NEL16 – Die irre Geilheit

Wieder in kompletter Besetzung besprechen Sonja, Micha und Gunnar die jüngsten Wehener Torspektakel in der Liga und das DFB-Pokalspiel gegen Schalke. Wir versuchen uns außerdem an einer taktischen Bestandsaufnahme, blicken auf die geplanten Änderungen des Auf- und Abstiegs zwischen 3. Liga und Regionalliga und hassen bezahlten Torjubel.

Das erwähnte “Wohnzimmergespräch” mit Nico Schäfer gibt es hier:

 

DFB-Pokal, 2. Runde: SVWW – Schalke 04 1:3

Tor: Blacha (76.)

Das Spiel in maximal fünf Worten: Keine Überraschung.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Rüdiger Rehm musste krankheitsbedingt kurzfristig auf Steven Ruprecht verzichten, was natürlich schon mal ziemlich ungünstig war, da Ruprecht nicht nur für die Defensive ziemlich unverzichtbar ist, sondern mit seiner Kopfballstärke auch bei Standardsituationen im gegnerischen Strafraum eine Waffe sein kann. Mit Mvibudulu als zweiter Spitze neben Schäffler war die Offensive durchaus mutig aufgestellt. Schalkes Trainer Tedesco verzichtete auf den angeschlagenen Goretzka, brachte aber ansonsten so ziemlich die Bestbesetzung an den Start, was unterstrich, dass man sich beim Außenseiter keine Blöße geben wollte und den Gegner ernst nahm.
Nach dem ersten Schalker Angriffsschwung konnte der SVWW die Partie etwas ausgeglichener gestalten und hatte sogar ein paar kleinere Möglichkeiten. Mitte der ersten Halbzeit ließ man auf der rechten Abwehrseite allerdings zu viel Platz und konnte die Flanke nicht verhindern, die di Santo per Kopf zur Schalker Führung verwertete. Nur wenige Minuten später ließ sich die aufgerückte Wehener Hintermannschaft mit einem langen Ball überspielen, Burgstaller stand frei vor Kolke, ließ Reddemann aussteigen und lupfte den Ball zum 0:2 ins Tor. Dieser Doppelschlag war ein echter Wirkungstreffer, Team und Fans des SVWW waren froh, dass es bis zur Halbzeit beim 0:2 blieb.
In der zweiten Hälfte probierten es die Gastgeber mit neuem Schwung, mussten aber schon nach knapp zehn Minuten das 0:3 und somit die Vorentscheidung hinnehmen. Burgstaller hatte den Ball zuerst nicht richtig getroffen und produzierte eine Kerze, Mintzel wollte zu Kolke zurückköpfen, traf aber heftig von Burgstaller bedrängt ins eigene Tor. Die Wehener protestierten heftig wegen vermeintlichem Foulspiels und ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster mit der Behauptung, dass die identische Szene auf der anderen Seite abgepfiffen worden wäre. Sei’s drum, Schäffler & Co gaben nicht auf und die eingewechselten Breitkreuz und Blacha sorgten für neue Impulse bei den Angriffsbemühungen, die schließlich mit dem 1:3 durch Blacha belohnt wurden. Der SVWW versuchte alles und hatte in der Schlussphase noch zwei Chancen zum Anschlusstreffer.
Wäre das 2:3 tatsächlich noch gefallen, hätte es die letzten Minuten nochmal richtig gebrannt in der Brita-Arena, aber soweit kam es halt nicht. So blieb es bei einem insgesamt ziemlich souveränen Sieg des Favoriten, aber die SVWW-Spieler müssen sich für die eigene Leistung nicht schämen und wurden zurecht vom Publikum gefeiert.

Liebling des Spiels: Patrick Breitkreuz. Häufig auch von mir ob seiner chronischen Torungefährlichkeit kritisiert, aber ihm gelang es nach seiner Einwechslung, viele Bälle festzumachen und vernünftig abzulegen, sodass nicht mehr wie vorher fast jeder Zweikampf in der gegnerischen Hälfte mit einem Ballverlust endete. Bereitete auch den Ehrentreffer durch Blacha vor, vergab aber mit einem missglückten Kopfballversuch eine gute Möglichkeit in der Nachspielzeit.

Szene des Spiels: Das 0:3, siehe oben. Spätestens dann war klar, dass es keine Sensation geben würde, und umso bitterer, dass es Alf Mintzel passieren musste.

Vor dem Spiel: Schöne Choreo über drei Viertel des Stadions und mit einer großen Fahne vor der Nordtribüne. Aber wo habe ich dieses Motto bloß schon mal gehört…?

Bildquelle: merkurist.de

Nach dem Spiel: Müssen die Saisonziele wohl oder übel korrigiert werden:

Das fiel auf:
+/- Der Qualitätsunterschied zwischen einem Erst- und einem Drittligisten war schon sehr deutlich. Vielleicht nicht zwei Klassen, aber auf alle Fälle unübersehbar.
+/- Naldo ist einfach brutal stark. Gefühlt brauchte der nach dem Spiel keine Dusche, weil er immer schon dort stand, wo der Ball hinkam.
+ Das befürchtete Chaos an den Eingängen und Kiosken blieb aus. Natürlich war es sehr voll, aber die Warteschlangen blieben doch erträglich.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Sportschau (mit TV-Bericht)

Zuschauer: Ausverkauft, was dann 11.373 Zuschauer bedeutete, davon etwa die Hälfte Gästefans.

Ansonsten: 

Nächstes Spiel: Am kommenden Sonntag (14 Uhr) geht es im Liga-Alltag mit der Partie gegen Preußen Münster weiter. Die Westfalen sind mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen gut gestartet, haben aber in den zehn Partien danach nur noch einen Sieg bzw. sechs Punkte geholt und hängen in der unteren Tabellenhälfte fest (aktuell Platz 15). Am letzten Wochenende gab es nach Rückstand immerhin ein Unentschieden gegen Karlsruhe. In der vergangenen Saison spielte der SVWW 2:2 in Münster und gewann zuhause mit 1:0.

Wann wird es wieder schalkig?

Morgen ist also der große Tag, auf den tatsächlich mal deutlich mehr Leute, als sich üblicherweise in der Brita-Arena blicken lassen, seit Wochen hinfiebern: Der SV Wehen Wiesbaden tritt in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Schalke 04 an und es herrscht so eine Art Ausnahmezustand. Über den Andrang beim Kartenvorverkauf wurde schon berichtet und man muss auch kein Prophet sein, um einen tüchtigen Rummel rund ums Stadion vorherzusehen.

Was das Sportliche angeht, sind die Rollen natürlich klar verteilt. Der kleine Drittligist gegen den Erstligisten, aktuell Tabellenfünfter mit Trend nach oben und vermutlich immer noch mit einem der größten Etats der Liga ausgestattet, bei dem jeder einzelne Spieler der ersten Elf einen höheren Marktwert hat als der gesamte Kader des SVWW zusammengerechnet. Um sich in diesem Vergleich durchzusetzen, müsste schon einiges zusammenkommen. Vor allem darf in der Wehener Defensivarbeit (und zwar von Torwart Kolke bis Stürmer Schäffler) quasi kein einziger Fehler passieren und dann muss man hoffen, dass man mal zu einem Eckball oder einem Freistoß in Strafraumnähe kommt, aus dem eventuell was entstehen könnte. Bei Schalke darf hingegen nicht viel funktionieren – und da könnte vielleicht die Psyche ein bisschen helfen. Schalkes Trainer Domenico Tedesco wird seine Mannschaft sicherlich auch auf diese Partie akribisch vorbereiten, aber vielleicht unterschätzt der eine oder andere Spieler seinen No-Name-Gegner dann doch ein bisschen. Und noch etwas mehr Küchen-Psychologie: während Wehen etwas zu gewinnen hat, kann Schalke nur verlieren. Wenn sie sich wie erwartet durchsetzen, ist es das Normalste der Welt, falls nicht stehen sie als Deppen da. Selbst Sportvorstand Christian Heidel kann den Gedanken an eine Blamage nicht verhehlen:

„Wir dürfen überall verlieren – nur nicht in Wehen Wiesbaden. Das geht gar nicht.“

 

Auch Joe von der Blogger-Kommune torhagelblau.de sieht Schalke grundsätzlich als Favoriten, hat aber auch gewisse Befürchtungen. Ein Gastbeitrag.

Die Autokorrektur schlägt anstelle von „schalkig“ das Wort „schlampig“ vor. Ein solcher, ein typischer schlampiger Schalke-Kick in einer Phase, in der mal wieder alles anders zu werden verspricht, der fehlt bislang in dieser Saison.

Gibt es nicht einen „besseren“ Zeitpunkt für ein schalkiges Spiel, als ein Auswärtsspiel im Pokal bei einem Drittligisten, dem SV Wehen Wiesbaden, der noch dazu gut in Form zu sein scheint und sich am Samstag erst mal mit einem zünftigen 5-0 auswärts bei den Würzburger Kickers warmgeschossen hat?

Natürlich nicht.

Das sieht auch Christian Heidel so, wenn er für das Spiel das Motto „verlieren verboten“ ausgibt, was auch mit einer gewissen Abneigung von Mainzern gegenüber Wiesbadenern und umgekehrt zu tun haben mag.

Mir gefällt der Schalker Weg unter Domenico Tedesco bislang. Nur weiß der geneigte Schalker Beobachter noch nicht, ob es ein stabiler Weg mit solidem Fundament ist oder doch wieder auf Treibsand errichtet wurde. Zu viele schlechte Erfahrungen. Und natürlich ist Schalke Favorit und müsste eigentlich, wenn alles normal läuft, und so weiter und so fort.

Aber all dies zusammengenommen ruft die irrationale Unke in mir auf den Plan, die folgenden Tipp abgibt: Wehen – Schalke 2:1.

Möge Joe Recht behalten.

NEL15 – Schalke kann jeder

Sonja und Gunnar besprechen wie üblich die letzten Partien des SVWW, wobei das diesmal gar nicht so viele waren. Sonja war in der Länderspielpause dafür wieder tüchtig unterwegs und erzählt, wie sie eigentlich zum Groundhopping kam.

Wir werfen natürlich einen Blick auf das große Spiel gegen Schalke, fragen uns, warum der SVWW jetzt eSport betreibt und verlosen ein Buch.

Viel Spaß beim Anhören!

Feedback natürlich wie immer gerne im Blog, auf Facebook oder per Twitter. Besonders freuen wir uns auch über Rezensionen bei iTunes.

NEL14 – Volle Lotte, volle Hütte

Sonja, Micha und Gunnar besprechen wie gewohnt das Geschehen rund um den SV Wehen Wiesbaden. Sonja hat aus Schottland ein passiv-aggressives Sonnen-Maskottchen-Plüschtier-Dings mitgebracht, Micha berichtet von der Auswährtsfahrt nach Lotte und Gunnar hat am Ende Angst, die komplette Aufnahme verhunzt zu haben – aber es ist dann doch nochmal gut gegangen. Weitere Themen sind der Hype um das DFB-Pokalspiel gegen Schalke, Jann Bangerts leicht seltsamer Abschied vom Profifußball, Weihnachtssingen in der Brita-Arena und Fairplay im Jena-Style.

Hier findet man das erwähnte Interview mit Stefan Blöcher. Das Rugby-Länderspiel Deutschland gegen USA in der Brita-Arena findet am Samstag, 18. November statt.

Wir beteiligen uns an der #Saisonspende: Für jedes Tor, das der SVWW in dieser Saison in Pflichtspielen erzielt (Liga, DFB-Pokal, Hessenpokal) gibt es einen Euro und für jede weitere Runde, die der SVWW im DFB-Pokal erreicht, wird der Betrag verdoppelt. Wenn Ihr Euch uns anschließen wollt, schreibt uns einfach hier per Kommentar oder auf Facebook. Vorschläge für den Empfänger der Spende (natürlich nur gemeinnützige Organisationen) sind ebenfalls willkommen. Wir wählen dann gemeinsam aus oder lassen abstimmen.

Wenn Ihr Fragen an unseren ehemaligen Spieler Aziz Bouhaddouz habt, immer her damit!

(Die Folge wurde am Montagabend, also vor dem Hessenpokal-Spiel gegen Alzenau aufgenommen.)