Die Wehenschau (KW 38/2026, Teil 2)
Mit ein bisschen Abstand kann man wohl festhalten, dass Fortuna Köln genau der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt war. Obwohl der SV Wehen Wiesbaden insgesamt sicher nicht besser gespielt hat als in den vorangegangenen Partien, gelang der ersehnte erste Saisonsieg. Man hat sich zwar nicht wahnsinnig viele Chancen erspielt, diese aber endlich mal genutzt, und dann einigermaßen solide verteidigt – das reicht dann auch schon mal für drei Punkte. Stritzel und Nink haben es dabei in die Elf des Tages beim kicker geschafft, bei Magenta Sport sind mit Nink, Janitzek und Massimo sogar drei Wehener vertreten.
Letztes Jahr, nach der Entlassung von Nils Döring, gelang dem Interims-Duo Steinmetz/Modica ebenfalls ein Auswärtssieg bei einem Aufsteiger, damals Havelse. Es folgte allerdings eine Heimniederlage (gegen Viktoria Köln), bevor dann Daniel Scherning als Chefcoach verpflichtet wurde. Dieses Ergebnis, also in diesem Fall eine Heimniederlage gegen Duisburg am Sonntagabend, sollte sich selbstverständlich nicht wiederholen.
Dass Frank Steinmetz am Sonntag nochmal die Mannschaft aufstellt und von der Seitenlinie aus anleitet, steht hingegen fest. Man arbeite – wie soll es auch anders sein – „mit Hochdruck“ an der Verpflichtung eines neuen Cheftrainers, wie Uwe Stöver erklärte, aber es bietet sich natürlich an, dass dieser dann während der anstehenden zweiwöchigen Länderspielpause seine Arbeit aufnimmt.
Wer es sein wird, würde dann wohl selbst für den Fall, dass jetzt schon alles fix ist, erst nach dem Spiel verraten. Jedoch ist es ohnehin realistischer anzunehmen, dass es frühestens nächste Woche eine Entscheidung gibt. Neben den üblichen Verdächtigen, die man bereits aus der 3. Liga kennt, tauchen auch zwei – zumindest für mich – völlig überraschende Namen auf. Reviersport glaubt zu wissen, dass Tim Görner, bis Ende letzter Saison beim FSV Frankfurt, ein heißer Kandidat sei, während die Bild Markus Fiedler als Wunschkandidaten nennt. Fiedler war letzte Saison kurzzeitig und eher unglücklich beim 1. FC Magdeburg tätig, zuvor aber viele Jahre im Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart tätig und ist deshalb mit Tobias Keller gut bekannt. Wenn man diese beiden Meldungen nebeneinander legt, könnte man auf die Idee kommen, dass Stöver und Keller jeweils einen Favoriten haben und man nun gespannt sein darf, wer sich mit seinem Kandidaten durchsetzt.
Interessanterweise hat noch niemand vorgeschlagen, die neue Kooperation mit Mainz 05 zu nutzen und den Mainzer U23- oder U19-Trainer in die 3. Liga zu befördern. Richtig klar, wie diese Kooperation gelebt werden soll, ist es ohnehin noch nicht. Bei der Hessenschau liest man unter der Überschrift „Das steckt dahinter“ eher, was gerade nicht dahintersteckt, nämlich dass der SVWW keinesfalls zum Farmteam der Nullfünfer werde. Aus den Antworten auf den Fragenkatalog vom Wiesbadener Kurier erfährt man immerhin, dass man sich einiges von gemeinsamen Scouting im Jugendbereich verspricht. So könne man Talenten einen Ausbildungsweg bis in die Bundesliga aufzeigen. Inwiefern das den Vorwurf des Farmteams entkräftet, müsste mir allerdings noch jemand genauer erklären.
Wer auch immer der neue Trainer sein wird, sein erstes Spiel wird ein Testspiel gegen den Karlsruher SC am 2. Oktober sein, bei dem allerdings keine Zuschauer zugelassen sein werden. Einige Tage später, am 7. Oktober, könnte das erste Pflichtspiel warten, nämlich das Achtelfinale im Hessenpokal bei der SG Bornheim Grün-Weiß. Der Bornheimer Verbandsligist hat sich am Mittwoch überraschend gegen Regionalligist Türk Gücü Friedberg mit 3:1 durchgesetzt. Der 7. Oktober steht momentan so bei fussball.de als Termin, wurde aber noch nicht offiziell bestätigt, kann sich also noch ändern. Fix sind hingegen die Termine der Drittliga-Spieltage 8 bis 15, also bis Ende November. Für den SVWW fallen vier Spiele auf die Standard-Anstoßzeit samstags um 14 Uhr, drei finden sonntags statt und in der englischen Woche Mitte Oktober empfängt man mittwochabends Alemannia Aachen unter Flutlicht.
Was, wann, wo: 3. Liga, 7. Spieltag, Sonntag, 20. September, 19:30 Uhr, zuhause gegen den MSV Duisburg
Der Gegner: Nachdem der MSV in der letzten Saison als Aufsteiger lange Zeit Tabellenführer war, verpasste man am Ende als Vierter knapp den Relegationsplatz. Logisch, dass man in dieser Saison einen Schritt weitergehen und in die 2. Bundesliga zurückkehren will. Der Saisonstart ist erneut nahezu perfekt gelaufen, nur das Derby in Düsseldorf vor fast 50.000 Zuschauern wurde verloren, alle anderen Partien jedoch gewonnen. So grüßen die Zebras von der Tabellenspitze, haben dabei die zweitmeisten Tore erzielt (15, nur Saarbrücken hat öfter getroffen) und die wenigsten Gegentore zugelassen (6, wie Düsseldorf). Bester Torschütze in der Mannschaft von Trainer Dietmar Hirsch ist Lex-Tyger Lobinger (4), der jedoch aufgrund einer Rotsperre in Wiesbaden nicht mitwirken darf.
Die letzte Begegnung war Wehens bestes Spiel der gesamten letzten Saison, als Fatih Kaya viermal traf und der SVWW mit 6:1 gewann.
Der Direktvergleich nach 16 Begegnungen in 2. und 3. Liga geht knapp an die Gäste (6S/3U/7N).
Personelles: Karweina ist weiterhin verletzt, Hercher nach seinen muskulären Problemen noch keine Option und Chaikhoun nach seinem Platzverweis in Köln gesperrt. Alleine schon aus Gründen der Belastungssteuerung wird es sicher einige Wechsel in der Startelf geben.
Aufstellungstipp: Stritzel – Fechner, Gillekens, Janitzek, Greilinger – Gözüsirin, Suarez – Massimo, Paula, Kalem – Müller
Nach dem Spiel könnte der SVWW im Optimalfall bis auf Platz 10 springen. Mindestvoraussetzung ist natürlich, dass man das eigene Spiel gewinnt.
Ansonsten: Die Gäste werden mit gut 1.500 Fans anreisen.
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