Die Wehenschau (KW 3/2026)
Es geht wieder los. Nachdem die erste Liga schon vor einer Woche wieder gespielt und nach einer englischen Woche nun auch die Hinrunde abgeschlossen hat, starten am Wochenende alle drei deutschen Männer-Profiligen gleichzeitig in die Rückrunde. Der Tagesspiegel singt angesichts der Ausgeglichenheit der 3. Liga ein kleines Loblied, was natürlich nichts anderes als eine Anklage an die Ungleichheit in der Bundesliga ist. Genießen wir also diese Phase der Saison, wo wir mit neuer Hoffnung ins Jahr starten, denn mit nur sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist für den SV Wehen Wiesbaden tatsächlich noch alles möglich. Die Phase, wo wir mit bangen Blicken auf die Tabelle feststellen, dass der Vorsprung vor den Abstiegsplätzen bedrohlich klein wird, kommt im Zweifelsfall schon noch früh genug.
Dabei helfen, dass wir eher nach oben als nach unten schauen dürfen, könnte Fatih Kaya, wenn er wieder die Treffsicherheit aus der vergangenen Saison wiederfinden würde. Erst vier Tore stehen für den Torschützenkönig der vergangenen Spielzeit zu Buche. Immerhin sieben hätten es sein können, wenn er nicht drei Strafstöße verschossen hätte. Auf der anderen Seite hat Nikolas Agrafiotis schon sechsmal getroffen und damit seine Ausbeute der letzten Saison bereits um ein Tor übertroffen. Da er häufig erst in der zweiten Halbzeit als Joker eingewechselt wird, ist es nicht erstaunlich, dass die meisten seiner Tore sehr spät im Spiel gefallen sind: nur gegen Duisburg traf er schon relativ früh (zu Beginn der zweiten Halbzeit), ansonsten einmal in der 88. Minute und gleich viermal erst in der Nachspielzeit. Dreimal hätte der SVWW auch ohne die späten Agrafiotis-Tore gewonnen, aber dafür war es in Schweinfurt das goldene Tor zum 1:0-Sieg. Vielleicht sollten wir hoffen, dass er nicht mehr vor der 90. Minute trifft, denn die beiden Spiele, in denen das passierte (Essen und Duisburg) wurden verloren.
Am Samstag in Ulm hätten wir selbstverständlich nichts gegen eine Wiederholung des Hinspiels – beim 3:1 traf Kaya zum 2:0 und Agrafiotis in der Nachspielzeit zum 3:1. Den verschossenen Kaya-Elfmeter können wir uns allerdings sparen, während Kiomourtzoglou mangels Einsatzfähigkeit kein Eigentor erzielen kann. Auch Agrafiotis‘ Einsatz ist fraglich.
Nach dem Spiel in Ulm am Samstag hätte am Sonntag direkt noch ein Test gegen den TSV Schott Mainz stattfinden sollen, der aber „aufgrund personeller Engpässe“ auf Seiten des Regionalligisten schnell wieder abgesagt wurde.
Am 30. Mai findet wie schon seit einigen Jahren ein Benefiz-Turnier statt. Am „Tag der Legenden“ spielen Kreisligakicker und Ex-Profis (u. a. Alf Mintzel) bunt gemischt zugunsten krebskranker Kinder, erstmals wird das Turnier in der Brita-Arena ausgetragen.
Was, wann, wo: 3. Liga, 20. Spieltag, Samstag, 17. Januar, 14:00 Uhr, auswärts beim SSV Ulm
Der Gegner: Der SSV Ulm hat ja eine gewisse Erfahrung mit rasanten Höhenflügen und steilen Abstürzen. Nach dem Durchmarsch aus der damals drittklassigen Regionalliga bis in die Bundesliga im Jahr 2000 ging es damals umgehend wieder runter und nach Insolvenz sogar bis in die Verbandsliga. Diesen harten Crash wollen die Schwaben selbstverständlich diesmal vermeiden, aber nach zwei Aufstiegen in Folge droht nun wieder der zweite Abstieg hintereinander. Trainer Robert Lechleitner, der beim Hinspiel in der Brita-Arena noch auf der Bank saß, wurde im September entlassen. U19-Trainer Moritz Glasbrenner wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördert, aber zwei Monate später ebenfalls geschasst, ebenso wie Geschäftsführer Markus Thiele, nachdem einige Spieler in einem Schreiben an den Aufsichtsrat von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainer und Sportdirektor berichtet hatten. Mitte November übernahm dann mit Pavel Dotchev ein alter Drittliga-Haudegen das Team, konnte von fünf Spielen bisher aber auch nur eins gewinnen. Die Hinrunde hat Ulm mit 16 Punkten auf dem 18. Platz abgeschlossen. In der Winterpause hat man mehrere neue Spieler verpflichtet, u. a. Stürmer Streli Mamba, der mit Paderborn auch schon der ersten Liga gespielt hat. Ex-SVWWler Dominik Martinovic war nach Saisonbeginn von Essen zu den Spatzen gewechselt, hat direkt im ersten Spiel ein Tor erzielt, aber sich später in derselben Partie das Kreuzband gerissen und fällt seitdem aus.
Das Spiel in der Hinrunde gewann der SVWW mit 3:1.
Der Direktvergleich ist nach fünf Begegnungen (davon viermal Regionalliga in den 90ern) mit 2S/1U/2N ausgeglichen.
Personelles: Stritzel, Suarez, Kiomourtzoglou fehlen noch verletzt, trainieren aber immerhin teilweise wieder. Agrafiotis hat sich im letzten Testspiel am Fuß verletzt und ist noch fraglich. Stehle ist vermutlich auch noch kein Thema, ebenso wie Nink, der während des Trainingslagers krank war.
Aufstellungstipp: Brdar – Mockenhaupt, Gillekens, Hübner, Janitzek, May – Bogicevic, Gözüsirin, Johansson – Kaya, Flotho
Nach dem Spiel wird der SVWW auf Platz 8 bis 12 stehen.
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Foto: Andreas Praefcke/Wikipedia
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