Die Wehenschau (KW 21/2026)
Es ist soweit, der letzte Höhepunkt der Saison 2025/26 steht für den SV Wehen Wiesbaden an, und wenn wir ehrlich sind, ist es auch erst der zweite. Während das Ligageschehen ganz überwiegend eine Enttäuschung war, wird man sich am Ende nur an das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München und an die (hoffentlich erfolgreiche) Titelverteidigung im Hessenpokal erinnern. Davor hat der Fußballgott aber noch 90 Minuten (und eventuell ein Elfmeterschießen) gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gesetzt.
Während die Fanszene das Motto „Alle in rot“ ausgerufen hat und der SVWW das auch gerne teilt, wird die Mannschaft hingegen in den neuen, erneut überwiegend in weiß gehaltenen Auswärtstrikots auflaufen. Einerseits ist es ja ganz schön, dass man wie die großen Vereine schon zum Saisonfinale das Trikot der kommenden Spielzeit trägt, und nicht wie in den Vorjahren (insbesondere bei Capelli) bangen muss, ob die neue Ausrüstung überhaupt rechtzeitig zum Saisonstart eintrifft. Andererseits hätte ich es schöner gefunden, dass man – wenn man schon als Heimteam ausgelost wurde – auch in rot bzw. rot-schwarz antritt. Sei’s drum, ob in rot, schwarz oder weiß, einmal noch muss die Mannschaft auf dem Rasen und wir auf den Rängen alles geben.
Zweifellos wird auch Sascha Mockenhaupt in seinem letzten Spiel für den SVWW alles geben, um zum vierten Mal den Hessenpokal zu gewinnen. Am letzten Liga-Spieltag hat er es zum Abschluss auch völlig berechtigt in die Elf des Tages bei Magenta Sport geschafft. In die Elf der Saison wurde wenig überraschend kein Wehener Spieler nominiert.
Der SVWW hat den ersten Neuzugang für die kommende Saison verpflichtet. Vom SSV Ulm kommt der 24-jährige defensive Mittelfeldspieler Max Brandt, der mit Ulm einmal auf- und zweimal abgestiegen ist, wobei Brandt absoluter Stammspieler war. Hoffen wir, dass er nicht das Schicksal von Ivan Franjic, Antonio Jonjic und Suheyel Najar teilt, die in den letzten Jahren jeweils die ersten Sommertransfers waren und sich dann als Enttäuschung entpuppten. Zählen wir lieber darauf, dass Brandt beim SVWW ähnlich erfolgreich wird wie Robin Heußer, der seinerzeit ebenfalls aus Ulm kam und auf derselben Position spielte.
Am vergangenen Wochenende wurde ein weiterer Teilnehmer der kommenden Drittligasaison ermittelt, nämlich der zweite direkte Absteiger aus der 2. Bundesliga neben Preußen Münster. Etwas überraschend landete am Ende Fortuna Düsseldorf auf dem 17. Platz und spielt nach 17 Jahren wieder in der 3. Liga. Der Abstieg der ersten Mannschaft hatte übrigens weitreichende Konsequenzen, angefangen von der eigenen U23 in der Regionalliga bis in die Landesliga. Das Programm „Fortuna für alle“ wird in der 3. Liga übrigens nicht fortgesetzt.
Während Eintracht Braunschweig einmal mehr hauchzart die Klasse sicherte (diesmal nur aufgrund eines einzigen Treffers), muss Greuther Fürth in die Relegation und trifft im Hinspiel heute Abend auf Rot-Weiss Essen. Zweiter in der 3. Liga wurde Energie Cottbus, während der MSV Duisburg und Hansa Rostock in die Röhre schauen. Rostock wird übrigens in der kommenden Saison noch mehr Kilometer schrubben als sonst schon, denn das restliche Teilnehmerfeld ballt sich im Westen und Süden der Republik. Sollte sich Lok Leipzig nächste Woche in den Aufstiegsspielen gegen die Würzburger Kickers durchsetzen, wäre das die einzige Auswärtsfahrt für Hansa, die knapp unter der 400-Kilometer-Grenze bliebe.
Auch wenn es uns nicht direkt betrifft, möchte ich noch einen kurzen Blick nach Elversberg werfen, die tatsächlich den Aufstieg in die Bundesliga geschafft haben. Herzlichen Glückwunsch dazu und das soll auch unserem kleinen Sportverein ein Beispiel sein, was mit konsequent guter Arbeit möglich ist. Besonders freut es mich für Luca Schnellbacher, der vor zehn Jahren noch mithalf, den Wehener Abstieg in die Regionalliga zu verhindern, später selbst den Umweg über die Viertklassigkeit ging, um nun im Herbst seiner Karriere noch zum Erstligaspieler zu werden. Glückwünsche auch an unsere Ex-Spieler Lasse Günther (wie Schnellbacher 28 Einsätze), Tim Boss (Ersatztorwart) und David Blacha (Leiter Lizenzbereich?), während einer der Architekten des Elversberger Erfolgs, Ole Book, ja mittlerweile bei Borussia Dortmund tätig ist.
Was, wann, wo: Hessenpokal, Finale, Samstag, 23. Mai, 16:30 Uhr, in Offenbach gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz
Der Gegner: Die SG Barockstadt ging 2018 aus dem Zusammenschluss des TSV Lehnerz mit der ersten Mannschaft von Borussia Fulda hervor. Nach zwei Hessenmeisterschaften in Folge spielen die Osthessen seit 2022 in der Regionalliga Südwest, wo man sich jeweils mit Platzierungen im Tabellenmittelfeld in der Liga halten konnte. In der gerade abgelaufenen Saison landete das Team von Trainer Daniyel Cimen (als Spieler u. a. bei Eintracht Frankfurt) auf Platz 10. Für das Endspiel hat man sich mit Siegen in Groß-Gerau, Friedberg und Offenbach qualifiziert, wobei man im Viertel- und Halbfinale jeweils im Elfmeterschießen erfolgreich war. Für Fulda-Lehnerz ist es die erste Finalteilnahme, auch der TSV Lehnerz ist nie soweit gekommen, während Borussia Fulda 1993 und 1999 ins Endspiel kam, aber jeweils unterlag. Bekannte Spieler sind die Ex-Profis Hans Nunoo Sarpei (u. a. Greuther Fürth, FC Ingolstadt) und Marvin Pourié (Drittliga-Torschützenkönig beim Karlsruher SC). Beim TSV Lehnerz begann übrigens auch einst Jamal Musiala als Knirps mit dem Fußballspielen.
Der Direktvergleich: Gegen die SG Barockstadt hat der SVWW noch nie gespielt. Gegen den TSV Lehnerz gab es 2014 eine Begegnung im Hessenpokal mit einem mühsamen Wehener 2:1-Sieg nach Verlängerung. Gegen Borussia Fulda hat der SV Wehen zwischen 1995 und 2002 in Oberliga und Regionalliga insgesamt 18 Mal gespielt (7S/7U/4N).
Personelles: Stehle ist wieder einsatzfähig, während Nejad und Hübner fehlen werden. Bei Hübner habe ich mittlerweile Zweifel am offiziell angegebenen Grund „Gehirnerschütterung“, denn dafür dauert es schon ziemlich lange. Vielleicht sollte er auch einfach keine weiteren Einsätze mehr erhalten, um eine automatische Vertragsverlängerung zu vermeiden?
Aufstellungstipp: Stritzel – Mockenhaupt, Gillekens, Lewald, Janitzek, May – Suarez, Gözüsirin – Kaya, Flotho, Schleimer
Nach dem Spiel wird die Saison für den SVWW ein versöhnliches Ende haben – oder im Desaster enden.
Ansonsten: Wer das Spiel nicht live vor Ort verfolgen kann, kann auf sportschau.de den Livestream einschalten oder im TV die Konferenz anschauen.
Entdecke mehr von Stehblog
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.