Die Wehenschau (KW 42/2026, Teil 2)
Der Trainerwechsel-Effekt hat beim SV Wehen Wiesbaden voll zugeschlagen. Die Mannschaft, die in den ersten sieben Saisonspielen nur einmal gewinnen konnte (und das unter Interims-Trainer Steinmetz, also quasi auch mit Trainerwechsel-Effekt) und große Schwierigkeiten hatte, für Torgefahr zu sorgen, hat nun die ersten beiden Partien unter Jochen Seitz nicht nur gewonnen, sondern dabei auch sieben Tore erzielt. Zugegeben, die Stichprobe ist noch zu klein, um einen nachhaltigen Aufschwung und den Beginn der großen Aufholjagd auszurufen, aber was mich sehr erfreut und optimistisch für den weiteren Saisonverlauf stimmt, ist, dass man eine klare Spielidee erkennen kann. Wer hier gelegentlich meine Kommentare liest oder unseren Podcast hört, weiß, dass das seit langer Zeit mein Hauptkritikpunkt war, nicht nur unter Scherning, sondern auch schon unter Döring: man konnte nie wirklich erkennen, was der Plan ist. Einen Plan wird es mit Sicherheit auch vorher gegeben haben, aber entweder war er nicht besonders gut oder letztlich von der Mannschaft nicht gut umgesetzt. Zumindest war mir als Beobachter oft nicht klar, wie genau man Tore erzielen und somit Spiele gewinnen will. Das mag durchaus an meinen beschränkten fußballanalytischen Fähigkeiten liegen, aber die Ergebnisse legen nahe, dass es auch nicht allen Spielern immer klar war. Und genau hier lässt sich schon nach wenigen Wochen unter Seitz ein klarer Unterschied erkennen: es gibt ein Konzept, wie man spielen will, und das wird ganz offensichtlich im Training vermittelt und man sieht es dann auch im Spiel. Der SVWW verteidigt nun meistens deutlich tiefer, also näher am eigenen Tor, und hält dabei die Abstände zwischen den Verteidigern konsequent klein – die berühmte „Kompaktheit“. Das macht es für den Gegner schwer, durch die Abwehr zu kommen, sei es per Pass oder Dribbling, und auch Bälle hinter die Abwehrkette sind kaum möglich, einfach weil dahinter nicht mehr viel Spielfeld übrig ist. Wenn man den Ball erobert hat, gilt es in möglichst hohem Tempo nach vorne umzuschalten, denn dann hat man automatisch viel grüne Wiese vor sich – das hat in Ingolstadt und gegen Aachen ja schon einige Male hervorragend funktioniert. Das Ganze ist sicherlich im Detail ein bisschen komplizierter als hier laienhaft beschrieben, aber es ist jedenfalls keine Raketenwissenschaft und auch nicht neu, so spielen seit Jahrzehnten viele Mannschaften rund um den Globus. Im Laufe der Zeit wird man sicherlich auch noch mehr an Lösungen mit dem Ball arbeiten, aber ein Anfang ist gemacht – und wie gesagt, ich freue mich, dass überhaupt wieder ein Plan erkennbar ist.
Der Start ist jedenfalls mit zwei Siegen geglückt, das ist seit Rüdiger Rehm keinem Wehener Trainer mehr gelungen. In Regensburg trifft man nun erstmals in dieser Saison auf einen Verein, der in der Tabelle hinter einem selbst steht, wobei das in der 3. Liga ja traditionell wenig zu bedeuten hat. Wenn die Mannschaft aber wieder ihren Plan gut umsetzen kann, sollte auch beim Angstgegner etwas zu holen sein.
Was, wann, wo: 3. Liga, 10. Spieltag, Samstag, 17. Oktober, 14:00 Uhr, auswärts bei Jahn Regensburg
Der Gegner: Seit Ende März ist Sascha Hildmann Chefcoach des Jahn und hat das Team in der vergangenen Spielzeit von Platz 12 auf … äh… Platz 12 geführt. Diese Saison startete mit einem 5:2-Auswärtssieg bei Viktoria Köln, aber dann gab es eine längere Durststrecke, bis man am letzten Wochenende Havelse mit 5:0 besiegen konnte, gefolgt von einem 2:2 in Verl. Mit neun Punkten stehen die Oberpfälzer aktuell auf Platz 17. An der Offensive scheint es eher nicht zu liegen (20 Tore sind die viertmeisten der Liga), aber 19 Gegentore sind natürlich etwas viel (nur Havelse hat mehr zugelassen). Mehr als die Hälfte der Tore haben Lucas Hermes (6) und Nassim Boujellab (5) erzielt.
Die letzte Begegnung war eine 1:2-Niederlage in Regensburg im Februar.
Der Direktvergleich geht quer über alle Wettbewerbe klar an den Jahn (8S/6U/15N aus Wehener Sicht). Der letzte Sieg in Regensburg liegt mehr als 16 Jahre zurück.
Personelles: An der Verletztensituation hat sich seit Mittwoch nicht viel verändert, nur Nink ist nach überstandenem Infekt wieder im Kader. Hercher wurde gegen Aachen eingewechselt und ist ebenfalls wieder eine Option für die rechte Seite. Ich könnte mir aber vorstellen, dass erneut der unermüdliche Greilinger dort beginnt. Möglicherweise verfährt Seitz nach der Devise „never change a winning team“ und lässt möglichst alles gleich, Belastungssteuerung hin oder her. Gözüsirin fehlt ein letztes Mal wegen Rotsperre.
Aufstellungstipp: Stritzel – Greilinger, Hübner, Janitzek, May – Brandt – Massimo, Schleimer, Fechner, Paula – Müller
Nach dem Spiel könnte der SVWW bis auf Platz 7 springen. Im Falle einer Niederlage würde man auf jeden Fall von Regensburg überholt werden.
—
Foto: Jahnstadion Regensburg, Schoko13/Wikipedia
Entdecke mehr von Stehblog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.