NEL18 – Abflug in der Weihnachtspause

Sonja, Micha und Gunnar mit dem üblichen Programm: die letzten und die nächsten Spiele des SV Wehen Wiesbaden; Erlebnisse aus Berlin, Zwickau und anderswo; A-Jugend; Trainingslager, DFB-Quatsch usw. usf.

Ein paar Links:

 

NEL17 – Sonderausgabe live vom Bornheimer Hang

Sonja und Gunnar haben vor, während und nach dem Hessenpokal-Viertelfinalspiel des SVWW beim FSV Frankfurt ein bisschen geplaudert. Die Fachkompetenz steuern unsere Gäste Marvin (vom Eintracht Frankfurt Podcast), Stephan (vom Padercast) und Jasmina bei – herzlichen Dank!

NEL16 – Die irre Geilheit

Wieder in kompletter Besetzung besprechen Sonja, Micha und Gunnar die jüngsten Wehener Torspektakel in der Liga und das DFB-Pokalspiel gegen Schalke. Wir versuchen uns außerdem an einer taktischen Bestandsaufnahme, blicken auf die geplanten Änderungen des Auf- und Abstiegs zwischen 3. Liga und Regionalliga und hassen bezahlten Torjubel.

Das erwähnte “Wohnzimmergespräch” mit Nico Schäfer gibt es hier:

 

NEL15 – Schalke kann jeder

Sonja und Gunnar besprechen wie üblich die letzten Partien des SVWW, wobei das diesmal gar nicht so viele waren. Sonja war in der Länderspielpause dafür wieder tüchtig unterwegs und erzählt, wie sie eigentlich zum Groundhopping kam.

Wir werfen natürlich einen Blick auf das große Spiel gegen Schalke, fragen uns, warum der SVWW jetzt eSport betreibt und verlosen ein Buch.

Viel Spaß beim Anhören!

Feedback natürlich wie immer gerne im Blog, auf Facebook oder per Twitter. Besonders freuen wir uns auch über Rezensionen bei iTunes.

Liebesgrüße aus Degerloch

05.04.2011 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 3:3
02.08.2011 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 0:0
14.12.2013 Stuttgarter Kickers – SV Wehen Wiesbaden 2:0
21.03.2014 VfB Stuttgart II – SV Wehen Wiesbaden 1:2

Es gibt Stadien, da fährt man gerne hin. Und es gibt das Gazi-Stadion auf der Waldau in Stuttgart-Degerloch.

Mein erstes Mal ist im April 2011, eine englische Woche, ein Dienstagabend. Es findet sich kein Mitfahrer, aber ein neuer Ground und die spannende Tabellensituation wecken mein Interesse. „Na, was macht die Auswärtsfahrt?“, bekomme ich per SMS von einem daheimgebliebenen Kumpel auf mein Handy. „Liebesgrüße aus Degerloch!“, antwortet ich in einem Überschwang, den ich mir selbst nicht erklären kann.

Das Spiel ist einigermaßen aufregend, vermutlich jedenfalls, denn aus dem Gästeblock im Gazi-Stadion sieht man dank der Zaunkonstruktion einen recht großen Teil des Rasens überhaupt nicht. 3:3 geht es aus, gegen eine Mannschaft, in der unter anderem Bernd Leno, Benedikt Röcker, Daniel Didavi und Sven Schipplock spielen. Das Gegentor in der vorletzten Minute bricht uns das Genick im Kampf um den Relegationsplatz, wie einige Wochen später klar sein wird. Somit haben sich viele Gründe angehäuft, sich dem Gazi-Stadion in Zukunft fernzuhalten. Aber als Fußballfan ist man ja meistens doof und kommt wieder.

Und so stehe ich nur wenige Monate später an der gleichen Stelle, nur um wieder nichts zu sehen. Bevor ich das Stadion betrete, gibt es die Kontrollen, wie immer mit der überschaubaren Anzahl an SVWW-Fans sind sie besonders gründlich. Die Ordner-Frau schaut auf meine Karte, schaut grimmig zu mir hoch, schaut wieder auf die Karte, nimmt sie beherzt in beide Hände und reißt sie in der Mitte durch. „Ups“, murmelt sie äußerlich ungerührt und gibt mir die beiden Papierstücke gelangweilt zurück. Als sie mich abtastet ist volle Körperkontrolle gefragt – jeder Verlust von Spannung könnte tödlich sein. Das Spiel endet 0:0 und den härtesten Zweikampf des Tages habe trotz zweier Platzverweise für den SVWW vermutlich ich geführt.

Da an gleicher Stelle nicht nur jahrelang die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart, sondern auch die Stuttgarter Kickers ihre Heimspiele der dritten Liga austragen, führt mich der Weg im Dezember 2013 wieder nach Degerloch. Überhaupt: Degerloch? Warum heißt ein Stadtteil „Degerloch“, wenn man, um ihn zu erreichen, sein Auto in die höchsten Höhen von Feinstaubcity schrauben muss?

Der Fernsehturm, der direkt neben dem Stadion liegt, ist dieses Mal leider geschlossen. Denn ich hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, das Spiel einfach von dort oben aus zu gucken, um auch mal das ganze Feld sehen zu können. So endet alles wieder im Gästeblock ohne Sicht. Da das Spiel gerüchteweise 0:2 verlorengeht, werde ich anschließend Zeuge des wohl traurigsten Gesprächs, das jemals geführt wurde. Ein aufgebrachter Fan am Zaun nach dem Spiel zu Joe Vunguidica: „Joe, was ist denn mit euch, warum kämpft ihr nicht?“ Joe: „Tja, weiß ich auch nicht.“ Immer, wenn ich Spieler mit Fans am Zaun nach Niederlagen diskutieren sehe, muss ich an diesen Nulldialog denken.

Mir gelingt an diesem Tag noch ein kleiner persönlicher Triumph: Ich bringe einen Schwaben aus der Ruhe. Denn in meiner ganzen Geschicklichkeit hatte ich mir Tage vor dem Spiel ein Küchenmesser recht fies in den Finger gesäbelt und nur ein Pflaster verhinderte, dass die Verletzung im Alltag immer wieder aufbrach. Jetzt ist mein Pflaster nach dem Spiel aber kaum noch brauchbar und ich habe vergessen, mir Ersatz mitzunehmen. Also führt mich der Weg aus dem Gästeblock Richtung Haupttribüne, wo ich Sanitäter vermute. „Hier könne Sie nich rein, Spiel isch vorbei“, knurrt der Ordner. „Ich müsste aber mal zu den Sanitätern“, antworte ich und lüfte mein Pflaster. Er wird blass: „Oha, gehe sie durch!“, ruft er eilig. Denn meine Wunde sieht noch immer täuschend frisch aus. Den Sanitäter, der mich anschließend mit einem neuen Pflaster versorgt, lässt das alles übrigens deutlich kälter: „Joa. Bitteschön.“

Mein vierter und bisher letzter Besuch ist immerhin von Erfolg gekrönt. Zunächst von einem persönlichen, denn endlich bin ich auf die Idee gekommen, nicht in den Gästeblock zu gehen. Und siehe da, auch in diesem Stadion gibt es vier Eckfahnen. Und da bei zweiten Mannschaften ohnehin nie etwas los ist, habe ich die Haupttribüne fast für mich alleine, wenn man von Fredi Bobic und einigen Rentnern absieht. Marc Kienle wechselt Luca Schnellbacher ein, Luca Schnellbacher erzielt das Siegtor.

Ich schleiche von dannen, endlich mal mit drei Punkten und guter Laune. Inzwischen sind beide Stuttgarter Teams abgestiegen, allzu schnell komme ich also nicht mehr in die Versuchung, das Gazi-Stadion zu besuchen. Aber dafür habe ich längst einen Titel für die Groundhopping-Biografie, die zwar aktuell nicht in Arbeit ist, aber immer mal wieder von Freunden von mir gefordert wird: Liebesgrüße aus Degerloch.