SV Wehen Wiesbaden verpflichtet nicht Jörg Berger

Schon seit ein paar Wochen hatte ich den Gedanken, dass dem SVWW in seiner aktuellen Situation nur noch ein erneuter Trainerwechsel helfen kann – diesesmal aber mit einem “Feuerwehrmann” allererster Kajüte. Da Peter Neururer gerade nicht verfügbar ist, blieb eigentlich nur noch Jörg Berger. Der scheint trotz Krebserkrankung noch bei guter Verfassung und hat offensichtlich gerade zu viel Tagesfreizeit und co-moderiert deshalb ab und zu bei Premiere und promotet ansonsten (bei Premiere und anderswo) sein Buch.

Nun ist es tatsächlich so gekommen, dass die Vereinsführung des SVWW die Notbremse gezogen und Trainer Wolfgang Frank samt Mentaltrainern rausgeworfen hat, und Sportdirektor Uwe Stöver gleich dazu. Nach Argumenten braucht man nicht lange suchen, die Niederlagenserie und der daraus resultierende Tabellenstand sind zweifellos Grund genug, um mit einer personellen Veränderung das Ziel Klassenerhalt nochmal neu anzugehen.

Auch der Zeitpunkt überrascht nicht im Geringsten, findet das nächste Spiel dank Länderspielpause doch erst in zwei Wochen statt, sodass der neue Trainer wenigstens ein bisschen Zeit hat, mit der Mannschaft zu arbeiten, bevor er das Unmögliche mögliche machen soll.

Überraschend ist allerdings, wer jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen (oder die Kohlen aus dem Feuer holen oder das Schiff wieder flott machen oder das Ruder wieder herumreißen oder [bevorzugte Neuanfang-Phrase hier einsetzen]) soll: der uns allseits bekannte Sandro Schwarz. Kaum vom (Ex-)Trainer als Mannschaftskapitän abgesetzt, wird er nun dessen Nachfolger. Mangels Lizenz fungiert er offiziell als Teamchef, Cheftrainer wird der bisherige Co-Trainer Hans Werner Moser, auch die anderen Co-Trainer Steffen Vogler und Frank Steinmetz bleiben erhalten. Schwarz wird übrigens nicht Spielertrainer, sondern wird – zumindest in dieser Saison – ausschließlich als Trainer/Teamchef arbeiten und nicht mehr selbst spielen.

Was hat man davon nun zu halten? Wurde hier der Bock (bzw. gleich zwei Böcke) zum Gärtner gemacht? Schließlich hat Schwarz mit zahlreichen schlechten Spielen auch einen Teil zur Misere beigetragen (ich sage bewusst “einen Teil”, völlig klar, dass er nur einer von vielen ist, bei dem es nicht lief). Und auch Moser war meiner Meinung nach als Stellvertreter für den aufgrund der Trainerausbildung häufig abwesenden Christian Hock mitverantwortlich für das meistens völlig uninspirierte Gekicke unserer Mannschaft.

Ich vermute, dass man wohl deshalb eine “interne” Lösung gewählt hat, weil es so schlicht am billigsten ist. Ein Jörg Berger wäre sicherlich nicht gerade günstig zu haben gewesen, selbst wenn vor jedem Spiel Werbung für sein Buch gemacht worden wäre, und dass der SVWW nicht gerade im Geld schwimmt, haben wir ja im Januar erfahren, auch wenn der WK da wohl doch arg sensationsgierig war. So kann man zumindest ohne zusätzliches finanzielles Risiko nochmal etwas Hoffnung und Aufbruchstimmung schüren, sowohl bei Mannschaft als auch Fans, und im Falle des Abstiegs verliert auch keiner sein Gesicht. Die Planungen für die nächste Saison werden sowieso schon parallel für die zweite und die dritte Liga betrieben.

Ob’s tatsächlich was bringt, ob Sandro Schwarz irgendwelche Qualitäten als Teamchef hat, ob er der Mannschaft neue Lebensgeister einhauchen kann – keine Ahnung. Jedenfalls verdienen er und die Mannschaft unsere Unterstützung bis zum Saisonende, vielleicht kann man die Hoffnung auf den Klassenerhalt doch noch ein bisschen länger leben lassen. Die Hoffnung auf (wenigstens etwas) besseren Fußball, die ich nach der Verpflichtung von Wolfgang Frank hatte, habe ich sowieso längst aufgegeben, aber darauf kommt’s in den restlichen Spielen auch nicht mehr an, Hauptsache es gibt ein paar Punkte.

Seinerzeit hatte ich übrigens ein paar Parallelen zu den Nachbarn von der anderen Rheinseite erkennen wollen – zugegeben, vom Aufschwung, den Wolfgang Frank damals in Mainz brachte, war jetzt in Wiesbaden nichts zu sehen. Interessant aber, dass zehn Monate nach Franks Abgang (und drei Trainer später) Mainz 05 einen ungewöhnlichen Schritt vollzog und in Abstiegsgefahr Jürgen Klopp als neuen Trainer installierte – der damals noch Spieler war. Dieser holte dann aus den nächsten sieben Spielen 19 Punkte und führte den Verein zum Klassenerhalt.

Gegen solche Parallelen zu Mainz hätte in Wiesbaden sicherlich keiner etwas einzuwenden. Alles Gute, Sandro!