Fröhling zurückgetreten

Nachdem das Gerücht schon gestern sehr konkret herumgeisterte, kam heute die offizielle Bestätigung seitens des Vereins: Torsten Fröhling ist als Cheftrainer des SV Wehen Wiesbaden zurückgetreten, sein Vertrag wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst, ebenso der von Co-Trainer Thomas Kupper. Interimsweise übernimmt einmal mehr Christian Hock, unterstützt von Torwart-Trainer Steffen Vogler und Videoanalyst Paul Fernie.

Fröhling wurde vor knapp einem Jahr als Nachfolger von Sven Demandt engagiert und konnte in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt mit dem SVWW feiern, woraufhin er einer Verlängerung seines Engagements zustimmte. Nach ordentlichem Saisonstart ging es ab Mitte der Hinrunde jedoch wieder kontinuierlich bergab. In der Vereinsführung war man dennoch von Fröhlings Arbeit überzeugt und verlängerte kurz vor der Winterpause den Vertrag um zwei weitere Jahre – drei Spieltage später war von dieser Überzeugung aber offenbar nicht mehr viel übrig. Ob Fröhling jetzt von sich aus zurückgetreten ist oder das nur eine vornehmere Sprachregelegung für einen Rauswurf ist, ist dabei schon fast egal, letztlich werden sich beide Parteien irgendwie finanziell geeinigt haben.

Der SVWW muss jetzt mal wieder einen Retter finden, der den Abstieg vermeiden kann. Den Kandidaten sollte bewusst sein, dass sie vermutlich nächstes, spätestens übernächstes Jahr um dieselbe Zeit ihren Job allerdings wieder los sind, zumindest wenn man die Vergangenheit als Kriterium heranziehen kann. Ob es Karsten Neitzel wird, der kurz nach Saisonbeginn von Holstein Kiel entlassen und jetzt gerüchteweise dem SVWW angeboten wurde, werden wir in Kürze erfahren.

Für den Moment verbleibe ich mit: Alles Gute, Torsten Fröhling! Schade, dass es nicht länger funktioniert hat, aber für diesen Tag im Mai wirst Du immer ein kleines Plätzchen in meinem Herzen haben. Danke.

Unsere Nummer 29

3. Liga, 21. SpieltagSV Wehen Wiesbaden – SF Lotte 0:3

Das Spiel in maximal fünf Worten: Noch ein tieferer Tiefpunkt.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Die Gäste begannen sofort druckvoll und es dauerte einige Minuten, bis der SVWW überhaupt das erste mal in die gegnerische Hälfte kam. Gerade als man dachte, dass die Rotschwarzen das Spiel einigermaßen in den Griff bekämen, rauschte der Ex-Wehener Jaroslaw Lindner über den Flügel heran und schlenzte den Ball an Kolke vorbei ins lange Eck. Angesichts der quasi nicht vorhandenen Comeback-Qualität des SVWW war das Spiel damit eigentlich schon nach einer guten Viertelstunde entschieden. In der Folge mühten sich die Gastgeber, scheiterten aber ein ums andere mal an ordentlich verteidigenden Lottern und konnten bis zur Pause keinen einzigen Torschuss für sich verbuchen. Kurz nach Wiederanpfiff fing man sich nach einem eigenen Eckball einen Konter, den erneut Lindner zum 2:0 abschloss. Dieser traf später auch noch die Latte, bevor schließlich Dej den Endstand erzielte. Auf Seiten des SVWW gab es keine einzige wirklich gute Torchance, die aussichtsreichsten vergab der eingewechselte Neuzugang Bulut, als er recht freistehend im Strafraum zu lange zögerte, sowie Ruprecht mit einem Kopfball-Aufsetzer übers Tor. Insgesamt eine ganz finstere Vorstellung.

Liebling des Spiels: Kerem Bulut. Dem australischen Stürmer eilt ein etwas zweifelhafter Ruf voraus, hat aber – wahrscheinlich genau deshalb – das Zeug zum Publikumsliebling. Einsatz war jedenfalls vorhanden, teilweise auch zuviel davon, z. B. als er mit zwanzig Metern Anlauf einen Gegenspieler umrannte und dafür Gelb sah.

Szene des Spiels: Bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung tauchte auf der Anzeigetafel plötzlich Jaroslaw Lindner mit der Nummer 29 und SVWW-Trikot auf. Möglicherweise haben also nicht nur die Spieler vergessen, dass der junge Mann mittlerweile beim Gegner spielt.

Vor dem Spiel: Überlegte ich angesichts von Rückenschmerzen daheim zu bleiben, wollte aber wiederum nicht verpassen, wie der SVWW endlich mal wieder gewinnt und die Wende einläutet.

Nach dem Spiel: Wäre ich nur besser zuhause geblieben. Immerhin haben sich meine Rückenbeschwerden durchs Stehen nicht verschlimmert.

Das fiel auf:
– Nullkommanull Fortschritt zu erkennen, ganz im Gegenteil. Treffende Beobachtung meines Nebenmanns: “Es sieht aus, als hätten die noch nie zusammen gespielt.”
– Nach dem Rückstand war die Körpersprache verheerend. Nachvollziehbar, aber eben nicht das, was es braucht, um aus der Situation wieder rauszukommen.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 1.460, davon etwa 30 Gästefans. Trauriger Minusrekord – bald haben sie das Stadion endgültig leer gespielt.

Tabelle: Zurück auf Abstiegsplatz 18. Münster auf 17 ist mittlerweile drei Punkte weggezogen, während Zwickau auf 19 punktgleich mit dem SVWW ist.

Vergleich zur Hinrunde: Im Hinspiel 0:0, also jetzt ein Punkt weniger und insgesamt mit genauso vielen Zählern wie nach zwei Spielen der Vorrunde. Ein Punkt Rückstand zum Plan.

Serien und Rekorde: Man mag es kaum noch mitzählen, aber der Sieglos-Counter steht jetzt bei elf. Der letzte Heimsieg war das 3:0 gegen Duisburg Mitte September – mittlerweile kaum noch vorstellbar, dass das in dieser Saison geschehen sein soll.

Ansonsten: Für Trainer Torsten Fröhling könnte es trotz des vor erst gut zwei Monaten verlängerten Vertrags beim SVWW jetzt schnell zu Ende gehen. Angeblich hat er am Sonntag selbst seinen Rücktritt angeboten, heute soll es eine offizielle Mitteilung geben.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag um 14:00 Uhr bei Fortuna Köln. Die Fortuna steht mit 32 Punkten auf Platz 5 und hat in den letzten acht Partien nur gegen Tabellenführer Duisburg verloren. In der Hinrunde gelang dem SVWW beim 3:0 gegen Köln der erste Saisonsieg.

Tja. Nun. Immerhin.

3. Liga, 20. SpieltagVfR Aalen – SV Wehen Wiesbaden 1:1 (Tor: Schäffler)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Leider nur/immerhin ein Punkt.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Ich war nicht vor Ort und einen Live-Stream gab es leider auch nicht, weshalb ich auch nur auf die üblichen Berichterstatter verweisen kann. Der SVWW stand wohl defensiv überwiegend gut und ging etwas überraschend in Führung. Wie so oft fing man sich in der Schlussphase aber noch den Ausgleich und konnte am Ende froh sein, nicht in der Nachspielzeit noch das 1:2 zu kassieren. Letztlich ist ein Unentschieden in Aalen ok und war auch zu erwarten, schließlich stand bei den Gastgebern Remiskönig Peter Vollmann an der Seitenlinie.

Vor dem Spiel: Wurde mit Stürmer Kerem Bulut der fünfte Winterneuzugang verpflichtet. Zuvor wurde der aktuell noch rekonvaleszente Patrick Breitkreuz vorgestellt. Der im Trainingslager noch als Testspieler fungierende Evans Nyarko bekam ebenfalls einen Vertrag und zog sich direkt im ersten Training nach der Unterschrift einen Muskelfaserriss zu.

Das schreiben die anderen: WK, kicker

Zuschauer: 3.292.

Tabelle: Das eine Pünktchen reicht, um sich auf den ersten Nichtabstiegsplatz vor Preußen Münster zu schieben, allerdings auch nur aufgrund der um ein Tor besseren Tordifferenz.

Vergleich zur Hinrunde: Nach dem 1:2 im Hinspiel ist das Unentschieden eine Verbesserung und somit steht der SVWW um einen Punkt besser da, also genau im Soll.

Serien und Rekorde: Das mittlerweile zehnte sieglose Spiel in Folge, aber wenigstens mal wieder einen Auswärtspunkt geholt, nachdem die letzten vier Spiele in der Fremde verloren gingen.

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag um 14:00 Uhr in der Brita-Arena gegen die Sportfreunde Lotte, die mit 28 Punkten im Mittelfeld der Tabelle rangieren. Das letzte Spiel am vergangenen Samstag verlor man 1:2 gegen Bremen. Im Hinspiel trennten sich Lotte und der SVWW 0:0.

NEL05 – Schwalben in der Mixed Zone

Während der Winterpause gab es einige Testspiele. Bei der jüngsten Partie gegen Würzburg haben sich Sonja und Gunnar in die Mixed Zone gewagt und ein paar O-Töne eingesammelt. Außerdem sprechen wir über Schwalben, die durchs offene Transferfenster flattern.

Den großen Drittliga-Hinrunden-Rückblick (u. a. mit uns) gibt es bei 120minuten.net.

Abonniert “Niemals Erste Liga”:

Auf ein besseres 2017

Für mich persönlich war das vergangene ein durchaus gutes Jahr, aber im größeren Kontext kommt 2016 aus vielen Gründen eher nicht gut weg. Auch der SV Wehen Wiesbaden war 2016 nahe an der kompletten Katastrophe – immerhin hat uns der in letzter Sekunde vermiedene Abstieg einen Moment für die Ewigkeit beschert – und auch die aktuelle Saison hat seit Oktober einen herben Abwärtstrend bekommen. Im Kalenderjahr 2016 wurden von 36 Ligaspielen gerade mal neun gewonnen, zehn gingen Unentschieden aus und siebzehnmal ging der SVWW als Verlierer vom Platz. Im Hessenpokal gab es “nur” eine Niederlage, aber die dafür im Finale gegen Offenbach. 2017 kann also eigentlich nur besser werden – oder um es ganz fatalistisch zu formulieren: wenn es ähnlich schlecht weiterläuft, können wir den Laden bald zusperren.

 

Nach der Hinrunde hat der SVWW erst 20 Punkte auf der Habenseite. Die zum Klassenerhalt notwendigen Punkte kann man meistens, egal ob in erster oder dritter Liga, mit der Faustformel “ein Sieg mehr als Anzahl Spiele” ermitteln, also in unserem Fall 41 Punkte. Natürlich keine Regel ohne Ausnahme – in der letzten Saison brauchte man 43 Punkte (bzw. selbst die reichten den Stuttgarter Kickers nicht):

Saison Punktzahl des 17. Punktzahl des 18.
2008/09 * 40 40
2009/10 46 39
2010/11 * 39 37
2011/12 44 39
2012/13 40 38
2013/14 43 40
2014/15 41 39
2015/16 43 43
* Lizenzentzüge u. ä. nicht berücksichtigt

Selbst wenn wir die letzte Saison mal als singuläres Ereignis außen vor lassen und nur von 41 benötigten Punkten ausgehen, muss der SVWW in der Rückrunde mindestens einen Zähler mehr als in der Hinrunde holen. Wir werden den jeweiligen Stand hier in den Spielberichten verfolgen.

 

Dabei helfen, dass es bald besser wird, sollen einige neue Spieler. Mit Sascha Mockenhaupt und Dominik Nothnagel wurden bereits zwei Verteidiger verpflichtet, für die Offensive werden wohl auch noch ein bis zwei Spieler kommen. Dafür wurden drei Spieler aus dem Kader gestrichen und nehmen auch nicht mehr am Trainingslager teil: der erst im Sommer geholte Sertan Yegenoglu, Kevin Schindler sowie Ex-Kapitän Nils-Ole Book sollen den Verein verlassen.

Was Sonja und ich davon halten, erfahrt Ihr vor Beginn der Rückrunde in der nächsten Ausgabe von Niemals Erste Liga. Wer uns vorher hören möchte oder sich generell für die Dritte Liga interessiert, dem sei die Sonderausgabe von 120minuten empfohlen, wo wir zusammen mit den anderen Drittliga-Podcastern auf die Hinrunde zurückblicken (wir sind im dritten Teil ab ca. 2h15 zu hören). Viel Spaß!