Die Wehenschau (KW 45/2026)
Am Dienstagabend fand die jährliche Mitgliederversammlung des SV Wehen 1926 Taunusstein e. V, also des Muttervereins des SV Wehen Wiesbaden, statt. Wenig überraschend gab es einen Rückblick auf die diversen Veranstaltungen zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, während das sportliche Fazit naturgemäß nicht zufriedenstellend war. Wie vor einem Jahr haben die Verantwortlichen den Trainerwechsel begründet und sehen sich in ihrer Entscheidung bestätigt – ich bin (wie schon mehrfach erwähnt) zuversichtlich, dass diesmal der Aufschwung nachhaltiger sein wird und wir bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht wieder einen einen Trainer begrüßen.
Die neue Zielmarke, auf die man sich anscheinend nun konzentriert, ist das Jahr 2030. Vizepräsident Jürgen Ladung stellte den „Halberg Campus 2030“ vor, der neben dem kurz vor der Fertigstellung stehenden neuen Platz 1 (mit Hybridrasen und Rasenheizung) auch die Schaffung eines weiteren Platzes als Jugend- und Frauenstadion vorsieht. Dies soll dort entstehen, wo bisher die Parkplätze sind, während diese weiter nach Osten wandern sollen. Die Grundstücke hat man schon erworben, aber bis man Baurecht bekommt, kann es wohl noch einige Zeit dauern. Außerdem soll zwischen Platz 1 und 2 ein neues Gebäude für das NLZ errichtet werden, wahrscheinlich in Containerbauweise. Auch Geschäftsführer Tobias Keller stellte sein „Zielbild 2030“ vor. Offenbar möchte man bis dahin ein „ambitionierter Zweitligist“ sein und in einer ausgebauten Brita-Arena spielen. Diese soll – nach Neubau von Süd- und Osttribüne sowie geschlossenen Ecken – dann 15.000 Zuschauer:innen Platz bieten und natürlich regelmäßig ausverkauft sein. Was davon in den nächsten vier Jahren tatsächlich umgesetzt werden kann, ist noch völlig offen, aber immerhin hat man schon eine Machbarkeitsstudie beauftragt.
Im Hessenpokal geht es erst im Februar mit dem Viertelfinale weiter, doch wenigstens ist seit der Auslosung am Samstag bekannt, wer der nächste Gegner des SVWW sein wird, nämlich der SKV Rot-Weiß Darmstadt. Nominell waren die Darmstädter als Verbandsligist eins der beiden leichteren Lose im Topf, aber wie immer muss jedes Spiel erstmal gespielt werden. Es wird übrigens das erste Mal überhaupt sein, dass der SV Wehen Wiesbaden gegen RW Darmstadt spielt (zumindest mit seiner ersten Mannschaft, die zweite hat zwischen 2011 und 2015 in der Hessenliga mehrmals gegen Darmstadt gespielt). Der exakte Termin steht noch nicht fest, momentan ist der 10. Februar avisiert. Sollte der SVWW gewinnen, würde man im Halbfinale auf den Gewinner der Partie TSV Steinbach Haiger gegen Kickers Offenbach treffen. Das Endspiel soll dieses Jahr im Stadion der Heimmannschaft stattfinden, wobei für die Bestimmung des Heimrechts die Spielordnung gilt. Der SVWW wäre in jedem Fall der klassenhöhere Verein und würde somit auswärts spielen, d. h. in Waldgirmes, Kassel, Fulda oder Frankfurt. Auch zum zehnjährigen Jubiläum der Premiere wird es also keine Neuauflage eines Hessenpokalfinales in der Brita-Arena geben.
Und damit zum kommenden Spieltag, für den sich eine kleine Zahlenspielerei anbietet, denn es dreht sich alles um die 6. Der SVWW steht aktuell auf Tabellenplatz 6, was ein bisschen besser klingt als das, was die Punkteabstände nach oben und unten zeigen: sowohl zum Relegationsplatz als auch zum ersten Abstiegsplatz beträgt der Abstand 6 Punkte. Die Tordifferenz ist aktuell bei +6 und nun steht das sechste Ligaspiel unter der Regie von Jochen Seitz an.
Gegen das Tabellenschlusslicht TSV Havelse (vorletztes Jahr übrigens erfolgreich in den Aufstiegsspielen gegen das von Seitz trainierte Lok Leipzig) ist der SVWW auf dem Papier natürlich klarer Favorit, aber das macht es eher schwieriger. Natürlich wird kein Spieler es absichtlich lockerer angehen lassen, aber im Unterbewusstsein kann durchaus mal mitschwingen, dass man das Spiel „eigentlich“ gewinnen müsste. Seitz wird wohl vor allem als Psychologe gefragt sein, um seinem Team zu vermitteln, dass man auch diesmal hundertprozentig fokussiert und engagiert auftreten muss, um erfolgreich zu sein. Aber auch taktisch muss man sich darauf einstellen, gegen ein Team zu spielen, dass durchschnittlich noch weniger Ballbesitz als man selbst hat (SVWW 45,1%, Havelse 44,8%, laut FotMob). Möglicherweise ergeben sich also deutlich weniger Umschaltmomente und man muss andere Lösungen finden, um zu Torchancen zu kommen.
Das wird sowieso ein Schwerpunkt der Trainingsarbeit in der anstehenden Länderspielpause sein, wie Jochen Seitz im Magenta-Sport-Podcast „4zu3“ verriet. Größere Aufmerksamkeit erreichten allerdings seine klaren Aussagen zur Regionalligareform und insbesondere zur unsäglichen Regionalliga Bayern – vom Bayrischen Fußballverband gab es prompt eine reichlich beleidigte Replik, die natürlich sämtliche Kritikpunkte völlig ignoriert.
Auch die 4zu3-Protagonisten freuen sich übrigens auf der erste Panini-Album zur 3. Liga, das mittlerweile erhältlich ist. Ich bin übrigens kurz davor, auf den Bestell-Button zu klicken…
Wer noch einen Podcast mit SVWW-Bezug im weitesten Sinne sucht, kann auch mal bei „Kerners 11“ mit Robert Andrich reinhören. Ich selbst habe es noch nicht getan und dementsprechend keine Ahnung, ob auch Andrichs Zeit beim SVWW thematisiert wird (die Folgenbeschreibung deutet eher nicht darauf hin).
Was, wann, wo: 3. Liga, 13. Spieltag, Samstag, 7. November, 14:00 Uhr, zuhause gegen den TSV Havelse
Der Gegner: Der TSV Havelse ist letzte Saison als 17. sportlich abgestiegen und sollte, wie schon beim ersten Versuch in der 3. Liga vier Jahre zuvor, nach einem Jahr direkt zurück in die Regionalliga. Aufgrund der verweigerten Lizenz für 1860 München rückten die Niedersachsen jedoch einen Platz nach oben und dürfen somit in dieser Saison erneut in der 3. Liga antreten. Doch auch dieses Mal dürfte es schwer werden mit dem Klassenerhalt. Momentan ist die Mannschaft von Trainer Samir Ferchichi mit zehn Punkten Tabellenletzter, ist jedoch in den letzten vier Partien ungeschlagen (ein Sieg gegen Saarbrücken sowie drei Unentschieden). 26 Gegentore sind (gemeinsam mit Verl und Großaspach) die meisten der Liga, beste Torschützen sind Kwasi Okyere Wriedt und Alexander Guiddir mit 5 bzw. 4. Treffern.
Die letzte Begegnung endete im April mit einer 1:4-Heimniederlage, als beim SVWW in der Schlussphase der Saison nichts mehr zusammenging.
Der Direktvergleich ist dennoch positiv aus Wehener Sicht, denn die ersten drei Partien gegen Havelse hat man allesamt gewonnen, also 3S/0U/1N.
Personelles: Karweina, Suarez und Bogicevic fehlen weiterhin, während Gillekens und Stehle wieder zumindest Teile des Trainings absolvieren und voraussichtlich nach der Länderspielpause wieder voll einsatzbereit sind. Die Startelf bleibt vermutlich unverändert.
Aufstellungstipp: Stritzel – Nink, Hübner, Janitzek, Greilinger – Brandt – Massimo, Schleimer, Fechner, Paula – Müller
Nach dem Spiel wird der SVWW auf Platz 4 bis 10 stehen.
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