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SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Stehblog - SV Wehen Wiesbaden, FC Bayern München und manchmal Fußball

Interview mit Kees Jaratz: “Der Fußball zwingt in die Gegenwart”

Seit 2008 bloggt Journalist und Buchautor Ralf Koss als Kees Jaratz im Zebrastreifenblog über den MSV Duisburg. Vor dem Gastspiel des SV Wehen Wiesbaden an der Ruhr unterhielten wir uns unter anderem über Fußball im Ruhrgebiet und ehemalige Wehener beim MSV.

 

Hallo Kees – oder soll ich sagen: hallo Ralf. Stell Dich doch bitte kurz vor und erkläre uns, wie es zu Deinem Pseudonym Kees Jaratz kam?

Seit Anfang der 1970er Jahre gehen der MSV Duisburg und ich gemeinsam durchs Leben. Eindrücke während der Jugend prägen besonders. Das muss man im Kopf behalten, wenn ich gleich aufs Pseudonym zu sprechen kommen. Ich verdiene mit Schreiben seit Jahren mein Geld, Schreiben in unterschiedlichsten Formen und Medien, in den letzten Jahren vor allem als Buchautor. Als ich 2008 mit dem Blog begann, wollte ich mir vor allem ein Medium schaffen, in dem ich mein eigener Redakteur war. Ich wollte schreiben, ohne das Thema vorher anpreisen zu müssen, es verkaufen müssen. Mir ging es um Zugang zur Öffentlichkeit, und ich wollte meine Themen rund um den Fußball ansiedeln, ohne mich auf den Fußball zu beschränken. Das Pseudonym hielt ich damals für notwendig, um das Schreiben im Blog von meinem beruflichen Schreiben zu trennen. Inzwischen hat sich das eigentlich erledigt. Aber Kees Jaratz ist nun mal in der Welt, zumal ich mit dem Namen ja auch drei große Spieler des MSV Duisburg der 1970er Jahre ehre: Kees Bregmann, Kurt Jara und natürlich Bernard Dietz, dessen Name nur wegen des Pseudonymklangs mit den wenigsten Buchstaben vorkommt.

Du hast sowohl unter Deinem bürgerlichen Namen als auch unter Deinem Pseudonym bereits einige Bücher veröffentlicht, unter anderem mit dem hier gut bekannten Trainer Baade111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Worum geht es dabei?

Dieses Buch war ein Herzensprojekt. Mich beschäftigt die Identität des Ruhrgebiets schon lange, und der Fußball gehört in dieser Region auf besondere Weise zum Selbstverständnis der meisten dort lebenden Menschen. Für mich gleicht der Fußball im Ruhrgebiet dem Karneval in Köln als möglicher Bezugspunkt für Gemeinsamkeit – trotz aller Fanrivalitäten. In dem Buch erzählen wir nun Geschichten, in denen die besondere Bedeutung dieses Fußballs im Ruhrgebiet erkennbar wird. Es sind eigentlich Orte, die Fußballgeschichte erzählen. Der Reihentitel weckt da vielleicht falsche Erwartungen. Kürzlich erst hat der Verlag den Titel der Reihe variiert. Nun kann es etwa auch “111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen” heißen. Dabei habe ich mich ein weiteres Mal dem Herzensthema Ruhrgebiet widmen können. Fußballorte sind natürlich auch wieder dabei.

Reden wir über den MSV Duisburg. Traditionsverein, Bundesliga-Gründungsmitglied, 28 Jahre in der höchsten Spielklasse zuhause – und jetzt schon im zweiten Jahr nur in der Dritten Liga am Start. Schmerzt das noch sehr oder bist Du froh, dass es nach der Beinahe-Insolvenz im letzten Jahr überhaupt noch Profifußball in Duisburg gibt?

Weder noch, ich mache mir darüber keine Gedanken mehr. Da bin ich ganz bei den Fußballprofis mit ihren Standardantworten nach Niederlagen. Abhaken, Mund abwischen, wir stehen, wo wir stehen, nach vorne sehen. All das. Das ist für mich das Angenehme beim Fußball. Er zwingt in die Gegenwart. Es nutzt kein Blick zurück. Es nutzt kein Blick zwei Spiele weiter. Das nächste Spiel ist immer das, um das es geht.

Hilft bei der Einordnung auch die Erfahrung aus den 80er Jahren, als der MSV schon mal für drei Jahre in die damals drittklassige Oberliga abgetaucht war?

Das mag erst einmal so scheinen. Doch im Grunde ist der Fußball der Gegenwart gegenüber dem von Anfang der 1980er Jahre doch ein anderer Sport geworden. Damals in der dritten Liga, das war in Teilen Sport auf dem Dorf am Niederrhein. Was heute vielleicht fünfte Liga ist. Zudem hatte der Verein seinerzeit einen kontinuierlichen Niedergang durchgemacht und großen Bedeutungsverlust erfahren. Das ist mit der Situation heute nicht vergleichbar. Die Bedeutung des MSV hat sich im letzten Sommer mehr als deutlich gezeigt, und die 3. Liga ist eine professionelle Unternehmung.

Lass mich aber noch etwas sagen, was eigentlich zu weit führt, aber mir automatisch in den Sinn kommt, wenn von der Oberliga-Zeit die Rede ist. In dem Zusammenhang muss einfach der Mann genannt werden, dessen Energie und Tatkraft es überhaupt zu verdanken ist, dass es für den MSV Duisburg wieder nach oben ging: Dieter Fischdick, Meidericher, SPD-Ratsherr, MSV-Anhänger wollte den Niedergang des MSV nicht hinnehmen, wurde MSV-Präsident und organisierte die für Erfolg notwendige Stabilität im Verein. Er starb, gerade mal Ende 50, während einer Pressekonferenz vom MSV. Wenn ich an ihn erinnere, geht es mir darum, dass in Vereinen wie dem MSV Duisburg letztlich solche Menschen Verantwortung tragen müssen, die sich um der Sache Willen einsetzen. Und da sind wir dann doch bei der Orientierungshilfe. Seit dem Sommer letzten Jahres gibt es sie erneut.

Die letzte Saison begann nach der Last-Minute-Rettung turbulent, Trainer Kosta Runjaic verließ den Verein und der Kader konnte erst spät zusammengestellt werden. Trotzdem gelang eine verhältnismäßig ruhige Saison, die der MSV überwiegend in der oberen Tabellenhälfte verbrachte. War das angesichts der Situation das Optimum oder hatte man in Duisburg insgeheim mit der direkten Rückkehr in die Zweite Liga geliebäugelt?

Hoffen darf man als Anhänger seines Vereins so etwas doch immer, und das ansprechende Offensivspiel zu Beginn der Saison übertraf ja alle Erwartungen. Doch eines war klar, das Offensivspiel führte zur scheunentoroffenen Defensive. Die Abwehr wurde dann zwar stabilisiert, die Kosten in der Offensive waren aber zu hoch. Ab Mitte der Saison war abzusehen, eine Entwicklung hin zu einem erfolgreicheren Gleichgewicht wird es nicht geben. Ich kann das nicht beurteilen, ob ein anderer Trainer erfolgreicher gewesen wäre. Sieht man sich die drei Aufsteiger an, scheint es mir aber so: alle drei spielten mit einer stärkeren Besetzung als sie der MSV vorweisen konnte. Das ist in dieser Saison ganz klar anders. Es gibt keine Mannschaften, deren Spielanlage deutlich die der anderen überlegen ist.

Man trennte sich jedenfalls von Trainer Karsten Baumann und holte Gino Lettieri, den wir hier aus seiner Zeit beim SVWW natürlich noch gut kennen. Wie schlägt er sich bisher, wie ist Dein Eindruck von ihm?

Nach der Niederlage in Kiel gibt es zum ersten Mal eine Durststrecke für die Mannschaft und ihn. Grundsätzlich sah es bisher so aus, als habe er der Mannschaft zu einer guten Struktur verholfen. Es fällt allerdings auf, dass das Offensivspiel in den letzten Wochen zu wünschen übrig lässt. Oft wirkt es so, als fehlten klare Bewegungsabläufe.

Als seine Neigung erkennbar wurde, Positionen der Mannschaft immer wieder neu zu besetzen, musste ich an die kritischen Stimmen bei euch denken. Grundsätzlich gehört das ja in Teilen zum modernen Fußball, der Spieler einsetzbar auf allen Positionen, gewöhnungsbedürftig ist es aber dennoch, wenn jedes Spiel die Abwehrreihe neu formiert ist. So lange die Mannschaft erfolgreich ist, gibt es dazu höchstens erstauntes Raunen. Im Misserfolgsfall wurde das in den Foren auch schon thematisiert. Das ist etwas Grundsätzliches, ungewöhnliche Maßnahmen brauchen mehr Kommunikation, damit das Umfeld nicht unruhig wird. Bislang war seine Erklärung, Verletzungen hätten diese Umstellungen notwendig gemacht. Für alle Umstellungen gilt das aber nicht. Da bleibt etwas offen, was nur Erfolg nicht zum Problem werden lässt.

Nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz finden wir mit Zlatko Janjic und Steffen Bohl bekannte Gesichter. Was kannst Du uns von den beiden berichten?

Steffen Bohl sollte wahrscheinlich Gino Lettieris wichtigster Spieler sein, gerade auch weil er eben auf jeder Position einsetzbar ist. Es gab ein Spiel, in dem er über die Zeit von der Verteidigerposition über das Mittelfeld in den Sturm gewechselt ist – je nachdem, wer gerade ausgewechselt wurde. Er ist Mannschaftskapitän, aber Oberschenkelprobleme sind nun zum Muskelriss geworden. Er ist also am Samstag nicht dabei.

Für eine Offensive, die mit Einzelaktionen zum Ziel kommen will, ist Zlatko Janjic unverzichtbar. Technisch stark, das wisst ihr selbst. Andererseits schaut er nach meinem Geschmack oft zu früh hilfesuchend zum Schiedsrichter. Das ist natürlich dem mangelnden Mannschaftsspiel in der Offensive geschuldet. Sich gegen drei Leute durchzusetzen, kann überfordern. Ein Teil seiner Tore sind Freistoßtore und Elfmeter gewesen. Wieviel genau, weiß ich jetzt nicht. Auch daran ist zu erkennen, dass es aus dem Spiel heraus momentan hapert.

Janjic ist mit bisher sieben Treffern der beste Torschütze, während Kingsley Onuegbu, der Torjäger der vergangenen Saison, erst ein Tor erzielen konnte. Woran liegt’s? 

Schon in der Rückrunde der letzten Saison spielte Kingsley Onuegbu immer schlechter. Ich will das weniger mit Toren belegen als mit seinem Ballgefühl. Denn dass er nach der starken Hinrunde bei besonderem Augenmerk der Gegner-Defensive weniger Tore erzielt, scheint mir verständlich zu sein. Aber es liegen Welten zwischen seiner Ballannahme in den ersten Monaten in Duisburg und dem, was er momentan kann. Wenn seinerzeit der Ball am Fuß klebte, springt er jetzt meist fort. Warum? Auch das als Unsicherheit wegen vermehrter Arbeit der Defensive? Ich weiß es nicht.

Aktuell liegt der MSV nur auf Platz 10, aber der Abstand zum Tabellenführer Preußen Münster beträgt gerade mal vier Punkte. Sollten Janjic und Onuegbu beide regelmäßig treffen, wäre Duisburg ein ganz heißer Aufstiegsfavorit, oder?

Tatsächlich glaube ich nicht, dass Onuegbu so bald wieder regelmäßig spielt. Kevin Scheidhauer hat ihn erst einmal verdrängt. Du berührst aber den wunden Punkt im Spiel des MSV. Die Mannschaft kommt zu keinen klaren Torchancen. Und starke Abwehrreihen hat diese Liga nun genug. Andererseits fühlt sich die Mannschaft schon selbstbewusst genug, um oben dabei zu sein. Ob mit Recht, ist schwierig vorherzusagen. Momentan fehlt es weniger an Torschützen als an Ideen, Spieler dorthin zu bekommen, wo sie überhaupt Torschützen werden können. Es fällt auf, dass das Offensivspiel oft Stückwerk bleibt und Einzelaktionen zu sehen sind. Ich denke, da ist der Trainer für Lösungen gefragt.

Zum Abschluss noch was ganz anderes. An Stadien mit Sponsorennamen hat man sich ja längst gewöhnt, aber Euer Stadion hat, mit Verlaub, einen der beknacktesten oder wenigstens umständlichsten Namen abbekommen. Sagt irgendein Fan jemals “Schauinsland-Reisen-Arena” oder bleibt es einfach beim Wedaustadion, was vorher an gleicher Stelle stand?

Tja, wenn Unternehmen, die sponsern, lange Namen besitzen, wird das mit dem Stadion-Namen schwierig. Ich kenne niemanden, der das sagt, auch wenn Schauinsland-Reisen es mehr als verdient hätte. Gerald Kassner als Geschäftsführer des Reiseunternehmen ist auch so ein Duisburger, der sein Engagement im Fußball beim MSV auch als Engagement für die Lebensqualität Duisburgs in einen städtischen Zusammenhang bringt. Ihm geht es natürlich auch um eine Werbewirkung, aber wenn man die Mithilfe des Unternehmens bei der Rettung des MSV Duisburg sieht, erkennt man schnell, dass es für Schauinsland-Reisen um sehr viel als um das reine Geschäft gegangen ist. Wedaustadion als Name scheint mir allerdings auch allmählich zu verblassen. Ich habe eher den Eindruck, das Ganze wird namenlos: das Stadion, die Arena. Ich kann mich aber auch täuschen.

Zum Schluss der obligatorische Tipp, wie geht’s am Samstag aus? Und die Bonusfrage: auf welchen Plätzen stehen der MSV und der SVWW, wenn wir uns am 23. Mai zum letzten Saisonspiel wiedersehen?

Damit das Ziel gemeinsamer Aufstieg für den MSV nicht in die Ferne rückt, muss leider Gottes dein Verein am Samstag verlieren. Ein 1:0 ist ja wahrscheinlich. Danach können unsere Vereine dann wieder auf ihren getrennten Wegen am Projekt gemeinsamer Aufstieg weiterarbeiten. Bei der Feier wäre ich dann dabei.

Das wäre natürlich phänomenal, am letzten Spieltag den gemeinsamen Aufstieg in der Brita-Arena zu feiern.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Ralf!

Vorbereitung

Der SV Wehen Wiesbaden befindet sich schon seit über einer Woche in der Vorbereitung auf die neue Saison. Es gab schon ein paar Testspiele, von denen die gegen Gegner aus dem unteren Ende des Ligensystems deutlich gewonnen wurden (in Dauborn 6:0 und in Naurod 10:1) und die gegen höherklassige Mannschaften eher knapper ausfielen (in Worms 3:1 und gegen Zweibrücken 2:2). Die Resultate dieser Begegnungen sind aber naturgemäß sehr nebensächlich, eher interessiert der generelle Auftritt einer wieder mal zu großen Teilen neu formierten Mannschaft. Dabei ist auch das bekanntlich vor dem Hintergrund des aktuellen Trainingsprogramms zu sehen, was wenig bis keine Rücksicht auf die Testspiele nimmt, zumal die Aufstellung noch ständig durcheinander gewürfelt wird.

Selbst bewerten kann ich allerdings gar nichts, da ich bisher noch keins der Vorbereitungsspiele mit eigenen Augen gesehen habe, da verweise ich stattdessen auf externe Quellen. Ich werde wohl erst zur Saisoneröffnung gegen Waldhof Mannheim zugegen sein und vielleicht hat sich bis dahin ja schon eine Grundformation herauskristallisiert.

Nicht verschweigen möchte ich aber die letzten Änderungen am Kader. Nachdem es sich seit Saisonende schnell vom Gerücht zur Tatsache verdichtete, dass Zlatko Janjic den Verein verlassen soll, hat dieser mittlerweile einen neuen Arbeitgeber gefunden, und zwar den FC Erzgebirge Aue, wo übrigens auch unserer früher Stürmer Ronny König (bis heute schnellster Hattrick-Torschütze der zweiten Liga) aktiv ist. Ich habe ja hier zuweilen schon meinen Unmut über diese Trennung erklärt, aber wahrscheinlich ist es so am besten für alle Seiten. Danke trotzdem und viel Erfolg in der zweiten Liga, Zlatko!

Schon viel länger stand fest, dass Dominik Stroh-Engel keine Zukunft beim SVWW mehr hat. An dieser Entscheidung hatte ich noch nie etwas zu mäkeln, habe ich mich doch oft genug über seine Spielweise geärgert. Auch er hat mittlerweile einen neuen Verein gefunden, nämlich den SV Darmstadt 98. Sportlich halte ich “Dodo” für ausgesprochen entbehrlich, aber ihm persönlich wünsche ich natürlich trotzdem alles Gute.

Während im Sturm bereits alle Kaderplätze vergeben sind, gab es auf Janjic’ Position im zentralen offensiven Mittelfeld (oder als hängende Spitze oder als falsche Neun oder wie auch immer das genannt oder gehandhabt werden soll) akuten Handlungsbedarf. Hier konnte ein sehr interessanter Spieler zum SVWW geholt werden, nämlich Julian Wießmeier. 20 Jahre alt, kommt aus Nürnberg und “gehört” auch weiterhin dem 1. FC Nürnberg, denn er ist nur für zwei Jahre ausgeliehen, wobei der Club eine Option hat, Wießmeier schon nach einem Jahr wieder zurückzuholen. Er gilt ganz offensichtlich als großes Talent, hat für Nürnberg bereits Einsätze in der ersten Liga vorzuweisen, außerdem einige Spiele in der U19- und U20-Nationalmannschaft, und war letzte Saison an den Zweitligisten Jahn Regensburg ausgeliehen. Wir können wohl sehr gespannt sein, wie er sich beim SVWW entwickelt – und je besser es läuft, desto schneller ist er wieder weg. Aber das muss man halt in Kauf nehmen, wenn man so einen Spieler haben möchte.

Insgesamt wurde der Kader deutlich verjüngt, wobei natürlich immer noch einige erfahrene Spieler (z. B. Gurski, Herzig, Mitzel, Book, Christ) das Gerüst bilden – die Mischung könnte also stimmen. So langsam macht sich bei mir auch eine leichte Vorfreude auf die neue Saison breit, die in vier Wochen schon beginnt.

Der Spielplan wird am Mittwoch vom DFB bekannt gegeben, zunächst mal mit dem MSV Duisburg. Ob dieser überhaupt die Lizenz bekommt, wird jedoch erst am 5. Juli entschieden. Falls nicht, hätte der Verein, der jeweils gegen den MSV antreten müsste, an diesem Spieltag spielfrei, wie liga3-online berichtet. Wie auch immer es ausgeht, der hier gepflegte Spielplan ist stets aktuell.

Eine gewisse Ungewissheit

Die gute Nachricht vorweg: der SV Wehen Wiesbaden hat die Lizenz für die nächste Saison in der dritten Liga erhalten. Das ist ja durchaus eine Meldung, schließlich können das nicht alle Vereine von sich behaupten. Die Offenbacher Kickers nämlich bekamen keine Lizenz und haben letztlich auch auf den Gang zum Schiedsgericht des DFB verzichtet, was wohl bedeutet, dass man sich dort keine realistischen Erfolgsaussichten ausgerechnet hat. Bitter für den OFC, der – sofern es nicht noch ärger kommt – nächste Saison in der Regionalliga spielen wird und doppelt bitter für die Fans der Kickers, dass ausgerechnet der SV Darmstadt 98 davon profitiert und in der dritten Liga bleiben darf.

Die Aufsteiger aus den Regionalligen stehen mittlerweile auch fest. Wir begrüßen zurück in der dritten Liga Holstein Kiel, die sich gegen Hessen Kassel, den Ersten der Regionalliga Südwest, durchgesetzt haben. Der Zweite aus der Südwest-RL, die SV Elversberg, machte es besser als die Kasseler und schaffte gegen TSV 1860 München II den Aufstieg. Der dritte Aufsteiger ist Red Bull RasenBallsport Leipzig, die voraussichtlich den direkten Durchmarsch in die zweite Liga anstreben.

Wer aus der zweiten Liga absteigt, ist hingegen noch nicht sicher. Jahn Regensburg als Tabellenletzter bestimmt, aber der Vorletzte SV Sandhausen kann noch darauf hoffen, dass der MSV Duisburg, dem die Lizenz verweigert wurde, keinen Erfolg mit seinem Einspruch beim Schiedsgericht hat. Sollte der MSV auch keine Spielberechtigung für die dritte Liga bekommen, würde aber kein weiterer Verein aufrücken, sondern nur 19 statt 20 Mannschaften teilnehmen. Das würde zwar den Spielplan etwas entzerren bzw. die Terminierung von Nachholspielen vereinfachen, wenn im Winter wieder viele Partien ausfallen, aber aktuell macht es die Planung für die Spielplangestalter und die Vereine nicht gerade einfacher. Von solchen Fragen wie z. B. ob die Dauerkarten dann billiger werden müssen (schließlich gibt es ja ein Heimspiel weniger), mal ganz abgesehen. Man darf gespannt sein, wie es da weitergeht.

Für die Spieler des SVWW geht es konkret am Mittwoch weiter, denn dann beginnt schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison. Um 16 Uhr gibt es die erste Trainingseinheit und anschließend kostenlos Getränke und Bratwürste für die Zuschauer.

Nach aktuellem Stand sind auch noch Dominik Stroh-Engel und Zlatko Janjic im Kader, aber beiden Spielern wurde ein Vereinswechsel nahegelegt. Während das bei Stroh-Engel schon länger bekannt ist und er aktuell bei Preußen Münster als Neuzugang gehandelt wird, ist im Fall Janjic die Entwicklung vom Torgaranten zum Buhmann ziemlich schnell gegangen. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob da hinter den Kulissen mehr passiert ist, als der Öffentlichkeit bekannt ist, aber wenn tatsächlich der Eindruck aus dem elenden Hessenpokal-Finale dazu geführt haben sollte, dass man sich von Janjic trennen möchte, würde mich das einigermaßen sprachlos machen. Ganz klar, das war ein armseliger Auftritt, aber doch längst nicht nur von Janjic, sondern von so ziemlich der kompletten Mannschaft. Und ja, es gab schon öfter lustlos wirkende Darbietungen von Janjic, und sicherlich äußert sich eine schlechte Leistung eines Offensivspielers nicht nur in ausbleibenden eigenen Toren, sondern auch in Problemen in der Defensive (für die es aber meiner Meinung nach trotzdem noch ein paar Gründe mehr gibt), aber warum stellt man einen Spieler, mit dem man allem Anschein nach nicht zufrieden ist, dann ständig wieder auf? Und falls die Antwort darauf lauten sollte, dass es keine wirklichen Alternativen im Kader gab, warum hat man dann nicht schon längst einen neuen Spieler gezielt für diese Position verpflichtet? Ich hatte ja schon kürzlich festgestellt, dass die offensive Mittelfeldzentrale unterbesetzt ist – und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Personalplanungen offiziell als abgeschlossen galten. Es scheint so, dass man bis vor kurzem noch fest mit Janjic geplant hat, aber nun eine völlige Kehrtwende vollzogen hat. Wie gesagt, man sucht nicht nur eine Alternative, sondern will Janjic auf einmal ganz loswerden. Sicherlich spielen finanzielle Überlegungen hier auch eine Rolle, denn ein neuer Spieler kann wohl nur kommen, wenn man andererseits einen gewichtigen Posten von der Gehaltsliste streichen kann. Aber das erhöht den Druck bei der Suche nach einem adäquaten Ersatz ganz erheblich. Sollte hier nicht ein Volltreffer gelingen, wird garantiert regelmäßig die Frage im Raum stehen, wieso man nur einen Janjic wegschicken konnte. Und ich werde sicher nicht der einzige sein, der sich das dann fragt.

Training mit Rainer Kraft

Es heißt ja “no jokes with names“, aber manchmal lässt sich das einfach nicht vermeiden. Der SV Wehen Wiesbaden hat einen neuen Athletik- und Fitnesstrainer namens Rainer Kraft eingestellt – wie oft der Mann in seinem (Berufs-) Leben wohl schon mit “Kraftraum”-Witzchen belästigt wurde? Egal, mich erheitert jedenfalls die Vorstellung, dass Peter Vollmann seinen Spielern demnächst androhen kann (zum Rhythmus von “Hier regiert der …”): “Ihr – trainiert – mit Rainer Kraft!”.

Übertroffen wird das eigentlich nur vom ehemaligen Präsidenten des TSV 1860 München, Karl Auer, und Wolfgang Wolf als Trainer des VfL Wolfsburg.

OK, genug der Albernheiten, sehen wir uns lieber mal an, was sich seit der letzten Zusammenfassung ansonsten noch im Personalbereich getan hat. Der erwartete Abgang von Milan Ivana hat sich mittlerweile bestätigt, was ich sehr bedaure. Dafür wurde aber schon mit Tobias Jänicke (24 Jahre, kommt von Dynamo Dresden) Ersatz geschaffen. Für Dominik Stroh-Engel sucht man weiterhin noch einen Abnehmer. Keinen neuen Vertrag erhalten außerdem die U23-Spieler Diego Menendez und Denis Mangafic. Im Fall von Mangafic finde ich es schade und bin auch etwas überrascht, denn sein Debüt in der ersten Mannschaft beim Spiel gegen Saarbrücken war recht beachtlich. Aber zugegeben, mehr habe ich auch noch nicht gesehen. Weitere Ab- und Zugänge der zweiten Mannschaft liste ich nicht auf, die kann man bei tm.de nachlesen, wobei die Vita von Daniel Mitwali ganz interessant ist: Australier syrischer Abstammung und syrischer U19-Nationalspieler, war Teilnehmer in der australischen Fußball-Casting-TV-Show “Football Superstar”, spielte in Indonesien und Jordanien und landete dann irgendwie bei Hadamar in der Hessenliga – und ist demnächst auf dem Halberg zu bewunden.

Zurück zur ersten Mannschaft. Den Verein möglicherweise ebenfalls verlassen soll Zlatko Janjic, wobei dem vermutlich besten Spieler des SVWW seine phasenweise sehr deutlich anzumerkende Lustlosigkeit zum Verhängnis werden könnte. Hatte ich mich vor vier Wochen noch getröstet, dass im Falle eines von Janjic selbst initiierten Transfers wenigstens eine Ablösesumme fließen könnte, stellt sich die Situation mittlerweile also ganz anders dar. Der einst gerüchteweise interessierte MSV Duisburg dürfte als Ziel sowieso ausfallen, angesichts großer finanzieller Probleme und der dadurch drohenden Lizenzverweigerung durch die DFL. Am liebsten wäre mir persönlich aber sowieso, Janjic bliebe uns erhalten und Vollmann treibt ihm die Flausen aus: “Du – trainierst – mit …”.

Neues Personal

Wenn die Geschwindigkeit, in der der Kader der nächsten Saison zusammengestellt wurde, auf die Qualität schließen ließe, wäre der SV Wehen Wiesbaden ein ganz heißer Aufstiegskandidat im nächsten Jahr. Bereits zwei Spieltage vor Saisonende konnten die Personalplanungen abgeschlossen werden – ganz offensichtlich wurde die relativ früh feststehende Ligenzugehörigkeit gut ausgenutzt.

Schauen wir uns zunächst mal an, wer den SVWW verlassen wird:

  • Pascal Bieler: Der Linksverteidiger kam vor zwei Jahren aus Nürnberg mit der Empfehlung einiger Einsätze in der ersten Bundesliga. Letztes Jahr war er noch erste Wahl, verlor aber in dieser Saison seinen Stammplatz. Dass Peter Vollmann statt Bieler mit Daniel Döringer sogar lieber einen gelernten Innenverteidiger auf diese Position stellte, zeigt deutlich, dass man nicht mehr auf Bieler setzt. Der auslaufende Vertrag wird nicht verlängert.
  • Nicolas Görtler: Kam im letzten Sommer, ebenfalls von der Reserve des 1. FC Nürnberg. Der Stürmer kam nur auf fünf Einsätze, davon keiner über die gesamten 90 Minuten. Angesichts der ebenfalls nicht überragenden Konkurrenz mit Steffen Wohlfahrt und Dominik Stroh-Engel eine recht magere Ausbeute. Auch Görtlers Vertrag wird nicht verlängert.
  • Thorsten Barg: Der Innenverteidiger ist seit 2008 im Verein, war aber in dieser Zeit länger verletzt, als dass er spielen konnte. Nach langer Reha und mehreren Comeback-Versuchen muss er nun leider die Karriere beenden, bleibt aber dem SVWW erhalten. Parallel zu seinem Studium wird er zusammen mit Christian Hock als Trainer die U19 betreuen, die künftig das Sprungbrett in den Profibereich und somit wichtigste Nachwuchsmannschaft sein soll.
  • Sven Schimmel: Ziemlich außergewöhnlich ist der Grund, warum der Rechtsverteidiger nicht nur den SVWW verlässt, sondern sogar seine Profikarriere an den Nagel hängt. Schimmel hatte sich wohl zum Ziel gesetzt, es bis Mitte Zwanzig nach “oben” (im Sinne von erster oder zweiter Bundesliga) zu schaffen. Nun ist er zwar noch nicht ganz 24 Jahre alt, möchte sich aber voll und ganz auf ein Studium konzentrieren und nur noch im Amateurbereich Fußball spielen und sich nebenbei seiner zweiten Leidenschaft, der Musik, widmen.
    Finde ich persönlich sehr schade, denn Schimmel hat eine ziemlich ordentliche Saison gespielt und der Verein hätte auch den Vertrag mit ihm gerne verlängert. Wer weiß, vielleicht hätte er in einem Jahr sogar die Chance auf Zweitligafußball gehabt.
  • Dominik Stroh-Engel: Noch steht der Abgang des Stürmers nicht fest, aber seitens des Vereins wurde ziemlich klar geäußert, dass man ihm keine Steine in den Weg legt, wenn er einen neuen Verein findet.
  • Milan Ivana: Der Vertrag des Slowaken läuft aus und zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass es eine Verlängerung wohl nur zu geringeren Bezügen bzw. einer stärker leistungsabhängigen Bezahlung geben wird. Ich fände es gut, wenn sich Spieler und Verein einigen könnten, bin aber noch skeptisch.

Und das sind die Neuzugänge:

  • Sascha Wolfert, 23 Jahre alt, kommt vom 1. FC Kaiserslautern II aus der Regionalliga, kann sowohl Außen- (links und rechts) als auch Mittelstürmer spielen.
  • Marco Königs, 23 Jahre alt, kommt vom Ligakonkurrenten (und möglichen Aufsteiger) Preußen Münster, Mittelstürmer.
  • Julian Grupp, demnächst 22 Jahre alt, kommt von der SG Sonnenhof Großaspach aus der Regionalliga, sowohl im defensiven Mittelfeld als auch als rechter Verteidiger einsetzbar.
  • Alexander Nandzik, 20 Jahre alt, kommt vom Regionalligisten Fortuna Düsseldorf II, Linksverteidiger.
  • Stephan Gusche, 23 Jahre alt, kommt vom Drittligisten Hansa Rostock, Innenverteidiger. Hat die aktuelle Saison aufgrund eines Kreuzbandrisses größtenteils verpasst, aber Trainer Peter Vollmann kennt ihn noch aus seiner Zeit in Rostock.
  • Maximilian Ahlschwede, 23 Jahre alt, kommt von Kickers Offenbach und ist somit ebenfalls drittligaerfahren. War als Rechtsverteidiger Stammspieler beim OFC.
  • Maik Vetter, 21 Jahre alt, kommt vom Regionalligisten Eintracht Frankfurt II, gilt im Mittelfeld als vielseitig einsetzbar.
  • Luca Schnellbacher, gerade 19 Jahre alt geworden, kommt aus der U19 von Eintracht Frankfurt (A-Junioren-Bundesliga), Sturmtalent.

Gusche hat einen Einjahresvertrag, Schnellbacher einen Dreijahresvertrag, alle anderen Zweijahresverträge bekommen.

Laut Sportdirektor Michael Feichtenbeiner ist damit der Kader komplett, wobei man nochmal zuschlagen wolle, falls noch ein Spieler den Verein verlässt. Ich glaube nicht, dass damit Stroh-Engel gemeint ist, denn mit Königs, Wolfert und Schnellbacher hat man ja schon drei Stürmer geholt. Es geht wohl eher um Milan Ivana und/oder möglicherweise um Zlatko Janjic, denn an unserem Top-Torjäger soll der MSV Duisburg interessiert sein. Das wäre natürlich ein großer Verlust, aber immerhin wäre im Fall eines Transfers eine Ablösesumme von ca. € 300.000 nicht unrealistisch – nicht gerade wenig Geld in der dritten Liga. Ich vermute mal, dass Feichtenbeiner und Kollegen für dieses Szenario bereits entsprechenden Ersatz suchen.

Insgesamt fällt auf, dass keiner der neuen Spieler älter als 23 Jahre alt ist. Abgesehen davon, dass es die U23-Regel zu erfüllen gilt (pro Spiel müssen mindestens vier der 18 gemeldeten Spieler maximal 23 Jahre alt und für eine deutsche Auswahlmannschaft spielberechtigt sein), ergibt sich so auch eine bessere Mischung aus erfahrenen und jüngeren Spielern. Und natürlich erhofft man sich von den Jungen auch noch eine Weiterentwicklung, was wohl realistischer ist als die Hoffnung, mit vielen “fertigen” Spielern automatisch um den Aufstieg mitzuspielen – wie wir in der letzten Saison erfahren durften.

Der Kader der nächsten Saison in der Übersicht pro Position (einige Spieler auf mehreren Position aufgeführt):

  • Tor: Gurski, Kolke, Laux
  • Innenverteidigung: Herzig, Wiemann, Gusche, Gyasi, Döringer, Mann
  • Verteidigung links: Döringer, Nandzik, Mintzel, Oenning
  • Verteidigung rechts: Ahlschwede, Grupp, Döringer
  • Mittelfeld defensiv: Müller, Mann, Book, Christ, Gyasi, Grupp, Vetter, Guenther
  • Mittelfeld offensiv: Janjic, Christ, Book, Vetter
  • Mittelfeld links: Mintzel, Wolfert, Vunguidica, Zieba, Oenning
  • Mittelfeld rechts: Ivana, Zieba, Röser, Wolfert, Vetter, Mangafic
  • Angriff: Königs, Vunguidica, Wolfert, Schnellbacher, Stroh-Engel

Jede Position ist also mehrfach besetzt, wobei mir das offensive Mittelfeld etwas zu mager vorkommt. Sollte Janjic wechseln, muss da auf jeden Fall nachgelegt werden. Eine längere Verletzungpause mag ich mir gar nicht vorstellen. Bei den Außenverteidigern darf auch nicht allzu viel passieren – eine Verletzung und ein Neuzugang, der nicht wie erwartet einschlägt, und schon muss Vollmann improvisieren. Auf anderen Positionen gibt es dafür schon fast ein Überangebot. Sofern es bei dieser Kadergröße bleibt, dürfte es einen interessanten – und hoffentlich leistungsfördernden – Konkurrenzkampf um die Startplätze geben.