Die Wehenschau (KW 27/2020)

Diese merkwürdige Saison ist für den SV Wehen Wiesbaden nun endlich vorbei. Bekanntlich ist der Ausflug in die 2. Bundesliga nach nur einem Jahr schon wieder beendet und man fragt sich angesichts des Ausgangs, ob es vielleicht besser war, dass man die Spiele seit dem Restart nicht im Stadion verfolgen durfte. Ich bin da in meiner Einschätzung hin- und hergerissen, aber letztlich ist es auch egal, es ist (und war) ja nicht zu ändern. Es steht allerdings zu befürchten, dass auch in der neuen Saison Stadionbesuche erst mal nicht möglich sein werden oder eventuell nur für eine reduzierte Zuschauerzahl. Letzteres würde den SVWW nicht so hart treffen, da die Brita-Arena in der 3. Liga ohnehin nur selten zu mehr als 50% gefüllt wird. Aber wenn man auf der Nordtribüne nicht zusammen stehen darf, möglicherweise auch Gesänge usw. untersagt werden, dann kann man sich das Stadionerlebnis auch sparen, denn es ist keins mehr. Ich hoffe mal darauf, dass die Saison erst dann beginnt, wenn ein halbwegs normaler Stadionbesuch möglich ist. Das Verständnis, das ich für die Fortsetzung der letzten Saison hatte, würde ich wohl kaum aufbringen können, wenn es demnächst heißen sollte “im September geht’s weiter, wie gehabt mit Geisterspielen, ist halt so”.

Während ich hier schon über die nächste Saison sinniere, ist die alte aber noch gar nicht für alle Vereine abgeschlossen, denn die beiden Relegationen stehen ja noch aus. Aus Wehener Sicht ist vor allem die zwischen 2. und 3. Liga interessant, wobei die 3. Liga vorher sogar noch den finalen Spieltag zu absolvieren hat. Fest steht bisher nur, dass Eintracht Braunschweig aufsteigt und Carl Zeiss Jena, Sonnenhof Großaspach und Preußen Münster absteigen. Der zweite direkte Aufsteiger entscheidet sich zwischen Würzburg und Ingolstadt, in die Relegation könnten neben diesen beiden auch noch Duisburg, Rostock und 1860 München kommen. Der vierte Absteiger kommt auf jeden Fall aus Sachsen, entweder Zwickau oder Chemnitz. Ein weiteres sächsisches Team, Lok Leipzig, hat den Aufstieg verpasst, stattdessen setzte sich der SC Verl durch. Die anderen Aufsteiger aus den Regionalligen sind VfB Lübeck, 1. FC Saarbrücken und Türkgücü München. Es könnten nächste Saison also (wenn man Unterhaching mal mitzählt) gleich vier Auswärtsfahrten nach München anstehen, wobei noch nicht genau feststeht, wo Türkgücü genau spielen wird. Geplant ist, die Mehrzahl der Spiele im Grünwalder Stadion (ebenso wie 1860 und die Bayern Amateure) auszutragen und einige im Olympiastadion, als Alternative wurde aber auch Würzburg benannt. Das wäre für Türkgücü natürlich doof, aber aus unserer Sicht höchst praktisch. Das gleiche gilt für Saarbrücken, die wohl nicht wie bisher in Völklingen spielen können und als Ausweichstadion den Bornheimer Hang in Frankfurt angegeben haben. Aber solange keine Zuschauer ins Stadion dürfen, sind irgendwelche Gedankenspiele bezüglich Auswärtsfahrten ohnehin Makulatur.

Das könnte auch den DFB-Pokal betreffen, in dem der SVWW in der 1. Runde erneut Heimrecht hat, zumindest nach bisheriger Regelung. Aber in Corona-Zeiten ist ja alles anders und da passt dieser Bericht des Sportbuzzer, in dem behauptet wird, dass Erst- und Zweitligisten Heimrecht haben sollen. Aber auch hier gilt: erst mal abwarten.

Und abwarten ist auch das Stichwort, was die allermeisten Spielerwechsel in diesem Sommer angeht. Aufgrund der diesjährigen Ausnahmesituation gibt es diesmal zwei Transferfenster, wobei das erste nur gestern galt und für die Abwicklung bereits feststehender Transfers gedacht war. Die hauptsächlichen Wechselaktivitäten werden dann zwischen dem 15. Juli und dem 5. Oktober stattfinden. Das gilt auch für den SVWW, der gestern noch keine Zugänge vermeldet hat. Anfang der Woche wurden aber schon zehn Abgänge bekanntgegeben, darunter drei Stammspieler der abgelaufenen Saison. Bei Heinz Lindner war abzusehen, dass er nicht in die 3. Liga mitgehen wird, ebenso wie bei Kofi Kyereh, der mit verschiedenen Zweitligisten in Verbindung gebracht wird. Auch Max Dittgen erhofft sich möglicherweise einen Verbleib in der 2. Bundesliga. Winterneuzugang Sidney Friede fiel nur auf Instagram auf, aber nicht durch besondere Leistungen auf dem Platz und kann sich nach nur einem halben Jahr einen neuen Verein suchen. Bedauerlicher finde ich den Abgang von Nicklas Shipnoski, der nach einem guten ersten Jahr in dieser Saison nicht mehr zum Zug kam. Noch trauriger ist es im Fall von Jules Schwadorf, der immerhin vier Jahre beim SVWW war, allerdings enormes Verletzungspech hatte. In seinem zweiten Jahr fiel er schon fast die komplette Saison aus und bekam erst einen neuen Vertrag, nachdem er sich in der Sommervorbereitung gut präsentiert hatte. Das bestätigte er mit guten Leistungen in der Aufstiegssaison, verletzte sich dann aber gegen Saisonende wieder und verpasste quasi die komplette Zweitligasaison, nur eine Einwechslung war ihm vergönnt. Ähnlich verletzungsgeplagt ist Patrick Schönfeld, der in der Aufstiegssaison nur auf 15 Einsätze und dieses Jahr sogar nur noch auf drei Einwechslungen kam. Jan Albrecht, Marc Wachs und Jan Vogel spielten ohnehin keine Rolle und müssen nun ebenfalls den Verein verlassen. Wir wünschen allen Spielern nur das Beste und werden sicherlich im Auge behalten, wo sie landen und wie sie sich dort schlagen.

Es laufen außerdem die Verträge weiterer Spieler aus, dazu enden einige Leihen, aber anscheinend befindet man sich mit den betreffenden Spielen noch in Gesprächen. Unter anderem möchte man wohl gerne Stefan Aigner halten, während bei Manuel Schäffler zu befürchten ist, dass man ihn trotz laufenden Vertrags gehen lassen muss.

Am wichtigsten ist natürlich die Trainerposition und hier sieht es so aus, dass man auch nach dem Abstieg an Rüdiger Rehm festhält und mit ihm einen neuen Angriff in der 3. Liga startet. Sein Vertrag läuft ohnehin noch ein Jahr und er selbst will “die Suppe auslöffeln”, die man sich mit dem Abstieg eingebrockt hat. Über alle Personalien haben Micha und ich übrigens in der letzten NEL-Folge gesprochen und wer nicht genug von uns bekommt, kann sich auch noch die “Nach dem Spiel“-Folge des MillernTons anhören, wo wir zu Gast waren.