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SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Stehblog - SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Alles wie gehabt

Ich bin wirklich naiv. Immer wieder lasse ich mich dazu hinreißen, auf einen Sieg des SV Wehen Wiesbaden zu hoffen, und wenn’s gegen den Tabellenletzten geht, glaube ich sogar daran, dass es auswärts mal klappen könnte. Auswärts! Und von diesem Erfolgserlebnis beflügelt wäre das nächste Heimspiel natürlich nur ein Klacks und zwei Siege hintereinander wären ja schon fast eine Serie, die man nur noch ausbauen muss. Und schwupps, könnten wir schon wieder oben anklopfen…

Aber bevor ich mir das in zu bunten Farben ausmalen kann, gibt es schon wieder einen Dämpfer. In Bremen sah es zwischenzeitlich gar nicht mal so schlecht aus, als ich mal in den Ticker schauen konnte. In der ersten Halbzeit parierte Gurski einen Elfer, in der zweiten Hälfte ging der SVWW in Führung – durch, na klar, Janjic. Das kleine Märchen war im zweiten Anlauf schon in Reichweite, aber Werders zweite Mannschaft kam zum Ausgleich (durch Niclas Füllkrug, aus der Bremer Mittelalter-Auswahl) und am Ende musste man mit einem Punkt zufrieden sein. Nun ja.

Ansonsten wurde noch ein weiterer Spieler für die Offensive verpflichtet. Milan Ivana heißt der Mann, kommt aus der Slowakei, hat dort und in Tschechien in der ersten Liga gespielt und auch einige Europapokaleinsätze. Sollte also zumindest theoretisch auch für die deutsche dritte Liga reichen. Herzlich Willkommen, Milan!

Durchaus möglich, dass unsere neue Nummer 34 schon am Samstag gegen Aalen zum Einsatz kommt. Gegen den Tabellendritten, der nach Osnabrück und Regensburg aktuell die wenigsten Gegentreffer vorweist, kann eine Verstärkung im Angriff sicher nicht schaden. Ob’s zum Sieg langt? Wer weiß das schon. Aber wenn, dann könnte man gegen Darmstadt und Bielefeld gleich nachlegen, und dann…

 

Seit sieben Wochen ungeschlagen

Das neue Jahr begann für den SVWW so wie das alte aufgehört hat: lange Anreise zum Auswärtsspiel und dann eine Spielabsage wegen Unbespielbarkeit des Platzes. Sehr ärgerlich fürs Team, noch ärgerlicher für die mitgereisten Fans.

Aber man kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen. In Osnabrück war eine Niederlage nicht ganz unwahrscheinlich, stattdessen beginnt das Fußballjahr für den SVWW morgen mit dem Nachholspiel beim Tabellenletzten Werder Bremen II, wo ein Sieg schon eher möglich ist. Und so ein Sieg zum Auftakt könnte ja schon gleich einen ganz anderen Schwung reinbringen.

Nun gut, genug mit der Hellseherei, zumal noch fraglich ist, ob das Spiel morgen überhaupt stattfinden kann.

Aber da ich morgen Geburtstag habe, wünsche ich mir einfach mal einen Wehener Auswärtssieg.

Kein Weihnachtsmärchen auf Platz 11

Die ganze Causa Janjic ist schon ziemlich seltsam.

Ende September wurde er aus der ersten Mannschaft geworfen, nachdem er sich beim Torjubel mit seinem kurz zuvor ebenfalls suspendierten Kumpel Martin Abraham solidarisch gezeigt hatte. Die seinerzeit als Argument vorgebrachten “mehrere Gesten und Äußerungen gegen das Team” wirken rückblickend noch immer sehr bemüht, wenigstens irgendwas außer der offensichtlichen besagten Geste ins Felde führen zu können.

Was folgte waren überwiegend starke Auftritte in der Hessenliga mit der zweiten Mannschaft, deren Höhenflug (aktuell Platz 3) nicht unwesentlich durch Zlatko Janjic’ Tore zustande kam und die seit seinem Mitwirken in elf Spielen ungeschlagen blieb. Auf und neben dem Platz gab es an Janjic’ Verhalten nichts zu beanstanden, weshalb es doch sehr verwunderte, als Mitte November erst verkündet wurde, dass es definitiv kein Zurück in die erste Mannschaft gäbe, um dann drei Wochen später beim Fantreffen noch einen drauf zu setzen. Dort behauptete Wolfgang Gräf, dieselben Probleme mit Janjic seien auch in der zweiten Mannschaft wieder aufgetreten, angeblich weigerten sich sogar Mitspieler, auf der gleichen Seite zu spielen.

Diese Aussagen waren dann wohl so offensichtlich unzutreffend, dass sich Teambetreuer Günther Schäfer gezwungen sah, seinem Chef öffentlich zu widersprechen und Janjic ein “tadelloses Verhalten” zu attestieren. Die anschließend immer lauter werdenen Proteste der Fans sorgten anscheinend zu einem Umdenken – ob bei Gräf selbst oder vielleicht eher bei Präsident Hankammer, der dann Druck auf Gräf ausübte, ist nicht klar – und führten schließlich zur “Begnadigung” am vergangenen Freitag. Die offizielle Begründung klang auch reichlich dürftig: “Ich habe mich auf Informationen verlassen, die sich im Nachhinein als nicht richtig herausgestellt haben”, wird Gräf zitiert. Kann also nur heißen, dass entweder Gräf oder jemand, dem er offensichtlich vertraute, glatt gelogen hat. Mal ganz abgesehen davon, dass es an sich schon ein ziemlich zweifelhaftes Verhalten eines Vorgesetzten ist, öffentlich negative Aussagen über einen Angestellten zu machen, die man ungeprüft von einem Dritten übernommen hat.

Janjic reiste jedenfalls sofort zur Mannschaft nach Bremen und wäre dort am Samstag möglicherweise auch zum Einsatz gekommen. Das Drehbuch für ein vorweihnachtliches Märchen hätte dann ein Tor für Zlatko sowie einen Sieg des SVWW vorgesehen, aber leider war der Platz im Weserstadion Platz 11 aufgrund starker Regenfälle unbespielbar, weshalb Spiel und Märchen ausfielen.

Jetzt ist erst mal Winterpause. Das Spiel wird irgendwann im neuen Jahr nachgeholt. Hoffentlich mit Zlatko Janjic.

Erholung ade

Am Freitag kam ich nach drei Wochen Urlaub nach Hause und freute mich entsprechend auf mein erstes Saisonspiel am Samstag. Meine Dauerkarte steckte dummerweise noch in der gelagerten Post (die offenbar kurz nach meinem Aufbruch ins Stadion zugestellt wurde), sodass ich zum ersten Mal seit Langem wieder ans Kassenhäuschen musste – mal schauen, ob mir der Verein die 11 Euro gnädigerweise zurückerstattet.

Das Spiel gegen den VfL Osnabrück war dann bestens geeignet, die Erholung der letzten Wochen in Rekordgeschwindigkeit verpuffen zu lassen. Während ich noch mit dem Identifizieren der zahlreichen neuen Spieler beschäftigt war, sorgte der Zweitligaabsteiger mit seiner ebenfalls runderneuerten Truppe gleich für mächtig Unruhe in der Wiesbadener Defensive. Bei einem der ersten Angriffe des SVWW jedoch meinten wir schon ein Handspiel im Strafraum gesehen zu haben, lagen aber wohl falsch. Kurz darauf kam es aber tatsächlich dazu und der neue Kapitän Marco Christ verwandelte den Strafstoß sicher. Es folgten weitere Chancen für die Gastgeber und nach einem schnellen Konter setzte sich Aziz Bouhaddouz großartig durch und erzielte das 2:0. Die Freude über den komfortablen Vorsprung hielt aber nicht lange, denn schon wenige Minuten später fiel das 2:1, was auch der Halbzeitstand war. In der zweiten Hälfte wurde es dann turbulent, als zunächst Bouhaddouz nach einem Gerangel mit Kampl vom Platz gestellt wurde (selbst in den Fernsehbildern wird der Grund nicht klar, aber er soll gespuckt haben) und kurz darauf Steffen Wohlfahrt nach einer völlig unnötigen Grätsche an der Mittelline ebenfalls die rote Karte sah. Es war also klar, dass die verbleibende knappe halbe Stunde zu einer Abwehrschlacht werden würde. Unter dem Druck dieser besonderen Situation wurde nun aber deutlich besser verteidigt als zuvor und die unvermeidlichen Chancen für den Gegner wurden spätestens von Torwart Gurski entschärft. Der SVWW schaffte es zum zweiten Mal innerhalb von nur fünf Tagen, mit zwei Mann Unterzahl kein Gegentor zuzulassen, während Osnabrück umgekehrt zum zweiten Mal hintereinander eine Zwei-Mann-Überzahl nicht zum Sieg nutzen konnte. Der Jubel nach dem Schlusspfiff war logischerweise riesig, aber auch vorher war die Stimmung in der Brita-Arena schon grandios – hoffentlich spricht sich das mal rum, sodass in Zukunft vielleicht mal mehr als die leider wieder nur 3.600 Zuschauer kommen. Die könnten möglicherweise auch wieder so eine hübsche Choreo über die ganze Nordwand wie vor dem Spiel zu sehen bekommen (danke dafür an “Supremus Dilectio“).

Mein persönlicher Saisonauftakt war also zwar stressig, aber erfolgreich. Die drei Spiele zuvor hatte ich ja verpasst, wobei ich das 2:1 gegen Werder II am 1. Spieltag wenigstens noch per Ticker verfolgen konnte. Die Ergebnisse vom Pokalspiel gegen Stuttgart (1:2, wie vor vier Jahren) und vom 0:0 bei Stuttgart II erfuhr ich erst mit einigen Tagen Verspätung nach meiner Rückkehr aus der Wildnis Ontarios – und kosteten mich vermutlich eine erschreckende Summe fürs Datenroaming.

Zahlenmäßig ist der Saisonstart mit sieben Punkten aus drei Spielen gelungen (das Pokalaus gegen den VfB kam ja nicht ganz unerwartet), aber mit bereits vier Platzverweisen wird’s in der Fairplay-Wertung schwierig. Zusammen mit ein paar Verletzungen wird die Kadergröße schon zu diesem frühen Zeitpunkt völlig ausgeschöpft, wobei sich der Sturm in den nächsten Spielen fast schon von alleine aufstellt. Zu schade, dass sich Bouhaddouz und Wohlfahrt erstmal rauskatapultiert haben, denn das ständige Positionswechseln der beiden mit Orlando Smeekes hat mir schon ganz gut gefallen. Weniger gut gefallen haben mir die vielen Abspielfehler und die zahlreichen langen Bälle aus der Abwehr, als Wehen noch zu elft auf dem Platz war. Die Leidenschaft, mit der die verbliebenen Neun sich aber gegen den Ausgleich stemmten, war allerdings sensationell. Auch wenn es eigentlich nicht fair ist, einen herauszupicken, aber beispielhaft möchte ich Alf Mintzel loben, der einen einsamen Kampf in der (Rest-)Offensive führte und beinahe sogar noch das 3:1 erzielt hätte (was übrigens vom Ex-SVWWler Marco Neppe verhindert wurde).

Was gab’s sonst noch in den letzten Wochen? Marco Jordan hat den Verein verlassen, aber ein neuer Flügelspieler (die letzte vakante Position nach dem Weggang von Daniel Brosinski) wurde noch nicht gefunden.

Gute Nachricht aber von unserem Tippspiel: der Verein stiftet zwei Trikots als Preise – so langsam wird die Sache ernst…

Plötzlich ist die Saison vorbei

Am Samstag um 15:07 Uhr lag die Sensation in der Luft. Nicht mal eine Minute nachdem Addy-Waku Menga die erneute Führung für den SVWW in Bremen erzielt hatte, glich Kickers Offenbach gegen Dynamo Dresden aus – in diesem Moment war Wehen auf dem begehrten dritten Platz. Leider hielt dieser leicht ekstatische Zustand nur wenige Minuten, nämlich bis Dresden wieder in Führung ging und diese auch nicht mehr hergab. Da half es auch nichts, dass der SVWW letztlich mit 4:1 gegen Werders zweite Mannschaft gewann (Tore durch Kioyo, Menga, Mintzel und Janjic) und diese endgültig in die Regionalliga schoss.

Zum Spiel gibt es, zumal mit dem Abstand von fast einer Woche, nicht mehr viel zu sagen. Wer sich den Spielfilm nochmal geben möchte, kann sich ja den Ticker zu Gemüte führen.

Dresden konnte also Platz 3 verteidigen und spielt heute und am kommenden Dienstag in der Relegation gegen den VfL Osnabrück (mit unseren alten Bekannten Benjamin Siegert und Dennis Schmidt). Der SV Wehen Wiesbaden beendet die Saison auf Platz 4 – die Position, die man an insgesamt 16 von 38 Spieltagen innehatte und die nach der überraschend guten Vorrunde als offizielles Saisonziel ausgegeben wurde. Angesichts des knappen Abstands zu Dresden (1 Punkt und 2 Tore weniger) und der zahlreichen vergebenen Chancen in Saisonendspurt (der ja eher einem Schneckenrennen glich) könnte man sich ärgern, aber am Ende überwiegt doch die Freude über eine sehr gute Saison. Zum ersten mal seit Regionalligazeiten bekamen wir in einer Saison wieder mehr Siege als Niederlagen zu sehen, man stand das ganze Jahr nie schlechter als Platz 7, man war buchstäblich bis zur letzten Spielminute im Rennen um den Relegationsplatz und mit dem Hessenpokal gab es sogar einen Titel zu feiern. Das war nach der letzten Saison, als man lange gegen den Abstieg kämpfen musste, und dem großen Umbruch zu Saisonbeginn keinesfalls selbstverständlich.

Deshalb von mir an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN an die ganze Mannschaft, an Trainer Gino Lettieri und auch an Geschäftsführer Wolfgang Gräf!

Natürlich kann man auch überlegen, woran es letztlich gelegen hat, dass es nicht zu Platz 3 gereicht hat. Da war zum einen die Sieglos-Serie gegen Ende der Hinrunde, als in sechs Spielen gerade mal zwei Punkte geholt wurden, zum anderen die lang anhaltende Auswärtsschwäche, die verhinderte, dass der SVWW sich in der Rückrunde länger als einen Spieltag auf dem dritten Platz festkrallen konnte. Und schließlich muss man feststellen, dass gegen die Spitzenteams viel zu wenig Punkte geholt wurden: drei gegen Braunschweig (und die nur mit etwas Glück), null gegen Rostock, jeweils einer gegen Dresden, Erfurt und Offenbach. Da braucht man über “verdient” oder “unverdient” wirklich nicht mehr diskutieren.

Aber woran lag es? OK, bei der Sieglos-Serie in der Hinrunde war etwas Pech dabei, als wegen Verletzungen und Sperren ständig die halbe Abwehr ausfiel, aber insgesamt muss man wohl einfach einsehen, dass der Kader nicht mehr hergab – oder um es positiver zu formulieren: das maximal mögliche wurde rausgeholt. In der Abwehr fehlten, auch bedingt durch Thorsten Bargs langfristigen Ausfall, ein bis zwei Spitzenleute. Fabian Schönheim musste häufig in der Innenverteidigung ran und fehlte dann auf links, wo er oft von Alf Mintzel vertreten wurde, der aber seinerseits im Mittelfeld noch wertvoller ist. Im rechten Mittelfeld kam erst ab der Winterpause mit der Verpflichtung von Daniel Brosinski echte Qualität auf den Platz und unsere Stürmer erzielten insgesamt einfach zu wenig Tore. In der Hinrunde wurde das teilweise durch Zlatko Janjic’ acht Treffer kaschiert, aber dieser spielte dann leider eine ziemlich mäßige Rückrunde, in der er nur noch viermal traf und sich häufig reichlich lustlos über den Platz schleppte. Letztlich waren auch so manche Personalentscheidungen unseres Trainers nur schwer nachzuvollziehen (man denke an den jungen Wal Fall im Heimspiel gegen Braunschweig oder Jan Fießers ständiges Pendeln zwischen Startelf und Tribünenplatz), auch wenn meiner Meinung nach die teilweise kritisierte Rotation insgesamt eher positiv und gerade in den englischen Wochen schlicht notwendig war.

Damit will ich es aber auch mit der Kritik bewenden lassen. Neben der oben erwähnten sehr positiven Saisonbilanz möchte ich auch ausdrücklich loben, dass insgesamt eine deutliche Weiterentwicklung der Spielweise zu erkennen ist. Während zu Saisonbeginn vor allem die Defensive sicher stand und vorne wenige Tore zu Siegen reichten (nach 13 Spieltagen 30 Punkte mit 19:8 Toren), wurde nach und nach auch das Offensivspiel zielstrebiger und ansehnlicher. Ich bin sehr gespannt, wie es in der nächsten Saison weitergeht und ob das selbstgesteckte Ziel 2. Bundesliga (aktuell in der ganzen Stadt auf Plakaten nachzulesen) im nächsten Jahr verwirklicht werden kann. Zum erneuten Umbruch im Kader kommt in den nächsten Tagen noch ein eigener Artikel.

Während für uns die Saison also “schon” vorbei ist, werde ich heute Abend mit nur ganz wenig Wehmut das Spiel zwischen Dresden und Osnabrück verfolgen und daran denken, dass die 3. Liga auch einige Vorteile hat, z. B. weniger Andrang an den Eingängen und Bierständen – und natürlich die Aussicht, auch im nächsten Jahr wieder deutlich mehr Siege als Niederlagen zu erleben.