3. Liga, 8. Spieltag: SVWW – Chemnitzer FC 2:1

Tore: Müller (87.), Schäffler (92.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Lange Verzweiflung, späte Ekstase.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Das Spiel begann recht munter, beide Seiten hatten früh hochkarätige Chancen zur Führung. Nach weniger als einer halben Stunde geriet der CFC per Gelbroter Karte in Unterzahl und das zuvor recht offene Spiel, bei dem Chemnitz früh zu stören versuchte, veränderte sich dadurch natürlich. Die Gäste standen nun tiefer und lauerten auf Kontermöglichkeiten, die sich auch fast sofort ergaben. Weniger als zehn Minuten nach dem Platzverweis traf Kluft mit einem zugegebenermaßen sehr schönen Schuss zum 0:1. Der SVWW war durch den Rückstand sichtlich geschockt und brachte bis zur Pause nichts Vernünftiges mehr zustande. Nach der Pause und personellen Umstellungen (Müller rein, Funk raus, Mrowca dafür ins zentrale Mittelfeld) begann der SVWW mit neuem Schwung, allerdings flogen weiterhin die zahlreichen Flanken überall hin, nur nicht zum Mitspieler. Nach einem Freistoß Mitte der zweiten Hälfte dann eine große Doppelchance durch Müller und Mrowca, aber Torwart und Verteidiger konnten jeweils abwehren. Als man sich schon langsam gedanklich mit einer Heimniederlage beschäftigen musste, gelang aus kurzer Distanz Müller doch noch der Ausgleich. Danach waren noch etwa zwei Minuten regulär plus vier Minuten Nachspielzeit übrig, um das Spiel noch komplett zu drehen, was der SVWW auch vehement versuchte. Und tatsächlich landete noch eine Flanke von Diawusie bei Schäffler, der artistisch zum Siegtreffer verwandelte. Ein insgesamt eher glücklicher Dreier, der, wenn man so will, das unglückliche 1:2 von letzter Woche wieder wettmacht.

Liebling des Spiels: Sebastian Mrowca. Nicht nur wie gewohnt lauf- und zweikampfstark, sondern auch deutlich passsicherer als Funk, den er in der zweiten Halbzeit im Mittelfeld ersetzte.

Szene des Spiels: Zweite Minute der Nachspielzeit, Flanke von Diawusie von der rechten Seite, eigentlich ein bisschen zu lang geraten, aber Manuel Schäffler, der schon mindestens eine Viertelstunde auf dem Zahnfleisch ging, wirft sich nochmal nach vorne und erwischt mit langem Bein den Ball: Tor, Sieg, Ausrasten.

Vor dem Spiel:

Nach dem Spiel: Ließen sich zwei Chemnitzer Ultra-Gruppen die Fahnen klauen, was nach ungeschriebenen Gesetzen einen Seppuku erfordert, also die unmittelbare Selbstentleibung Verzeihung: –auflösung.

Das fiel auf:
+ Die Mentalität war einwandfrei, bis zum Schluss wurde geschuftet.
– Offenbar gab es eine Ansage, viel in den Strafraum zu flanken, was ich an sich schon etwas merkwürdig fand, weil Chemnitz durchweg großgewachsene Spieler auf dem Platz hatte. Allerdings hatten die allein schon deshalb kaum Schwierigkeiten mit den Flanken, weil so gut wie keine jemals im Strafraum ankam, sondern meistens direkt ins Toraus segelte. Vor allem Nothnagel tat sich hier unrühmlich hervor, aber auch Mintzel und Kuhn brachten in dieser Disziplin nichts Verwertbares zustande. Selbst wenn sich in der Mitte mal Räume auftaten wurde noch der Pass nach Außen gesucht – da sollten Rehm und Videoanalyst Fernie in der Nachbetrachtung ihren Matchplan nochmal kritisch hinterfragen.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 1.987, davon gut 200 Gästefans.

Tabelle: Der SVWW verbessert sich mit jetzt 14 Punkten auf Platz 4 und kann sogar den Abstand auf die Plätze 2 und 3 (Köln und Magdeburg mit jeweils 18 Punkten) etwas verringern.

Serien und Rekorde: Viertes Flutlichtspiel in dieser Saison, vierter Sieg (dreimal Liga sowie das Pokalspiel gegen Aue). Alf Mintzel ist jetzt alleiniger Rekordspieler mit 278 Drittligaeinsätzen.

Nächstes Spiel: Schon am morgigen Dienstag (19 Uhr) geht es nach Lotte. Die Sportfreunde unterlagen am Samstag dem KSC mit 0:1 und rangieren mit 7 Punkten momentan auf Platz 18. Der SVWW ist noch sieg- und torlos gegen Lotte. In der vergangenen Saison gab es auswärts ein 0:0 und zuhause verlor man mit 0:3, was zur Trennung von Torsten Fröhling führte.

3. Liga, 7. Spieltag: Hallescher FC – SVWW 2:1

Tor: Schäffler (39., Strafstoß)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Hinten fehlerhaft, vorne unglücklich.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Sah es im Laufe der Woche noch so aus, als ob Rüdiger Rehm personell so langsam aus dem Vollen schöpfen könne, fielen am Spieltag plötzlich eine ganze Reihe Spieler aus. Reddemann durfte deshalb in der Innenverteidigung beginnen, Nothnagel links hinten, Mintzel dafür mal wieder links offensiv und dazu Diawusie ebenfalls in der Startelf. Die offenbar nicht eingespielte Defensive und Reddemann mit mehreren individuellen Fehlern trugen dazu bei, dass es hinten öfter brenzlig wurde als man das zuletzt gewohnt war. Unverändert hingegen jedoch die verheerende Chancenverwertung, außer einem verwandelten Elfmeter von Schäffler ging mal wieder kein Ball ins gegnerische Tor. Dabei gab es genug Gelegenheiten und auch vom Spielgeschehen her war der SVWW eigentlich das bessere Team – mehr Tore machten aber die Gastgeber. Ziemlich unnötig und so langsam auch etwas bedenklich.

Liebling des Spiels: Agyemang Diawusie. Wollte zwar häufig mit dem Kopf durch die Wand, aber immer anspielbar und mit guten Ansätzen.

Szene des Spiels: 32. Minute, Reddemann wird an der Außenlinie unter Druck gesetzt und versucht sich per Hackenschuss zu befreien – der Ball landet aber beim Gegner und Sekunden später im Tor des SVWW.

Vor dem Spiel: War ich hoffnungsfroh, dass der SVWW gegen einen verunsicherten und personell gebeutelten Gegner mal wieder einen Dreier holt.

Nach dem Spiel: Muss man feststellen, dass die meisten Ersatzspieler, die sich letzte Woche im Test gegen Braunschweig noch so gut präsentiert hatten, ihre Chancen eher nicht genutzt haben.

Das fiel auf:
– Torabschluss muss man doch auch trainineren können, oder nicht?! Herrjeh.
– Spielaufbau meistens mit langen Schlägen und dem Versuch, den zweiten Ball zu gewinnen. So langsam wäre da auch ein bisschen Weiterentwicklung nett.
+/- Wenn er fehlt, sieht man mal wieder, wie wichtig Niklas Dams für die defensive Stabilität ist.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, MZ, Telekom (Video)

Zuschauer: 5.115, davon ein paar Dutzend Gästefans.

Tabelle: Der SVWW bleibt zwar mit 11 Punkten auf Platz 5, aber der Abstand zu Platz 3 ist schon genauso groß wie zu Platz 18 (jeweils 6 Punkte).

Serien und Rekorde: Nach den drei Siegen zum Start Wehen nun zum vierten Mal hintereinander ohne dreifachen Punktgewinn. Alf Mintzel hat Robert Müller eingeholt und ist nun mit 277 Drittligaspielen (gemeinsamer) Rekordspieler.

Nächstes Spiel: Am kommenden Freitag (19 Uhr) kommt der Chemnitzer FC in die Brita-Arena. Die Sachsen konnten erst ein Spiel gewinnen und liegen mit sechs Punkten aktuell auf Platz 15. Zuletzt gab es ein 0:0 gegen Karlsruhe. In der letzten Saison verlor der SVWW beide Partien gegen den CFC (zuhause 0:3, auswärts 2:4).

Auf nach Alzenau

Gestern Abend wurden die Achtelfinalpartien des Hessenpokals ausgelost. Wie seit Jahren üblich steigen in dieser Runde auch die höherklassigen Teams in den Wettbewerb ein. Der SV Wehen Wiesbaden bekommt es auf dem Weg zur Titelverteidigung als erstes mit dem Hessenligisten FC Bayern Alzenau zu tun. Das ist natürlich eine nette kleine Pointe, da der SVWW doch erst einen Tag zuvor ein Testspiel gegen Alzenau bestritten und überdeutlich gewonnen hat. In der ersten Halbzeit spielte dabei auf Seiten des SVWW quasi eine B-Mannschaft, also überwiegend Spieler des Profiteams, die zuletzt auf der Bank saßen oder verletzt waren – und schossen einen 4:0-Pausenstand raus. In der zweiten Halbzeit durfte dann die U19-Mannschaft ran und erhöhte auf 9:1. Ich weiß nicht, in welcher Besetzung der Gegner in diesem Testspiel angetreten ist, aber man kann vermuten, dass sie über das Los im Hessenpokal nicht übermäßig glücklich sind.

Sei es drum, der SVWW wird natürlich Favorit sein, aber ein Pflichtspiel ist ja dann doch was anderes, ein Selbstläufer wird das wohl kaum. Die Begegnung findet in knapp drei Wochen, am 26. September ab 19:00 Uhr in Alzenau statt. Alzenau liegt, wie der Vereinsname schon andeutet, in Bayern, genauer gesagt in Unterfranken, direkt hinter der Landesgrenze zwischen Hanau und Aschaffenburg. Wie z. B. auch Viktoria Aschaffenburg spielt der Verein aber seit vielen Jahren in Hessen mit. Der SVWW traf im Hessenpokal schon zweimal auf Bayern Alzenau, jeweils im Viertelfinale und jeweils mit einem klaren Sieg (2010 mit 3:0, 2013 mit 7:0).

Sollte sich der SVWW durchsetzen, ginge es im Viertelfinale (vermutlich am 21. November) gegen den Sieger der Partie zwischen dem Vorjahresfinalisten Rot-Weiß Hadamar und dem Drittligaabsteiger FSV Frankfurt.

Interview mit HFC-Experte Oliver Leiste: “Die Situation ist ziemlich kompliziert”

Während der Länderspielpause hat der SV Wehen Wiesbaden erfolgreich zwei Testspiele absolviert (3:0 in Braunschweig, 9:1 gegen Bayern Alzenau), aber wir freuen uns natürlich vor allem darauf, dass es am Samstag mit der Partie beim Halleschen FC in der 3. Liga weitergeht. Die ruhige Woche ist aber eine gute Gelegenheit, um sich mal etwas näher mit dem kommenden Gegner zu beschäftigen. Dazu habe ich mich mit Oliver Leiste unterhalten, der als Journalist seit einigen Jahren über den Halleschen FC, zunächst für die Mitteldeutsche Zeitung und jetzt für MDR Sachsen-Anhalt, berichtet. Er ist auf Twitter als @LeisteO aktiv.

 

Der Saisonstart des HFC ist mit drei Unentschieden und drei Niederlagen nicht so gut gelungen. Kam das sehr überraschend oder hat man das einkalkuliert, denn es waren ja auch schon einige Gegner dabei, die von vielen im oberen Tabellenbereich erwartet werden?

Den Saisonstart hat man sich beim HFC völlig anders vorgestellt. Mit Jena und Unterhaching kamen im zweiten und dritten Heimspiel Aufsteiger. Da wollte der etablierte Drittligist natürlich Siege einfahren. Punktegewinne in Karlsruhe und Osnabrück hätte man vorher sicher unterschrieben, die waren vom Spielverlauf her auch in Ordnung. Paderborn konnte ich vorher nicht einschätzen. Wenn man sieht, wie sie seit dem Auftaktspiel aufgetreten sind, kann Halle mit dem Punkt im Nachhinein sicher ganz gut leben. Insbesondere, weil man ja schon 1:4 zurücklag und noch ein 4:4 schaffte. Bleibt noch das Spiel in Aalen. Dort zu verlieren kann sicher passieren, aber es wäre auch ein Punkt drin gewesen. Zusammengefasst schmerzen also vor allem die Niederlagen gegen die Aufsteiger.

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, welches Auftaktprogramm denn leichter gewesen wäre? Mir fällt in der dritten Liga keins ein. Die Liga ist bekanntermaßen sehr ausgeglichen und alle Spiele sind für den HFC schwer, egal in welcher Reihenfolge sie kommen. Insofern haben schon alle auf einen besseren Start gehofft.

Letzte Saison kam Halle auch eher schlecht aus den Startlöchern, lag dann aber zu Saisonmitte in Reichweite der Aufstiegsplätze. Was ist dann passiert, dass am Ende nur Platz 13 herausgesprungen ist?

Vor der vergangenen Saison gab es einen großen Umbruch im Kader. Die Mannschaft brauchte dann ein paar Wochen, um sich zu finden. Bis Weihnachten glänzte der HFC dann vor allem mit einer sehr stabilen Defensive. Dadurch reichte in der Regel ein Tor zum Punktgewinn. Die Chancenverwertung war auch in der Phase schon ein Manko.

Nach der Winterpause spielte der HFC eigentlich weiter wie vorher: Mit enormen Aufwand und einer recht hohen Chancenzahl in fast jedem Spiel. Die Nutzung der Möglichkeiten war aber ziemlich desaströs. Die Defensive war auch nicht mehr so sicher wie in der Hinrunde. Deshalb gab es statt Siegen und Unentschieden im Wechsel eben plötzlich Unentschieden und Niederlagen. Verletzungen und viele Sperren taten ihr Übriges, dass der Rhythmus verloren ging. Am Ende stand die Einstellung eures Unentschieden-Rekords. Zwar gab es nur zehn Niederlagen, aber eben auch nur zehn Siege. In der Summe zu wenig für eine bessere Platzierung.

Der HFC ist jetzt in seiner sechsten Drittligasaison und hat bisher am Ende immer einen Platz im Tabellenmittelfeld belegt. Was sind die mittel- bis langfristigen Ziele? Muss man irgendwann mal aufsteigen oder kann man als HFC auch mit bzw. in der 3. Liga gut leben?

Das Umfeld vom Halleschen FC träumt vom Aufstieg in die 2. Bundesliga. Auch das Präsidium hat sich zu diesem mittelfristigen Ziel bekannt. Vor etwas mehr als einem Jahr nahmen Trainer Rico Schmitt und Sportdirektor Stefan Böger die Arbeit auf und es hieß, man wolle innerhalb von drei Jahren um den Aufstieg in die zweite Liga spielen. Böger ist inzwischen weg, der HFC strukturell insgesamt schlechter aufgestellt als im Vorjahr. In diesem Jahr sollte der Sprung ins obere Tabellendrittel gelingen. Nach dem Saisonstart glaube ich, wären jedoch alle zufrieden, wenn es am Ende eine ruhige Saison wird.

Finanziell war der HFC bislang einer der wenigen Vereine der 3. Liga, der finanziell gut zurecht gekommen ist. Hier mal ein kleines Minus in einem Spieljahr, dann mal wieder ein kleines Plus im Folgejahr. Allerdings ist das Zuschauerinteresse aufgrund sportlicher Stagnation und wohl auch wegen des neuen Bundesligisten in der Nachbarstadt Leipzig spürbar zurückgegangen. Es bräuchte also eine deutliche sportliche Verbesserung, um die Menschen wieder für den HFC zu begeistern. Mit fehlt allerdings ein wenig die Fantasie, um diese Entwicklung über die Saison hinaus zu sehen.

Gibt es schon Trainerdiskussionen? Muss Rico Schmitt um seinen Job fürchten, falls am Samstag im Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden wieder kein Sieg gelingen sollte?

Die Situation ist ziemlich kompliziert. Schmitts Bilanz im Jahr 2017 ist miserabel. 21 Punkte aus saisonübergreifend 25 Spielen ist die Bilanz eines Absteigers. Hinzu kommt der verpasste Sieg im Landespokal. Im Sommer gab es einen Machtkampf zwischen ihm und Böger, da hat sich das Präsidium auf seine Seite geschlagen. Böger hat sich daraufhin aus Halle verabschiedet. Schmeißt man nun Schmitt raus, muss der Verein mitten in der Saison einen völligen Neuananfang hinlegen. Ein solches Vorgehen passt eher nicht zum HFC.

Hinzu kommt, dass mit Klaus Gjasula, Fabian Franke, Nick Fennell und Benjamin Pintol wirklich wichtige Spieler langfristig ausfallen. Vor dem Spiel gegen Karlsruhe waren noch 13 Feldspieler im Training. Darunter drei Jungs, die aus der U19 hochgezogen wurden und langsam rangeführt werden sollen. Insofern kann man Schmitt in der aktuellen Situation wenig Vorwürfe machen. Der Mannschaft fehlt einfach zu viel Qualität, da könnte auch kein anderer etwas zaubern. Der Verein hat mit der Verpflichtung von Erik Zenga (vorher Sandhausen) reagiert. Es ist aber fraglich, ob sofort helfen kann, schließlich kommt er auch ohne Spielpraxis.

Zusammengefasst, der HFC wird in den kommenden Wochen an Schmitt festhalten und hoffen, dass die Verletzten schnell zurück kommen. Einzig ein oder zwei wirklich derbe Niederlagen könnten wohl zu einer schnellen Ablösung führen.

Mit Fabian Franke und Martin Röser stehen zwei Ex-Wehener im Kader des HFV. Wie machen die beiden sich denn so?

Franke war im vergangenen Herbst entscheidend daran beteiligt, dass der HFC defensiv super stabil spielte und viel punkten konnte. Seit Februar plagt er sich mal wieder mit Achillessehnenproblemen herum. Momentan absolviert er ein vorsichtiges Aufbautraining, doch wann er wieder spielen kann, weiß keiner so recht.

Röser ist ein Teil der großen Offenbach- und Stuttgarter Kickers-Gang, die Schmitt nach Halle geholt hat. Er war der erste Spieler seit 1991, für den der HFC Ablöse bezahlte. Entsprechend groß waren die Erwartungen. Erfüllen konnte sie Röser erst in der Rückrunde der vergangenen Saison. Da war er gesetzt und an relativ vielen Toren beteiligt. Vorher brauchte er sehr viel Anlauf, um sich zurechtzufinden. Momentan ist er linksaußen konkurrenzlos und hat gegen Karlsruhe erstmals getroffen. Er ist einer derjenigen, der der Mannschaft nun besonders helfen muss, um sich von unten zu befreien.

Mal etwas abseits vom rein Sportlichen: Vor einem Jahr sorgte der Tod von Hannes, einem Fan des 1. FC Magdeburg, der nach einer Begegnung mit HFC-Fans aus einem Zug gestürzt war, für großes Aufsehen. In den folgenden Spielen gingen sich die aktiven Fanszenen aus dem Weg und reisten nicht zu den Auswärtsspielen nach Magdeburg bzw. Halle. Hat sich das Verhältnis mittlerweile wieder etwas normalisiert oder muss man Befürchtungen haben, wenn beide Vereine Ende November wieder aufeinandertreffen?

Ich glaube, das Thema ist in beiden Fanszenen gerade keines. Halle hat vor allem mit seinem Fanprojekt und der Negativserie zu tun, beim FCM herrscht große Euphorie. Welche Konsequenzen es für die Zukunft gibt, kann ich noch nicht abschätzen. Auch von irgendwelchen Absprachen für die aktuelle Saison habe ich noch nichts gehört.

Ein großes Thema in Halle scheint aktuell die Einstellung des Fanprojekts zu sein. Könntest Du kurz zusammenfassen, was da genau los ist?

Das Fanprojekt, und insbesondere der Leiter Steffen Kluge, hat zehn Jahre lang ziemlich gute Arbeit geleistet. Das Fanverhalten in Halle ist heute ein anderes als in den dunklen Oberligatagen damals. Es gab sogar Preise für Präventivprojekte und Bildungsreisen.

Das Fanprojekt war, anders als in anderen Städten, direkt bei der Stadt angesiedelt. Im Frühjahr wurde Kluge ziemlich plötzlich auf einen anderen Posten in der Stadt versetzt. Offizielle Begründung: Weitergabe vertraulicher Informationen und eine ohnehin vorgeschriebene Jobrotation in regelmäßigen Abständen. Viele vermuten jedoch einen anderen Hintergrund: Kurz nach dem Vorfall mit Hannes veranstaltete die Stadt eine Konferenz zu Gewalt im Fußball. Dort sagte Kluge sinngemäß, dass es eine völlig gewaltfreie Fankultur nie geben werde. Dem halleschen Oberbürgermeister Wiegand passte diese Aussage nicht und er hat die Tendenz, persönliche Befindlichkeiten ziemlich hoch zu hängen.

Kluge wurde jedenfalls versetzt und die Fanszene hat die Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt eingestellt. Die Stelle wurde bislang nicht neu besetzt, beide Seiten (Fans und Stadt) erheben dagegen ständig neue Vorwürfe. Nun hat der DFB seine Unterstützung gestoppt und die Stadt daraufhin das Fanprojekt eingestellt. Ziel ist es nun, unter einem unabhängigen Träger wieder ein Fanprojekt aufzubauen.

Oliver, vielen Dank für die interessanten Einblicke!

3. Liga, 6. Spieltag: SVWW – Fortuna Köln 1:1

Tor: Ruprecht (89.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Wieder kein Spitzenspiel.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
So schlimm wie letzte Woche in Bremen war es nicht, aber auch die Begegnung gegen Fortuna Köln hielt nicht, was das Etikett “Sechster gegen Erster” versprach. Von der ersten Halbzeit bleiben vor allem viele Abseitsstellungen und Fouls der Kölner in Erinnerung (Fortunas Scheu wurde akut gelb-rot-gefährdet schon nach einer guten halben Stunde ausgewechselt) – und zwei Chancen für den SVWW. Die erste vergab Müller, der Andrist auf dem rechten Flügel ersetzte, als eine Flanke zu ihm durchrutschte, aber er keinen richtigen Schuss zustande brachte. Die zweite war sogar eine Doppelchance: Ruprecht köpft nach Ecke an den Pfosten, den Abpraller setzt Dams im Fallen an die Latte. In der zweiten Halbzeit passierte das, was häufig in solchen Spielen passiert, wenn man die eigenen Chancen nicht nutzt. Ballverlust in der gegnerischen Hälfte, schneller Angriff der Gäste, der Torschuss noch abgefälscht – so handelte man sich das erste Gegentor in der Brita-Arena in dieser Saison ein. Rehm brachte mit Breitkreuz und Diawusie weitere Offensivkräfte, aber der Ball wollte einfach nicht rein, beispielsweise wurde Diawusies Schuss durch die Beine des Torwarts von einem Verteidiger noch von der Linie gekratzt. Wenige Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit tat ein Kölner Verteidiger den Gastgebern aber einen Gefallen und ging so deutlich mit der Hand zum Ball, dass der Schiedsrichter einen Strafstoß geben musste. Aus Stehplatz-Sicht hatte es auch vorher schon zwei Situationen gegeben, die stark nach Handspiel rochen, aber ungeahndet blieben. Jedenfalls verwandelte Ruprecht gewohnt sicher und rettete somit wenigstens das Unentschieden.

Liebling des Spiels: Die Tapferkeitsmedaille für unermüdlichen Einsatz und eine Armverletzung beim Versuch eines Seitfallziehers geht diesmal an Niklas Dams.

Szene des Spiels:

Vor dem Spiel: Hätte man eventuell auf die Idee kommen können, dass, angesichts der bisher guten Saison, des guten Wetters und der Tatsache, dass die hessischen Schulferien vorbei sind, mal wieder ein paar mehr Leute ins Stadion kommen. Nunja.

Nach dem Spiel: Wusste ich wirklich nicht, ob ich mich eher über den späten Ausgleich freuen oder über die ungenutzten Chancen und das Unentschieden ärgern soll.

Das fiel auf:
+/- Offensiv immer noch kein Feuerwerk, aber doch etwas zielgerichteter als letzte Woche in Bremen. Allein die Chancenverwertung…
+/- Defensiv wie üblich überwiegend stark, aber eben mit einem Fehler zuviel, der ein weiteres Zu-Null verhinderte.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 1.979, davon etwa 300 Gästefans.

Tabelle: Der SVWW bleibt mit 11 Punkten einigermaßen oben dran, aktuell als Fünfter (punkt- und torgleich mit Hansa Rostock).

Serien und Rekorde: Erstes Gegentor und erster Punktverlust in der Brita-Arena in dieser Saison. Insgesamt ist der SVWW nun seit drei Spielen ohne Sieg.

Ansonsten: Die Zeit der Spitzenspiele ist erstmal vorbei, die nächsten Gegner kommen – nach aktueller Lage – aus der unteren Tabellenhälfte. Vielleicht liegt uns die Favoritenrolle ja eher?

Nächstes Spiel: Am kommenden Wochenende pausiert der Ligabetrieb wegen Länderspielen. Der SVWW bestreitet deshalb zwei Testspiele, nämlich am Freitag um 11:30 Uhr in Braunschweig gegen Eintracht Braunschweig und am folgenden Dienstag auf dem Halberg um 19:00 Uhr gegen Bayern Alzenau. Am Samstag, den 9. September (14:00 Uhr) geht es beim Halleschen FC wieder um Punkte. Die Hallenser stehen aktuell auf Platz 18 und sind bisher noch sieglos, beim KSC gab es zuletzt ein 1:1. In der letzten Saison gab es in Wiesbaden ein 1:1 und in Halle gewann der SVWW mit 3:0.