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Der Blog zum SV Wehen Wiesbaden

Stehblog - Der Blog zum SV Wehen Wiesbaden

Saisonvorbereitungszwischenfazit

OK, zugegeben, das “Fazit” in der Überschrift ist glatt gelogen, denn ein solches könnte ich gar nicht ziehen, habe ich doch vom teilweise renovierten SVWW-Team seit Trainingsstart noch überhaupt nichts selbst gesehen. Aber um den Blog den ganzen Sommer Zeitraum zwischen den Saisons über nicht gänzlich verwaisen zu lassen, bietet es sich ja an, mal zusammenzufassen, was sich seit Saisonende so getan hat rund um unseren sympathischen Drittligisten.

Werfen wir also mal einen Blick auf den Kader. Wenig überraschend gab es zahlreiche Zu- und Abgänge und das letzte Wort ist hier wohl auch noch nicht gesprochen.

Den SV Wehen Wiesbaden verlassen haben:

  • Nikolas Ledgerwood mit bisher noch unbekanntem Ziel
  • Benjamin Hübner zu Zweitligaaufsteiger VfR Aalen
  • Aziz Bouhaddouz zu Regionalligaaufsteiger Viktoria Köln
  • Nicolas Roth zu Regionalligist Waldhof Mannheim
  • Panagiotis Triadis zu Skoda Xanthi in die erste griechische Liga
  • Timo Nagy, Milad Salem und Winterverpflichtung Jonne Hjelm mit bisher noch unbekannten Zielen

Den Verlust der beiden erstgenannten bedaure ich, während die restlichen Spieler eher entbehrlich sind. Im Fall von Benny Hübner geht ein echtes Wehener Urgestein, aber als einer von wenigen, der insgesamt eine starke Saison gespielt hat, und der aufgrund seines Alters auch noch Entwicklungspotential hat, war klar, dass er früher oder später eine Etage weiter oben spielen möchte. Aalen klingt im ersten Moment nicht nach einer gewaltigen Verbesserung, aber andererseits hat er dort wohl eher die Chance, regelmäßig zum Einsatz zu kommen als bei (vermeintlich) besseren Teams. Dass es nicht viel Spaß macht, wenn man so gar keine Chance hat, könnte ja beispielsweise Fabian Schönheim berichten, der bei Mainz 05 leider überhaupt nicht zum Zug kam, von fünf Minuten gegen Bayern München abgesehen.

Also alles Gute, Benny, viel Erfolg in der zweiten Liga!

Die eher doofen Umstände, warum keine Vertragsverlängerung mit Nik Ledgerwood zustande gekommen ist, habe ich ja schon beim letzen mal geschildert. Kann man wohl nix machen. Trotzdem vielen Dank, Nik, und alles Gute für die Zukunft.

Ein bisschen schade finde ich noch den Verlust von Milad Salem, aber leider war von ihm in der letzten Saison so gut wie gar nichts mehr zu sehen. Da hatte ich mir nach einigen guten Auftritten im Jahr zuvor mehr erhofft. Ebenfalls mehr erhofft hatte ich mir nach ganz gutem Beginn von Aziz Bouhaddouz, aber dann lief bei ihm (wie bei vielen anderen im Team) leider nicht mehr viel zusammen. Den beiden und auch den anderen Jungs trotzdem alles Gute.

Von zwei weiteren Spielern würde man sich von Vereinsseite noch gerne trennen, nämlich von Marco Christ und von Orlando Smeekes. Allerdings haben beide noch laufende Verträge und verständlicherweise wenig Ambitionen, diese aufzulösen, solange sich nicht anderswo ein mindestens gleichwertiger Kontrakt ergibt. Solange die beiden aber noch auf der Gehaltsliste stehen, ist wohl kein Spielraum für weitere Neuverpflichtungen vorhanden. Warten wir also mal ab, was sich da noch tut in den nächsten Wochen, und schauen uns mal die bisherigen Zugänge an:

  • Dominik Stroh-Engel kehrt, wie sich schon gegen Saisonende andeutete, vom SV Babelsberg zurück.
  • Robert Müller und Michael Wiemann kommen vom Zweitligaabsteiger Hansa Rostock und treffen ihren früheren Trainer wieder.
  • Maciej Zieba kommt vom Wuppertaler SV Borussia.
  • Jeff Gyasi wechselt von Rot-Weiß Oberhausen nach Wiesbaden.
  • Nicolas Görtler kommt von der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg.
  • Lars Guenther aus unserer eigenen zweiten Mannschaft gehört nun zum Drittliga-Kader.
  • Für die zweite Mannschaft des SVWW wurde u. a. Yannik Oenning aus der Jugend des MSV Duisburg verpflichtet. Der Sohn des Trainers Michael Oenning könnte aber auch Perspektiven für den Profi-Kader haben.

Wie oben schon erwähnt könnte es noch weitere Transfers geben, sofern durch weitere Abgänge wieder Budget frei wird. Zumindest geben sich schon mal einige Testspieler im Training die Ehre.

Allen neuen Spielern herzlich willkommen in Wiesbaden und viel Erfolg!

Wer am Ende tatsächlich eine Verstärkung ist, kann man jetzt natürlich noch nicht vorhersehen, aber die beiden Rostocker Müller und Wiemann sind Trainer Peter Vollmann immerhin schon wohl bekannt, sodass die Gefahr eines Fehlgriffs ziemlich klein sein dürfte. Dominik Stroh-Engel ist in Potsdam anscheinend gereift, weshalb Hoffnung besteht, dass sein sicherlich vorhandenes Talent öfter im Spiel zu sehen ist als bei seinem ersten Engagement beim SVWW.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch zwei Vertragsverlängerungen, nämlich von Zlatko Janjic und von Daniel Döringer, was ich in beiden Fällen ausdrücklich begrüße. Janjic’ Bedeutung für die Mannschaft war spätestens nach der Rückkehr von seiner Suspendierung offensichtlich, und Daniel Döringer hat sich gegen Ende der Saison mit starken Leistungen in der Abwehr etabliert. Schön, dass es mal wieder ein Nachwuchsspieler ins Profi-Team geschafft hat.

Aber es gibt nicht nur neue Spieler, sondern auch einen neuen Co-Trainer, nämlich Bernd Heemsoth, der als Profi u. a. für Hannover 96 in der zweiten Liga spielte.

Desweiteren hat Pressesprecher Eckart Gutschmidt den SVWW verlassen und ist zur DFL gewechselt. Sein Nachfolger ist Daniel Mucha, der immerhin schon mal den ersten offiziellen SVWW-Twitter-Account, SVWWLiveticker, eingerichtet hat.

Die Saisonvorbereitung läuft bereits auf vollen Touren. Vorletzte Woche hat das Training begonnen und seitdem gab es neben zahlreichen Einheiten den üblichen Laktattest und bisher drei Testspiele. Wie eingangs erwähnt habe ich selbst noch kein Spiel live angeschaut. Anders als vor der letzten Saison hat mich die rechte Vorfreude noch nicht gepackt, was wohl mit mehreren Faktoren zusammenhängt. Abgesehen von der nicht ganz so berauschenden letzten Saison des SV Wehen Wiesbaden und meinem Post-Champions-League-Final-Trauma läuft als Ablenkung momentan ja die Europameisterschaft – da ist man fußballmäßig ja nicht so ausgetrocknet wie in Jahren ohne Turnier, wo man nach ein paar fußballlosen Wochen schon den Testspielen entgegenfiebert. Nun ja.

Gestern wurde die erste Runde des DFB-Pokals ausgelost, aber leider, leider war der SVWW dieses Jahr in keiner Kugel zu finden. Hoffentlich nächstes Jahr wieder. Dabei hätte ich diesesmal sogar gute Chancen gehabt, das Spiel tatsächlich sehen zu können, denn die Runde findet erst nach meinem Sommerurlaub statt. Dafür verpasse ich aber die ersten sage und schreibe fünf Ligaspieltage. Allein dieser frühe Saisonbeginn ist schon ein Grund, warum der Aufstieg in die zweite Liga irgendwann mal wieder gelingen muss. Wer weiß, vielleicht schon in einem Jahr? Nicht, dass das irgendjemand wirklich erwartet, aber man weiß ja nie. Lassen wir uns überraschen.

[Update 29.06.]

Heute wurde die Verpflichtung von José Pierre Vunguidica vom 1. FC Köln (zuletzt ausgeliehen an Preußen Münster) bekannt gegeben. Außerdem soll Orlando Smeekes nach Maritzburg (Südafrika) wechseln bzw. dort bereits unterschrieben haben.

[Update 06.07.]

Der Wechsel von Smeekes zu Maritzburg United FC wurde zwischenzeitlich bestätigt. Derweil ist die angestrebte Verpflichtung von Sascha Kotysch (früher Kaiserslautern, zuletzt bei St. Truiden in Belgien) vorerst geplatzt.

Bei den Abgängen hatte ich wohl noch ein paar übersehen. Addy-Waku Menga, Quido Lanzaat und Stefan Marinovic haben offensichtlich keine Vertragsverlängerung bekommen und somit den Verein verlassen. Insbesondere bei Addy schade, war er doch Publikumsliebling und der einzige Spieler mit eigenem Lied (und außerdem der beste Humba-Ansager im Kader), aber sportlich nachvollziehbar. Macht’s gut, Jungs!

[Update 20.07.12]

Letzte Woche wurde Nikolas Ledgerwood bei seinem neuen Verein Hammarby IF in Schweden vorgestellt – ich wünsche viel Erfolg dort!

Wochenende in drei Akten

Gerade ruht der Ligabetrieb ja mal wieder wegen einer Länderspielpause. Gute Gelegenheit, den Backlog abzuarbeiten und einen Blick aufs letzte Wochenende zurückzuwerfen.

1. Akt: FSV Mainz 05 – VfB Stuttgart

Ich bin zwar weit davon entfernt ein Groundhopper zu sein, aber wenn sich die Gelegenheit bietet, gehe ich auch gerne mal in Stadien, in denen gerade keins meiner favorisierten Teams spielt, insbesondere wenn ich in dem betreffenden Stadion noch nie war. Vor ein paar Wochen fiel mir ein, dass die Nachbarn von der ebsch Seit seit dieser Saison in einem neuen, größeren Stadion spielen. Für die Partie gegen Stuttgart waren sogar noch Karten übrig, sodass ich meinen Vater, seines Zeichens gebürtiger Schwabe und seit jeher VfB-Fan, ebenfalls alarmierte. Es stellte sich dann heraus, dass ein Freund seit kurzem zwei Dauerkarten für die Nullfünfer hat, aber am Freitagabend schon verplant war. Wir bekamen also die Dauerkarten, umso besser, keinen Cent an die Rheinhessen verschwenden, hehe.

Die Anreise von Wiesbaden zur Coface-Arena gestaltet sich ziemlich simpel: in zehn Minuten mit der S-Bahn nach Mainz und vom Hauptbahnhof per Shuttlebus zum Stadion. Bzw. in die Nähe des Stadions, eine gute Viertelstunde Fußweg ist dann schon noch nötig. Von außen wirkt das Stadion ziemlich unspektakulär und ohne den großen beleuchteten Schriftzug würde man es im Dunkeln kaum sehen, da auch keine Flutlichtmasten über das Dach hinausragen. Wie ich später hörte wird es selbst von den Heimfans als “Mainz’ größter Baumarkt” bezeichnet. Das etwas gedrungene Äußere begründet sich auch darin, dass die Tribünen zur Hälfte unter Straßenniveau liegen. Höher durfte man wohl nicht bauen, um eine Frischluftschneise nicht zu behindern. Ansonsten sind mir aber einige Sachen positiv aufgefallen. Beispielsweise kann man problemlos das Stadion umrunden und in der Kneipe und im Biergarten hinter der (Heim-)Fantribüne finden sich auch Gästefans ein. Die Tribünen sind schön steil und die alte Gegengerade vom Bruchweg wurde auch mit umgezogen.

Der Ausgang der Spiels war mir ja ziemlich egal. Meinetwegen hätten die Mainzer noch solange verlieren können, bis Herr Tuchel auch mal mit Anstand eine Niederlage zu akzeptieren gelernt hat, aber andererseits fand ich den Dämpfer für Stuttgart auch nicht so verkehrt. Ist schon praktisch, wenn man sich als Unbeteiligter jedes Ergebnis passend reden kann. Wer befangenere Meinungen lesen möchte, kann dies z. B. beim Kollegen Heinz Kamke, beim Brustring oder im 05er Fanblog tun.

Der Heimweg war genauso unproblematisch wie die Anreise, es standen reichlich Shuttlebusse bereit, bloß die S-Bahnen lassen abends schon mal länger auf sich warten. Zurück im Wiesbadener Hauptbahnhof musste ich aber mit leichtem Entsetzen feststellen, wieviele Mainzer Fans da mit mir ausstiegen – Freunde, wir sind übelst unterwandert!

2. Akt: SV Wehen Wiesbaden – Chemnitzer FC

Am Abend zuvor 34.000 Zuschauer in der ausverkauften Mainzer Arena, am Samstag dann ungefähr ein Zehntel davon in der noch nicht mal halbvollen Wiesbadener Brita-Arena – zurück in der dritten Liga. Das Spiel so lala, meinen 2:0-Tipp halte ich aber auch zur Halbzeitpause noch aufrecht. Üblicherweise teilt sich das Spiel des SVWW in eine gute und eine schlechte Hälfte – wenn es am Anfang gut läuft, folgt nicht selten der Absturz, während es nach schlechtem Start und entsprechend lauter Kabinenansprache durch Trainer Lettieri in der zweiten Halbzeit oft besser wird. Die entscheidende Frage nach torlosen 45 Minuten gegen Chemnitz: war die erste Halbzeit, in der der SVWW das Spiel bestimmte, aber keine Tore schoss, schon die gute oder kommt die erst noch?

Nach wenigen Minuten in der zweiten Halbzeit trifft Steffen Wohlfahrt – nachdem er sich frei vor dem Tor stehend erst mal in Zeitlupe drehen musste, den Ball aber entgegen aller Wahrscheinlichkeiten doch noch ins Netz bugsiert. Die Gäste machten nun tüchtig Druck, kamen zu zahlreichen Chancen, aber es folgte mal wieder die große Gurski-Show. Ein ums andere Mal rettete der Torwart die Führung für den SVWW. Seine Vorderleute vergaben die eigenen Konterchancen kläglich, bis in der Nachspielzeit die beiden eingewechselten Addy-Waku Menga und Thorsten Burkhardt endlich alles klar machten: Menga scheitert im ersten Anlauf, bekommt den Ball aber wieder und bedient Burkhardt, der problemlos das 2:0 erzielt. Das Ergebnis wird durch meinen richtigen Tipp quasi noch vergoldet, wenn auch der gewonnene Fünf-Euro-Schein gleich zum nächsten Wettpartner weiterwandert, denn entgegen meiner Vorhersage gelang Bouhaddouz diesmal kein Treffer. Egal.

3. FC Augsburg – Bayern München

Der Abschluss meines Fußballwochenendes findet am Sonntagabend vor dem heimischen TV statt, der FC Bayern gewinnt recht mühevoll beim Aufsteiger Augsburg. Zum Spiel brauche ich nicht viel schreiben, da gibt es schon genug andere, die das besser können, stellvertretend seien die Kollegen Breitnigge, Kaisergrantler und Zechbauer genannt. Spielerisch war es lange nicht so glanzvoll wie man es in dieser Saison schon so oft von den Bayern gesehen hat, aber am Ende gibt’s auch dafür drei Punkte.

Meine persönliche Punkteausbeute an diesem Wochenende war also optimal. Über die merkwürdige Korrelation der Ergebnisse bestimmter Vereine sowie meine Erinnerung an meinen ersten Besuch im Bruchwegstadion demnächst mehr an dieser Stelle.

Plötzlich ist die Saison vorbei

Am Samstag um 15:07 Uhr lag die Sensation in der Luft. Nicht mal eine Minute nachdem Addy-Waku Menga die erneute Führung für den SVWW in Bremen erzielt hatte, glich Kickers Offenbach gegen Dynamo Dresden aus – in diesem Moment war Wehen auf dem begehrten dritten Platz. Leider hielt dieser leicht ekstatische Zustand nur wenige Minuten, nämlich bis Dresden wieder in Führung ging und diese auch nicht mehr hergab. Da half es auch nichts, dass der SVWW letztlich mit 4:1 gegen Werders zweite Mannschaft gewann (Tore durch Kioyo, Menga, Mintzel und Janjic) und diese endgültig in die Regionalliga schoss.

Zum Spiel gibt es, zumal mit dem Abstand von fast einer Woche, nicht mehr viel zu sagen. Wer sich den Spielfilm nochmal geben möchte, kann sich ja den Ticker zu Gemüte führen.

Dresden konnte also Platz 3 verteidigen und spielt heute und am kommenden Dienstag in der Relegation gegen den VfL Osnabrück (mit unseren alten Bekannten Benjamin Siegert und Dennis Schmidt). Der SV Wehen Wiesbaden beendet die Saison auf Platz 4 – die Position, die man an insgesamt 16 von 38 Spieltagen innehatte und die nach der überraschend guten Vorrunde als offizielles Saisonziel ausgegeben wurde. Angesichts des knappen Abstands zu Dresden (1 Punkt und 2 Tore weniger) und der zahlreichen vergebenen Chancen in Saisonendspurt (der ja eher einem Schneckenrennen glich) könnte man sich ärgern, aber am Ende überwiegt doch die Freude über eine sehr gute Saison. Zum ersten mal seit Regionalligazeiten bekamen wir in einer Saison wieder mehr Siege als Niederlagen zu sehen, man stand das ganze Jahr nie schlechter als Platz 7, man war buchstäblich bis zur letzten Spielminute im Rennen um den Relegationsplatz und mit dem Hessenpokal gab es sogar einen Titel zu feiern. Das war nach der letzten Saison, als man lange gegen den Abstieg kämpfen musste, und dem großen Umbruch zu Saisonbeginn keinesfalls selbstverständlich.

Deshalb von mir an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN an die ganze Mannschaft, an Trainer Gino Lettieri und auch an Geschäftsführer Wolfgang Gräf!

Natürlich kann man auch überlegen, woran es letztlich gelegen hat, dass es nicht zu Platz 3 gereicht hat. Da war zum einen die Sieglos-Serie gegen Ende der Hinrunde, als in sechs Spielen gerade mal zwei Punkte geholt wurden, zum anderen die lang anhaltende Auswärtsschwäche, die verhinderte, dass der SVWW sich in der Rückrunde länger als einen Spieltag auf dem dritten Platz festkrallen konnte. Und schließlich muss man feststellen, dass gegen die Spitzenteams viel zu wenig Punkte geholt wurden: drei gegen Braunschweig (und die nur mit etwas Glück), null gegen Rostock, jeweils einer gegen Dresden, Erfurt und Offenbach. Da braucht man über “verdient” oder “unverdient” wirklich nicht mehr diskutieren.

Aber woran lag es? OK, bei der Sieglos-Serie in der Hinrunde war etwas Pech dabei, als wegen Verletzungen und Sperren ständig die halbe Abwehr ausfiel, aber insgesamt muss man wohl einfach einsehen, dass der Kader nicht mehr hergab – oder um es positiver zu formulieren: das maximal mögliche wurde rausgeholt. In der Abwehr fehlten, auch bedingt durch Thorsten Bargs langfristigen Ausfall, ein bis zwei Spitzenleute. Fabian Schönheim musste häufig in der Innenverteidigung ran und fehlte dann auf links, wo er oft von Alf Mintzel vertreten wurde, der aber seinerseits im Mittelfeld noch wertvoller ist. Im rechten Mittelfeld kam erst ab der Winterpause mit der Verpflichtung von Daniel Brosinski echte Qualität auf den Platz und unsere Stürmer erzielten insgesamt einfach zu wenig Tore. In der Hinrunde wurde das teilweise durch Zlatko Janjic’ acht Treffer kaschiert, aber dieser spielte dann leider eine ziemlich mäßige Rückrunde, in der er nur noch viermal traf und sich häufig reichlich lustlos über den Platz schleppte. Letztlich waren auch so manche Personalentscheidungen unseres Trainers nur schwer nachzuvollziehen (man denke an den jungen Wal Fall im Heimspiel gegen Braunschweig oder Jan Fießers ständiges Pendeln zwischen Startelf und Tribünenplatz), auch wenn meiner Meinung nach die teilweise kritisierte Rotation insgesamt eher positiv und gerade in den englischen Wochen schlicht notwendig war.

Damit will ich es aber auch mit der Kritik bewenden lassen. Neben der oben erwähnten sehr positiven Saisonbilanz möchte ich auch ausdrücklich loben, dass insgesamt eine deutliche Weiterentwicklung der Spielweise zu erkennen ist. Während zu Saisonbeginn vor allem die Defensive sicher stand und vorne wenige Tore zu Siegen reichten (nach 13 Spieltagen 30 Punkte mit 19:8 Toren), wurde nach und nach auch das Offensivspiel zielstrebiger und ansehnlicher. Ich bin sehr gespannt, wie es in der nächsten Saison weitergeht und ob das selbstgesteckte Ziel 2. Bundesliga (aktuell in der ganzen Stadt auf Plakaten nachzulesen) im nächsten Jahr verwirklicht werden kann. Zum erneuten Umbruch im Kader kommt in den nächsten Tagen noch ein eigener Artikel.

Während für uns die Saison also “schon” vorbei ist, werde ich heute Abend mit nur ganz wenig Wehmut das Spiel zwischen Dresden und Osnabrück verfolgen und daran denken, dass die 3. Liga auch einige Vorteile hat, z. B. weniger Andrang an den Eingängen und Bierständen – und natürlich die Aussicht, auch im nächsten Jahr wieder deutlich mehr Siege als Niederlagen zu erleben.

Alles wie gewohnt

“Ach, der Herr Wehen, was darf’s denn sein? Wie immer?”

“Ja, genau, ein 3:0, bitte.”

“Geschnitten oder am Stück?”

“Och, diesmal am Stück.”

Bereits zum vierten mal seit der Winterpause gewinnt der SV Wehen Wiesbaden ein Heimspiel mit 3:0 (dazu noch ein 5:2, ein 2:1 und das 0:2 gegen Braunschweig). Allerdings sah es in der ersten Halbzeit gar nicht besonders gut aus. Nach gutem Beginn mit ein paar Chancen für den SVWW hielt Rot Weiß Ahlen tüchtig dagegen und vergab seinerseits eine Hunderprozentige, danach neutralisierten sich die beiden Mannschaften mehr oder weniger. Den Wehenern war der Willen schon anzumerken, aber teilweise schienen sie es erzwingen zu wollen und verkrampften dabei eher. Sollte es etwa auch im vierten Anlauf keinen Sieg gegen Ahlen geben, obwohl die Voraussetzungen so gut wie selten zuvor waren?

Die Einwechslung von Innenverteidiger Nils Döring für Stürmer Marco Sailer zur zweiten Halbzeit sah im ersten Moment nicht gerade nach bedingungsloser Offensive aus, aber es war dann schnell klar, dass durch die damit verbundenen Umstellungen (Schönheim auf links, Mintzel davor) das Offensivspiel vor allem über die linke Seite eine ganz andere Dynamik bekommen sollte. Auch die Auswechslung von Marcel Ziemer sorgte zunächst für Stirnrunzeln auf der Nordtribüne, aber der eingewechselte Addy-Waku Menga lieferte prompt den Beweis, dass Gino Lettieri (bzw. in diesem speziellen Fall sein Co-Trainer Janovsky) mal wieder alles richtig gemacht hatte. Nach einer Ecke konnte der Kopfball von Quido Lanzaat nur unkontrolliert abgewehrt werden und Menga drückte den Ball aus dem Gewühl heraus ins Tor. Dem erlösenden 1:0 folgte keine zwei Minuten später schon die Vorentscheidung, als bei einem schnellen Konter Daniel Brosinski präzise auf Alf Mintzel flankte und dieser mit einem herrlichen Flugkopfball das 2:0 erzielte. Menga war es dann vorbehalten, nach einem Pass von Danko Boskovic in den freien Raum alleine aufs Tor laufen zu dürfen und ganz cool zum 3:0-Endstand einzuschieben.

Addy war damit natürlich der Mann des Tages und bekam spontan ein Liedchen von den Fans gedichtet. Besonders sympathisch, dass er nicht nur auf den Zaun kletterte, sondern direkt in den Stehblock lief, auf das Capo-Stühlchen kletterte und ohne weitere Instruktionen (wie sie manch anderer Spieler schon brauchte) die Humba anstimmte.

Das Spiel am Samstag war also mal wieder eins mit einer schwachen und einer starken Halbzeit. Das haben wir ja schon einige Male beobachten dürfen, aber wenn die Umstellungen und Einwechslungen des Trainerteams so gut funktionieren, kann man auch mal schwächer starten.

Apropos Wechsel: Es gefällt mir sehr gut, dass Lettieri regelmäßig rotieren lässt. Das ist nicht nur aufgrund der aktuellen englischen Wochen nötig, sondern gibt auch denen Perspektive, die nicht so oft ran dürfen (gegen Ahlen durfte z. B. Flo Hübner mal wieder 90 Minuten spielen).

Stichwort englische Woche: Zum letzten Mal in dieser Saison gibt es am Mittwoch noch ein Spiel unter der Woche. Wie schon in der Hinrunde folgt auf Ahlen Aalen und wie die westfälischen Fast-Namensvettern befindet sich der schwäbische VfR im Abstiegskampf und braucht demzufolge noch jeden Punkt. Und auch gegen Aalen hat der SVWW noch etwas wiedergutzumachen, denn das 1:3 im Hinspiel war richtig schlecht. Ein Sieg (ja, ein Auswärtssieg!) wäre nur folgerichtig und wenn ich schon dabei bin, lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte: Zlatko Janjic trifft endlich mal wieder.

Revanche. Jetzt.

Der SV Wehen Wiesbaden steht nach einem souveränen 5:0 beim Verbandsligisten TGM/SV Jügesheim im Finale um den Hessenpokal und trifft dort auf den Regionalliga-Spitzenreiter Hessen Kassel, die ihrerseits die Offenbacher Kickers mit 2:1 besiegt haben.

Anders als beim 2:1 im Viertelfinale gegen den 1. FC Eschborn hatte der SVWW in Jügesheim deutlich weniger Mühe. Schon nach acht Minuten traf Nils Döhring nach einer Ecke, kurz vor der Halbzeitpause stellte Marco Sailer mit dem 2:0 die Weichen endgültig auf Sieg. In der Schlussphase trafen dann noch Francis Kioyo und zweimal Addy-Waku Menga.

Das Endspiel wird im Mai stattfinden, aber sowohl das genaue Datum als auch der Austragungsort stehen noch nicht fest. Der heimliche Plan, gegen Offenbach zu spielen und sich somit eventuell auch im Falle einer Finalniederlage für den DFB-Pokal zu qualifizieren, ist zwar hinfällig, aber erstens hat der SVWW noch gute Chancen, aus eigener Kraft mindestens Vierter der 3. Liga zu werden (und sich auf diesem Weg zu qualifizieren), zweitens ist der OFC seinerseits noch längst nicht Dritter oder Vierter und drittens ist die Chance, das Finale zu gewinnen, gegen Kassel vielleicht ein kleines bisschen größer als gegen die Kickers.

Am Samstag steht wieder die Liga auf dem Programm und der Gegner in der Brita-Arena wird Rot Weiß Ahlen sein. Vor dem Hinspiel im Oktober wurde in Wiesbaden, damals (zum ersten und einzigen mal) auf Platz 2 liegend, schon leise vom Aufstieg geträumt und kam dann in Ahlen bitter mit 1:4 unter die Räder – die höchste Saisonniederlage. Leider war das kein einmaliger Ausrutscher, sondern der Auftakt einer sieglosen Phase, die bis zur Winterpause andauerte. Mittlerweile hat sich der SVWW wieder an die Aufstiegsplätze (bzw. an den einzigen noch vakanten Relegationsplatz) herangekämpft und ist vor allem zuhause eine Macht. Ahlen hingegen ist akut abstiegsgefährdet, u. a. weil ihnen drei Punkte wegen “Verstößen im Rahmen des wirtschaftlichen Zulassungsverfahrens” abgezogen wurden.

Fazit: Ein Heimsieg am Samstag ist Pflicht, basta.