Der nächste Schritt

Letzte Woche standen wir am Abgrund, diese Woche sind wir schon einen großen Schritt weiter.

Der alte Kalauer ist leider ungemein zutreffend für die Situation des SV Wehen Wiesbaden. Im Spiel Eins nach der Demission Sven Demandts übernahm wie erwartet Christian Hock vorübergehend das Kommando, konnte aber auch nur mit ansehen, wie sein Team sang- und klanglos von Hansa Rostock mit 4:0 abgewatscht wurde. Schon wieder verloren, schon wieder kein Tor, Absturz auf den vorletzten Platz.

In Kürze wird wohl der neue Trainer vorgestellt, aber egal wer es letztlich wird, der gute Mann wird sich eine gehörige Prämie für den Klassenerhalt in den Vertrag schreiben lassen. Immerhin, das rettende Ufer ist noch in Sicht und es gibt noch mindestens sechs Teams vor dem SVWW, die ebenfalls gegen den Abstieg kämpfen – sechs Teams also, von denen nur zwei in den letzten acht Saisonspielen schlechter abschneiden müssen als der SVWW. Allerdings sind es eben auch nur noch acht Spiele und fünf davon gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Man kann nur hoffen, dass am kommenden Samstag mit dem neuen Coach gegen den direkten Konkurrenten Cottbus gewonnen wird und in der Woche drauf in Kiel gleich nochmal, um nicht völlig verzagt in die Partien gegen die Topteams zu gehen. Allein, der Glaube an eine Wende fällt schwer, es hat eher etwas vom Klammern an den berühmten Strohhalm.

Ein Abstieg in die Regionalliga wäre übrigens keinesfalls eine „Chance zur Erneuerung“ oder das „Ende mit Schrecken“ oder was einem sonst noch an positiv konnotierten Begriffen dazu einfallen mag, sondern nicht mehr und nicht weniger als das Ende des Profifußballs in Wiesbaden. Aus der Regionalliga mit ihrem furchtbaren Aufstiegsmodus wieder herauszukommen, wäre auch so schon schwierig genug, aber ich habe große Zweifel, ob Präsident und Geldgeber Markus Hankammer daran überhaupt interessiert wäre. Ihm wird ohnehin schon eine eher überschaubare Begeisterung für diesen Teil der väterlichen Hinterlassenschaft nachgesagt, sodass es ihm vielleicht gar nicht so ungelegen käme, einen Schlussstrich unter dieses teure Hobby zu ziehen und den ganzen Laden höchstens noch auf gehobenem Amateur-Niveau weiter zu betreiben. Wie schwer es ist, andere Sponsoren für den Fußballstandort Wiesbaden zu begeistern, sieht man ja beim Nachbarn an der Berliner Straße, die nach dem Rückzug von Andreas Reich möglicherweise freiwillig die Hessenliga verlassen. Sogesehen könnte das auf Eis gelegte Fusionsszenario vielleicht nochmal irgendwann Sinn ergeben, um wenigstens Regionalliga-Fußball in der Stadt zu erhalten.

Aber soweit sind wir noch nicht. Noch besteht die Möglichkeit, auch in der nächsten Saison an der Dritten Liga teilzunehmen. Ich bin gespannt, wer sich diese Aufgabe zutraut bzw. wem dies zugetraut wird. Bisher haben zum Klassenerhalt fast immer 40 Punkte gereicht (außer 2009 als Burghausen mit 40 Punkten aufgrund der schlechteren Tordifferenz abstieg) und sollte das auch dieses Jahr so sein, bräuchte der SVWW noch neun, besser zehn Punkte. Das wäre selbst mit dem Punkteschnitt von Sven Demandt zu schaffen, der die schlechteste Bilanz aller SVWW-Trainer hat, die wenigstens eine Halbserie lang in der Verantwortung waren.

Also auf geht’s, rotschwarze Jungs!

Update: Kaum, dass ich auf „Veröffentlichen“ geklickt habe, sehe ich im WK die Meldung, dass Torsten Fröhling neuer Trainer wird. Dann mal viel Erfolg!

Die mittelfristige Perspektive

Diesmal war sie genau richtig, die Pause. Meistens dauert es viel zu lange, bis Fußball endlich wieder losgeht, seltener geht es zu früh weiter, aber diesmal war es für meinen Geschmack genau richtig so.

Morgen startet also der SV Wehen Wiesbaden in die (restliche) Rückrunde, 17 Ligaspiele und eine oder besser zwei Partien im Hessenpokal stehen bis Mitte Mai auf dem Programm. Was kann man erwarten oder wenigstens erhoffen?

Sofern man keine Tagträumereien als Maßstab anlegt, kann man das Thema Aufstieg getrost vergessen. Der Abstand von neun Punkten zu Platz 2 ist zwar nicht unmöglich aufzuholen, aber die dazu notwendige Siegesserie kann man sich nur schwerlich vorstellen. Ist aber auch nicht schlimm, denn mir persönlich würde es durchaus reichen, eine Entwicklung in der Mannschaft zu sehen. Eine Entwicklung, die sich darin äußern sollte, dass man – zumindest in der Mehrzahl der Spiele – eine gewisse Spielidee erkennen kann. Ein etwas bessere Punkteausbeute als in der Vorrunde sollte dabei natürlich auch herausspringen, ansonsten kann die Idee wohl nicht besonders gut sein. Im Idealfall hat man dann am Saisonende eine gute Basis, auf der man dann in der nächsten Saison aufbauen kann, sodass man mit einigen gezielten Verstärkungen (und nicht einem komplett auf links gedrehten Kader) tatsächlich mal Richtung Aufstiegsplätze schielen könnte. Die neue Westtribüne, die der Brita-Arena zur Zweitligatauglichkeit verhelfen wird, wird bis dahin schließlich auch im Bau befindlich sein.

Ja, das ist schon etwas arg weit in die Zukunft geblickt (oder meinetwegen geträumt), aber so ganz ohne Perspektive könnte man es auch gleich sein lassen. Einen konkreten Wunsch für diese Saison habe ich aber natürlich auch noch und zwar – der regelmäßige Leser wird es bereits erraten haben – den Gewinn des Hessenpokals. Das Finale sollte allemal drin sein, wo dann mit Hessen Kassel oder Kickers Offenbach auf jeden Fall ein schwerer Gegner warten würde.

Zurück in die Gegenwart. Morgen geht es auf die andere Rheinseite zur U23 von Mainz 05, trainiert von unserem Ex-Kapitän und letzten Zweitligatrainer Sandro Schwarz. Im Hinspiel gab es ein 1:1, letzte Saison in Mainz ebenfalls ein 1:1 und in Wiesbaden eine 1:2-Niederlage. Gegen die erste Mannschaft der Nullfünfer gab es damals in der zweiten Liga vier Niederlagen, sodass der erste Sieg gegen den FSV (in einem Profiligaspiel) noch aussteht. Immerhin wurden zu Regionalligazeiten alle Partien gegen die Mainzer Zwote gewonnen.

Einen dieser Siege in den Jahren 2004 und 2005 habe ich damals sogar live auf dem Halberg erlebt, was eine kleine Besonderheit ist, da ich damals noch keinen besonderen Bezug zum SV Wehen hatte und nur wenige Regionalligaspiele gesehen habe. Morgen schaue ich mir das Spiel in Mainz an, was ebenfalls eine kleine Besonderheit ist, da ich nur selten bei Wehener Liga-Auswärtsspielen vor Ort bin. Vielleicht kulminiert das Ganze ja in einem Auswärtssieg, was definitiv etwas sehr Besonderes wäre.

Aufstellungsraten vor Saisonstart

Es tut sich Großes im Weltfußball. Kaum hat Deutschland die Weltmeisterschaft gewonnen, wird der SV Wehen Wiesbaden zu einem der Aufstiegsfavoriten der kommenden Drittliga-Saison ernannt. Das kann ja kein Zufall sein.

Gut, gefühlt zählt der SVWW jedes Jahr aufs Neue zu den Aufstiegskandidaten, zumindest den diversen Umfragen unter Trainern oder anderen Beteiligten oder Unbeteiligten des Ligabetriebs nach zu urteilen. Genützt hat das bisher… äh… nichts. Fast genausowenig helfen gute Ergebnisse in Saisonvorbereitungsspielen, wobei die gezeigten Leistungen immerhin ein wenig Aufschluss darüber geben können, was schon ganz gut funktioniert oder ob noch etwas im Argen liegt. Beim SVWW gibt es nach der Vorbereitung zumindest Anlass zur Hoffnung, dass sich die mal wieder teilerneuerte Mannschaft schon ganz gut gefunden hat, wobei eine Wunschstartelf noch nicht klar zu erkennen ist, da meistens alle Spieler jeweils eine Halbzeit lang zum Einsatz kamen (bzw. im Falle des kleinen Turniers in Ludwigshafen am vergangenen Wochenende beide Partien jeweils von einer anderen Formation bestritten wurden).

Eine Vorhersage, in welcher Aufstellung die Saison am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers begonnen wird, ist daher schwierig. Das größte Fragezeichen ist klar die Position im Tor, die Entscheidung zwischen Kolke und Fromlowitz dürfte zu den schwierigsten für Marc Kienle und Steffen Vogler gehören. Einen Torwart wechselt man ja auch üblicherweise nicht so oft, sodass es für einen der beiden am Freitag oder Samstag, wann auch immer sie die Entscheidung mitgeteilt bekommen, ziemlich enttäuschend, vielleicht sogar bitter wird. Wir erinnern uns: Markus Kolke war vor der letzten Saison schon dicht davor, aber dann erhielt zunächst doch Michael Gurski den Vorzug, bevor Kolke dann im Laufe der Hinrunde noch zur Nummer Eins wurde. Florian Fromlowitz hingegen war U21-Nationaltorwart (als zweiter Mann hinter Manuel Neuer U21-Europameister 2009) und etablierter Erstligaprofi, bevor sein Karriereweg etwas bergab führte und er schließlich auch in der Zweiten Liga nur noch Ersatzmann war. Natürlich beteuern beide, die Entscheidung des Trainers akzeptieren zu wollen und sich professionell zu verhalten, aber ich befürchte da dennoch hohes Frustpotential. Hoffen wir einfach mal, dass der Zweikampf die beiden zu Höchstleistungen anstachelt.

Davor deutet alles darauf hin, dass das 4-4-2, das wir gegen Ende der letzten Saison sahen, weiterhin der Standard sein wird. In der Viererkette ist Kapitän Nico Herzig in der Zentrale gesetzt, neben ihm wird vermutlich Thomas Geyer auflaufen, evtl. aber auch Michael Wiemann. Alf Mintzel scheint momentan fest als linker Verteidiger eingeplant zu sein, während rechts die Situation etwas unklarer ist. Patrick Funk und Maximilian Ahlschwede sind verletzt, sodass Sebastian Mrwoca und Daniel Wein in Frage kommen.

Im Mittelfeld sind die Rollen auf den Außen mit Tobias Jänicke rechts und Alexander Riemann links relativ klar verteilt. In der Zentrale wird wohl weiterhin Nils-Ole Book auflaufen, dazu entweder Michael Wiemann oder Jonatan Kotzke oder Robert Müller. Im Angriff ist Vize-Kapitän José Pierre Vunguidica eine Fixgröße. Neben ihm wird wohl Soufian Benyamina starten, während Luca Schnellbacher zunächst die Jokerrolle bleibt. Marco Königs scheint nur noch die Nummer Vier in der Stürmerrangfolge zu sein und ich bin gespannt, ob er aus dieser Rolle nochmal herausfindet.

Wenn ich es so aufliste, scheint mir die erste Elf doch eindeutiger zu sein, als ich zu Beginn des Artikels noch dachte. Mit dem Torwart, einem Innenverteidiger, dem Rechtsverteidiger und einem zentralen Mittelfeldspieler sind eigentlich nur vier Position offen, zumindest nach meiner Einschätzung, lassen wir uns also überraschen.

Spannender als die Aufstellung wird dann ohnehin, was die Mannschaft dann am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers zeigen kann. Letzte Saison waren die Kickers ebenfalls der erste Heimspielgast und konnten 4:0 besiegt werden, was dann schon gleich am 2. Spieltag der höchste Sieg der gesamten Spielzeit werden sollte. Gegen ein ähnliches Resultat hätte ich sicher nichts einzuwenden, wobei ein 2:0 mit Steigerungspotential auch durchaus akzeptabel wäre.

Update, 15:00 Uhr: Die Torwartfrage wurde mittlerweile zugunsten von Markus Kolke entschieden, wie der WK meldet.

Die Neuen

Nach dem Rückblick folgt – wenig überraschend – ein Ausblick. Nach aktuellem Stand ist die Kaderplanung nahezu abgeschlossen (lediglich ein Spieler wird noch gesucht, dazu später mehr), sodass es sich lohnt, die Neuzugänge vorzustellen.

Tor

Florian Fromlowitz, 27 Jahre, Dynamo Dresden: Mit 70 Einsätzen in der 1. und 25 in der 2. Bundesliga sowie als ehemaliger U-Nationaltorwart sicher der prominenteste Spieler im Kader, in den letzten Jahren aber nicht unbedingt vom Glück verfolgt. Entstammt der bekannten Kaiserslauterer Torwartschule, schaffte dort auch den Sprung in die Bundesliga und wechselte dann zu Hannover 96. Übernahm nach dem Tod von Robert Enke das schwere Erbe und wurde Stammtorwart, verlor diesen Platz aber später an Ron-Robert Zieler. Wechselte in die 2. Bundesliga zum MSV Duisburg, verlor dort aber auch seinen Stammplatz und zog weiter zu Dynamo Dresden, wo er jedoch in zwei Jahren nicht über die Rolle des Ersatztorwarts hinauskam. Kommt sicherlich nicht zum SVWW, um sich klaglos auf die Bank zu setzen, sodass hier ein interessantes Duell mit Markus Kolke um die Nummer 1 zu erwarten ist. Allerdings frage ich mich, ob es so sinnvoll ist, Kolke direkt wieder um seine jüngst errungene Position kämpfen zu lassen, oder ob man ihm nicht lieber den Rücken gestärkt und eine klare Nummer 2 geholt hätte. Natürlich braucht man zwei gute Torhüter, gar keine Frage, aber ein ständiger Zweikampf auf dieser Position kann auch zu Problemen führen. Vertrauen wir an dieser Stelle mal unserem Torwarttrainer Steffen Vogler, der es seit vielen Jahren schafft, dass der SVWW keine nennenswerte Problem auf der Torwartposition hat.

Niklas Reichel, 18 Jahre, eigene A-Jugend: Rückt in den Profikader auf, wird aber wohl höchstens in der 2. Mannschaft eingesetzt werden.

Verteidigung

Thomas Geyer, 23 Jahre, VfB Stuttgart II: Wurde hier nach Bekanntgabe der Verpflichtung schon etwas ausführlicher gewürdigt. Kann sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld spielen. Wie erwartet folgten ihm weitere Spieler der VfB-Reserve.

Daniel Wein, 20 Jahre, FC Bayern München II: Ebenfalls nicht unerwartet, dass Kienle als ehemaliger FCB-Jugendtrainer einen Spieler aus dem dortigen Nachwuchs zum Wechsel nach Wiesbaden überzeugen konnte. Der Innenverteidiger galt beim FCB mal als Kandidat für die Bundesliga, hatte dann aber etwas Verletzungsprobleme. Sollte für einen Drittligisten aber allemal eine Verstärkung sein.

Patrick Funk, 24 Jahre, VfB Stuttgart II: Durchlief sämtliche U-Nationalmannschaften und verfügt über Erfahrung in erster, zweiter und dritter Liga und hat sogar schon mit dem VfB im Europapokal gespielt. Beim FC St. Pauli, wo er für zwei Jahre auf Leihbasis spielte, kam er sowohl im defensiven Mittelfeld als auch als Rechtsverteidiger zum Einsatz, aber ich glaube (und hoffe), dass er beim SVWW in erster Linie die Baustelle auf der rechten Abwehrseite schließen soll.

Mittelfeld

Jonatan Kotzke, 24 Jahre, Jahn Regensburg: Stammt aus der Jugend des 1. FC Nürnberg und stieg dort bis in die zweite Mannschaft auf, wechselte dann in die U23 von 1860 München und schließlich zu Jahn Regensburg, wo er ein Jahr in der 2. Bundesliga und ein Jahr in der 3. Liga spielte. Kann auch in der Innenverteidigung spielen, aber seine angestammte Position ist das defensive Mittelfeld.

Alexander Riemann, 22 Jahre, VfB Stuttgart II: Ebenfalls ehemaliger Jugendnationalspieler, war für eine Saison an den SV Sandhausen verliehen, wo er zu einigen Einsätzen in der 2. Bundesliga kam. Flügelspieler, vornehmlich auf der rechten Seite unterwegs, notfalls auch links – also genauso wie Tobias Jänicke. Ich bin sehr gespannt, ob die beiden sich dann um die Rechtsaußen-Position streiten, oder ob sie gemeinsam die beiden Flügel besetzen (gerne mit Positionswechseln während des Spiels) oder ob vielleicht auch einer von beiden zukünftig zentraler eingesetzt wird.

Lars Guenther, 19 Jahre, kehrt nach Ausleihe von Eintracht Trier zurück: Spielte für den SVWW schon in der A-Jugend, in der zweiten Mannschaft und auch ein paar Mal bei den Profis. Ich habe allerdings keine Ahnung, ob und in welcher Form man beim SVWW nach seiner Rückkehr mit dem defensiven Mittelfeldspieler plant.

Angriff

Soufian Benyamina, 24 Jahre, Dynamo Dresden, zuletzt für ein halbes Jahr an Preußen Münster ausgeliehen: Hat schon seit der Jugend zahlreiche Vereine durchlaufen und kam als Jungprofi zum VfB Stuttgart, wo er hauptsächlich in der 2. Mannschaft zum Einsatz kam, aber auch zweimal in der Bundesliga spielen durfte. Kam in der letzten Hinrunde bei Dynamo nur sporadisch zum Einsatz, aber erzielte dann für Münster in der Rückrunde immerhin sechs Tore. Bemerkenswert die Aussage von Sportdirektor Michael Feichtenbeiner bei Benyaminas Vorstellung:

Soufian passt sehr gut zu uns und wird in Verbindung mit José Pierre Vunguidica und Luca Schnellbacher für Offensiv-Power sorgen.

Klingt, als setze man keine große Hoffnungen mehr in Marco Königs.

Gesucht wird aktuell noch nach einem offensiven Außenspieler, wohl für die linke Außenbahn. Danach sollen die Personalplanungen abgeschlossen sein, wobei die Zukunft von Daniel Döringer, Lars Guenther und eventuell Marco Königs noch unklar ist.

Je nachdem, in welcher taktischen Formation Kienle spielen lassen möchte, halte ich aber das offensive Mittelfeld noch für etwas unterbesetzt – nominell gibt es da eigentlich nur Nils-Ole Book. Falls das in den letzten Saisonspielen praktizierte 4-4-2 zum Standard werden soll, könnte die Position im zentralen offensiven Mittelfeld sogar ganz entfallen. Stattdessen könnten in der Zentrale zwei Spieler nebeneinander oder leicht versetzt agieren, so wie bis vor einigen Jahren viele Mannschaften spielten, bevor der Trend zum 4-5-1 einsetzte.

Ich möchte mich aber nicht in Mutmaßungen verliere, sondern lieber den aktuellen Kader zusammenfassen. Spieler, die für mehrere Positionen in Frage kommen, habe ich mehrmals aufgelistet, wobei es da natürlich situativ noch zahlreiche weitere Möglichkeiten gibt (z. B. Vunguidica auf den linken Flügel etc.).

Tor: Kolke, Fromlowitz, (Laux), (Reichel)

Abwehr links: Mintzel, Grupp, Nandzik

Abwehr innen: Herzig, Wiemann, Geyer, Wein, (Döringer)

Abwehr rechts: Funk, Ahlschwede, Grupp

Mittelfeld links: Mintzel, Nandzik, N. N.

Mittelfeld defensiv: Müller, Kotzke, Grupp, (Vetter), (Guenther)

Mittelfeld offensiv: Book

Mittelfeld rechts: Jänicke, Riemann

Angriff: Vunguidica, Schnellbacher, Benyamina, Königs

Liest sich insgesamt ganz gut, wobei ich mich zu keinen Vorhersagen hinreißen lassen werde, ob man mit diesem Kader um den Aufstieg mitspielen kann. Einerseits weiß man ja nie, wie sich das entwickelt (siehe Verletzungsmisere zu Beginn der letzten Saison), andererseits kann ich die Kader der Konkurrenz nicht einschätzen (bzw. habe die größtenteils noch nicht mal genauer angeschaut) und generell ist die Liga ja bekanntlich völlig unvorhersehbar – dass die beiden Topfavoriten in der letzten Saison tatsächlich die ersten beiden Plätze belegten, würde ich mal als Ausnahme von der Regel ansehen.

Apropos Ausnahme. Es kam noch nicht oft vor in der Geschichte der 3. Liga, dass alle Teams, die sich sportlich qualifiziert haben, auch die Lizenz erhielten. Es gibt also keine Zwangsabsteiger und demzufolge keine Teams, die plötzlich doch noch drinbleiben, obwohl sportlich schon abgestiegen.

Abgestiegen sind also der 1. FC Saarbrücken, Wacker Burghausen und die SV Elversberg. Aus den Regionalligen steigen dafür Fortuna Köln, die SG Sonnenhof Großaspach und die zweite Mannschaft von Mainz 05 auf. In die 2. Bundesliga verlassen uns der 1. FC Heidenheim, RB Leipzig und Darmstadt 98, dafür kommen Energie Cottbus, Dynamo Dresden und Arminia Bielefeld dazu.

Zeit für ein Fazit

Ja, ich weiß, eigentlich wäre ein Saisonfazit eher direkt nach Saisonende angebracht, aber erst hatte ich keine Lust, dann keine Zeit, dann ein bisschen Urlaub, das Übliche halt. Ich durfte mich zwar bei der Mitteldeutschen Zeitung äußern, aber auch hier im Blog möchte ich doch nicht ganz darauf verzichten, also jetzt halt mit Verspätung, was soll’s.

Zu Saisonbeginn hatte ich die Hoffnung geäußert, dass ein erfolgreicher Saisonstart eine kleine Euphoriewelle auslösen könnte und man dann auch Punktverluste überstehen könnte, ohne gleich in der Tabelle nach unten zu rauschen. Tatsächlich gelang – punktemäßig – ein hervorragender Saisonstart und trotz schwächerer Phasen stand der SV Wehen Wiesbaden in der Tabelle nie schlechter als Platz 7. Der abschließende 4. Platz hinter dem überlegenen Trio 1. FC Heidenheim, RB Leipzig (beide wenig überraschend) und dem SV Darmstadt 98 (sehr überraschend) ist letztlich auch ein sehr gutes Endergebnis, das mit der Teilnahme am DFB-Pokal belohnt wird.

Saisonverlauf SVWW 2013/13 (Quelle: fussballdaten.de)
Saisonverlauf SVWW 2013/13 (Quelle: fussballdaten.de)

Trotzdem wollte keine rechte Euphorie aufkommen, die Stimmung in der Anhängerschaft war im Gegenteil über weite Phasen der Saison eher mies.

Woran lag das? In erster Linie wohl am Geschehen auf dem Platz. Auch wenn die Punkteausbeute anfangs nahezu perfekt war, war doch jedem klar, dass da auch eine gute Portion Glück mit von der Partie war. Eine Chance, ein Tor (meist durch Vunguidica) und schwupps war wieder ein Spiel gewonnen – aber es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Serie reißen sollte. Als man nach fünf sieglosen Spielen in Folge von den vorderen Plätzen abzurutschen drohte, wurde Peter Vollmann entlassen und durch Marc Kienle ersetzt.

In den früheren Jugendtrainer vom VfB Stuttgart und Bayern München setzte man sofort große Hoffnungen, vermutlich erwartete man ähnliche Innovationen wie von Thomas Tuchel, dem ja der nahtlose Übergang vom Jugend- zum Erstligatrainer gelungen war. Leider änderte sich weder an der Spielweise noch an der Aufstellung Wesentliches, sodass man weiterhin mal ein Spiel gewann, mal eins verlor und zwischendurch mal Unentschieden spielte, mit auffallend gleichmäßiger Verteilung. Viel zu oft hatte man dabei den Eindruck, dass die Mannschaft nicht willens oder in der Lage war, alles aus sich herauszuholen. Dabei muss es gar nicht immer ein Sieg sein, um zufrieden nach Hause zu gehen, solange man als Zuschauer den Eindruck hat, dass das Engagement stimmt (wie z. B. beim 1:1 gegen Erfurt geschehen).

Der Abstand zu den Aufstiegsplätzen, zu denen man im ersten Saisondrittel noch auf Tuchfühlung lag, vergrößerte sich stetig, sodass bald nur noch die Perspektive DFB-Pokalteilnahme, entweder über Platz 4 oder über den Hessenpokal, als Ziel verblieb. Nach dem blamablen Pokal-Aus beim Regionalligisten Kickers Offenbach war die Stimmung schließlich auf dem Tiefpunkt. In den letzten Saisonspielen gab es endlich die lang ersehnte Abwechslung im Spielsystem, als mit Luca Schnellbacher regelmäßig eine zweite Spitze neben Jose Vunguidica randurfte. Der vierte Tabellenplatz konnte letztendlich denkbar knapp verteidigt werden.

Insgesamt also eine zwar erfolgreiche Saison, die aber trotzdem nur selten Spaß machte.

Morgen: Einzelkritik zu allen Spielern