Die Wehenschau (KW 38/2026, Teil 1)

Gestern, einen Tag nach der Heimniederlage gegen Mannheim, hat der SV Wehen Wiesbaden Cheftrainer Daniel Scherning und seinen Co-Trainer Andreas Zimmermann freigestellt. Angesichts des missratenen Saisonstarts und vor allem der saisonübergreifend erschütternd schwachen Punkteausbeute seit März ist das keine allzu große Überraschung, aber der Zeitpunkt überrascht dann doch ein wenig – und hier rückt vor allem Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver und seine Transferpolitik in den Fokus. Den einzigen Vorteil, dass man letzte Saison früh aus dem Aufstiegsrennen war und somit Planungssicherheit hatte, konnte man nicht nutzen. Die offizielle Behauptung für die späten Transferaktivitäten lautete ja, dass der ganze Markt aufgrund der langen WM erst spät in Bewegung gekommen sei und man einige der nun verpflichteten Spieler schlicht nicht früher bekommen hätte. Das mag schon so stimmen, aber dann war man sich ja offenbar bewusst, dass man mit einem halbfertigen Kader in die Saisonvorbereitung und die ersten Spiele gehen würde. Natürlich hätte man trotzdem nicht zuhause gegen Münster und 0:4 in Würzburg verlieren müssen, aber anscheinend war ja gedanklich eingepreist, dass es erst ungefähr ab dem 3. Spieltag mit einem vollständigen Kader richtig losgeht. In dieser Zeit haben Scherning und die Mannschaft zwei durchaus okaye Unentschieden gegen Essen und Rostock geholt und nun eben gegen Mannheim eher unnötig verloren. Natürlich ist es ein enormes Problem, wenn eine Mannschaft zwar ganz ordentlich spielt, aber dennoch keine Tore schießt. Trotzdem ist es etwas unfair, Scherning nicht wenigstens ein paar Spiele mit dem umgebauten Kader zu geben. Viel Zeit, um die bestmögliche Formation zu finden, hatte er ja nicht, was auch die zahlreichen Wechsel in den Startaufstellungen der letzten Spiele verdeutlicht. Mir scheint, dass Stöver vom eigenen Versagen ablenken möchte – schließlich hat er die letzten drei Transfersommer sowie die letzten beiden Trainer zu verantworten. Möglicherweise hat er auch die Lehren aus dem Vorwurf gezogen, dass man vorher zu lange an Nils Döring festgehalten hatte.

Scherning ist beim SVWW also nach gerade mal zehn Monaten Geschichte. Nach seinem Amtsantritt hatte er eine starke Serie hingelegt (wobei das vorher oft fehlende Spielglück einige Male auf Seiten des SVWW war) und rechtzeitig zum 100-Jahre-Festakt im Februar glaubte man sogar, noch ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können. Nach dem 0:1 gegen Rostock im März schien bei der Mannschaft jedoch dieser Glauben völlig verloren gegangen zu sein und man dümpelte bis Saisonende dahin. Immerhin konnte erneut der Hessenpokal gewonnen werden, ehrlicherweise aber auch nur mit Hängen und Würgen. Mit einem Durchschnitt von 1,24 Punkten pro Ligaspiel liegt er im Ranking der SVWW-Drittligatrainer im unteren Bereich, nur unterboten von Sven Demandt (1,07), Torsten Fröhling (1,14) und Hans-Werner Moser (1,18). Dennoch wird Scherning sicher bald wieder bei einem neuen Verein unterkommen, denn üblicherweise nimmt das Trainerkarussell im Herbst an Fahrt auf. Zumindest wäre das für den SVWW wünschenswert, schließlich läuft Schernings Vertrag noch bis 2028.

Beim morgigen Spiel in Köln und wahrscheinlich auch am Sonntag gegen Duisburg werden die Co-Trainer Frank Steinmetz und Giuliano Modica die Verantwortung übernehmen, sodass ein neuer Cheftrainer dann in der Länderspielpause etwas Zeit zum Kennenlernen seiner neuen Mannschaft hat. Wer der Neue sein wird ist natürlich nun die spannendste Frage. Ich hoffe ja sehr, dass es ein Trainer (oder auch gerne eine Trainerin) wird, der/die einen klaren Plan und einen starken Fokus auf Offensivfußball hat. Okay, einen klaren Plan werden die meisten für sich reklamieren, aber ich würde mir wünschen, dass man das auch tatsächlich an der Spielweise auf dem Platz erkennt. Christian Titz, der gestern in Hannover entlassen wurde, würde mir beispielsweise gut gefallen, wobei die Frage ist, ob er so schnell einen neuen Job antreten möchte und ob er wieder in die 3. Liga zurückgehen würde. Alexander Zorniger wäre ein anderer Kandidat, über den ich mich sehr freuen würde. Benjamin Hübner hat leider noch nicht die erforderliche Lizenz, um als Cheftrainer in Betracht zu kommen. Etwas realistischer wäre Tobias Schweinsteiger, den ich mir schon letztes Jahr gewünscht hatte (mein anderer Favorit von damals war Thomas Wörle, der aktuell aber nicht auf dem Markt ist). Weniger ausgeprägt wäre meine Vorfreude bei dieser ganzen typischen Drittliga-Trainerkarusselbesatzung wie Pavel Dotchev oder Bernhard Trares. Ein absolutes No-Go ist übrigens Markus Anfang – der Gedanke alleine erzeugt bei mir schon den Wunsch alles anzuzünden.

Aber konzentrieren wir uns jetzt erst mal auf das Spiel in Köln. Vielleicht gelingt nun endlich der erste Saisonsieg, wäre ja nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft unmittelbar nach einem Trainerwechsel plötzlich wieder Tore schießen kann.


Was, wann, wo: 3. Liga, 6. Spieltag, Mittwoch, 16. September, 19:00 Uhr, auswärts bei Fortuna Köln

Der Gegner: Nach sieben Jahren in der Regionalliga ist Fortuna Köln zurück in der 3. Liga. Chefcoach ist Matthias Mink, der seit März 2024 im Amt und damit einer der dienstältesten Trainer der 3. Liga ist. Mit einem Sieg, einer Niederlage und drei Unentschieden ist Fortuna ordentlich in die Saison gestartet und steht aktuell auf Platz 13. Ex-SVWWler Suheyel Najar hatte letztes Jahr im August einen Kreuzbandriss und seitdem kein Spiel mehr bestritten.

Die letzte Begegnung war ein 3:0 in Wiesbaden im April 2019. Besonders bemerkenswert war das Hinspiel in jener Saison, dass der SVWW mit 7:0 in Köln gewann. 5 der 10 Tore in diesen beiden Spielen erzielte Manuel Schäffler.

Der Direktvergleich ist mit 4S/2U/4N ausgeglichen.

Personelles: Karweina fehlt, der Rest dürfte fit sein. Welche Ideen Steinmetz und Modica bezüglich Aufstellung haben, kann man natürlich nur raten. Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass Paula eine gute hängende Spitze neben oder hinter Flotho oder Müller sein könnte.

Aufstellungstipp: Stritzel – Nink, Gillekens, Janitzek, Greilinger – Massimo, Gözüsirin, Fechner, Kalem – Paula, Flotho

Nach dem Spiel wird der SVWW auf jeden Fall noch auf einem Abstiegsplatz stehen, mehr als Platz 17 ist nicht möglich.

Foto: Screenshot hr Fernsehen


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