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SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Stehblog - SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Abhaken

Der Klassenerhalt ist geschafft, der SV Wehen Wiesbaden wird auch in der nächsten Saison in der dritten Liga antreten dürfen. Wie es am Samstag zur rechnerischen Gewissheit kam, ist aber schon einigermaßen bezeichnend für diese Saison: ein sehr dürftiger Auftritt des SVWW und eine verdiente 0:1-Niederlage bei Carl Zeiss Jena. Zum Glück hat parallel Oberhausen (wie erwartet) gegen Regensburg verloren und Babelsberg mit einem Tor in der Nachspielzeit gegen Bielefeld gewonnen. Die Babelsberger retteten damit nicht nur sich selbst, sondern gleichzeitig auch den SVWW, während Jena der Sieg nichts mehr nützte.

Das letzte Saisonspiel am kommenden Samstag zwischen Wehen und Babelsberg wird somit zum lockeren Schaulaufen, sofern die beiden Teams nicht noch plötzlich der Ehrgeiz packt, bis auf Platz 15 klettern zu wollen.

Nachdem die Ligazugehörigkeit nun endgültig feststeht, können auch die Personalplanungen konkreter werden. Unsere Ex-Spieler Danko Boskovic und Dominik Stroh-Engel haben schon mal ihr Interesse an einer Rückkehr verlauten lassen, wobei meiner Meinung nach beide nicht unbedingt eine Riesenverstärkung wären. Auf meiner persönlichen Rückholliste wären eher Fabian Schönheim (bei Mainz chancenlos) und Björn Ziegenbein (lief in Rostock unter Vollmann zu Höchstform auf) zu finden.

Eventuell kann ich mich noch zu einem ausführlicheren Saisonfazit aufraffen, wobei auch sicherlich die eine oder andere “Empfehlung” herauskäme, auf welchen Spieler aus dem aktuellen Kader ich ab Juli verzichten könnte, aber es könnte natürlich durchaus sein, dass mir Gräf und Vollmann zuvorkommen und Tatsachen schaffen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was sich in den nächsten Wochen tut.

Egal

0:0 zuhause gegen den Tabellenletzten Jena. Nach einem 1:2 beim Vorletzten Oberhausen. Das sind so etwa fünf Punkte, die ziemlich unnötig innerhalb von einer Woche liegen gelassen wurden. Mit diesen fünf Punkten wäre man jetzt punktgleich mit dem Tabellendritten. Aber dass es nach wie vor so eng zugeht, nervt mich mittlerweile mehr als dass es mich auf eine Wende zum Guten hoffen lässt.

Woran es liegt, ob es tatsächlich vorrangig die von Wolfgang Gräf ins Feld geführten persönlichen Gründe sind (für die ich als so ziemlich einziger Verständnis gezeigt habe und dafür im Forum einigermaßen abgewatscht wurde) oder ob es doch “nur” sportliche Gründe sind – auch das ist mir zunehmend egal. Wenn ich mich heute so in N6 umgeschaut habe, geht es vielen anderen ganz genauso: zunehmend macht sich Gleichgültigkeit breit.

Man kommt nicht mehr ins Stadion, um das Spiel anzuschauen, sondern um mit den Kumpels am Samstagnachmittag ein paar Bierchen zu trinken, um seinen vierzehntäglichen Ausgang von der Familie zu genießen, weil man seine Dauerkarte nicht ungenutzt rumliegen lassen will, weil man ein Gewohnheitstier ist, oder aus welchem nichtigen Grund auch immer – aber es gibt wohl keinen mehr, der mit der ehrlichen Erwartung eines guten Fußballspiels in die Brita-Arena kommt. Schlimmer kann’s für eine Mannschaft eigentlich kaum kommen.

Am Ende ist es schließlich auch völlig schnuppe, ob man 4. oder 17. wird. Blöd nur, dass noch nicht mal die Hinrunde vorüber ist. Und wenn’s dann in der Rückrunde mal zwei Siege hintereinander gibt? Tja, dann rutscht man plötzlich wieder ein paar Plätze in der Tabelle nach oben, lässt die Fans wieder ein paar Wochen zappeln – und vergeigt’s dann wieder.

Egal.

Der Herbst ist wieder da

Zahlreiche personelle Ausfälle, eine dürftige Leistung, ein selbstverschuldetes Gegentor, schon zum vierten mal in den letzten sechs Spielen kein eigener Treffer – der SV Wehen Wiesbaden scheint wieder im Herbst 2010 angekommen zu sein. Das i-Tüpfelchen bei der 0:1-Niederlage gegen Carl Zeiss Jena war, dass der Ex-Wehener Aykut Öztürk den an ihm verursachten Strafstoß unbedingt selbst schießen wollte und (natürlich) auch verwandelte.

Zu allem Überfluss haben die Verfolger Heidenheim, Koblenz und Dresden am Wochenende alle gewonnen und rücken dem SVWW in der Tabelle ziemlich auf den Pelz. Heidenheim kann im morgigen Nachholspiel sogar vorbeiziehen. Da tröstet es auch nur wenig, dass Offenbach und Erfurt nicht gewinnen konnten.

Immerhin ist am nächsten Samstag Fabian Schönheim nach seiner Gelbsperre wieder dabei und hoffentlich auch der eine oder andere zuletzt erkrankte oder anderweitig verhinderte Spieler. In jedem Fall wird Gino Lettieri die Jungs in dieser Woche wohl tüchtig über den Halberg hetzen. Zu tun gibt’s genug.

Reise ins Paradies

Uff, die Woche schon wieder um, und morgen darf der SV Wehen Wiesbaden im nächsten Ligaspiel bei Carl Zeiss Jena antreten. Aber zuvor noch schnell ein Blick zurück auf letztes Wochenende, auch wenn’s schon fast verjährt ist.

Gegen Eintracht Braunschweig gab’s die befürchtete Niederlage. Mit 0:2 unterlag der SVWW dem Tabellenführer und musste die ersten Gegentreffer in diesem Kalenderjahr hinnehmen (den zweiten Treffer erzielte übrigens kurz vor Schluss der gerade zuvor eingewechselte Ex-Wehener Steffen Bohl). Weniger überraschend als das Ergebnis war aber die gute Leistung der Wehener, die lange Zeit sehr gut mithielten und die Partie offen gestalten konnten. Insgesamt bekamen die gut 5.000 Fans in der Brita-Arena (und die Zuschauer des hr-Livestreams) eine sehr gute Drittligapartie zu sehen. Falls Braunschweig im restlichen Saisonverlauf nicht noch katastrophal einbricht, werden wir die Eintracht wohl frühstens in zwei Jahren wieder in Wiesbaden begrüßen dürfen.

Unseren nächsten Gegner, den FC Carl Zeiss Jena, werden wir hingegen auch sicherlich in der nächsten Saison wieder treffen. Die Thüringer befinden sich gerade im gesicherten Mittelfeld der Tabelle. Das sah bis vor kurzem noch anders aus, denn lange Zeit hingen die Jenenser auf den Abstiegsplätzen fest. Aber Wolfgang Frank scheint das zu schaffen, was ihm vor zwei Jahren in Wiesbaden eben nicht gelungen ist. Dabei helfen ihm zwei Ex-Spieler des SVWW, nämlich Josip Landeka und Aykut Öztürk. Letzterer hat es nach misslungenem Transfer in die Türkei und einem vergeblichen Versuch in Jena im Sommer nun doch zum FCC geschafft, wurde gegen Sandhausen zum ersten mal eingewechselt und traf mit seinem ersten Ballkontakt. Logisch, dass Öztürk ein ganz heißer Kandidat für ein Tor gegen den SVWW ist.

Was von unserer Mannschaft morgen zu erwarten ist, weiß ich noch nicht so genau. Wir haben zwar seit der Winterpause schon zwei Spiele mit jeweils drei eigenen Treffern gesehen (was es ja vorher in der ganzen Saison noch nicht gab), andererseits wurden in den anderen drei Spielen überhaupt keine Tore erzielt. Hinten stand schon viermal die Null, aber in Jena wird Kapitän Fabian Schönheim wegen Gelbsperre fehlen und auch Nils Döring ist noch fraglich. Wenn es aber trotzdem zu einer soliden Defensive reicht, sollte ein Punktgewinn allemal möglich sein. Und wenn man in Blickweite zu Platz 3 bleiben möchte, wäre ein Sieg sogar schon Pflicht.

Mein Tipp: 2:1 für den SVWW, Tore durch Abraham und Brosinski, Gegentor durch Öztürk.

Was geschah in der Halbzeitpause?

Die erste Halbzeit im heutigen Heimspiel des SVWW gegen Carl Zeiss Jena war ziemlich gruselig: blind nach vorne gedroschene Bälle, viel Zweikampfgewurschtel und nur wenige halbgare Torchancen. Ich war bei meinem “Saisondebüt” in der Brita-Arena ziemlich ratlos, wie Wehen in den bisherigen Spielen schon zehn Punkte geholt haben soll.

Die Antwort folgte direkt nach Wiederanpfiff, denn der frisch eingewechselte Jovan Damjanovic sorgte gleich für mächtig Alarm und hatte sofort eine riesige Gelegenheit. Dabei sollte es nicht bleiben, Wehen kam in kurzen Abständen zu sehr guten Torchancen und in der 55. Minute war es schließlich Thorsten Barg, der nach einem von Marcel Ziemer abgelegten Ball die Führung erzielte. Dieser hatte kurz darauf das 2:0 auf dem Fuß, aber Jenas Torwart reagierte wieder mal prächtig. In der 60. legte Ziemer dann für Zlatko Janjic auf: 2:0 für die Heimmannschaft und die Gründung des ersten Marcel-Ziemer-Fanclubs stand unmittelbar bevor. In den Jubel mischten sich aber auch bange Blicke – was würde die Doping-Probe nach dem Spiel ergeben, so aufgedreht wie die Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden plötzlich spielte? Aber ich bin sicher, dass das Geheimnis nur in der Einnahme von gefiltertem Wasser liegt. Vielleicht gab auch Gino Lettieri seinen Spielern noch den einen oder anderen konstruktiven Hinweis mit, wer weiß.

Leider gelang es nicht, mit einem weiteren Treffer alles klar zu machen, und als Jena mit einem Sonntagsschuss den Anschlusstreffer erzielte, musste tatsächlich noch um den Sieg gebangt werden. Letztlich blieb es aber beim 2:1, durch das der SVWW für die nächsten zwei Wochen den dritten Tabellenplatz zieren wird.

Trotz der erfreulichen Zwischenbilanz mit 13 Punkten nach sechs Spielen sehe ich aber (im Gegensatz zum WK) noch keinen Grund, von mehr als dem gesicherten Mittelfeldplatz zu träumen. Welche Möglichkeiten sich der SVWW durch eine gewisse Zurückhaltung beim öffentlichen Vermelden der Saisonziele verbauen soll, ist mir nicht klar. Aber gut, darf ja jeder seine eigene Meinung haben.

Hoch interessant war übrigens das Debüt des vor drei Tagen verpflichteten Martin Abraham. Eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt ließ er in einigen Szenen sein Können aufblitzen und gibt Anlass zur Hoffnung, dass er eine wirkliche Verstärkung sein kann. Wir können uns wohl darauf freuen, wenn der von der Nordwand spontan auf “Vadder Abraham” getaufte Tscheche richtig fit ist und ein paar Wochen mit der Mannschaft trainiert hat – da geht was, Ihr werdet’s sehen.