56 (Zwickau)

Aktuell haben die Teams auf den ersten fünf Plätzen zwischen 60 und 53 Punkten und noch acht bis zehn Partien zu spielen, können also noch maximal 24 bis 30 Punkte holen, wobei auch noch diverse Begegnungen zwischen den Aufstiegsaspiranten anstehen. Dennoch könnten am Ende sogar für die Plätze 4 und 5 rund 70 Punkte zu Buche stehen.

Es ist aber wohl keine sehr gewagte Prognose, wenn ich behaupte, dass es bis zum letzten Spieltag eng bleibt. Könnte sogar gut sein, dass es mindestens drei Mannschaften gibt, für die im letzten Spiel noch alles von Direktaufstieg bis Blechmedaille drin ist.

Relegation – und dann?

Stellen wir uns mal vor, der SVWW wird Dritter und darf dann zwei Relegationsspiele gegen den 16. der 2. Bundesliga bestreiten. Wer das sein wird, ist noch deutlich schlechter vorherzusagen als die Relegationsanwärter aus der 3. Liga, denn die Zweitligatabelle ist ja brutal eng. Persönlich gefällt mir die Vorstellung, dass Darmstadt es vom aktuell 17. Platz noch in die Relegation schafft, aber dann dort gegen den SVWW verliert – alleine schon, um die gegenläufige Entwicklung beider Teams seit dem Hessenpokalfinale 2013 abzuschließen. Andererseits wäre ein Scheitern gegen die Lilien auch doppelt bitter, von daher muss es nicht unbedingt dazu kommen. Ein Siegtreffer von Robert Andrich gegen seinen neuen Verein Heidenheim hätte natürlich auch seinen Charme (vgl. NEL20). Es drohen aber auch einige richtige Zweitliga-Schwergewichte wie Union Berlin, Braunschweig, St. Pauli oder Bochum – schwierig würde es allemal werden, keine Frage. Dabei muss aber auch gesagt werden, dass die Drittligisten in den Relegationen gegen Zweitligisten eine gute Bilanz haben, von bisher neun Duellen konnten die Drittligisten sieben gewinnen. Ein direkter Aufstieg via Platz 1 oder 2 wäre dennoch die deutlich komfortablere Variante.

Die Westtribüne

Sollte es tatsächlich mit dem Aufstieg in dieser Saison klappen, ob direkt oder per Relegation, ergäbe sich in der Stadionfrage ein kleines Problem. Nicht ganz so dramatisch wie 2007, als innerhalb weniger Monate ein komplettes Stadion aus dem Boden gestampft werden musste, aber auch nicht völlig unerheblich. Bekanntlich fordert die DFL für die 2. Bundesliga eine Mindestkapazität von 15.000 Plätzen, weshalb ja die Westtribüne durch einen Neubau ersetzt werden soll. Nach aktuellem Planungsstand soll im kommenden Herbst mit dem Rückbau der bisherigen Tribüne begonnen und der Neubau im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden. Das bedeutet also, dass man einen großen Teil der kommenden Saison mit verminderter Zuschauerkapazität bestreiten müsste (eine Ausnahmegenehmigung der DFL vorausgesetzt), was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, da man gerade in der 2. Liga (und nur da) die Brita-Arena regelmäßig voll oder wenigstens fast voll bekommen würde. Sollten dann beispielsweise der Hamburger SV oder der 1. FC Köln während der Umbauphase beim SVWW antreten dürfen, müsste man wohl in ein anderes Stadion ausweichen – für diesen Fall war vom Mainzer Bruchwegstadion die Rede.

Wenn man noch etwas weiterspinnt und annimmt, dass der SVWW nach einem Jahr direkt wieder absteigt, wäre es gleich doppelt doof: nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern man hätte auch gerade den Neubau abgeschlossen und niemand würde die neue Tribüne brauchen. Dort sollen ja ausschließlich Stehplätze entstehen, um die geforderte Kapazität zu erreichen (abgesehen vom Gästesitzbereich, der evtl. weiterhin im Südwest-Eck bleibt), aber in der 3. Liga wird ja nicht mal der Stehplatzbereich auf der Nordtribüne voll.

Aus “Stadion-Perspektive” müsste man also eigentlich sagen, dass ein Aufstieg erst in einem Jahr die bessere Variante wäre. Umbauphase während einer weiteren Drittliga-Saison, in der man die reduzierte Kapazität ohnehin nicht bemerkt und kein Ausweichen nach Mainz nötig wäre, und dann mit fertig ausgebautem Stadion und großer Euphorie in die 2. Liga starten.

Das Problem ist freilich, dass man so einen Aufstieg nicht planen kann. Auch wenn ich zuversichtlich bin, dass Rüdiger Rehm und sein Team die Mannschaft weiter verbessern werden und kommende Saison erneut um den Aufstieg mitspielen können – eine Garantie, dass es dann auch klappt, gibt einem ja keiner. Kann im Umkehrschluss also nur bedeuten, dass man die Chance jetzt nutzen muss, völlig egal, ob die Stadion-Verantwortlichen noch ein paar graue Haare mehr bekommen.