NEL01 – Snapback und Kiss Cam

And now for something completely different… Sonja und Gunnar haben das erste Mal einen Podcast aufgenommen. Es geht – selbstredend – um den SV Wehen Wiesbaden, wobei wir nicht nur das sportliche Geschehen betrachten. Vielmehr gehen wir der Frage nach, was überhaupt Snapback Caps sind und was die bescheuerte Kiss Cam in der Brita-Arena soll – aber hört selbst. (Mangelnde Professionalität bei Tonqualität und Inhalt ist natürlich voll beabsichtigt.)

Sonja findet Ihr bei Twitter und bei Instagram. Steven Ruprecht ist ebenfalls auf Instagram aktiv. Sven Schimmel findet man auf Facebook und er hat auch eine Homepage.

Die Podcast-Episode ist noch dieselbe wie vorher, aber wie bereits angekündigt, liegen die Dateien jetzt dort, wo sie dauerhaft hinsollen. Wer einen Podcatcher nutzt, kann Niemals Erste Liga jetzt also auch einfach abonnieren:

Angenehme Ruhe

Es ist gerade ziemlich ruhig beim SV Wehen Wiesbaden. Das ist an sich schon mal eine gute Nachricht, denn ohne die legendäre Rettung in letzter Sekunde wäre es mit Sicherheit ziemlich unruhig geworden. Die meisten Spieler wären mangels gültiger Verträge (und mangels Interesse an Regionalliga) weg, der Trainer vielleicht auch, dazu als Sparmaßnahme diverse Mitarbeiter der Geschäftsstelle, kurz: man hätte nahezu komplett neu anfangen müssen. Ist aber glücklicherweise nicht passiert und so kann eben in Ruhe die neue Saison in der Dritten Liga geplant werden.

In den letzten Jahren wurde regelmäßig in der Sommerpause der halbe Kader ausgetauscht und gerade nach der letzten Saison hätte man vermuten können, dass es dieses Jahr erst Recht eine große Runderneuerung gebe, aber anscheinend ist das Gegenteil der Fall. Die Mannschaft wird wohl zum größten Teil zusammenbleiben und nur auf einigen Positionen verändert – so wie ich es mir schon oft nach den Saisons erhofft hatte, in denen man nicht ganz so weit hinter den Erwartungen zurückblieb und so mit einer gewissen personellen Kontinuität eine Weiterentwicklung der Mannschaft hätte ermöglichen können. Dass das nun passiert, kann ich mir nur damit erklären, dass Trainer Torsten Fröhling davon überzeugt ist, die meisten Spieler dazu zu bringen, ihr Potential regelmäßig abzurufen – und nicht nur sporadisch wie bisher.

Ein paar personelle Veränderungen wurden aber doch schon bekannt:

  • Marius Kleinsorge verlässt den Verein in Richtung SV Meppen (Regionalliga Nord) . Als er vor zwei Jahren zum SVWW kam, war man ganz stolz, da angeblich auch Borussia Dortmund und der FC Bayern an dem Spieler interessiert gewesen sein sollen (für ihre zweiten Mannschaften, versteht sich), und nach seinem tollen Debüt hoffte man auf eine steile Karriere. Leider folgten nur noch vier weitere Kurzeinsätze und da er in seinen zwei Jahren unter vier verschiedenen Trainern arbeiten durfte, muss man annehmen, dass es einfach nicht reichte.
  • Torsten Oehrl wechselt zum FC Bayern München II in die Regionalliga Bayern. Der Mann, der gefühlt die komplette Saison krank, verletzt oder beides und trotzdem mit acht Treffern Top-Torschütze (gemeinsam mit Luca Schnellbacher) war, hat erkannt, dass “das hohe Maß der dauerhaften körperlichen Belastung in der 3. Liga” nichts mehr für ihn ist. Ob sein neuer Trainer Heiko Vogel, der einen erfahrenen Spieler für sein U23-Team suchte und das klare Ziel Aufstieg hat, Oehrl suggerierte, in der Regionalliga sei es nicht so anstrengend, ist nicht überliefert.
  • U19-Torwart Jan Albrecht bekommt einen Profivertrag und wird zum Profikader gehören, aber vermutlich noch regelmäßig in der U19 eingesetzt werden. Sollten nicht genügend Spieler für die U23-Regelung im Kader sein, werden wohl noch ein paar andere A-Jugendliche den Kader auffüllen dürfen.
  • Stürmer Stephané Mvibudulu von den Stuttgarter Kickers ist der erste externe Neuzugang und hat bei 1860 München schon mit Torsten Fröhling zusammengearbeitet. Ich gehe davon aus, dass der Trainer andere Qualitäten als seinen Torriecher an ihm schätzt, denn seine bisherige Bilanz (2. Liga: 9 Spiele / 0 Tore, 3. Liga: 16 Spiele / 1 Tor, Regionalliga Bayern: 65 Spiele / 7 Tore) deutet nicht unbedingt auf einen klassischen Knipser hin.
  • Mit Philipp Müller vom Hamburger SV wurde ein weiterer Offensivspieler verpflichtet. Vielleicht bringt er ja die spielgestalterischen Fähigkeiten mit, die seit Jahren vermisst werden. Zumindest ist auch er dem Trainer kein Unbekannter, denn Müller spielte schon unter Fröhling, als dieser noch die U17 des HSV trainierte.

Timm Golley, im Winter vom FSV Frankfurt ausgeliehen, wird wohl eher nicht bleiben (seine Rückennummer 7 bekommt Müller), bei einigen anderen Spielern, deren Verträge auslaufen (Daniel Wein, Thomas Geyer, Sebastian Mrowca), ist eine Verlängerung jedoch noch nicht vom Tisch. Zwar noch mit laufendem Vertrag, aber voraussichtlich ohne Einsatz in der kommenden Saison wird Christian Cappek bleiben, der sich eine Patellasehne gerissen hat und neun bis zwölf Monate ausfallen wird.

Warten wir mal ab, ob es tatsächlich bei den angekündigten kleineren Veränderungen am Kader bleibt oder ob nach und nach doch noch mehr Spieler gehen und kommen. In der vergangenen Saison war man auch bis zum letzten Tag der Transferperiode aktiv.

Die Teilnehmer der Dritten Liga der kommenden Saison stehen hingegen fest. Neben den direkten Aufsteigern Dresden und Aue verabschieden sich auch die Würzburger Kickers in die Zweite Liga, dafür begrüßen wir den SC Paderborn, den FSV Frankfurt und den MSV Duisburg. Aus den Regionalligen steigen Jahn Regensburg, der FSV Zwickau und die Sportfreunde Lotte auf und ersetzen den VfB Stuttgart II, Energie Cottbus und die Stuttgarter Kickers. Nebenbei: da keiner der beiden für die Aufstiegsspiele qualifizierten Teams aus der Regionalliga Südwest (Waldhof Mannheim und Elversberg) den Aufstieg geschafft hat, aber stattdessen die beiden Stuttgarter Mannschaften in diese Liga absteigen, mussten ganze fünf Mannschaften in die Oberliga absteigen. Trotzdem werden nächste Saison 19 Mannschaften teilnehmen – aus Wehener Sicht kann man sich nur immer wieder glücklich schätzen, dass der bittere Gang erspart blieb, denn aus der Regionalliga wieder hochzukommen, ist einfach brutal schwer. Aber das nur am Rande. Wer nochmal auf die vergangene Drittliga-Saison zurückblicken möchte, dem sei der ausführliche Artikel bei 120minuten empfohlen.

Und wo wir schon bei Link-Empfehlungen sind, die Kollegen von “Nur der FCM!” haben Vereinshomepages, Blogs, Facebook- und Twitter-Accounts aller Drittligisten gesammelt – wer sich gezielt zu den anderen Teams informieren möchte, wird dort sicherlich fündig.

Zum Abschluss gilt es noch den Siegern unseres beliebten Tippspiels zu huldigen:

  • Mit 403 Punkten auf Platz 3 (schon wieder) und damit Gewinnerin eines Schmuckwimpels und Aufkleber-Sets: Sonja.
  • Mit 404 Punkten auf Platz 2 und damit Gewinner eines Schals „WIR GEMEINSAM. Gegen Rassismus“ sowie eines SVWW-Caps: Dominik.
  • Mit 408 Punkten auf Platz 1 und damit Gewinner eines Fan T-Shirts SVWW (rot): ween

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und allen Teilnehmern vielen Dank fürs Mitmachen. Das Tippspiel wird es selbstverständlich auch in der kommenden Saison geben, die Teilnahme ist wie immer kostenlos und irgendwelche Preise werden wir auch wieder auftreiben.

Die nächsten paar Wochen wird hier im Blog – außer Transfer-Updates – nicht allzu viel passieren, da ich jetzt erst mal EM schauen und dann in Urlaub fahren werde. Euch allen einen schönen Sommer!

[Update 09.06.] Da ist schon der nächste Neue: Vladimir Kovac, Rechtsverteidiger von 1860 München und ebenfalls ein alter Bekannter von Torsten Fröhling.

[Update 10.06.] Mit Außenstürmer Jann Bangert und Innenverteidiger Michael Akoto haben zwei weitere Spieler aus der eigenen U19 einen Profivertrag unterschrieben. Ich hoffe sehr, dass sie nicht nur zur Erfüllung der U23-Regel in den Kader berufen werden, sondern auch tatsächlich ihre Chance bekommen. Wäre wirklich schön, endlich mal wieder Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Profiteam spielen zu sehen.

[Update 13.06.] Thomas Geyer wechselt nach Aalen. Schade eigentlich, ich fand ihn meistens recht ordentlich und hätte eine Vertragsverlängerung begrüßt. Verlängert wurde dafür mit Daniel Wein. Wie erwartet verlässt Timm Golley den Verein, ebenso Ersatztorwart Niklas Reichel.

[Update 16.06.] Ein neuer Zehner ist gefunden, oder zumindest jemand, der diese Rückennummer tragen darf. Robert Andrich, zentraler Mittelfeldspieler aus dem Nachwuchs von Hertha BSC, wechselt von Dynamo Dresden zum SVWW. Überraschung: er hat bisher noch nicht unter Torsten Fröhling trainiert.

[Update 17.06.] Auch im Trainer-Team gibt es Veränderungen. Co-Trainer Bernd Heemsoth, 2012 von Peter Vollmann geholt und nach dessen Entlassung auch mal für ein Spiel Interims-Chefcoach, wird “freigestellt” und durch Thomas Kupper ersetzt. Dieser war, wenig überraschend, schon Fröhlings Co-Trainer bei 1860 München.

[Update 18.06.] Mit Manuel Schäffler von Holstein Kiel wurde ein Mittelstürmer der Kategorie “groß und kantig” verpflichtet. Dieses Modell hat zwar trotz zahlreicher Versuche seit Ronny König nicht mehr beim SVWW funktioniert, aber irgendwann muss es ja mal klappen.

[Update 28.06.] Jules Schwadorf, zuletzte Viktoria Köln, durfte sich eine Woche lang im Training präsentieren und konnte offenbar überzeugen. Damit gibt es eine weitere Alternative auf der offensiven Außenbahn.

Der nächste Schritt

Letzte Woche standen wir am Abgrund, diese Woche sind wir schon einen großen Schritt weiter.

Der alte Kalauer ist leider ungemein zutreffend für die Situation des SV Wehen Wiesbaden. Im Spiel Eins nach der Demission Sven Demandts übernahm wie erwartet Christian Hock vorübergehend das Kommando, konnte aber auch nur mit ansehen, wie sein Team sang- und klanglos von Hansa Rostock mit 4:0 abgewatscht wurde. Schon wieder verloren, schon wieder kein Tor, Absturz auf den vorletzten Platz.

In Kürze wird wohl der neue Trainer vorgestellt, aber egal wer es letztlich wird, der gute Mann wird sich eine gehörige Prämie für den Klassenerhalt in den Vertrag schreiben lassen. Immerhin, das rettende Ufer ist noch in Sicht und es gibt noch mindestens sechs Teams vor dem SVWW, die ebenfalls gegen den Abstieg kämpfen – sechs Teams also, von denen nur zwei in den letzten acht Saisonspielen schlechter abschneiden müssen als der SVWW. Allerdings sind es eben auch nur noch acht Spiele und fünf davon gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Man kann nur hoffen, dass am kommenden Samstag mit dem neuen Coach gegen den direkten Konkurrenten Cottbus gewonnen wird und in der Woche drauf in Kiel gleich nochmal, um nicht völlig verzagt in die Partien gegen die Topteams zu gehen. Allein, der Glaube an eine Wende fällt schwer, es hat eher etwas vom Klammern an den berühmten Strohhalm.

Ein Abstieg in die Regionalliga wäre übrigens keinesfalls eine “Chance zur Erneuerung” oder das “Ende mit Schrecken” oder was einem sonst noch an positiv konnotierten Begriffen dazu einfallen mag, sondern nicht mehr und nicht weniger als das Ende des Profifußballs in Wiesbaden. Aus der Regionalliga mit ihrem furchtbaren Aufstiegsmodus wieder herauszukommen, wäre auch so schon schwierig genug, aber ich habe große Zweifel, ob Präsident und Geldgeber Markus Hankammer daran überhaupt interessiert wäre. Ihm wird ohnehin schon eine eher überschaubare Begeisterung für diesen Teil der väterlichen Hinterlassenschaft nachgesagt, sodass es ihm vielleicht gar nicht so ungelegen käme, einen Schlussstrich unter dieses teure Hobby zu ziehen und den ganzen Laden höchstens noch auf gehobenem Amateur-Niveau weiter zu betreiben. Wie schwer es ist, andere Sponsoren für den Fußballstandort Wiesbaden zu begeistern, sieht man ja beim Nachbarn an der Berliner Straße, die nach dem Rückzug von Andreas Reich möglicherweise freiwillig die Hessenliga verlassen. Sogesehen könnte das auf Eis gelegte Fusionsszenario vielleicht nochmal irgendwann Sinn ergeben, um wenigstens Regionalliga-Fußball in der Stadt zu erhalten.

Aber soweit sind wir noch nicht. Noch besteht die Möglichkeit, auch in der nächsten Saison an der Dritten Liga teilzunehmen. Ich bin gespannt, wer sich diese Aufgabe zutraut bzw. wem dies zugetraut wird. Bisher haben zum Klassenerhalt fast immer 40 Punkte gereicht (außer 2009 als Burghausen mit 40 Punkten aufgrund der schlechteren Tordifferenz abstieg) und sollte das auch dieses Jahr so sein, bräuchte der SVWW noch neun, besser zehn Punkte. Das wäre selbst mit dem Punkteschnitt von Sven Demandt zu schaffen, der die schlechteste Bilanz aller SVWW-Trainer hat, die wenigstens eine Halbserie lang in der Verantwortung waren.

Also auf geht’s, rotschwarze Jungs!

Update: Kaum, dass ich auf “Veröffentlichen” geklickt habe, sehe ich im WK die Meldung, dass Torsten Fröhling neuer Trainer wird. Dann mal viel Erfolg!

Die mittelfristige Perspektive

Diesmal war sie genau richtig, die Pause. Meistens dauert es viel zu lange, bis Fußball endlich wieder losgeht, seltener geht es zu früh weiter, aber diesmal war es für meinen Geschmack genau richtig so.

Morgen startet also der SV Wehen Wiesbaden in die (restliche) Rückrunde, 17 Ligaspiele und eine oder besser zwei Partien im Hessenpokal stehen bis Mitte Mai auf dem Programm. Was kann man erwarten oder wenigstens erhoffen?

Sofern man keine Tagträumereien als Maßstab anlegt, kann man das Thema Aufstieg getrost vergessen. Der Abstand von neun Punkten zu Platz 2 ist zwar nicht unmöglich aufzuholen, aber die dazu notwendige Siegesserie kann man sich nur schwerlich vorstellen. Ist aber auch nicht schlimm, denn mir persönlich würde es durchaus reichen, eine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen. Eine Entwicklung, die sich darin äußern sollte, dass man – zumindest in der Mehrzahl der Spiele – eine gewisse Spielidee erkennen kann. Ein etwas bessere Punkteausbeute als in der Vorrunde sollte dabei natürlich auch herausspringen, ansonsten kann die Idee wohl nicht besonders gut sein. Im Idealfall hat man dann am Saisonende eine gute Basis, auf der man dann in der nächsten Saison aufbauen kann, sodass man mit einigen gezielten Verstärkungen (und nicht einem komplett auf links gedrehten Kader) tatsächlich mal Richtung Aufstiegsplätze schielen könnte. Die neue Westtribüne, die der Brita-Arena zur Zweitligatauglichkeit verhelfen wird, wird bis dahin schließlich auch im Bau befindlich sein.

Ja, das ist schon etwas arg weit in die Zukunft geblickt (oder meinetwegen geträumt), aber so ganz ohne Perspektive könnte man es auch gleich sein lassen. Einen konkreten Wunsch für diese Saison habe ich aber natürlich auch noch und zwar – der regelmäßige Leser wird es bereits erraten haben – den Gewinn des Hessenpokals. Das Finale sollte allemal drin sein, wo dann mit Hessen Kassel oder Kickers Offenbach auf jeden Fall ein schwerer Gegner warten würde.

Zurück in die Gegenwart. Morgen geht es auf die andere Rheinseite zur U23 von Mainz 05, trainiert von unserem Ex-Kapitän und letzten Zweitligatrainer Sandro Schwarz. Im Hinspiel gab es ein 1:1, letzte Saison in Mainz ebenfalls ein 1:1 und in Wiesbaden eine 1:2-Niederlage. Gegen die erste Mannschaft der Nullfünfer gab es damals in der zweiten Liga vier Niederlagen, sodass der erste Sieg gegen den FSV (in einem Profiligaspiel) noch aussteht. Immerhin wurden zu Regionalligazeiten alle Partien gegen die Mainzer Zwote gewonnen.

Einen dieser Siege in den Jahren 2004 und 2005 habe ich damals sogar live auf dem Halberg erlebt, was eine kleine Besonderheit ist, da ich damals noch keinen besonderen Bezug zum SV Wehen hatte und nur wenige Regionalligaspiele gesehen habe. Morgen schaue ich mir das Spiel in Mainz an, was ebenfalls eine kleine Besonderheit ist, da ich nur selten bei Wehener Liga-Auswärtsspielen vor Ort bin. Vielleicht kulminiert das Ganze ja in einem Auswärtssieg, was definitiv etwas sehr Besonderes wäre.