NEL06 – Irgendwas mit Katzen

Es ist viel passiert seit der letzten Folge: Torsten Fröhling weg, Rüdiger Rehm da, und plötzlich gewinnt die Mannschaft wieder. Darüber sprechen wir natürlich ebenso wie über das Kultpotential von Kerem Bulut, Heuchelei beim Transfers von Jugendspielern und Ausflüge nach Manchester und Berlin.

Der erwähnte Renat Dadashov ist kürzlich zu Eintracht Frankfurt zurückgekehrt.

Sonjas Musikmagazin findet Ihr unter bleistiftrocker.de.

Abonniert “Niemals Erste Liga”:

Schäffler trifft schon wieder zum späten Auswärtssieg!

Für stehblog.de war Micha in Paderborn.

3. Liga, 24. Spieltag: SC Paderborn – SV Wehen Wiesbaden 0:1 (Tor: Schäffler)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Erneuter Sieg ohne Gegentor!

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Der SC Paderborn und der SV Wehen Wiesbaden lieferten sich von Beginn an ein umkämpftes Spiel auf Augenhöhe ab, die ersten Angeschlagenen und die erste gelbe Karte gab es bereits nach zwei Minuten. Beide Teams standen defensiv geordnet und machten es dem Gegner schwer. Der Willen, nach dem souveränen Erfolg gegen Zwickau nachzulegen, war den Schwarz-Roten (die in Neongelb/Weiß aufliefen) anzumerken. Der SVWW hatte in der ersten Halbzeit leichte Vorteile und kam zu ein paar Gelegenheiten, die aber alle vom Paderborner Keeper entschärft wurden. Zusätzlich musste man mit den nachteiligen Entscheidungen des Schiedsrichters leben, der den SVWW (gefühlt) härter bestrafte bzw. den Gegner nicht. Die Giftigkeit übertrug sich auch auf die Trainerbänke, deren Mitarbeiter sich ebenfalls kurz vor der Pause erregt austauschten. In Halbzeit 2 spielte auch der SC Paderborn druckvoller nach vorne, der SVWW hielt aber weiter mit und somit gab es Gelegenheiten auf beiden Seiten. Wehen Wiesbaden hätte mit einem anderen Schiri wohl auch einen Handelfmeter bekommen, Schiri Osmanagic (Note 5) sah dies nach einer Stunde Spielzeit anders. Im weiteren Verlauf der Partie machte dann vor allem Paderborn Druck und hätte in Führung gehen können, die Abschlüsse waren aber allesamt zu schwach um Kolke zu überwinden. Wehen dann kurz vor Schluss mit dem Lucky Punch durch Schäffler, der Szene des Spiels. Auch im Anschluss hätte Paderborn noch ausgleichen können, aber mit Kampf, Willen und etwas Glück und Können wurde der Vorsprung gehalten. Insgesamt nicht ein nicht unverdienter Erfolg.

Liebling des Spiels: Manuel Schäffler.

Szene des Spiels: Natürlich der späte Siegtreffer von Schäffler in der 86. Minute. Vorausgegangen war ein Gegenstoß des SVWW, der durch ein Foul unterbunden wurde. Paderborn reklamierte beim Gegenstoß fehlendes Fairplay, da Wehen Wiesbaden weiterspielte, obwohl ein Paderborner Spieler verletzt am Boden lag. Nach dem Ballgewinn wurde schnell nach vorne gespielt, der Schiri ließ weiterlaufen und ich denke, das war soweit auch okay. Paderborn hatte außerdem ausreichend Zeit sich zu ordnen. Die anschließende Freistoßflanke von Lorenz wurde von Schäffler per Kopf ins lange Eck verwertet. Letztlich ist Paderborn selbst schuld, Schäffler so zum Kopfball kommen zu lassen.

Vor dem Spiel: Hatte ich mich nach dem souveränen 3:0-Erfolg gegen Zwickau gefreut, aber gleichzeitig auch gefragt, was gegen einen stärkeren Gegner herausspringt.

Nach dem Spiel: Fuhren wir mit sehr wichtigen drei Punkten nach Hause zusammen mit der Erkenntnis, dass die Jungs nicht nur fit sind, sondern auch wieder an sich glauben und somit jetzt auch enge Spiele für sich entscheiden können.

Das fiel auf:
+ Kampf und Einsatz stimmten ebenso wie die Einstellung und der Glaube an die eigenen Stärken
+ erneut defensiv nur wenig zugelassen und kein Gegentor kassiert
+ es wurden wieder in beiden Halbzeiten Chancen erarbeitet
– dass eine gute Leistung von fehlenden Fairplay-Vorwürfen überschattet wurden

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 4.220, davon 39 Gästefans des SVWW.

Tabelle: Platz 16 mit 28 Punkten. Zwischen Platz 3 und Platz 19 liegen gerade einmal neun Punkte.

Vergleich zur Hinrunde: Gegenüber der Niederlage im Hinspiel hat man nun drei Punkte gut gemacht und liegt insgesamt exakt im Soll.

Serien und Rekorde: Das dritte Spiel nach Fröhling ohne Gegentor, somit auch seit 3 Spielen ungeschlagen. Der SVWW hat 16 Punkte auswärts geholt und lediglich 12 daheim.

Nächstes Spiel: Am Samstag, den 04.03.2017 um 14 Uhr gegen den kriselnden VfL Osnabrück. Die Niedersachsen sind zwar immer noch Tabellenvierter (punktgleich mit dem Dritten Regensburg), haben aber zuletzt dreimal hintereinander verloren. Im Hinspiel unterlag der SVWW mit 0:1.

Stimmungsheber

3. Liga, 23. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – FSV Zwickau 3:0 (Tore: Schäffler (2), Blacha)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Verdienter Sieg gegen schwachen Gegner.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Der neue Trainer Rüdiger Rehm startete mit exakt derselben Elf, die vergangene Woche ein 0:0 in Köln erkämpft hatte, also wiederum mit Niklas Dams und Robert Andrich als Doppelsechs. Die Mannschaft begann die Partie auch gleich mit Zug nach vorne und kam zu ersten Chancen. Von Zwickau war nicht viel zu sehen und nach einer knappen halben Stunde sorgte Schäffler nach feinem Steilpass von Schwadorf für die Führung. Direkt nach der Pause wurde Andrich an der Strafraumgrenze gefoult, Lorenz zirkelte den Freistoß um die Mauer, wo der Torwart den Ball nicht ordentlich abwehren konnte – Blacha stand frei und traf mit einem Kopfball-Lupfer zum 2:0. Außer einem guten Freistoß, den Kolke parieren konnte, brachten die Gäste kaum mal einen Ball aufs Tor und als Schäffler zwei Abwehrspieler umkurvte und zum 3:0 einschob war der erste Sieg seit viereinhalb Monaten endgültig sicher.

Liebling des Spiels: Manuel Schäffler, der nicht nur langsam zum Torjäger mutiert, sondern auch seit Wochen ein wahnsinniges Pensum abspult.

Szene des Spiels: Das 1:0 – wunderbarer Pass von Schwadorf auf Schäffler, der in einer Bewegung den Ball annimmt und dann überlegt den Torwart mit einem Heber überwindet. Die perfekte Belohnung für ihn, das Team und die Zuschauer.

Vor dem Spiel: War ich tatsächlich optimistisch, dass wir endlich mal wieder einen Heimsieg bejubeln dürfen. Mit einem so souveränen Erfolg hatte ich jedoch nicht gerechnet.

Nach dem Spiel: Meinte der Stehplatz-Nachbar hinter mir: “Das wird jetzt ein teurer Abend für mich”.

Das fiel auf:
+ Der Defensivverbund war wiederum sehr stabil, ließ fast nichts zu (wobei Zwickau auch nicht so wirkte, als ob sie es mit aller Macht versuchten).
+ Nach vorne wurde deutlich schneller und direkter als zuletzt gespielt – das könnte schon eine der ersten Maßnahmen von Rehm sein.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, hessenschau (mit Video)

Zuschauer: 1.923, davon 400-500 Gästefans und drei Nürnberger.

Tabelle: Der SVWW macht einen Platz gut, überholt Zwickau, steht aber immer noch auf einem Abstiegsplatz. Blöd, dass Münster und Werder II gewonnen haben, aber gut, dass Erfurt, FSV Frankfurt und Paderborn verloren haben – so bleiben weiterhin diverse Mannschaften in Reichweite.

Vergleich zur Hinrunde: Auch im Hinspiel gewann der SVWW (ebenfalls 3:0), sodass man insgesamt weiterhin drei Punkte im Minus ist.

Serien und Rekorde: Alle drei Heimsiege dieser Saison gingen mit 3:0 aus. Zwei Spiele hintereinander ohne Gegentor gab es zuletzt in der Hinrunde – gegen Köln und Zwickau.

Ansonsten: Der VfR Aalen hat einen Insolvenzantrag gestellt und wird deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Punktabzug bestraft. Wenn es tatsächlich zu den vorgesehen neun Punkten Abzug kommt, wäre Aalen in der aktuellen Tabelle punktgleich mit dem SVWW und somit mitten im Abstiegskampf. Ich vermute zwar, dass die Strafe aufgrund der Insolvenz der Hauptsponsoren geringer ausfallen wird, aber es ist zumindest ein weiteres Team im Rennen, das der SVWW potentiell noch einholen kann.

Nächstes Spiel: Am kommenden Freitag (19:00 Uhr) darf Wehen in Paderborn antreten. Der SCP hatte nach dem Abstieg eigentlich die direkte Rückkehr in die 2. Bundesliga angepeilt, setzte die Vorrunde aber einigermaßen in den Sand. Anfang Dezember wurde mit Stefan Emmerling ein neuer Trainer geholt, der auch direkt mal gegen Münster und Osnabrück gewinnen konnte, aber die große Aufholjagd begann seitdem trotzdem nicht. Am letzten Spieltag gab es ein 0:1 in Bremen, aktuell rangiert der SCP mit 28 Punkten auf Platz 14. In der Hinrunde unterlag der SVWW zuhause mit 1:2.

Rüdiger Rehm neuer Trainer

Soeben meldete der Wiesbadener Kurier, dass Rüdiger Rehm neuer Cheftrainer beim SV Wehen Wiesbaden wird, die offizielle Meldung des Vereins ist ebenfalls da. Der 38-jährige erhält einen Vertrag bis 2019 – man geht also fest von einem Gelingen der Rettungsaktion aus und will mit Rehm den nächsten Neuaufbau starten.

Rehm verbrachte seine Spielerkarriere in zweiter und dritter (bzw. damals Regional-) Liga und begann bei seiner letzten Station bei der SG Sonnenhof Großaspach bereits parallel seine Trainerlaufbahn. Nachdem er dort vom Co- zum Cheftrainer befördert worden war, stieg die Mannschaft in die Dritte Liga auf. Während Rehm die Fußballtrainer-Lizenz erwarb, übernahm Uwe Rapolder, war aber nur mäßig erfolgreich und Rehm kehrte schneller als geplant zurück. Nach geglücktem Klassenerhalt 2015 konnte man sich letzte Saison lange im Bereich der Aufstiegsplätze halten und wurde am Ende Siebter. Rehm wurde daraufhin Teil der berühmten Trainerverpflichtungskette im letzten Sommer: Weinzierl von Augsburg nach Schalke, Schuster von Darmstadt nach Augsburg, Meier von Bielefeld nach Darmstadt und Rehm von Großaspach nach Bielefeld. Dort konnte er allerdings kein einziges Spiel gewinnen und wurde nach dem zehnten Spieltag entlassen.

Seine erfolgreiche Zeit in Aspach sollte uns aber Anlass zur Hoffnung geben. Nicht nur, dass er den SVWW hoffentlich bald wieder von den Abstiegsrängen führt, sondern auch, dass er eine offensive, aggressive Spielweise etablieren kann. Während seiner Zeit als Co-Trainer arbeitete er zwei Jahre an der Seite von Alexander Zorniger, der ja für einen recht kompromisslosen Stil bekannt ist.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt und zuversichtlich, dass ein neuer Schwung beim SV Wehen Wiesbaden einkehrt. Herzlich Willkommen, Rüdiger Rehm!

Bonuspunkt

3. Liga, 22. SpieltagFortuna Köln – SV Wehen Wiesbaden 0:0

Das Spiel in maximal fünf Worten: Unerwarteter Punktgewinn.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Von zehn Drittliga-Partien sollten an diesem Spieltag neun im TV bzw. Web übertragen werden und natürlich war die des SVWW nicht dabei. Vielleicht wollte man mögliche Zuschauer auch nur vor psychischen Schäden bewahren, wobei man dann wiederum von 28 Spielen der ersten drei Ligen pro Spieltag eigentlich auch nur noch höchstens zehn zeigen dürfte. Aber ich schweife ab, vielleicht auch deshalb, weil ich zum Spiel aus genannten Gründen so gut wie nichts zu erzählen habe. Interimstrainer Hock hatte den Fokus vor allem auf eine Stabilisierung der Defensive gelegt und eine Doppelsechs aus Andrich und Dams aufgeboten. Funk rückte wieder auf die Rechtsverteidigerposition, innen die wiedergenesenen Mockenhaupt und Ruprecht, links Veteran Mintzel, der den verletzten Nothnagel vertrat. Das reichte immerhin, um ohne Gegentor zu bleiben, änderte aber nichts an der eigenen mangelnden Durchschlagskraft Richtung gegnerisches Tor.

Vor dem Spiel: Rechnete ich mit einem deutlichen Ergebnis zu Ungunsten des SVWW, zu schlecht war der Auftritt letzte Woche, zu heimstark die Fortuna, zu deutlich die Erinnerung an Hocks letzten Einsatz als Interimstrainer in ähnlicher Lage (0:4 in Rostock letzte Saison).

Nach dem Spiel: Fällt der SVWW trotzdem auf den vorletzten Tabellenplatz zurück, exakt wie nach besagtem letzten Auftritt unter Hock.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 1.293 – das ist ja noch weniger als der Brita-Arena-Minusrekord von letzter Woche. Dabei spielten noch nicht mal der Effzeh oder die Kölner Haie parallel und Live-Übertragung gab es ja auch nicht. Klar, der SVWW ist, insbesondere momentan, kein attraktiver Gegner, aber die Fortuna hat offenbar trotz guter Saison keinen leichten Stand in Köln.

Tabelle: Da Zwickau gegen Werder II gewonnen hat, ist der FSV nun an Wehen vorbeigezogen und der SVWW somit Vorletzter. Auch der Letzte Mainz II hat überraschend gewonnen, aber dafür bleiben wenigstens Werder II und Preußen Münster in Sichtweite.

Vergleich zur Hinrunde: Das Hinspiel gewann der SVWW 3:0, sodass aus dieser Paarung jetzt zwei Punkte fehlen. Insgesamt ist man nun drei Punkte im Minus.

Serien und Rekorde: Das zwölfte Spiel ohne Sieg, aber um mal das Positive zu sehen: das erste Mal seit dem 0:0 gegen Kiel vor knapp vier Monaten spielt Wehen mal wieder zu Null.

Ansonsten: Morgen wird wohl der neue Trainer vorgestellt. Nachdem man sich letzte Woche angeblich eine Absage von Holger Stanislawski abgeholt hat (was, sofern es denn stimmt, für mein Dafürhalten eh ein bisschen arg optimistisch war), soll es sich nun zwischen Horst Steffen und Rüdiger Rehm entscheiden.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag um 14:00 Uhr in der Brita-Arena gegen den FSV Zwickau – der neue Trainer darf also direkt mit einem “do or die”-Spiel beginnen. Das Hinspiel gewann der SVWW mit 3:0.