DFB-Pokal, 1. Runde: SVWW – FC Bayern München 2:3

Tore: 0:1 Kane (16., Foulelfmeter), 0:2 Olise (51.), 1:2 Kaya (64.), 2:2 Kaya (70.), 2:3 Kane (90.+4)

Das Spiel in maximal fünf Worten: An der Überraschung vorbeigeschrammt

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Wie erwartet konnte Mockenhaupt wieder von Anfang an spielen, außerdem begannen Bogicevic und Agrafiotis. Auf der anderen Seite zeigte Bayern-Trainer Kompany großes Entgegenkommen und stellte zumindest zur Hälfte Ersatzspieler auf, aber schonte von den Offensivstars weder Kane noch Olise noch Diaz. Diaz hatte nach gerade mal zehn Sekunden auch die erste große Chance, aber Stritzel war von Anfang an hellwach und parierte. Das sollte sich im Laufe der Partie noch x-mal wiederholen. In der neunten Minute hatte der SVWW Riesenglück, als FIFA-Schiedsrichter Siebert ein klares Handspiel von Gillekens nicht mit Strafstoß und Platzverweis ahndete, sondern irgendwo ein Offensivfoul erkannt haben wollte. Ein paar Minuten später gab es dann aber trotzdem Elfmeter, nachdem Johannson seinen Gegenspieler Boey etwas zu lange festgehalten hatte. Es wurden keine nackten Hintern vom Vorsänger-Podest gezeigt, Kane verwandelte gewohnt sicher und man ahnte schon den weiteren Spielverlauf. Tatsächlich vergaben die Bayern aber reihenweise Chancen, denn meistens schmiss sich noch ein Wehener in den Weg oder Stritzel war zur Stelle und ab und zu flog der Ball auch einfach mal am Tor vorbei. Gegen Ende der ersten Halbzeit gab es endlich auch mal einen Wehener Angriff, der nicht schon an der Mittellinie endete. Kayas Versuch wurde abgeblockt, Agrafiotis schoss drüber, immerhin. Der Halbzeitstand von 0:1 durfte als kleiner Zwischenerfolg verbucht werden. Nach dem Seitenwechsel zogen die Gäste das Tempo etwas an und es dauerte nicht lange, bis Olise das 0:2 erzielte. Kurz darauf traf Guerreiro, stand aber zuvor im Abseits. Spätestens jetzt musste man befürchten, dass das Spiel seinen vorab erwarteten Gang geht, doch stattdessen passierte Erstaunliches. May bekam auf links den Ball und flankte wunderschön in die Mitte, wo Kaya schneller als Tah war und zum 1:2 traf. Ein paar Minuten später wurde es noch besser: einen langen Schlag aus dem eigenen Strafraum verlängerte Flotho per Kopf perfekt in den Lauf von Kaya, der plötzlich alleine auf den Münchner Torwart Urbig zulief und den Ball eiskalt in die Maschen drosch. Der Ausgleich nach einem 0:2 gegen Bayern, unfassbar. Der Favorit wollte diesen Fehler in der Matrix natürlich umgehend korrigieren und kurz darauf gab es erst eine Doppelchance und dann erneut Elfmeter, weil Nejad Kane von den Beinen holte. Der englische Superstar trat erneut an, aber diesmal parierte Stritzel. Und auch den Nachschuss. Und noch einen, bis schließlich der Ball aus dem Strafraum geschlagen wurde. So hatte das 2:2 auch nach 90 Minuten noch Bestand. Fünf Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt und man wagte langsam auf eine Verlängerung zu hoffen – bis 90 Sekunden vor Abpfiff eine Flanke in den Strafraum segelte. Weder Janitzek noch Stritzel gingen richtig hin und Kane traf per Kopf zum 2:3-Endstand. Mal wieder hatte sich der SVWW in einem Pokalspiel gegen einen übermächtigen Gegner teuer verkauft, verpasste aber eine richtige Überraschung (Verlängerung) geschweige denn eine Sensation.

Lieblinge des Spiels: Florian Stritzel. Und Fatih Kaya. Und alle anderen.

Szene des Spiels: 76. Spielminute, zum zweiten Mal tritt Harry Kane zum Elfmeter gegen Florian Stritzel an. Einer der sichersten Elfmeterschütze überhaupt, der in Pflichtspielen für Bayern zuvor bei allen 22 Versuchen erfolgreich war, gegen einen sehr guten Torwart, der aber alles andere als ein Elfmeter-Killer ist. Und es geschieht das 1:1.000-Szenario: Stritzel entscheidet sich für die richtige Ecke und kann abwehren, ebenso wie die folgenden Nachschüsse.

Vor dem Spiel: Sehr hübsche Choreo über die gesamte Nordtribüne mit nur ganz leicht größenwahnsinnigem Motto („100 Jahre SV Wehen mit Europa krönen“).

Nach dem Spiel: War es tatsächlich schade, dass wir um eine Verlängerung gebracht wurden. Wie die ausgelaugten Wehener Spieler das überstanden hätten, ist natürlich eine andere Frage, aber ich hätte es mir gerne angesehen.

Das fiel auf:
+ Eigentlich waren alle Zutaten vorhanden, die es für einen Sensationserfolg braucht: überragender Einsatz des ganzen Teams, einen glänzend aufgelegten Torwart, eine quasi hundertprozentige Chancenverwertung, einen Gegner, der viel verballert, einen Schiedsrichter, der auch mal eine günstige Fehlentscheidung trifft, und die eine oder andere Portion Dusel.
– Drei elfmeterwürdige Situationen sind dann doch etwas viel. Zwar erklärbar, weil das Spiel eben auch oft im eigenen Strafraum stattfand und die gegnerischen Spieler mit ihrer ganzen Klasse und Geschwindigkeit zuweilen kaum zu stoppen sind, aber dennoch zuviel.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, hessenschau, SZ, Miasanrot, 11Freunde-Liveticker

Zum Nachschauen: ZDF (Highlights, komplette Sendung), Sky (Highlights)

Zuschauende: 12.500, davon etwa 3.500 Gästefans. Erfreulicherweise waren relativ wenig Bayern-Fans auf den Tribünen außerhalb des Gästebereichs zu sehen. Ebenfalls erfreulich, dass es auf der Nordtribüne nicht so ein Gequetsche war wie bei früheren ausverkauften Spielen.

Serien und Rekorde: Es bleibt dabei, der SVWW kann gegen eine zwei Klassen höher spielende Mannschaft nicht gewinnen, während der FC Bayern seit 30 Jahren immer die erste Pokalrunde überstanden hat.

Nächstes Spiel: Am Sonntag (16:30 Uhr) auswärts beim 1. FC Schweinfurt.


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