Buchempfehlung und Verlosung: Wir Wochenendrebellen

Wer sich hierzulande für Fußball interessiert und auf Twitter oder in der Blogosphäre unterwegs ist, wird mit Sicherheit schon auf die “Wochenendrebellen” gestoßen sein. (Falls Du jetzt wissend nickst, brauchst Du nicht weiterlesen, denn dann erzähle ich Dir im Folgenden nichts Neues. Naja, die Verlosung ganz am Ende könnte Dich doch interessieren.)

Es gibt da diese zwei Menschen, Jason und sein Vater Mirco, die seit Jahren alle möglichen Stadien Deutschlands und Europas besuchen. Warum sie das tun, was sie dabei erleben und welche Herausforderungen das Reisen und das Leben allgemein so mit sich bringen, kann man schon lange im Blog Wochenendrebell verfolgen, der kürzlich mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Nun haben die beiden das Ganze auch in Buchform gepackt und das möchte ich Euch dringend ans Herz legen. Buchbeschreibung (besser als ich das hier könnte), Leseprobe und Bestellmöglichkeit gibt es auf der eigens dafür eingerichteten Seite zum Buch, zudem erschien auch ein netter Artikel auf RP Online sowie eine Rezension in der aktuellen 11Freunde (und bestimmt noch in x weiteren Publikationen).

Ich habe Jason und Mirco vor einiger Zeit kennenlernen dürfen (übrigens bei Trainer Baades Lesung im Café Klatsch) und versuche sie seitdem zu einem Besuch in der Brita-Arena zu bewegen, bisher leider erfolglos. Wären die beiden Rosinenpicker und nur in den Top-Stadien unterwegs, würde ich mir die Mühe ja gar nicht machen, aber hey, die fahren auch nach Sandhausen, Aalen oder Aue, da sollte Wiesbaden nun wirklich mal drin sein. 😉

Aber zurück zum Buch. Es sollte vielleicht erwähnt werden, dass Jason Asperger-Autist ist und das Leben für ihn und seine Umwelt zuweilen besondere Herausforderungen bereithält. Wie Mirco und seine Frau das immer wieder meistern, bewundere ich sehr und inspiriert mich auch als Vater von “ganz gewöhnlichen” Kindern. Das Buch ist eigentlich kein Buch über Fußball, auch nicht über Autismus, sondern von grenzenloser Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Also, kauft das Buch, am besten per Online-Bestellung, denn damit unterstützt Ihr gleichzeitig die Neven-Subotic-Stiftung.

Verlosung: Ich verschenke ein Exemplar des Buchs “Wir Wochenendrebellen” (nein, natürlich nicht mein gelesenes, sondern ein nagelneues). Schreibt einfach als Kommentar unter diesen Beitrag hier im Blog oder auf Facebook, warum Jason und Mirco unbedingt mal ein Spiel des SV Wehen Wiesbaden besuchen müssen. Aus allen bis zum 13. Oktober, 20:00 Uhr eingegangenen Einsendungen wird ein zufälliger Gewinner gezogen.

Liebesgrüße aus Degerloch

05.04.2011 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 3:3
02.08.2011 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 0:0
14.12.2013 Stuttgarter Kickers – SV Wehen Wiesbaden 2:0
21.03.2014 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 1:2

Es gibt Stadien, da fährt man gerne hin. Und es gibt das Gazi-Stadion auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch.

Mein erstes Mal ist im April 2011, eine englische Woche, ein Dienstagabend. Es findet sich kein Mitfahrer, aber ein neuer Ground und die spannende Tabellensituation wecken mein Interesse. „Na, was macht die Auswärtsfahrt?“, bekomme ich per SMS von einem daheimgebliebenen Kumpel auf mein Handy. „Liebesgrüße aus Degerloch!“, antwortet ich in einem Überschwang, den ich mir selbst nicht erklären kann.

Das Spiel ist einigermaßen aufregend, vermutlich jedenfalls, denn aus dem Gästeblock im Gazi-Stadion sieht man dank der Zaunkonstruktion einen recht großen Teil des Rasens überhaupt nicht. 3:3 geht es aus, gegen eine Mannschaft, in der unter anderem Bernd Leno, Benedikt Röcker, Daniel Didavi und Sven Schipplock spielen. Das Gegentor in der vorletzten Minute bricht uns das Genick im Kampf um den Relegationsplatz, wie einige Wochen später klar sein wird. Somit haben sich viele Gründe angehäuft, sich dem Gazi-Stadion in Zukunft fernzuhalten. Aber als Fußballfan ist man ja meistens doof und kommt wieder.

Und so stehe ich nur wenige Monate später an der gleichen Stelle, nur um wieder nichts zu sehen. Bevor ich das Stadion betrete, gibt es die Kontrollen, wie immer mit der überschaubaren Anzahl an SVWW-Fans sind sie besonders gründlich. Die Ordner-Frau schaut auf meine Karte, schaut grimmig zu mir hoch, schaut wieder auf die Karte, nimmt sie beherzt in beide Hände und reißt sie in der Mitte durch. „Ups“, murmelt sie äußerlich ungerührt und gibt mir die beiden Papierstücke gelangweilt zurück. Als sie mich abtastet ist volle Körperkontrolle gefragt – jeder Verlust von Spannung könnte tödlich sein. Das Spiel endet 0:0 und den härtesten Zweikampf des Tages habe trotz zweier Platzverweise für den SVWW vermutlich ich geführt.

Da an gleicher Stelle nicht nur jahrelang die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart, sondern auch die Stuttgarter Kickers ihre Heimspiele der dritten Liga austragen, führt mich der Weg im Dezember 2013 wieder nach Degerloch. Überhaupt: Degerloch? Warum heißt ein Stadtteil „Degerloch“, wenn man, um ihn zu erreichen, sein Auto in die höchsten Höhen von Feinstaubcity schrauben muss?

Der Fernsehturm, der direkt neben dem Stadion liegt, ist dieses Mal leider geschlossen. Denn ich hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, das Spiel einfach von dort oben aus zu gucken, um auch mal das ganze Feld sehen zu können. So endet alles wieder im Gästeblock ohne Sicht. Da das Spiel gerüchteweise 0:2 verlorengeht, werde ich anschließend Zeuge des wohl traurigsten Gesprächs, das jemals geführt wurde. Ein aufgebrachter Fan am Zaun nach dem Spiel zu Joe Vunguidica: „Joe, was ist denn mit euch, warum kämpft ihr nicht?“ Joe: „Tja, weiß ich auch nicht.“ Immer, wenn ich Spieler mit Fans am Zaun nach Niederlagen diskutieren sehe, muss ich an diesen Nulldialog denken.

Mir gelingt an diesem Tag noch ein kleiner persönlicher Triumph: Ich bringe einen Schwaben aus der Ruhe. Denn in meiner ganzen Geschicklichkeit hatte ich mir Tage vor dem Spiel ein Küchenmesser recht fies in den Finger gesäbelt und nur ein Pflaster verhinderte, dass die Verletzung im Alltag immer wieder aufbrach. Jetzt ist mein Pflaster nach dem Spiel aber kaum noch brauchbar und ich habe vergessen, mir Ersatz mitzunehmen. Also führt mich der Weg aus dem Gästeblock Richtung Haupttribüne, wo ich Sanitäter vermute. „Hier könne Sie nich rein, Spiel isch vorbei“, knurrt der Ordner. „Ich müsste aber mal zu den Sanitätern“, antworte ich und lüfte mein Pflaster. Er wird blass: „Oha, gehe sie durch!“, ruft er eilig. Denn meine Wunde sieht noch immer täuschend frisch aus. Den Sanitäter, der mich anschließend mit einem neuen Pflaster versorgt, lässt das alles übrigens deutlich kälter: „Joa. Bitteschön.“

Mein vierter und bisher letzter Besuch ist immerhin von Erfolg gekrönt. Zunächst von einem persönlichen, denn endlich bin ich auf die Idee gekommen, nicht in den Gästeblock zu gehen. Und siehe da, auch in diesem Stadion gibt es vier Eckfahnen. Und da bei zweiten Mannschaften ohnehin nie etwas los ist, habe ich die Haupttribüne fast für mich alleine, wenn man von Fredi Bobic und einigen Rentnern absieht. Marc Kienle wechselt Luca Schnellbacher ein, Luca Schnellbacher erzielt das Siegtor.

Ich schleiche von dannen, endlich mal mit drei Punkten und guter Laune. Inzwischen sind beide Stuttgarter Teams abgestiegen, allzu schnell komme ich also nicht mehr in die Versuchung, das Gazi-Stadion zu besuchen. Aber dafür habe ich längst einen Titel für die Groundhopping-Biografie, die zwar aktuell nicht in Arbeit ist, aber immer mal wieder von Freunden von mir gefordert wird: Liebesgrüße aus Degerloch.

3. Liga, 11. Spieltag: FC Rot-Weiß Erfurt – SVWW 1:3

Tore: Schäffler (50. und 62.), Mrowca (86.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Kurzes Zittern um verdienten Sieg.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Nach gutem Beginn des SV Wehen Wiesbaden (Andrist nach sechs Minuten mit Doppelchance) verflachte die Partie schnell. Der SVWW konnte die Erfurter Abwehrschwächen nicht nutzen. Das änderte sich in der zweiten Halbzeit, als Andrist mal wieder seinem Gegenspieler einfach davonlief und in die Mitte auf Schäffler ablegte, der mühelos zur Führung traf. Gute zehn Minuten später traf Schäffler erneut, diesmal nach Zuspiel von Andrich. Die sichere Führung wackelte allerdings nochmal bedrohlich, als erst die Gastgeber etwas glücklich zum Anschlusstreffer kamen (s. u.) und kurz darauf Ruprecht die gelbrote Karte sah. Erfurt witterte nochmal die Chance auf einen Punktgewinn, aber Mrowca schloss einen schönen Konter über Diawusie mit dem 3:1 ab.

Liebling des Spiels: Im Zweifelsfall sind zwei Tore eine gute Empfehlung, also Manuel Schäffler. Hätte sogar noch ein oder zwei weitere Treffer erzielen können.

Szene des Spiels: 75. Minute, der Erfurter Bieber versucht seinen Mitspieler Huth steil anzuspielen, Ruprecht hält seinen Fuß rein, von da geht der Ball zu Mockenhaupt, der nicht mehr reagieren kann. Der Ball prallt schließlich Huth genau in den Lauf, sodass dieser zum 1:2 einschießen kann.

Vor dem Spiel: Schweigeminute für den letzte Woche tödlich verunglückten Schiedsrichter Steffen Mix, der ursprünglich diese Partie hätte leiten sollen.

Nach dem Spiel: Schon wieder Länderspielpause.

Das fiel auf:
+ Anders als kürzlich gegen Halle wurde die Schwäche des Gegners ausgenutzt, zumindest in der zweiten Halbzeit.
– Die erste Hälfte war allerdings ziemlich dünn.
– Stichwort gelbe Karten. Völlig ok, dass man potentiell gefährliche gegnerische Angriffe notfalls mit einem Foul unterbricht und dafür auch eine Verwarnung in Kauf nimmt. Dass Mrowca direkt nach abgesessener Sperre die nächste Gelbe sieht (also die sechste im zehnten Einsatz) und Andrich nach neun Einsätzen auch schon eine Gelbsperre hat, deutet aber meiner Meinung nach daraufhin, dass es vielleicht noch etwas an Geschicklichkeit im Zweikampf fehlt – das sollte man trainieren können. Richtig doof ist es aber, wenn man sich wie Ruprecht für Wortgefechte eine gelbe Karte abholt, die dann später zum Platzverweis führt – das ist einfach unnötig (die zweite geht in Ordnung, da musste er halt den Gegner stoppen).

Das schreiben die anderen: WK, kickerTelekom (Video)

Zuschauer: 3.827.

Tabelle: Der SVWW bleibt auf Platz 4, weiterhin einen Punkt hinter Fortuna Köln. Blöd, dass die anderen Teams da oben auch ständig gewinnen.

Serien und Rekorde: 23 Punkte nach 11 Spielen – letzte Saison hatte der SVWW nach 22 Spielen erst 22 Punkte (und dann übernahm Rüdiger Rehm). Alf Mintzel ist als Drittliga-Rekordspieler schon wieder abgelöst worden (von Tim Danneberg vom VfL Osnabrück).

Ansonsten: Der MDR-Reporter versuchte sich an einer etwas eigenwilligen Aussprache einiger Spielernamen. Höhepunkt die Kombination zum 3:1: “Aschemäh auf Mrowtscha”.

Nächstes Spiel: Während der Länderspielpause absolviert der SVWW wieder zwei Testspiele: am kommenden Donnerstag (16:30 Uhr) bei der zweiten Mannschaft von Fortuna Düsseldorf (aktuell 6. der Regionalliga West) und am Dienstag drauf (18:30 Uhr) auf dem Halberg gegen den Hessenligisten VfB Ginsheim. Am Samstag, den 14. Oktober (14 Uhr) geht es in der Liga gegen den Aufsteiger SV Meppen weiter. Der frühere Kult-Zweitligist ist nach längerer Abwesenheit zurück im Profifußball und ist nach Startschwierigkeiten gut in Form gekommen. Zuletzt gab es ein 2:0 gegen den KSC, mit 15 Punkten liegt man auf Platz 7. Es ist das erste Aufeinandertreffen zwischen dem SVWW und den Emsländern, bei denen mit Erik Domaschke, Jovan Vidovic und Marius Kleinsorge drei ehemalige Wehener aktiv sind.

Heute vor 10 Jahren: Ronny Königs Rekord-Hattrick gegen Köln

Heute ist es genau zehn Jahre her, dass der SV Wehen Wiesbaden den 1. FC Köln mit 4:3 schlug. Als Aufsteiger in die 2. Bundesliga überraschte der SVWW vor allem zu Saisonbeginn und holte viele Punkte, die die Basis für den Klassenerhalt legten. Das Spiel gegen Köln war das letzte Heimspiel, das im Frankfurter Waldstadion ausgetragen wurde, da die Brita-Arena noch im Bau war.

Nach frühem 0:2-Rückstand gelang Ronny König innerhalb von sieben Minuten ein Hattrick – bis heute der schnellste Hattrick in der 2. Bundesliga, wenn ich nicht irre – zur 3:2-Halbzeitführung. Trotz vieler Chancen in der zweiten Halbzeit für Wehen gelang Köln der Ausgleich, aber schließlich traf Bakary Diakité zum 4:3, auf Vorlage von König.

Nach dem Spiel stand der SVWW sogar auf dem dritten Tabellenplatz, die beste Platzierung jemals.

2. Bundesliga nach dem 8. Spieltag 2007/08 – Quelle: kicker.de

Diese Partie ist eins der großen Highlights der Vereinsgeschichte und ich bedauere es bis heute, dass ich damals nicht im Stadion sein konnte. Wer den Wahnsinn nochmal erleben möchte, dem seien diese beiden Videos empfohlen (die Qualität ist leider nicht so toll, aber was Besseres habe ich nicht gefunden).

Hessenpokal, Achtelfinale: FC Bayern Alzenau – SVWW 0:1

Tor: Andrich (66.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: In die nächste Runde gemüht.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Vom Team Stehblog war leider niemand vor Ort, sodass ich nur auf andere Quellen verweisen kann. Live-Ticker und Zeitungsbericht lassen aber vermuten, dass man nicht allzu viel verpasst hat. Wehen zwar überlegen, aber Alzenau hat sich wohl gut gewehrt. Ein Tor von Andrich genügt dann letztlich, um glanzlos in die nächste Runde einzuziehen.

Liebling des Spiels: Michael Akoto. Nach seiner Einwechslung im Spiel gegen Großaspach am letzten Samstag durfte er jetzt zum ersten Mal von Beginn an ran und hat, wie man so liest, seine Sache wieder gut gemacht.

Vor dem Spiel: Ursprünglich hatte ich schon lange vor hinzufahren, dann kam kurzfristig was dazwischen, was sich noch kurzfristiger wieder erledigt hatte. Bin dann aber doch nicht hin.

Nach dem Spiel: Musste ich mich wenigstens nicht ärgern, das Spiel verpasst zu haben. Wobei Hessenpokalspiele ja meistens kein großes (sportliches) Vergnügen sind.

Das schreiben die anderen: WK

Zuschauer: 251 (WK) oder 215 (SVWW-Ticker) – einer von beiden hat wohl einen Zahlendreher.

Serien und Rekorde: In den Pokalwettbewerben bleibt der SVWW unter Rüdiger Rehm ungeschlagen.

Ansonsten: Die Kollegen von hessenschau.de haben Rüdiger Rehm interviewt, das kann man sich natürlich immer mal durchlesen.

Nächstes Spiel: Im Viertelfinale trifft der SVWW – vermutlich Ende November – entweder auf Rot-Weiß Hadamar (die wir ja noch vom Finale im Mai kennen) oder den FSV Frankfurt (die wir fünf Tage vor besagtem Finale im Mai zum letzten Mal gesehen haben), was sich am 10. Oktober entscheiden wird. In der Liga geht es am Samstag mit dem Auswärtsspiel in Erfurt weiter. Das Urgestein der 3. Liga ist aktuell mit neun Punkten Tabellenletzter, zuletzt gab es jeweils 0:2-Niederlagen gegen Unterhaching und Karlsruhe. In der vergangenen Saison unterlag der SVWW in Erfurt mit 0:1, zuhause gab es ein 0:0.