Die Wehenschau (KW 35/2026)
Bis kommenden Dienstag um 20:00 Uhr hat das Sommer-Transferfenster noch geöffnet, danach können nur noch vereinslose Spieler verpflichtet werden. Der SV Wehen Wiesbaden scheint in diesem Jahr bis kurz vor knapp noch an seinem Kader herumdoktern zu wollen, denn man ist nicht nur auf der Zugangs- sondern auch auf der Abgangsseite aktiv. Der Vertrag mit Jakob Lewald wurde aufgelöst; der Verteidiger verlässt somit den Verein nach einem Jahr schon wieder und zieht weiter zum Regionalligisten Kickers Offenbach. Das hätte ich in der Sommerpause völlig normal gefunden, nachdem Lewald in der letzten Saison nicht über den Status als Ersatzspieler hinauskam. Zuletzt stand er aber in den ersten beiden Spielen in der Startelf, wenn auch mit überschaubarer Leistung (was aber auch für alle anderen Spieler gilt). Angesichts Hübners Verletzungshistorie hätten da durchaus noch einige Einsätze für Lewald winken können. Das lässt mich vermuten, dass der Verein schon vor der Trennung vehement nach einem neuen Innenverteidiger suchte oder kurz vor der Verpflichtung eines solchen steht.
Fix ist hingegen die Leihe von zwei weiteren Offensivspielern. Von Górnik Zabrze kommt für ein Jahr Roberto Massimo, den man vor allem aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart bereits kennen könnte. Der ganz große Durchbruch gelang ihm bisher noch auf keiner seiner bisherigen Stationen, aber bei einem strauchelnden Drittligisten wie dem SVWW dürfte er die Kaderqualität anheben. Massimo ist auf dem rechten Flügel zuhause, was anderseits keine gute Nachricht für die Chancen von Schleimer, Ati Allah und Stehle sein dürfte. Im Angriffszentrum gibt es durch die Leihe von Marcus Müller von Holstein Kiel eine Alternative zu Flotho und Agrafiotis. Auch Müller ist im Profibereich noch nicht durch besonders viele Tore aufgefallen, aber klar, ansonsten müsste er ja nicht nochmal einen Schritt zurück in die 3. Liga gehen.
Auf der Torwartposition könnte auch bald eine neue Situation entstehen. Im DFB-Pokal durfte Brdar spielen, was zwar vielleicht schon vor der Saison so abgesprochen gewesen sein mag, angesichts von Stritzels nicht so überzeugendem Saisonstart jedoch dafür sorgen könnte, dass bei einem weiteren Patzer die Frage nach der Nummer Eins neu gestellt wird.
Schauen wir mal, was Scherning zusammenpuzzelt. Gespannt dürfen wir auch sein, was sich sonst noch im Kader tut. Laut Plan ist noch ein Platz frei und nach Lewalds Abgang ist wohl noch mit einem neuen Verteidiger zu rechnen.
In dieser Woche begann die zweite Runde im Hessenpokal. Die Partie SG Bornheim gegen Türk Gücü Friedberg findet aber erst am 16. September statt. Solange müssen wir also noch warten, bis wir den ersten Gegner des SVWW kennen.
Mounir Zitouni, in den 90er Jahren Spieler beim SV Wehen und später viele Jahre Redakteur beim Kicker, ist mittlerweile als Business-Coach selbständig. Im Studio ZR6 (im namensgebenden Zietenring 6) startet er nun unter dem Titel „Querpass“ eine Livetalk-Reihe mit Fußball-Prominenten. Den Anfang macht heute Abend Felix Magath, am 17. September kommt Rudi Völler und voraussichtlich im November Stefan Effenberg.
Was, wann, wo: 3. Liga, 3. Spieltag, Samstag, 29. August, 14:00 Uhr, zuhause gegen Rot-Weiss Essen
Der Gegner: RWE wurde letzte Saison nach einem dramatischen letzten Spieltag noch Dritter, verlor dann aber in der Relegation gegen Greuther Fürth. Natürlich wird die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat in dieser Saison erneut den Aufstieg anvisieren. Koschinat hat sich an der Seitenlinie übrigens viel besser im Griff als noch letztes Jahr: diesmal sah er erst nach 67 Minuten des ersten Spiels die gelbe Karte, während es in der Vorsaison nur 57 Minuten bis zur ersten Verwarnung gedauert hatte. Der Auftaktniederlage in Saarbrücken (2:5 nach 2:0-Führung) folgte ein Heimsieg gegen Havelse (1:0) und auch im DFB-Pokal war Essen als eine von ganz wenigen Mannschaften aus dem Amateurtopf erfolgreich (2:0 gegen St. Pauli). Ex-SVWWler Lucas Brumme ist weiterhin auf dem linken Flügel gesetzt.
Die letzte Begegnung endete im Februar diesen Jahres mit 1:1 in Essen. Das Hinspiel in Wiesbaden (ebenfalls am 3. Spieltag) endete 3:4 – vor einem Jahr war es die erste Saisonniederlage für den SVWW, folgt diesmal der erste Sieg?
Der Direktvergleich ist nach sechs Begegnungen knapp positiv aus Wehener Sicht: 3S/1U/2N.
Personelles: Vielleicht ist Hübner wieder fit, aber ob es schon für die Startelf reicht? Eventuell rückt wie im Pokal Fechner in die Abwehrkette. Hercher dürfte wieder dabei sein, eventuell gibt Chaikhoun sein Startelf-Debüt, bei Massimo und Müller tippe ich auf Einwechslungen in der zweiten Halbzeit.
Aufstellungstipp: Stritzel – Fechner, Gillekens, Janitzek – Hercher, Gözüsirin, Chaikhoun, May – Schleimer, Greilinger – Flotho
Nach dem Spiel kann der SVWW im besten Fall auf Platz 15 klettern. Eine erstaunlich traurige Perspektive für diesen frühen Zeitpunkt in der Saison.
Ansonsten: Falls jemand noch ein Ticket für N6 gebrauchen kann, gerne melden, ich habe eins übrig.
Entdecke mehr von Stehblog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.