NEL023 - Selbsthass

Sorry, lieber Hörer, es hat diesmal etwas länger gedauert – und der Satz gilt gleich in mehrfacher Hinsicht.

Zum einen quatschen wir natürlich über die letzten Spiele des SV Wehen Wiesbaden (Fortsetzung der Siegesserie gefolgt von Horrorwoche), das Restprogramm und die Aussichten im Aufstiegsrennen, ärgern uns über Robert Andrich, wundern uns über rauchende Spieler, erfahren etwas vom geplanten Fanprojekt und amüsieren uns über originelle Namen von Spielgemeinschaften. Dazu natürlich wie immer Sonjas Groundhopping-Erlebnisse, ein Blick auf unsere A-Junioren und Neues von Ehemaligen.

Das Ganze geht fast zweieinhalb Stunden und da es leichte technische Probleme gab, dauerte die Nachbearbeitung ungefähr genauso lang – ich hoffe, es ist jetzt einigermaßen hörbar und die Antworten kommen nicht vor den Fragen…

Falls Ihr bis Freitag nur schnell unsere Einschätzung zum Spiel gegen Magdeburg hören wollt, könnt Ihr auch bei den Kollegen von Nur der FCM reinhören (ca. ab Minute 30).

Hier noch die erwähnten Links:

Schreibt uns Eure Vorschläge für alberne Vereinsnamen – und erst recht echte alberne Namen!

3. Liga, 33. Spieltag: Preußen Münster – SVWW 1:0

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: Dummheit wird bestraft.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
In der ersten Halbzeit war von Rüdiger Rehms Ansage “wir müssen nicht, aber wir wollen” nicht viel zu merken, es sah im Gegenteil eher ziemlich lustlos aus. Aufregend wurde es erst fünf Minuten vor der Halbzeitpause, als Robert Andrich – mal wieder – nach einem Zweikampf nachtrat und vom Platz gestellt wurde. Zu allem Überfluss fing man sich direkt vor dem Pausenpfiff auch noch das 0:1, als ein Freistoß lang und länger wurde und schließlich neben dem Pfosten einschlug. In der zweiten Halbzeit war dann mehr Engagement im Spiel des SVWW, aber eine ganze Reihe guter Gelegenheiten konnten nicht genutzt werden. Münster vergab seinerseits zahlreiche Konterchancen in Überzahl. In der Schlussphase flog auch noch Simon Brandstetter mit Gelbrot runter und es blieb beim 0:1.

Depp des Spiels: Robert Andrich. Nur wenige Spiele, nachdem er eine Rotsperre wegen Nachtretens abgesessen hat, sich für das gleiche Vergehen erneut einen Platzverweis einzufangen, ist schon selten dämlich. Klar, eine gelbe Karte hätte vielleicht auch gereicht und oft genug ist er mit ähnlichen Aktionen davon gekommen, aber dieses leichte Nachtreten nach Zweikämpfen ist nicht nur unfair, sondern auch völlig unnötig – was soll das? Jedenfalls wird er als Wiederholungstäter vermutlich mehr als die drei Spiele Sperre vom letzten Mal bekommen. Könnte also durchaus sein, dass er gar nicht mehr für den SVWW auflaufen wird.

Das fiel auf:
– Es ist mir schleierhaft, wieso man in dieser Saisonphase, mit dieser großen Aufstiegschance, eine Partie so behäbig und uninspiriert beginnt.
+/- Mit einem Mann weniger sah das Spiel in der zweiten Hälfte deutlich besser aus als zuvor, aber es folgte diesmal kein weiteres Kapitel der Geschichte “wir drehen das Spiel in Unterzahl”.
– Die Idee, den Großteil der ersten Elf im Hessenpokal zu schonen und dort zugunsten größerer Ausgeruhtheit in der Liga eine Niederlage in Kauf zu nehmen, kann als gescheitert betrachtet werden.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 6.038.

Tabelle: Da gleichzeitig Magdeburg den KSC schlug, bleibt der SVWW mit 62 Punkten auf dem dritten Platz, einen Punkt vor Karlsruhe, aber schon fünf hinter dem FCM, der zudem noch ein Nachholspiel hat. Realistisch betrachtet ist das Thema “direkter Aufstieg” damit erledigt.

Serien und Rekorde: Eine Woche mit drei Niederlagen und dabei dreimal kein Tor geschossen, das gab es unter Rüdiger Rehm noch nie.

Nächstes Spiel: Am kommenden Freitag (19 Uhr) in der Brita-Arena gegen den 1. FC Magdeburg. Nach zuletzt zwei vierten Plätzen scheinen die selbst ernannten “Größten der Welt” diese Saison tatsächlich den Aufstieg zu schaffen – für den SVWW ist es seinerseits wohl die letzte Gelegenheit, dem FCM den zweiten Platz noch streitig zu machen. In bisher fünf Aufeinandertreffen hat der SVWW noch kein Tor gegen Magdeburg erzielt, neben zwei Niederlagen gab es schon dreimal ein 0:0, so auch in der Hinrunde.

Gewinne, Gewinne, Gewinne

Die Saison dauert nur noch wenige Wochen und noch wissen wir nicht, ob der SV Wehen Wiesbaden den ganz großen Preis abräumt und in die 2. Bundesliga aufsteigt, aber schon jetzt steht fest, dass die Teilnehmer unseres traditionellen Tippspiels tüchtig abstauben können. Der Verein war mal wieder großzügig und hat einen ganzen Berg fantastischer Preise gestiftet:

Es gibt (natürlich alles aus der offiziellen SVWW-Kollektion):

  • ein Trikot mit Sonderbeflockung zu Manuel Schäfflers 150. Drittligaeinsatz (Größe L)
  • ein schwarzes Polo-Shirt mit aufgesticktem Logo (Größe M)
  • drei rote T-Shirts mit Aufdruck “SV Wehen Wiesbaden” (Größe L)
  • sechs rote T-Shirts mit Aufdruck zum DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 (Größe XL)
  • ein schwarzer Kapuzenpulli (Kindergröße 116)
  • zwei weiß-goldene Schals
  • ein rot-schwarzer Kinderschal
  • vier kleine Wimpel
  • fünf Pins
  • fünf Feuerzeuge

Das Trikot bietet sich als Hauptpreis an, aber bei den anderen Artikeln kann ich mich gar nicht entscheiden, in welcher Reihenfolge wir das an die Tippspiel-Gewinner verteilen sollen, zumal ja Größen und Vorlieben recht unterschiedlich ausfallen können.

Ich schlage deshalb vor, dass die ersten 15 der Tippspiel-Abschlusstabelle der Reihe nach auswählen dürfen und bitte diese, mich zeitnah nach Saisonende zu kontaktieren (per Mail, Forum, Facebook, Twitter, Blog-Kommentar, völlig egal).

Bis dahin allen Teilnehmern noch viel Erfolg! Und wer bisher noch nicht mitgespielt hat, kann sich trotzdem noch anmelden und ist nächste Saison automatisch mit dabei. Wie man sieht, lohnt es sich.

Vielen Dank an Frau Merten vom SVWW für die großzügige Unterstützung!

Hessenpokal, Halbfinale: TSV Steinbach – SVWW 2:0

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: B-Elf verliert sang- und klanglos.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten: Mit einer komplett veränderten Mannschaft (im Vergleich zum 0:2 gegen Würzburg gab es gleich neun Änderungen in der Startelf) arbeitet sich der SVWW ins Spiel und lässt zu Beginn kaum etwas zu. Nach vorne geht aber auch vergleichsweise wenig, abgesehen von einem Distanzschuss von Reddemann und einer Chance von Diawusie. Ein Doppelschlag nach einer halben Stunde entscheidet dann das Spiel: Zunächst will Akoto zu Torhüter Watkowiak köpfen, der aber bereits auf dem Weg nach draußen ist, um den Ball abzufangen. Der trudelt schließlich quälend langsam ins Tor. Nur Augenblicke später pennt das Team kollektiv, als Steinbach einen Freistoß im Mittelfeld schnell ausführt und mit einer präzisen Hereingabe das 2:0 erzielt. In der Folge ist der SVWW bemüht, kann sich aber nicht entscheidend durchsetzen – Steinbach ist defensiv immer zur Stelle und gewinnt am Ende verdient.

Liebling des Spiels: Michael Akoto. Unglücklich beim Eigentor, aber später mit einigen spektakulären Rettungstaten und insgesamt einer der Lichtblicke. Trotzdem nach Spielende untröstlich. Kopf hoch, Junge!

Szene des Spiels: 29. Minute – Michael Akoto und Lukas Watkowiak mit einer Slapstick-Einlage, die zum 0:1 führt.

Vor dem Spiel: Die erwartete Aufstellung – von der Stammelf wurde ein Großteil für den Endspurt im Aufstiegskampf der 3. Liga geschont.

Nach dem Spiel: 

Das fiel auf:
+ Die meisten Stammspieler wurden für den Aufstiegskampf geschont und erhielten damit etwas Erholung nach den vielen englischen Wochen – einige (z. B. Mintzel, Mockenhaupt, Andrist und Andrich) waren nicht einmal im Kader.
– Von den Reservisten und Langzeitverletzten konnte sich niemand in den Vordergrund spielen. Bei Kandidaten wie Breitkreuz oder Blacha sehr enttäuschend, von Lorch oder Schwadorf, für die es nach jeweils über einem halben Jahr das erste Spiel war, kann man aber natürlich noch keine Top-Leistung erwarten.
+/- Winter-Neuzugang Dominik Martinovic wurde im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt und kam damit zu seinem Pflichtspiel-Debüt für den SVWW.
+/- Die Einwechslungen von Schwadorf und Martinovic, während Schäffler und Brandstetter auf der Bank blieben, zeigten recht deutlich, dass man das Spiel dann doch nicht mit aller Macht gewinnen wollte. Man setzt beim SVWW offensichtlich darauf, über die Liga mindestens Platz 4 und damit den Einzug in den DFB-Pokal zu schaffen.
+ Immerhin vermeidet man so eine mögliche Terminkollision des Pokalfinales (geplant für den 21. Mai) mit eventuellen Relegationsspielen (Rückspiel wahrscheinlich am 22. Mai).

Das schreiben die anderen: WK, Hessenschau

Zuschauer: 1.598, davon rund 150 Gästefans.

Serien und Rekorde: Genau wie in der Liga endet auch im Hessenpokal die Serie nach sechs Siegen mit einem 0:2.

Ansonsten: 

Nächstes Spiel: Am kommenden Samstag (14 Uhr) geht es in der 3. Liga mit einem Auswärtsspiel in Münster weiter. Die Preußen hatten sich ihre Saison sicher anders vorgestellt, hingen lange unten drin, sind aber mittlerweile aus dem Gröbsten raus. Zuletzt gab es ein 0:3 in Karlsruhe. Das Hinspiel gewann der SVWW spektakulär mit 6:2.

3. Liga, 32. Spieltag: SVWW – Würzburger Kickers 0:2

Tore:

Das Spiel in maximal fünf Worten: Mit den eigenen Waffen geschlagen.

Das Spiel in etwas mehr als fünf Worten:
Die Gäste aus Würzburg spielten defensiv sehr kompakt, stellten das Zentrum zu und verschoben sehr zügig und fast lückenlos nach außen. Beim SVWW hatten u. a. Kuhn, Andrist und auch Andrich nicht ihren besten Tag, es gab viele Fehlpässe und Probleme bei der Ballannahme. Die einzige gute Chance vergab Brandstetter nach Flanke von Kuhn. Für den SVWW räumten Dams und Mockenhaupt defensiv alles ab, hatten die Lufthoheit und erstickten die Würzburger Angriffe im Keim. Kurz vor der Pause kassierten die Rot-Schwarzen jedoch noch das 0:1 (siehe Szene des Spiels).
Nach Wiederanpfiff begann der SVWW druckvoll und Mintzel zirkelte einen Freistoß ein paar Zentimeter am Winkel vorbei. Kurz darauf das 0:2 – Mockenhaupt klärte eine Flanke zu zentral und direkt zu Neumann, der den Ball nach der Annahme humorlos volley ins Tor knallte.
Wehen Wiesbaden versuchte es weiter und hätte spätestens in Minute 74 nach einer “3-fach-Chance” den Anschluss erzielen müssen. Doch weder Andrist, noch Diawusie oder Breitkreutz bekamen den Ball aus kurzer Distanz im Tor unter. In der Nachspielzeit dann noch ein nicht gegebenes Tor für den SVWW wegen Abseits – das konnten aber auch die Fernsehbilder nicht auflösen. Wie in Minute 74 herrschte Hochbetrieb vor dem Tor der Kickers, die defensiv wenig zuließen und offensiv ihre wenigen Chancen effizient nutzten.

Liebling des Spiels: Alf Mintzel. Fing defensiv sehr viele Bälle ab, dazu mit viel Dampf nach vorne.

Szene des Spiels: Der Elfmeter für Würzburg. In der Nachspielzeit von Halbzeit 1 spielten die Kickers noch einen langen Ball auf ihre linke Seite. Den Pass vors Tor will Mockenhaupt klären, trifft aber Gegenspieler Baumann am Fuß, der diesen geschickt zwischen Ball und Mockenhaupt stellte und dann laut schreit. Nach kurzer Bedenkzeit pfeift Schiri Bläser Elfmeter. Kolke pariert den halbhohen Schuss problemlos – leider aber zu mittig und genau in den Lauf von dem zu früh gestarteten Goebel, der problemlos einschießt. Kolke regt sich über seine Mitspieler auf, die den Nachschuss nicht verhindert haben. Wir regen uns nach Ansicht der Fernsehbilder aber auch über den Schiedsrichter auf, da der nicht erkannt hat, dass Goebel zwar sehr geschickt, aber regelwidrig 2 Meter früher als alle anderen gestartet ist. Indirekter Freistoß für den SVWW statt Tor für Würzburg wäre die richtige Entscheidung gewesen. [Anmerkung: Korrekt wäre Wiederholung des Strafstoßes, siehe Analyse von Babak Rafati.]

Vor dem Spiel: Hatte der SVWW 6 Spiele in Folge gewonnen, dabei immer mindestens 3 Tore geschossen und war auf Platz 2 geklettert.

Nach dem Spiel: Haben alle Konkurrenten um den Aufstieg gewonnen und die Ausgangslage hat sich deutlich verschlechtert.

Das fiel auf:
+ Alf Mintzel stand defensiv fast immer richtig, dazu sein unermüdlicher Einsatz nach vorne.
– Insgesamt zu wenig Offensivkraft und Ideen, um Würzburgs defensive Ordnung zu knacken.
– Sascha Mockenhaupt agierte bei beiden Gegentoren unglücklich, war maßgeblich beteiligt.
– Diawusie wirkte nach seiner Einwechslung lustlos.
+/- Markus Kolke parierte mal wieder einen Elfmeter, leider waren seine Mitspieler darauf nicht vorbereitet.

Das schreiben die anderen: WK, kicker, Telekom (Video)

Zuschauer: 2.620, davon ca. 350 Gästefans.

Tabelle: Platz 3 mit 62 Punkten.

Serien und Rekorde: Der SVWW bekam den ersten Elfmeter in dieser Saison gegen sich gepfiffen. Und natürlich von Kolke pariert.

Ansonsten: Schon die 3. Heimniederlage. Der SVWW hat auswärts mit 29 Punkten nur 4 Punkte weniger geholt als in der heimischen Brita Arena (33).

Nächstes Spiel: Am kommenden Dienstag (19 Uhr) geht es wie im letzten Jahr im Hessenpokal-Halbfinale nach Haiger zum TSV Steinbach, der in der Regionalliga Südwest aktuell auf Platz 7 steht. In den vorherigen Runden setzte sich Steinbach gegen Türk Gücü Hanau und die Offenbacher Kickers durch. In der Liga geht es für den SVWW am nächsten Samstag in Münster weiter.