Die Wehenschau (KW 13/2025)

Langjährige Stehblog-Leser:innen wissen, dass der Hessenpokal für uns hier seit jeher von besonderer Bedeutung ist. In Spielzeiten, in denen sich der SV Wehen Wiesbaden bis zum Schluss mit einem eventuellen Aufstieg in die 2. Bundesliga beschäftigen darf (oder auch – oh Graus – mit einem Abstieg in die Regionalliga beschäftigen muss), kann man meinetwegen auch mal den Landespokal vernachlässigen, aber im Regelfall ist es der wahrscheinlichste Weg, sich für den DFB-Pokal der folgenden Saison zu qualifizieren und sich somit mindestens ein Highlightspiel (und gewisse Zusatzeinnahmen für den Verein) zu sichern. Dass es die einzige realistische Chance ist, einen Titel zu gewinnen, kommt erschwerend hinzu. Diese Saison ist definitiv so eine, in der der SVWW in der 3. Liga auf eine unspektakuläre Endphase zusteuert. Die paar Punkte, die man noch zum sicheren Klassenerhalt braucht, wird man wohl zusammenbekommen, aber das Aufstiegsrennen wird man nur aus der Ferne verfolgen.

Somit kann das Saisonziel nur noch lauten, den Hessenpokal zu gewinnen. Nach dem Pflichtsieg beim Hessenligisten SV Steinbach (3:1) zum Auftakt war ein Weiterkommen bei den Offenbacher Kickers alles andere als eine ausgemachte Sache. Doch letzte Woche passte auf dem Bieberer Berg vieles beim SVWW zusammen und am Ende war das 4:0 nicht nur das höchste Ergebnis seit dem Relegationsspiel gegen Bielefeld, sondern auch ein, vielleicht sogar der emotionale Höhepunkt der bisherigen Saison. Wir hoffen natürlich, dass noch zwei weitere folgen: im Halbfinale gegen den FSV Frankfurt und danach im Endspiel gegen Hessen Kassel oder den TSV Steinbach Haiger.

Das Halbfinale am Bornheimer Hang findet am 29. April statt, das Finale in einem noch festzulegenden Ort wahrscheinlich am 24. Mai. Auch die restlichen Ligaspiele wurden mittlerweile terminiert (alle samstags) und wer sich gedanklich schon mal auf die nächste Saison vorbereiten möchte, dem sei wie immer ein Spielplan-Abo empfohlen, denn dort sind bereits die Spieltage aus dem Rahmenterminkalender eingetragen.

Die Schiedsrichter-Ansetzung des Spiels beim OFC hatte übrigens im Vorfeld für etwas Wirbel gesorgt und der eine oder die andere fühlte sich in der Anonymität des Internets anscheinend bemüßigt, gegen Schiedsrichter Steffen Rabe zu hetzen. Umso bemerkenswerter war, wie souverän Rabe das Spiel dann geleitet hat. Die einzige diskussionswürdige Szene war ein Foul von Flotho zu Beginn der zweiten Halbzeit, bei dem es eventuell Strafstoß hätte geben können, aber nicht mal das war eindeutig ein Fehler.


Shootingstar Ben Nink war in Offenbach nicht im Kader des SVWW, denn er war zur U18-Nationalmannschaft eingeladen. Im Spiel gegen Österreich spielte er von Beginn an und erzielte sogar das 1:0 (Endstand 1:1). Im zweiten Spiel ging es gegen die Niederlande, wo Nink in der Schlussphase eingewechselt wurde und einen 1:0-Sieg bejubeln durfte.


Während Nink also mit dem DFB-Adler auf der Brust im Einsatz war, hatten seine Vereinskollegen ein paar Tage frei und sich hoffentlich gut erholt. Ab Dienstag begann dann die Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag in Dresden, wo Trainer Döring wieder auf einige Spieler verzichten muss, andere aber zurückkehren. Ivan Franjic hatte sich schon letzte Woche mit einem Bänderriss abgemeldet und auch Bjarke Jacobsen wird einige Wochen mit einem „Bone Bruise“, also einem Knochenmarködem im Knie fehlen. Dafür könnte Nick Bätzner eventuell wieder ein Kandidat für die Startelf sein und Florian Hübner, Orestis Kiomourtzoglou sowie Marius Wegmann vor einer Rückkehr in den Spieltagskader stehen.

Selbst in Bestbesetzung wäre der SVWW im Duell mit dem Tabellenführer nur Außenseiter, aber das muss ja nicht unbedingt ein Nachteil sein. Gerade in dieser Saison haben wir ja schon öfter gesehen, dass Wehen gegen favorisierte Gegner besser zurecht kommt als gegen solche, gegen die man eigentlich gewinnen müsste.


Es gibt auch eine neue Folge unseres Podcasts Niemals Erste Liga, hört gerne mal rein.


Was, wann, wo: 3. Liga, 30. Spieltag, Sonntag, 29. März, 16:30 Uhr, auswärts bei Dynamo Dresden

Der Gegner: Wie schon im letzten Jahr befindet sich Dynamo Dresden fast durchgehend auf Aufstiegsplätzen, möchte es diesmal aber natürlich auch bis zum Ende durchziehen. Die Mannschaft von Trainer Thomas Stamm hat die zweitmeisten Tore erzielt, die zweitwenigsten Gegentore kassiert und ist seit vier Wochen Tabellenführer. Die beiden letzten Spiele gegen Borussia Dortmund II und Rot-Weiss Essen gingen aber jeweils nur Unentschieden aus, sodass der Vorsprung knapp bleibt. In der Rückrundentabelle ist Dynamo aktuell nur Sechster mit 15 Punkten, gerade mal zwei mehr als der SVWW – möglicherweise hat der eine oder andere gewisse Sorgen, dass sich die letzte Saison wiederholt. Bester Torschütze ist Christoph Daferner, der mit 15 Treffern auf Platz 2 der Torjägerliste steht.

Das Spiel in der Hinrunde gewann der SVWW mit 1:0, verlor aber Hübner nach einem Foul.

Der Direktvergleich spricht deutlich für Dynamo, denn von bisher 15 Begegnungen konnte der SVWW nur drei gewinnen und zweimal ein Unentschieden holen, während man schon zehnmal als Verlierer vom Platz ging.

Personelles: Mal schauen, ob Nink nach zuletzt drei Startelf-Einsätzen und anschließender Länderspielreise wieder von Beginn an spielt oder eine kleine Pause erhält. Falls Goppel wieder auf der Außenbahn spielt und Bätzner zunächst auf der Bank bleibt, wäre Agrafiotis der wahrscheinlichste Kandidat für die erste Elf.

Aufstellungstipp: Stritzel – Mockenhaupt, Carstens, Luckeneder – Goppel, Taffertshofer, Gözüsirin, Janitzek – Agrafiotis, Kaya – Flotho

Nach dem Spiel wird der SVWW auf Platz 6 bis 11 stehen. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass man weiterhin auf Platz 9 bleibt, wo man schon fast die komplette Rückrunde verbringt.

Foto: Swat-DD