Die Wehenschau (KW 27/2023)

Die DFL hat den Spielplan der Saison 2023/24 veröffentlicht. Der SV Wehen Wiesbaden startet am letzten Juli-Wochenende mit einem Heimspiel gegen Magdeburg in seine insgesamt vierte Zweitliga-Saison, eine Woche später geht es beim Auswärtsspiel gegen Hertha zum ersten Mal überhaupt ins Berliner Olympiastadion. Leider urlaubsbedingt ohne mich, und wahrscheinlich geht es noch ein paar anderen, die sich nach den Schulferien richten müssen, genauso. Für den SVWW gibt es dann die erste Verschnaufpause, denn die Woche drauf ist die erste Runde im DFB-Pokal dran – zumindest für die meisten. Die Spiele Münster gegen Bayern sowie Wehen gegen Leipzig finden bekanntlich erst Ende September statt – und werden beide live im Free-TV übertragen (SVWW gegen Leipzig am Mittwoch, 27.09., 20:45 Uhr in der ARD). Den Witzen über die voraussichtlich nicht messbare Einschaltquote würde ich mich sogar anschließen, wenn es mir nicht komplett egal wäre. Ich werde mir das Spiel im Stadion anschauen, aber von einem Hype wie bei anderen Pokalspielen gegen Erstligisten ist (noch) nichts zu spüren. Gegen Dortmund, Schalke usw. wurde ich von zahlreichen Bekannten um Hilfe bei der Ticketversorgung gebeten und kam dem, so gut es ging, gerne nach. Seit heute kann man als Dauerkarten-Inhaber nicht nur ein Ticket für seinen eigenen Platz, sondern bis zu vier zusätzliche Eintrittskarten erwerben – bisher an mich herangetragene Kartenwünsche: 0. Einer nicht-repräsentativen Umfrage im direkten Umfeld zufolge geht es allen anderen genauso. Aber im Idealfall hat der SVWW bis Ende September schon ein paar gute Zweitligaspiele absolviert und bekommt dann gegen Leipzig doch das Stadion voll, mal schauen.

Anfang September kommt Schalke, im Oktober der HSV – es stehen also schon in der Hinrunde einige Highlights in der Brita-Arena an. Die genauen Terminierungen werden wie gewohnt nach und nach erfolgen. Die Anstoßzeiten der beiden ersten Spieltage sollen im Laufe dieser Woche bekanntgegeben werden. Alle Termine findet Ihr natürlich wie gewohnt hier im Kalender. Am besten mit dem Smartphone-Kalender abonnieren, dann bekommt Ihr jedes Update automatisch.


Wie erwartet gab es weitere Veränderungen am Kader. Mit Nick Bätzner wurde ein offensiver Mittelfeldspieler verpflichtet, der beim VfB Stuttgart ausgebildet wurde und beim belgischen Verein KV Oostende seine erste Profistation hatte. Schon in Stuttgart hielte man große Stücke auf ihn, aber aufgrund externer Zugänge bekam er keine Chance im Herrenbereich. Seine Qualitäten scheinen aber wie gemacht für die beim SVWW vakante Spielmacherposition und ich gebe gerne zu, dass ich ein bisschen hyped bin. Herzlich Willkommen und viel Erfolg, Nick!

Die Verantwortlichen sind offensichtlich ebenfalls so überzeugt, dass sie eine Ablöse für Bätzner bezahlt haben (deren Höhe natürlich nicht genannt wurde). Damit wurden die Einnahmen für den Verkauf von Brooklyn Ezeh gleich reinvestiert (oder zumindest Teile davon), denn dessen Transfer zu Hannover 96 wurde zwischenzeitlich vollzogen. Hier schwanken die Vermutungen bezüglich der Ablösesumme zwischen einem mittleren und einem hohen sechsstelligen Betrag. Angeblich sollen Ezeh und dessen Berater selbst einen Teil übernommen haben, weil Ezeh aus „privaten Gründen“ unbedingt nach Hannover wollte. Keine Ahnung, was davon stimmt oder nur Blabla ist – mit Wahrheit und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit nimmt man es ja in dem Business ohnehin nicht so genau: einen Tag vor Vertragsunterzeichnung fehlte Ezeh beim Wehener Trainingsauftakt, weil er angeblich krank war, haha. Wir wünschen natürlich dennoch alles Gute und danken für eine überragende Saison!

Genauso „krank“ dürfte Suheyel Najar letzte Woche gewesen sein. Immerhin ließ der geschwächte Zustand noch zu, sich mit seinem Ex-Club Viktoria Köln auf einen Wechsel zu einigen. Die Wechselmodalitäten dürften in diesem Fall statt einer Ablöse eher eine Abfindung beinhalten, da es ja kein Geheimnis war, dass der SVWW für Najar keine Verwendung mehr hatte. Schade, dass es hier nicht geklappt hat, aber wir wünschen viel Erfolg in der Zukunft!

Robin Rosenberger, bisher in der Wehener U19 aktiv und in der vorletzten Saison einmal in der 3. Liga eingesetzt, wechselt zur zweiten Mannschaft von Eintracht Frankfurt, die von Ex-SVWW-Verteidiger Kristjan Gilbo trainiert wird.

Überhaupt scheinen viele ehemalige SVWWler in verantwortlichen Positionen einen Blick auf ihren Ex-Club zu haben. Neulich schon Lucas Becker zum OFC: Christian Hock. Brooklyn Ezeh nach Hannover: Marcus Mann. Nils-Ole Book hat mit Tim Boss immerhin einen ehemaligen Wehener nach Elversberg geholt – und Johannes Wurtz wurde ja auch mal dorthin gerüchtet. Fehlt nur noch, dass Peter Vollmann Lucas Brumme nach Braunschweig holt, dann wäre die Sache rund.

Noch keine Entscheidung gibt es bei Benedict Hollerbach. Nachdem Köln lange als heißer Favorit galt, kam Heidenheim als Alternative ins Gespräch. Letzte Woche hieß es dann, dass Union Berlin das Rennen macht, gleichzeitig wurde aber die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass Hollerbach direkt verliehen werden könnte – und da war angeblich der SVWW wieder als Ziel im Gespräch. Das wäre natürlich das Traumszenario, wenn man eine Ablöse für Hollerbach kassieren könnte und er trotzdem noch ein Jahr hier spielen würde. Wahrscheinlich wird das eine Träumerei bleiben, aber offensichtlich ist es so, dass der SVWW in einer bequemen Verhandlungsposition ist. Auf das Geld ist man (nach eigener Aussage) nicht so dringend angewiesen, dass man deutlich von seinem Wunschpreis (angeblich 1,5 Millionen Euro) abrücken müsste – und der wurde bisher anscheinend noch nicht geboten. Fortsetzung folgt.

Der aktuelle Fokus bei der Spielersuche dürfte nach Ezehs Abgang vornehmlich auf der linken Außenbahn liegen. Schon etwas schade, dass man nach jahrelanger Suche endlich mal wieder einen richtig Guten für diese Position gefunden hatte und dann ein Jahr später doch wieder einen neuen braucht. Gerüchte über Kandidaten für diese Vakanz sind mir noch nicht zu Ohren gekommen, aber im zentralen Mittelfeld sei der SVWW angeblich an Hyun-ju Lee vom FC Bayern München II interessiert. Ob sich das durch die Verpflichtung von Bätzner erledigt hat oder davon unabhängig ist, ist hier unbekannt.


Am Samstag gab es bei Biebrich 02 das erste Testspiel der Sommervorbereitung. Der ganze Kader (soweit gesund) kam zum Einsatz, inklusive Hollerbach, den sechs neuen Spielern und Leihrückkehrer Farouk. Reinthaler und Prtajin mussten schon in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden, beide augenscheinlich mit Oberschenkelproblemen – hoffentlich nur kleine muskuläre Wehwehchen. Vukotic wirkte in der Abwehr ausgesprochen souverän und dominant und trotz seiner Größe recht geschmeidig. Bätzner gefiel ebenfalls auf Anhieb und Catic deutete mehrmals seinen enormen Antritt an. Am Ende stand es 5:1 für den SVWW, ein paar Tore mehr wären noch drin gewesen, aber einen ersten Test gegen einen Verbandsligisten sollte man natürlich nicht überbewerten. Am Mittwoch geht’s nach Tirol ins Trainingslager, wo dann am Samstag das nächste Testspiel gegen den FC Nordsjælland aus Dänemark ansteht.

Mal schauen, ob es bis dahin schon neue Trikots gibt oder ob die erst bei der Saisoneröffnung in zwei Wochen vorgestellt werden – oder noch später. Fast schon traditionell ist Ausrüster Capelli wohl wieder spät dran – in Biebrich trug man eine fragwürdige Kombination aus den grauen Hosen des letzten Auswärtsdresses und neongelben Trikots mit blauer Beschriftung. Immerhin bleibt uns in der 2. Bundesliga die Rückenwerbung erspart, die in der 3. Liga erlaubt ist. Allerdings wird einer der Torhüter seine bisherige Nummer wechseln müssen, da die DFL vorschreibt, dass ein Torwart die Nummer 1 haben muss und die anderen dann 12 oder höher. Stritzel möchte seine 16 wohl gerne behalten, sodass vermutlich Lyska von der 31 auf die 1 wechseln wird.

Apropos DFL-Regularien: Es gibt ja auch die sogenannte Local-Player-Regel, die u. a. besagt, dass vier Spieler im Kader sein müssen, die in der eigenen Jugend gespielt haben. Mit Lyska, Farouk und Elouarti hat man erst drei, sodass wohl noch irgendein U19-Spieler zumindest proforma einen Profivertrag bekommen wird.

Und noch etwas Neues aus dem Hause DFB: die bisherigen A- und B-Junioren-Bundesligen werden ab 2024 durch neue DFB-Nachwuchsligen ersetzt. Für diese sind automatisch alle Vereine mit einem Leistungszentrum dauerhaft qualifiziert. Das ist aus Sicht des SVWW natürlich eine enorme Verbesserung, da die bisherigen Teilnahmen an den Bundesligen immer nur von kurzer Dauer waren. So ist man dauerhaft in der höchstmöglichen Spielklasse vertreten, was sowohl der sportlichen Entwicklung förderlich sein sollte als auch beim Werben um Talente eine wichtige Rolle spielt.


Nochmal ein Blick zurück auf Samstag: Am Biebricher Jürgen-Grabowski-Sportfeld wurde zur allgemeinen Freude der Biertrinker Augustiner ausgeschenkt. Davon können wir in der Brita-Arena nur träumen. Man hat sich zwar gerade vom langjährigen Partner Licher verabschiedet, aber ob man sich mit dem designierten Nachfolger Pfungstädter geschmacklich verbessert, sei mal dahingestellt. Dem Verein wird das vermutlich egal sein, solange der finanzielle Teil passt.


Zu den Ehemaligen. Der Wechsel von Tim Boss nach Elversberg wurde oben schon erwähnt. Sein Vor-Vor-Vorgänger Michael Gurski war in den letzten zwei Jahren Torwarttrainer bei der SpVgg Unterhaching und wechselt nun zur Frauen-Bundesligamannschaft von RB Leipzig.

Die Kinsombi-Brüder, die beide in der Wehener Jugend gespielt haben, verlassen den SV Sandhausen. Christian wechselt zu Hansa Rostock, während David zum SC Paderborn weiterzieht.

Phillip Tietz steht angeblich vor einem Wechsel von Darmstadt nach Augsburg. Maurice Malone möchte unterdessen Augsburg verlassen – hallo Paul Fernie…?


Zum Abschluss noch etwas Hausmeisterei:

  • Das Tippspiel wurde neugestartet, ab sofort kann die Saison 2023/24 der 2. Bundesliga getippt werden. Wer letztes Jahr schon mitgemacht hat, ist automatisch wieder dabei – bis auf diejenigen, die in der letzten Saison keinen einzigen Tipp abgegeben haben. Diese wurden gelöscht, können aber bei Bedarf natürlich jederzeit wieder mitmachen. Neueinsteiger:innen sind auch jederzeit willkommen. Im Wesentlichen geht’s um den Spaß, aber für die drei besten Tipper:innen (manchmal auch mehr) gibt’s am Ende im Regelfall auch Preise, die vom Verein zur Verfügung gestellt werden. Die drei Sieger:innen des letzten Tippspiels haben mittlerweile alle ihre Preise erhalten.
  • Für die Saisonspende haben sich schon einige Teilnehmer:innen angemeldet, aber je mehr, desto besser. Also macht mit!