Die Wehenschau (KW 8/2026, Teil 1)

Die Punkteausbeute ist beim SV Wehen Wiesbaden seit Daniel Schernings Amtsantritt vor 100 Tagen sehr beachtlich. Dabei hatte man allerdings in einigen Partien das Gefühl, dass es „irgendwie gut gegangen“ war. Nicht unbedingt unverdient, aber auch nicht so überzeugend, dass ein Sieg unvermeidbar war. Das ist insbesondere in einer engen Liga, wo tatsächlich jeder jeden schlagen kann, auch soweit normal, aber auf Dauer wird es nicht reichen, nur das Spielglück in den entscheidenden Szenen auf seiner Seite zu haben. Davon ausgehend fragten wir uns am Samstag zu Beginn des Spiels, was denn passieren würde, sollte der SVWW auch noch richtig gut Fußball spielen. Die Frage wurde in den folgenden neunzig Minuten eindrucksvoll beantwortet. Sicherlich gehört zur Wahrheit auch dazu, dass der MSV Duisburg einen komplett gebrauchten Tag erwischte, Pech mit einer frühen Verletzung hatte, auswärts ohnehin schwächer als zuhause ist und anscheinend auch mit Rückständen nicht so gut zurecht kommt. Das ändert aber nichts daran, dass der SVWW von vorne bis hinten einen bärenstarken Auftritt hinlegte, körperlich überlegen wirkte, griffig in den Zweikämpfen war, konsequent angriff und viele Abschlüsse hatte. Natürlich wird das nicht jede Woche in gleichem Maße gelingen, aber die Mannschaft hat gezeigt, was sie kann, und muss sich genau das in jedem weiteren Spiel bis Saisonende vornehmen.

Nach der Glanzleistung gegen Duisburg ist es naheliegend, dass es auch ein paar individuelle Ehrungen für Spieler des SVWW gibt. Fatih Kaya und Niklas May landeten beim kicker in der Elf des Tages, bei Magenta Sport gesellte sich auch noch Moritz Flotho dazu.


Bei der Freude über den großen Sieg ging es fast ein wenig unter, dass der junge Ibrahim Ati Allah zu seinem dritten Profieinsatz kam. Diesmal durfte er inklusive Nachspielzeit sogar für eine Viertelstunde aufs Feld, begleitet von großem Gejohle seines privaten Fanclubs in W4. Grund zur Freude hatte er auch schon tags zuvor, als er seinen ersten Profivertrag unterschreiben durfte.


Auf dem Faschingsumzug am Sonntag präsentierte sich der SVWW anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums erstmals mit eigenem Wagen und passend dazu trug die Mannschaft das Sondertrikot. Auf den Fotos sieht es toll aus, auch die Sponsorenaufdrucke von Brita auf der Vorderseite und R+V auf dem Ärmel fügen sich gut ein (der Brita-Schriftzug ist kleiner als üblich und in gold, der R+V-Badge ist ebenfalls in gold), nur der quickpaid-Aufdruck auf der Rückseite ist leider genauso groß wie sonst und stört etwas das Gesamtbild. Alles in allem aber ein absolutes Must-have für Trikotliebhaber:innen.


Kurz in eigener Sache: ich werde im März und April für einige Woche verreist sein und wahrscheinlich in dieser Zeit den Blog nicht wie gewohnt befüllen können. Wer sich vorstellen kann, für den einen oder anderen Spielbericht die Vertretung zu übernehmen, möge sich bitte bei mir melden – siehe dazu auch mein Beitrag im Forum.


Und nun zum Hessenpokal. Die ersten beiden Viertelfinalspiele haben am Wochenende schon stattgefunden und beide wurde erst im Elfmeterschießen entschieden. Die Offenbacher Kickers mit Trainer Kristjan Glibo gewannen beim FSV Frankfurt (Amin Farouk war einer von zwei Fehlschützen bei den Bornheimern) und die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz behielt bei Türk Gücü Friedberg die Oberhand. Damit steht die erste Halbfinalpaarung auch schon fest. Der Halbfinalgegner des SVWW (oder des FSV Fernwald) wird in einer Woche zwischen Germania Ober-Roden und dem KSV Hessen Kassel, unserem Finalgegner der letzten Saison, ermittelt.


Was, wann, wo: Hessenpokal, Viertelfinale, Mittwoch, 18. Februar, 19:00 Uhr, auswärts beim FSV Fernwald

Der Gegner: Der FSV Fernwald wurde wie der SV Wehen im Jahr 1926 gegründet, damals als FSV Steinbach, hat sich aber – eine weitere Parallele – 2007 umbenannt. Angesichts der zahlreichen Steinbachs im hessischen Fußball eine sehr begrüßenswerte Maßnahme. In der letzten Saison ist die Mannschaft von Trainer Daniel Steuernagel Meister der Hessenliga geworden, verzichtete aber mangels Regionalliga-tauglichem Stadion auf den Aufstieg. In der aktuellen Spielzeit rangiert man nach 20 Spielen mit 27 Punkten auf Platz 10. Das letzte Pflichtspiel liegt allerdings schon über zwei Monate zurück, in der Liga geht es erst in einer Woche wieder los. Im Hessenpokal hat sich Fernwald im Achtelfinale mit einem 3:0 beim Nachbarn Pohlheim durchgesetzt.

Der Direktvergleich ist noch ein unbeschriebenes Blatt, beide Mannschaften haben noch nie gegeneinander gespielt.

Personelles: Robin Kalem hat sich im Spiel gegen Duisburg einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen und wird ein paar Wochen fehlen. Dass Daniel Scherning im Pokal einige Spieler einsetzen wird, die zuletzt nicht oder wenig gespielt haben, dürfte sicher sein. Die Frage ist nur, wie groß die Rotation ausfällt. Mein Tipp: ziemlich groß – und dann müssen wir hoffen, dass sich die Mannschaft in der Konstellation schnell findet.

Aufstellungstipp: Broll – Wohlers, Lewald, Neubert, Luckeneder, Greilinger – Bogicevic, Suarez, Franjic – Agrafiotis, Schleimer

Nach dem Spiel wird der SVWW hoffentlich im Halbfinale stehen.

Ansonsten: Wer nicht nach Fernwald fahren kann, kann das Spiel auch im Live-Stream verfolgen.


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