Die Wehenschau (KW 42/2022)

Der SV Wehen Wiesbaden steht sportlich so gut da wie schon lange nicht mehr, aber trotzdem gab es am Montag beim Spiel gegen Oldenburg eine Halbzeit lang gellende Pfiffe. Die Pfiffe galten natürlich nicht der Mannschaft, sondern der Vereinsführung für ihre Zweitverein-Kampagne, und weil gerade Montag war, konnte man auch gleich noch gegen fanunfreundliche Anstoßzeiten protestieren. (Dass die Abschaffung der Montagsspiele längst beschlossene Sache ist, kann man da schon mal ausblenden.)

Es ist einerseits verständlich, dass die Ultras ihren bisher stillen Stimmungsboykott nun etwas hörbarer gestalten, schließlich scheint es die Verantwortlichen bisher nicht so richtig zu interessieren. Es gab ein paar krude Instagram-Posts, die wohl als Handreichung gedacht waren, aber eher nach Schlingerkurs aussehen, denn anscheinend soll die Kampagne dennoch fortgesetzt werden. Andererseits drohen die Ultras die Unterstützung der restlichen Fans zu verlieren, die sich in großen Teilen zwar auch gegen die Kampagne ausgesprochen haben, aber deren Verständnis für den Trillerpfeifenlärm spätestens ab der 20. Spielminute rapide abnahm. Anders als bisher die stillen Proteste wurde das Pfeifkonzert nämlich nicht nach 19:26 Minuten beendet, sondern die komplette erste Halbzeit durchgezogen – was dann auf der Nordtribüne für einige Reibereien sorgte.

Es wird dringend Zeit, dass sich Vertreter beider Seiten mal zusammenfinden und eine Lösung in diesem Konflikt suchen, denn so langsam wird das ganze Thema von einem eher banalen Ärgernis zu einem vereinsschädigenden Problem. Ausgerechnet am Montag war die Brita-Arena, insbesondere die Nord-Tribüne, überdurchschnittlich gut gefüllt, was u. a. daran lag, dass zuvor das Endspiel der Grundschulmeisterschaften ausgetragen wurde und entsprechend viele Schüler mit ihren Eltern im Stadion waren – viele davon wahrscheinlich zum ersten und manche vielleicht auch zum letzten Mal. Wird ein 9-jähriger eher das gute Spiel oder eher die Trillerpfeifen im Gedächtnis behalten, wenn er an seinen ersten Stadionbesuch zurückdenkt? Und will er wiederkommen oder beim nächsten Mal vielleicht doch lieber nach Mainz oder Frankfurt?

Also, liebe Supremus und liebe Marketingveranwortliche, rauft Euch zusammen und sorgt dafür, dass das aufhört. Wir allen wollen doch viel lieber unsere Mannschaft anfeuern, die in jedem Spiel volle 90 Minuten und mehr an Unterstützung verdient – generell und erst recht in dieser Saison, die vielleicht eine ganz große werden kann.


Ein paar Kurzmeldungen rund um den SVWW und die 3. Liga:

  • Benedict Hollerbach stand vor dem Duell mit seinem Jugendverein dfb.de Rede und Antwort. Interessant fand ich dabei, dass einmal mehr der athletische Aspekt betont wurde – hier scheint es beim SVWW seit dem Sommer enorme Fortschritte zu geben.
  • Der nächste Gegner im Hessenpokal steht fest, der FSV Dörnberg gewann mit 6:1 beim FC Homberg. Der SVWW darf also (voraussichtlich im Februar) weit nach Nordhessen fahren. Im Halbfinale träfe man auf den Sieger der Partie Hessen Kassel gegen TSV Steinbach.
  • Der Ausstieg von ESWE Verkehr aus dem Sportsponsoring soll offenbar nochmal überdacht werden, zumindest kündigte OB Mende an, dass das „nicht das letzte Wort“ sein könne.
  • Dynamo Dresden wird für die Auswärtsspiele in Mannheim und Wiesbaden Karten nur an Mitglieder verkaufen. Was Nicht-Mitglieder davon abhalten soll, Karten direkt beim SVWW zu kaufen, ist mir aber noch nicht klar.
  • Weil die Umbauarbeiten am Stadion Rote Erde länger als ursprünglich geplant dauern, spielt Borussia Dortmund II aktuell in Wuppertal. Das letzte Heimspiel des Jahres soll dann wieder (wie schon zu Saisonbeginn) im großen Westfalenstadion stattfinden. Sind wir mal gespannt, wo dann im Januar gegen den SVWW gespielt wird.

Was, wann, wo: 3. Liga, 13. Spieltag, Samstag, 22. Oktober, 14:00 Uhr, auswärts beim TSV 1860 München

Der Gegner: Nachdem die Münchner in der letzten Saison lange auf einem Aufstiegsplatz standen und erst kurz vor Saisonende auf den 4. Platz zurückfielen, soll es dieses Jahr nun endlich mit dem Aufstieg klappen. Dazu hat sich die Mannschaft von Trainer Michael Köllner mit einigen drittligaerfahrenen Spielern verstärkt, z. B. Verteidiger Jesper Verlaat, der aus Mannheim kam. Größter Trumpf ist aktuell aber der aus Havelse geholte Fynn Lakenmacher, der mit sechs Treffern bester Torschütze ist. Ex-SVWWler Daniel Wein fiel in der letzten Saison wegen einer Fußverletzung lange aus, ist mittlerweile aber wieder fit und hatte einige Teilzeiteinsätze.

Die letzten Begegnungen: In der vergangenen Saison gab es zuhause ein 0:0 und auswärts eine 2:3-Niederlage (nach 2:0-Führung).

Der Direktvergleich weist in zehn Aufeinandertreffen (2. und 3. Liga) sechs Unentschieden aus, dreimal gewannen die Löwen, nur einmal der SVWW.

Personelles: Brumme ist nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück im Kader, soviel steht fest. Gürleyen und Goppel haben wieder mit der Mannschaft trainiert, aber ob es schon zu Einsätzen reicht, ist genauso fraglich wie bei Hollerbach, der gegen Oldenburg mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt wurde.

Aufstellungstipp: Lyska – Mockenhaupt, Mrowca, Rieble – Fechner, Jacobsen, Heußer, Ezeh – Wurtz – Brumme, Prtajin

Nach dem Spiel wird der SVWW auf Platz 2 bis 4 stehen. (Ja, es könnte theoretisch bis auf Platz 6 runter gehen, aber Wehens Tordifferenz ist aktuell deutlich besser als die von Dresden und Freiburg.)